Frauen enorm betroffen

Ausgabe 291

Foto: World Food Programme

(KNA). Als mir einer unserer Mitarbeiter erzählt hat, dass seine Kinder Maschinengewehre an ihrem jeweiligen Knattern erkennen, sprach das für mich Bände“, sagt Jennifer Bose. Die 31-jährige Nothelferin der Hilfsorganisation Care ist vor wenigen Tagen aus dem jemeni­tischen Aden nach Deutschland heimgekehrt. Hier könne sie endlich wieder ruhig schlafen: „Während meinem vierwöchigen Aufenthalt im Jemen ist keine Nacht vergangen, ohne dass ich Schüsse, Granaten oder Bomben gehört habe, von denen ich nicht wusste, wo genau sie herkamen.“ Der Tod sei allgegenwärtig. „Ich habe mich in dem gefährlichen Land mit meinem eigenen möglichen Tod auseinandergesetzt“, sagt Bose.

Im Jemen kämpft eine von Saudi-Arabien angeführte Militärallianz [die mittlerweile wohl Auflösungserscheinungen zeigt, Anm.d.Red.] seit 2015 an der Seite von Regierungstruppen gegen schiitische Huthi-Rebellen. Sie wird unter anderem von den USA, Frankreich und Großbritannien unterstützt.

Für Mitarbeiter von Hilfsorganisationen ist es laut Care-Informationen „extrem schwer“, in die Kriegsgebiete einzureisen – und auch gefährlich. Um Boses Aufenthalt überhaupt möglich zu machen, waren demnach etwa zwei Jahre Vorbereitungszeit notwendig.

Vor Ort sei es dann auch eine „große Herausforderung“ gewesen, berichtet sie: „Ich musste als Frau jeden Tag komplett ­verschleiert sein, um nicht von jedem als Nothelferin erkannt zu werden“. Nur so habe sie zu manchen notleidenden Frauen und Mädchen überhaupt Kontakt aufnehmen können. „Im Krieg müssen besonders die Frauen leiden, da ihre Rechte weiter aufgehoben werden.“ Mütter müssten sich, weil ihre Männer getötet wurden, um die Kinder kümmern und zudem Geld verdienen.

Flucht, Tod und Vertreibung seien weiterhin an der Tagesordnung. Ein Flüchtlingscamp aus Zelten sei für viele „schon eine Verbesserung“, da die Menschen oft „lange unter freiem Himmel ausharren“. Bose hat eine klare Botschaft von ihrer Reise mitge­bracht: „Es braucht eine politische Lösung für den Jemen, sonst gibt es dort keinen nachhaltigen Frieden für die Menschen“, mahnt sie. „Die Weltöffentlichkeit, die Vereinten Nation und jedes Land stehen hier in der Verantwortung“, sagt Jennifer Bose.

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