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Auf dem Fahrrad zur Hadsch 2024: Darmstädter hilft sterbenskranken Kindern

Ausgabe 342

Fahrrad
Fotos: A.A. Malik

Abdul-Aleem Malik plant, 5.000 km Landweg auf dem Fahrrad nach Mekka zurückzulegen. Sein Ziel: Spenden für das KinderPalliativTeam Südhessen.

(Commonsplace.de). Der Darmstädter Abdul-Aleem Malik (31) widmet eine 5.000 km lange Hadsch-Fahrradtour seinem verstorbenen Sohn Ibrahim-Khalil Malik. Er kam mit einer sehr seltenen Stoffwechselerkrankung am 10. Juni 2021 zur Welt. Das KinderPalliativTeam Südhessen betreute die Familie Malik vom ersten bis zum letzten Tag. Am 5. September 2022 kehrte ihr Sohn zu Allah zurück.

Abdul-Aleem Malik war so sehr von der Hilfe und Widmung des KinderPalliativTeams begeistert, dass er etwas zurückgeben möchte.

Mit dem Fahrrad sterbenskranken Kindern helfen

Frage: Was hat es auf sich mit dem Namen Abrahams Children?

Abdul-Aleem Malik: Der Name „Abrahams Children – because every moment Matters“ ergibt sich aus dem Hadith, in dem Muhammad Ibrahim in einem Traum sah, wie er sich um die vorzeitig verstorbenen Kinder kümmert, unabhängig vom Glauben der Eltern.

Im April 2024 werde ich vom Darmstädter Waldfriedhof mit dem Fahrrad zur Al-Aqsa-Moschee, nach Khalil zum Grab von Ibrahim und Mekka zur Hadsch radeln. Ihre Rituale gehen auf Abraham zurück.

Frage: Warum sprichst du das Tabuthema Kindertod an?

Abdul-Aleem Malik: Weil wir alle davon direkt oder indirekt betroffen sind – wir alle sind sterblich. Der Umgang mit diesem Thema ist aktuell nicht gesund und sorgt dafür, dass Menschen ihr Fundament unter ihren Füßen verlieren.

Familien, in denen ein Kind palliativ wird, sind oft mit der Situation physisch, psychisch, finanziell, spirituell und sozial überfordert und isolieren sich als Folge. Unheilbar kranke Kinder und Jugendliche benötigen eine aufmerksame und sensible Begleitung und die gesamte Familie braucht kompetente Unterstützung, Stärkung und Zuwendung.

Die Art und Weise, wie wir mit sterbenden Menschen und ihren Angehörigen umgehen, zeigt den Wert der Mitmenschlichkeit. Zuwendung ist das, was wir am Ende des Lebens alle brauchen. Mit der Unterstützung des Projekts leistet die Community einen überaus wichtigen Beitrag dazu, dass Familien ganzheitlich begleitet und unterstützt werden können. Ich bin mir gewiss, dass Glauben helfen kann in solchen Situationen etwas Kraft zu tanken.

Familien helfen – Mitmenschen sensibilisieren

Frage: Was sind deine Ziele und Hoffnungen für die Zukunft dieser Spendenaktion und deiner persönlichen Reise?

Abdul-Aleem Malik: Ich möchte Familien in palliativer Versorgung helfen und gleichzeitig meine Mitmenschen sensibilisieren. Als betroffene Familie war es unser größter Wunsch, unseren Sohn zu uns nach Hause zu bringen, damit ein Stück Normalität als junge Familie einkehrt.

Das Kinder Palliativteam Südhessen betreut Familien mit schwerstkranken Kindern und Jugendlichen zu Hause in der vertrauten Umgebung, sodass die Kinder und Jugendlichen bis zum letzten Moment familiäre Geborgenheit außerhalb des Krankenhauses erfahren können.

Genau aus dieser Motivation möchte ich Spenden in Höhe von 70.000 € für das Kinderpalliativ Team Südhessen sammeln, um auch anderen Familie unvergessliche Momente zu ermöglichen.

Vorbereitung auf einen langen Weg

Frage: Wie bereitet man sich auf so eine Tour vor?

