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Iranische Kulturgüter im Visier der Kriegsparteien

Ausgabe 370

kultur iran
Foto: Mahdi Hajzade/Unsplash

Kulturgüter im Visier: Nach den gemeinsamen Attacken der USA und Israels auf den Iran am 28. Februar wurde das Land wiederholt angegriffen.

(The Conversation). Diese Angriffe, die angeblich auf die nuklearen und raketentechnischen Fähigkeiten des Staates abzielten, haben auch zivile Opfer gefordert und Schäden an Kulturstätten verursacht. Von Katayun Shahandah

Luftangriffe naher geschichtlicher Stadtteile in Teheran und Isfahan haben Denkmäler beschädigt, die seit Jahrhunderten erhalten geblieben sind. 

Die Verluste machen deutlich, wie Krieg nicht nur Leben gefährden kann, sondern ebenso das historische Gedächtnis, das in Städten und Landschaften verankert ist. Als iranische Kunsthistorikerin ist es für mich doppelt schmerzhaft, mitanzusehen, wie sich diese Ereignisse in meinem Land abspielen.

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Der Iran verfügt über eine der weltweit reichhaltigsten Konzentrationen an altehrwürdiger Architektur und städtischem Kulturerbe. Der Staat beherbergt 29 UNESCO-Welterbestätten. Sie umfassen einen Zeitraum von mehr als zwei Jahrtausenden – von antiken Kaiserstädten über islamische Stadtensembles bis hin zu Wüstenstädten.

Doch Denkmäler, die Jahrhunderte voller Invasionen, politischer Umbrüche und Regimewechsel überstanden haben, sind in modernen Konflikten weiterhin gefährdet.

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Selbst wenn Kulturerbestätten nicht gezielt angegriffen werden, können Explosionen, Brände und Schockwellen in der Nähe empfindliches Mauerwerk, glasierte Kacheln und dekorative Innenausstattungen beschädigen.

In der Hauptstadt Teheran haben Luftangriffe zwei bedeutende historische Stätten beschädigt: den Golestan-Palast und den Großen Basar. Die erste Bau, der zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört, diente im 19. Jahrhundert als zeremonielle Residenz der Kadscharen-Dynastie.

Seine Säle zeichnen sich durch kunstvolle Spiegelmosaike, bemalte Kacheln und einen architektonischen Stil aus, der persische Traditionen mit europäischen Einflüssen verbindet.

Er reflektiert eine Zeit, in der sich das damalige Persien intensiver mit künstlerischen Strömungen aus aller Welt beschäftigte.

Der Basar von Teheran ist weit mehr als nur ein Geschäftsviertel. Wie viele historische Marktanlagen im gesamten Nahen Osten fungiert er als lebendiger städtischer Organismus, der Handel, religiöse Institutionen und das gesellschaftliche Leben miteinander verbindet.

Historisch gesehen hat er eine wichtige Rolle in den politischen Bewegungen des Iran gespielt. Er war maßgeblich an der Revolution von 1978/79 beteiligt, als die Basarhändler den späteren Führer der Islamischen Republik, Ayatollah Ruhollah Khomeini, unterstützten.

Foto: Hossein Zohrevand/Tasnim News Agency/Wikimedia Commons

Die Unruhen haben Isfahan erfasst, eine der bedeutendsten historischen Metropolen des Iran und Hauptstadt der Safawiden während einer Blütezeit der Kunst, Architektur und des Handels.

Unter Schah Abbas I. wurde die Stadt zu einem kaiserlichen Zentrum für Kultur und Stadtplanung umgestaltet, dessen Herzstück der Naqsch-e-Jahan-Platz bildet – ein monumentaler Komplex aus Moscheen, Palästen und Basaren, der den Beinamen Nesf-e Jahan – „die halbe Welt“ – erhielt.

Die Schäden in Isfahan sind besonders besorgniserregend, da der Ort einen zentralen Platz in der architektonischen und kulturellen Geschichte des Iran einnimmt.

Er erlebte im 17. Jahrhundert als Hauptstadt der Safawiden eine Blütezeit und ist bis heute eine der bedeutendsten Residenzstädte der muslimischen Welt.

Selbst begrenzte Schäden in dieser historischen Stadt geben Anlass zu großer Sorge. Dekorative Elemente wie Fliesenarbeiten, Wandmalereien und Spiegelmosaike gehören zu den empfindlichsten Bestandteilen der Safawiden-Architektur. Sind sie einmal verloren, lassen sie sich nur äußerst schwer wiederherstellen.

Die Denkmäler des Iran sind nicht nur archäologische Stätten oder Touristenattraktionen. Sie sind Teil einer Kulturidentität, die durch jahrtausendealte künstlerische, literarische und architektonische Traditionen geprägt ist.

Städte wie Shiraz, Isfahan und Yazd sind eng mit der Dichtung von Persönlichkeiten wie Hafez und Ferdowsi verflochten. Ihre Werke prägen das kulturelle Leben im Iran bis heute.

* Übersetzt und veröffentlicht im Rahmen einer CC-Lizenz.

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