In den letzten Jahrzehnten kannte man den „Gotteskrieger“ nur von der Berichterstattung aus entlegenen Kriegsgebieten – den Bergen Afghanistans, Einöden des Zweistromlands oder von den Äußerungen christlicher Endzeitsekten in der westlichen Welt.
(iz). Das hat sich gewandelt. Dieser Typus und die mit ihm verbundenen Vorstellungen von Kreuzzügen, dem Reich Gottes auf Erden bzw. einem „Gottesstaat“ ist nicht mehr nur offenkundigen Extremisten und Sekten vorbehalten.
Mit der zweiten Amtszeit von US-Präsident Trump, dem Erstarken nationalreligiöser Kräfte in Israel und dem gemeinsamen Angriff beider Länder auf den Iran hat sich dies verschärft.

Foto: The White House | gemeinfrei
In den vergangenen Wochen fielen Wortmeldungen und Begriffe, die im Westen sonst nur aus extremen Zirkeln bekannt sind – etwa KI-generierte Bilder aus Trump-nahen Kreisen, die ihn als irdischen „Heiland“ darstellen.
Der Irankrieg 2026 wird in den USA maßgeblich von christlich-nationalistischer Rhetorik geprägt, die an Kreuzzugsslogans wie „Deus vult“ (Gott will es) erinnert.
Verteidigungsminister Pete Hegseth, bekannt für Tattoos mit dem Jerusalemkreuz und Kreuzfahrer-Motto, betete öffentlich für „überwältigende Gewalt gegen jene, die kein Erbarmen verdienen“ und forderte Gebete „im Namen Jesu Christi“ für militärischen Sieg.
Die Military Religious Freedom Foundation meldet seit Beginn der Operation „Epic Fury“ über 200 Beschwerden aus US-Militärbasen. Kommandeure deuten den Konflikt in Bildern eines Endzeitkampfes mit Trump als „von Jesus gesalbtem“ Führer, der Armageddon einleitet.
Evangelikale in den USA sehen bewaffnete Auseinandersetzungen wie den Irankrieg als Zeichen für eine apokalyptische Schlacht, und nicht als Konsequenz einer interessengeleiteten Politik. Frieden im Nahen Osten sei unmöglich, Eskalation notwendig.

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Prediger wie John Hagee rufen zur bedingungslosen Unterstützung Israels auf, um den „göttlichen Plan“ zu erfüllen. Er kommentierte den Krieg positiv („Wir sind genau im Zeitplan“).
Während manche Stimmen Deutschland im Griff einer „Islamisierung“ wähnen, findet in den USA in Echtzeit eine fundamentalistische Unterwanderung statt. Nicht nur gab es seit der erneuten Übernahme durch Trump eine „Säuberung“ in der Generalität.
Unter Verteidigungsminister Hegseth wurden Beschlüsse wie „Making the Chaplain Corps Great Again“ umgesetzt, die Militärseelsorger mit religiösen Insignien ausstatten und wöchentliche Bibelstunden fördern. Er bezeichnete sie als das „spirituelle Rückgrat“ der Armee.
