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Kairos „Stadt der Toten“ ist in Gefahr

Ausgabe 371

kairo stadt der toten
Foto: Konstantin/Adobe Stock

An den Morgen religiöser Feiertage versammeln sich die Ägypter zwischen den Gräbern in Kairos „Stadt der Toten“, einer sechs Kilometer langen mittelalterlichen Nekropole am Fuße der Mokattam-Hügel.

(The Conversation). Sie pflegen damit eine langjährige Tradition des Gedenkens und der Ehrung ihrer verstorbenen Angehörigen. Auch wenn man erwarten könnte, dass diese Zeremonie von Stille geprägt ist, sind die engen Gassen des Ortes voller Leben, während die Bewohner ihren alltäglichen Routinen nachgehen. Von Lamya Elsabban

Die Stadt der Toten, deren Ursprünge bis ins 7. Jahrhundert zurückreichen, gehört seit 1979 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Sie entstand einst als Begräbnisstätte, entwickelte sich aber im Laufe der Zeit zu einem komplexen, bewohnten Stadtgebiet.

Heute leben dort Generationen von Familien, die die Bauwerke des Friedhofs zu Wohnräumen für den Alltag umgestaltet haben.

Die „Stadt der Toten“ spiegelt verschiedene Epochen der ägyptischen Geschichte wider. Ihr frühislamischer Charakter zeigt sich in den Kuppelgräbern, Moscheen, Schreinen und Grabanlagen, die oft um Innenhöfe mit kunstvoll behauenen Steindetails herum angelegt sind und durch schmale Wege und Gänge miteinander verbunden sind.

Im Laufe der Zeit wurde die Nekropole zur Heimat für Hunderttausende Menschen, die nach einem Wohnort suchten. Viele wurden durch den Mangel an bezahlbarem Wohnraum in Kairo sowie durch die zentrale Lage angezogen, die den Zugang zu Arbeitsplätzen und zum Stadtleben erleichtert.

Bis heute geben Familien Geschichten von dieser Gegend über Generationen weiter. Um sich über Wasser zu halten, sind sie auf Kleinunternehmen und informelle Arbeit angewiesen, wie zum Beispiel die Pflege von Gräbern, den Betrieb von Cafés und Kiosken oder die Fortführung traditioneller Schnitz- und Handwerkskünste.

Obwohl diese UNESCO-Stätte Jahrhunderte architektonischer und sozialer Geschichte in sich vereint, ist sie aufgrund fortlaufender städtebaulicher Maßnahmen zunehmendem Druck von außen ausgesetzt.

Im Jahr 2020 beschloss die ägyptische Regierung, ein Netzwerk aus Straßen und Brücken durch das Gebiet zu bauen, um das Zentrum von Kairo mit der neuen Hauptstadt zu verbinden, einer noch jungen Stadt etwa 60 km östlich.

Foto: dejank1/Adobe Stock

Die Stätte ist derzeit nur teilweise geschützt und anerkannt. Dies liegt zum Teil daran, dass nahegelegene historische Gebiete als touristisch wertvoller angesehen werden, und besser zu den offiziellen Vorstellungen von der Stadt passen.

Infolgedessen ignorieren große Entwicklungsprojekte oft die soziale, kulturelle und alltägliche Bedeutung der Totenstadt als einen Ort, an dem Menschen weiterhin leben und Traditionen pflegen.

Abgesehen vom Verlust von Gebäuden werden zusätzlich langjährige Bewohner zum Wegzug gezwungen, was etablierte soziale Netzwerke und die Lebensgrundlagen vor Ort zerstört.

Aktivisten, NGOs, Denkmalschutzexperten und Anwohner konnten im Jahr 2024 einige Abbrucharbeiten vorübergehend stoppen, darunter in Teilen des nördlichen Friedhofs rund um den Sultan-Qaytbay-Komplex sowie in Bereichen von Bab al-Nasr und Sayyida Aisha. Trotz dieser Pause wurden die Abrissarbeiten später im selben Jahr jedoch wieder aufgenommen.

Während Kairo sich weiter modernisiert, befindet sich die Nekropole in einer schwierigen Lage: Sie steht im Spannungsfeld zwischen dem Druck zur Stadtentwicklung, der Notwendigkeit, ihre Geschichte zu bewahren, und den Rechten der dort seit langem ansässigen Gemeinschaft.

Die Stadt der Toten ist ein einzigartiger und empfindlicher Ort, an dem Gräber, Alltag und kulturelle Gepflogenheiten nebeneinander existieren.

Was sie so besonders macht, sind nicht nur ihre historischen Gebäude, sondern auch die Art und Weise, wie die Menschen dort weiterhin wohnen und ihre Traditionen täglich am Leben erhalten.

* Im Rahmen einer CC-Lizenz übersetzt und veröffentlicht.

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