Abdul-Aleem Malik: Meine Vorbereitung unterteilt sich auf die organisatorischen, die physischen und die mentale Vorbereitung. Im Organisatorischen ist insbesondere die Sensibilisierungsarbeit und Öffentlichkeitsarbeit gemeint, mit der ich versuche, Menschen Einblicke in den Alltag, Sorgen und Gedanken von Betroffenen zu geben. Gleichzeitig organisiere ich die Tour, plane die Route, das Equipment und versuche das Öffentliche Interesse zu diesem Projekt zu gewinnen.

Physisch trainiere ich seit dem September ca. vier Mal pro Woche auf meinem Fahrrad Buraq mit Zone II Cardio Training. Ich gleiche mein Radtraining mit Muay Thai und Krafttraining in Leitung eines personal Coaches sowie einem Osteopaten aus.

Mir ist aus meiner Fahrradtour von 2014 (Mannheim nach London) bekannt, dass zwar die Fitness maßgeblich für solch ein Vorhaben eine wichtige Rolle spielt, jedoch ist die Seele, das Herz und der Willen noch viel wichtiger snd. Daher visualisiere ich vor Augen die Bedeutung jeder einzelnen Bewegung, die mich einen Schritt näher an mein Ziel bringt.

„Warum müssen wir auf unser Herz hören?“, fragte der Junge. „Weil du dort, wo dein Herz ist, auch deinen Schatz finden wirst.“

(Der Alchemist)

Frage: Was werden die größten physischen und emotionalen Herausforderungen sein, die du auf deiner Reise meisterst?

Abdul-Aleem Malik: Es wird eine Herausforderung, jeden Tag aufs Neue 150 km Fahrrad zu fahren. Meine 85 kg werden 8 Stunden pro Tag auf meinen Händen, Füßen und meinen Hintern als Gewicht projiziert. Taube Hände, unerträgliche Schmerzen werden mich täglich begleiten, daher ist es umso wichtiger das Ziel Kindern und Familien unvergessliche Momente zu ermöglichen, stets vor Augen zu halten.

Die Höhenmeter und die Kälte in Österreich, dem Balkan und der Türkei werden sicherlich einer der schwierigsten Herausforderungen sowie die knapp 1.000 km durch die Wüste in Saudi-Arabien. Ebenso gibt es Risiken durch Überfälle, Fahrzeuge und wilde Hunde, Bären und Wölfe. Ich bereite mich darauf mit strategischer Routenplanung, Trainings- und Sicherheitsequipment vor. Ich freue mich, alleine meinen Ängsten und Unsicherheiten ausgesetzt zu sein.

Frage: Wie werden die 70.000 Euro Spendengelder eingesetzt?

Abdul-Aleem Malik: Zwar wird die ärztliche und pflegerische Versorgung sterbender Kinder und Jugendlicher von den Krankenkassen übernommen, aber das Zusätzliche, das es braucht, um sie und ihre Familien optimal und ganzheitlich zu betreuen, wird nicht von den Krankenkassen getragen.

Darunter fallen beispielsweise alle sozialrechtlichen Fragestellungen (z.B. Entlastungsleistungen, Pflegestufen, Hilfsmittel etc.) sowie die psychologische Unterstützung auch im Sinne von Entlastungsgesprächen und Bewältigung von Krisen für die betroffenen Kinder und Jugendlichen sowie für Eltern, Geschwister, weitere Angehöriger und Freunde.

Auch die vorgeburtliche (pränatale) Begleitung, wenn ein Kind eine lebensverkürzende Krankheit hat, wird nicht durch die Krankenkassen finanziert. Tiergestützte Therapie mit dem Therapiehund Paula sind ebenfalls von Spenden abhängig.

Frage: Wie kann man dich unterstützen?

Abdul-Aleem Malik: Es gibt viele Wege, wie man helfen kann. Ich bitte um Dua sowie Spenden für das Projekt. Man kann mich ebenso durch Vernetzung und digitaler Reichweite über soziale Medien unterstützen. Die Sensibilisierungsarbeit, Hilfestellungen uvm. wie die Vorbereitung und die eigentliche Tour werden auf Instagram unter Abrahams__Children gepostet. Spenden kann man unter Commonsplace.

Spenden kann man unter Commonsplace:
commonsplace.de/project/abrahamsChildren
www.instagram.com/abrahams__children