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China: Wird Peking vom Krieg profitieren?

Ausgabe 342

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Foto: Royal Court of Saudi Arabia Handout / SPA

China: Der Krieg in Gaza eröffnet Peking neue geostrategische und ökonomische Chancen im Nahen Osten.

(The Conversation). Die Unterstützung der westlichen Welt für Israel bei seinen Angriffen auf den Gazastreifen hat im Nahen Osten und weiten Teilen des „globalen Südens“ Empörung ausgelöst. Von Shaun Narine 

China: Chancen zum Ausbau des internationalen Ansehens

Diese Situation untergräbt das weltweite Ansehen des Westens und bietet China die Möglichkeit, seinen regionalen und internationalen diplomatischen Einfluss zu stärken. Ob und wie Peking diese nutzen wird, bleibt abzuwarten.

Angeführt von den Vereinigten Staaten hat sich der Westen als Verfechter einer „regelbasierten liberalen internationalen Ordnung“ präsentiert, die angeblich die Menschenrechte und globalen Normen schützt. Auf dieser Grundlage hat sich der Westen gegen die Invasion und Besetzung der Ukraine durch Russland ausgesprochen.

Hier wendet er diese Regeln nicht auf Israel und die Palästinenser an. US-Außenminister Antony Blinken sagte, die USA unterstützten eine humanitäre Pause, nicht aber einen Waffenstillstand.

Foto: IMO, via flickr | Lizenz: CC BY 2.0

„Friedhof für Kinder“

Die meisten westlichen Regierungen haben sich hinter Israel gestellt, das einen verheerenden Angriff auf den Gazastreifen gestartet hat. Als Reaktion auf den brutalen Terror der Hamas und die Geiselnahme am 7. Oktober hat Israel Schulen, Krankenhäuser, Krankenwagen, Flüchtlingslager, Bäckereien, Moscheen und Kirchen bombardiert, Stadtviertel dem Erdboden gleichgemacht und Tausende von Menschen getötet, darunter schätzungsweise 40 Prozent Kinder.

UN-Generalsekretär António Guterres sagte: „Der Gazastreifen wird zu einem Kinderfriedhof.“ Man geht davon aus, dass weit über 1.300 Minderjährige unter den Trümmern begraben sind. Die Krankenhäuser brechen zusammen. Im globalen Süden herrscht die Auffassung, dass das Leben der Palästinenser für den Westen praktisch wertlos ist.

Die Bemühungen einiger westlicher Regierungen, öffentliche Demonstrationen zur Unterstützung der Palästinenser zu zensieren und zu kriminalisieren, verleiht dem Handeln des Westens eine weitere Dimension der Heuchelei. Selbst vorsichtige Unterstützungsbekundungen können ausreichen, um die Karriere von Menschen zu gefährden.

Karte Naher Osten Iran Yuan Einfluss

Foto: Shutterstock

Ein Gewinn für China?

In diesem Umfeld bietet der Krieg in Gaza Peking diplomatische und politische Chancen. Aus chinesischer Sicht besteht ein politischer Vorteil darin, dass die USA jede Glaubwürdigkeit in ihrer Kritik an Chinas Umgang mit den Uiguren verloren haben.

Die USA argumentieren, dass Israel das Recht hat, sich vor Terrorismus zu schützen. China hat bei seiner Unterdrückung der Muslime in Xinjiang dasselbe in Anspruch genommen.

China hat ein großes Interesse an der Förderung von Stabilität im Nahen Osten, da etwa die Hälfte seiner Ölimporte aus der Region stammen. Es hat Saudi-Arabien und den Iran bei der Normalisierung ihrer Beziehungen unterstützt.

Vier Länder des Nahen Ostens haben sich den BRICS angeschlossen, dem internationalen Forum der aufstrebenden Mächte der Welt, das von Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika gegründet wurde. Saudi-Arabien erwägt außerdem, Peking Öl in seiner eigenen Währung, dem Yuan, zu verkaufen.

Die USA haben den Wirtschaftskorridor Indien-Mittlerer Osten-Europa gefördert, um ihre Präsenz im Nahen Osten zu verstärken, Israel stärker in die regionale Wirtschaft zu integrieren und dem wachsenden Einfluss Chinas in der Region entgegenzuwirken.

Foto: Mike Mareen, Shutterstock

Arabische Staaten haben kein Interesse an „Eindämmung“ von Peking

Die arabischen Staaten teilen nicht den amerikanischen Wunsch, China einzudämmen. Sie bevorzugen eine multipolare Welt, in der sie mehrere größere Mächte gegeneinander ausspielen und ihren eigenen globalen geopolitischen Einfluss vergrößern können.

Je länger Tel Avivs Angriff auf den Gazastreifen andauert, desto höher steigt die Zahl der zivilen Todesopfer und desto schwieriger wird es für die arabische Welt, mit Israel oder den USA zusammenzuarbeiten, was die Golfstaaten näher an China heranrücken lässt.

Im aktuellen Gaza-Konflikt hat Peking die Notwendigkeit betont, zivile Opfer zu vermeiden, und gleichzeitig die israelische Forderung zurückgewiesen, die Hamas ausdrücklich zu verurteilen. Chinas Position spiegelt den Konsens des globalen Südens wider, der den jüngsten historischen Kontext des Konflikts und die israelische Besetzung Palästinas berücksichtigt.

Foto: pixabay.com, Skeeze

Die USA sind abgelenkt

Der Krieg zwischen Israel und Gaza lenkt die USA von der indopazifischen Region ab, was China zugutekommt. Washington hängt im Nahen Osten fest. Bidens Regierung unterstützt die Zweistaatenlösung des Konflikts, aber diese Lösung ist möglicherweise nicht mehr tragfähig.

Chinas diplomatische Erfolge im Nahen Osten bestanden darin, Staaten zu versöhnen, die auf dem Weg zur Wiederherstellung der Beziehungen waren. Nichtsdestotrotz könnte sich China als die Supermacht positionieren, die sich in zukünftigen Verhandlungen für die Interessen der arabischen Welt und die Perspektive des globalen Südens einsetzt.

Ist China bereit, eine aktivere Rolle im israelisch-palästinensischen Konflikt zu spielen? Es mag versucht sein, die USA in diesem Problem schmoren zu lassen, aber Frieden und Stabilität in der Region kommen Chinas wirtschaftlicher Entwicklung zugute. 

* Dieser Texte wurde auf „The Conversation“ veröffentlicht. Übersetzung und Nachdruck im Rahmen einer Creative Commons-Lizenz.