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African Manga

Ausgabe 301

Foto: Autor

(iz). Seit Ende des Ramadans werden wir daran erinnert, wie sehr die Welt gespalten ist. Einige sagen, sie sei schwarz-weiß. Andere widersprechen und meinen, es gäbe viele Grautöne. Ustadh (Gelehrtentitel) Abdassamad Clarke glaubt, das ist Unsinn. Die Welt sei ein Kaleidoskop voller Farben.

In diesem Monat habe ich zwei Gespräche mit interessanten Frauen geführt. Dieses ist eines mit einem Teenager aus der (südafrikanischen) Kleinstadt Hammanskraal. Mir geht es um die Millionen Farben, welche die menschliche Story ausmachen.

Vor langer Zeit, so eine Legende, baute ein Viehhirte namens Hamman rund 40 Kilometer nördlich von Pretoria einen Palisadenzaun (einen Kraal), um sein Vieh vor Raubtieren zu schützen. So ­erhielt der geografische Raum seinen Namen. In der Umgebung gibt es einige Dörfer, die auch alle den gleichen Namen tragen.

In den späten 1960ern aber wurde hier das Gewerbegebiet Babelegi als Teil eines Vorhabens unter der Apartheid gebaut, mit dem Südafrika industrialisiert werden sollte. Gleichzeitig wollte man die schwarzafrikanische Bevölkerung von den Machtzentren, den Städten, fernhalten. Als Folge hat Hammanskraal heute die städtische Gemeinde Temba.

So entstand eine seltsame Mischung aus ländlich und städtisch, aus Tradition und Modernismus, aus Arbeiterklasse und unterer Mittelschicht sowie aus ­provinziellen und kosmopolitischen ­Ansichten. Manchmal ergänzen sich die Gegensätze. Manchmal treffen sie aufeinander. Und manchmal befruchten sie sich gegenseitig.

„Natürlich ist es möglich“, sagte ich einem Freund. Und fügte hinzu: „Ich muss es überprüfen und lasse es Dich später wissen.“ Das waren die letzten Worte eines Gespräches, der nicht glauben wollte, dass es in Hammanskraal eine aufstrebende Manga-Cartoonistin gibt. Als ich hinzufügte, dass diese Künstlerin ein 14-jähriges Mädchen ist, nannte er mich einen Lügner. Seine Ungläubigkeit war verständlich. Wir leben beide im dörflichen Teil der Region und sind nach dem Standard der Hauptstadt Dorfjungen.

Nicht überraschend wohnt sie in Temba. Ich besuchte sie, um von ihren Hoffnungen zu hören. Nachdem ich an die Tür geklopft hatte, hieß mich ihre Mutter im Wohnzimmer willkommen. Sie war großherzig und rief die Künstlerin. Momente später kam das 14-jährige Mädchen rein, dass so übersprudelnd war, wie es junge Teenager sein sollten.

Islamische Zeitung: Hallo. Danke, dass Du mit uns sprichst. Möchtest Du uns etwas von Dir erzählen?

Refiloe Sono: Mein Name ist Refiloe Angela Sono. Ich bin 14 Jahre alt und wurde in Hammanskraal geboten. Nachdem wir einige Jahre in Polokwane ­lebten, kamen wir zurück und sind immer noch hier. Ich liebe malen und ich wäre gerne einmal eine professionelle Cartoonistin.

Islamische Zeitung: Aber sind Cartoons nicht eher was für Jungs? Wie bist Du dazu gekommen und was ­haben Deine Freunde gesagt?

Refiloe Sono: Sie fanden es cool und haben mich zum Weitermachen ermunternd. Auch meine Lehrer waren eine Hilfe, die mich voranbrachte. Nur meine Eltern machten sich Sorgen. Sie dachten, dass ich das Gleiche wie andere Mädchen tun sollte und nicht, was die Jungs tun. Aber bald verstanden beiden, dass das meine Leidenschaft ist und stärkten mir den Rücken.

Islamische Zeitung: Liebe Refiloe, wie denkst Du über die Unterschiede zwischen Hammanskraal, wo viele arm sind, und Montana (Ort ihrer Schule), wo viele Kinder von ihren Eltern in Luxuswagen chauffiert werden?

Refiloe Sono: Nachdem wir hierher zurückkamen, war das verwirrend. Und ich verstehe es immer noch nicht. Einige sagen, das Problem begann während der Apartheid. Andere meinen, dass es an der korrupten Regierung liegt. Ich bin mir nicht sicher.

Islamische Zeitung: Ein Freund meinte, deine Cartoons seien „weiß“. Was meinst Du dazu?

Refiloe Sono: Meine Freunde sagen das auch. Ich versuche, unsere schwarzen Geschichten Stück für Stück in meine Kunst einfließen zu lassen. Aber das kommt noch. Beispielsweise haben die Charaktere in meiner Arbeit die Frisuren meiner Freunde.

Islamische Zeitung: Alle Deine Heldinnen sind weiblich…

Refiloe Sono: Ja. Ich will zeigen, dass nicht nur Jungen Helden sind, und dass Frauen es auch können. Das ist wichtig.

Islamische Zeitung: Was sind Deine Pläne für die Zukunft?

Refiloe Sono: Ich arbeite gerade an der Qualität meiner Zeichnungen. Später möchte ich nach Japan gehen, um dort professionelle Grafikerin zu werden. Außerdem lerne ich gerade Japanisch im Internet. Einige Sätze wie „wie geht es Dir?“ kann ich schon.

Islamische Zeitung: Das war ein spannendes Gespräch. Danke für Deine Zeit. Ich wünsche Dir viel Erfolg für die Zukunft.

Dieses Interview war nicht nur eine Unterhaltung mit einer 14-jährigen, aufstrebenden Künstlerin. Für mich war sie auch ein Einblick in die Ideen der kommenden Generationen von Südafrikanern und wie sie mit Ihren Herausforderungen und Vorstellungen umgehen.

Der schottische Autor Darren McGarvey meinte, dass weniger wohlhabende Gemeinschaften dazu tendieren, anti-individualistisch zu sein. Sie verlangen von jedem ihrer Mitglieder ein gleichförmigeres Verhalten. Besser gestellte Gemeinschaften ermutigen stattdessen zur Individualität.

Die Schwäche der ersteren Haltung besteht darin, dass sie den individuellen Ausdruck oft erstickt, aber seine gleichmäßige Neigung gefährlich macht. Gleichförmigere Einstellungen machen sich gleichzeitig gefährlicher, denn wenn sie einmal zu dem Schluss gekommen sind, ihre Verhältnisse zu ändern, dann können sie wie eine Lawine zu einer breiten Bewegung werden. Ein Beispiel dafür sind die aktuellen Proteste in den Vereinigten Staaten.

Das Manko des letzteren Modells besteht darin, dass es, obwohl es zur Individualität ermutigt, schwierig ist, die Mittelklasse zu einigen, wenn sie einen sozialen Wandel will. Ein Beispiel dafür waren die „Not in my name“-Proteste, welche den US-amerikanischen und britischen Einmarsch in den Irak unterbinden sollten. Man protestierte und danach ging jeder nach Hause.

Es ist interessant, Künstler wie Dave Chappelle oder Chris Rock in ihrer ­Jugend zu sehen, die sich zwischen beiden Welten bewegen. Vielleicht wird sie in Zukunft durch ihre Arbeiten neue Wege des Verstehens formulieren. Wir können nur spekulieren und hoffen, dass Allah ihren Bleistift führt.

Das Interview führte KO Masombuka.

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