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Hintergründe zur muslimischen Identität

Foto: Kay Fochtmann, Adobe Stock

Das Thema dieses Beitrages ist muslimische Identität. Wie Sie sicherlich wissen, gewinnt diese Thematik gerade in Zeiten der Globalisierung, weltweiten Krisensituationen und Migration immer mehr an Bedeutung. Und der Islam und die Muslime stehen auch in den letzten Jahren im Fokus von Mediendiskussionen, politischen Debatten und wissenschaftlichen Studien. Von Elham Shourouk

(iz). In meinem Beitrag möchte ich auf folgende Punkte eingehen. Zunächst erläutere ich den Begriff der Identität aus sozialkulturwissenschaftlicher Sicht, danach befasse ich mich mit dem Konzept der muslimischen Identität aus religionswissenschaftlicher Perspektive, seiner Bedeutung, Komponenten und Merkmalen. Im Anschluss stelle ich meine Gedanken und mein Verständnis über die Selbstbeschreibung „Muslim“ dar. Schließlich, in den letzten zwei Punkten meines Beitrages, nenne ich Herausforderungen für muslimische Identität und zeige Wege zu ihrem Erhalt.

Muslimische Identität: Bedeutung, Komponente und Merkmale

Identität geht auf das lateinische Wort „idem“ zurück und bedeutet eben derselbe. Unter Identität kann man eine Beschreibung und Konstruktion verstehen (Bohn/Hahn 1999: 37; Hahn 1997: 117).

Wenn man sein Selbst beschreibt, wer man ist, dann identifiziert man sich mit Gemeinschaften, denen eine Person sich zugehörig fühlt und mit Rollen, Werten und Eigenschaften, die seine Identität konstituieren.

Die Selbstbeschreibung ist eine Orientierung am eigenen Selbst und ist gleichbedeutend mit Ich-Identität oder personale Identität. Jene wird qualitativ bestimmt, d.h. kommt durch Beschreibungen des Selbst oder einer anderen Person zustande und wird dann „qualitative Identität“ genannt (Straub 2004: 283). Die Beschreibungen sind je nach Verhältnis des Beschreibenden zum beschriebenen Subjekt zu unterscheiden. Es ist die Frage, ob man sich selbst beschreibt oder von anderen beschrieben wird.

Zur Identitätsbildung muss der Mensch imstande sein, einem Reflexionsprozess über sich und seine Beziehung zur sozialen Welt durchzuführen. Identität als Festschreibung, als Kontinuität des Subjekts, sowie als Wechselbeziehung zwischen einem eigenen Subjekt und einem von äußeren „soziokulturellen Zwangs- und Gewaltverhältnissen“ gesteuertes Subjekt, ist ein soziales Konstrukt (vgl. Straub 2004: 277f. 279).

Wenn man sich selbst als etwas beschreibt, dann bezieht man sich zugleich auf das Andere, indem man eine Differenz zu diesem Anderen herstellt. Wenn man sich zum Beispiel als Muslim identifiziert, dann grenzt man sich gleichzeitig von anderen Religionsgemeinschaften ab.

Identität bleibt eine „Aspiration“; man hat sie als Idee in der Vorstellung und versucht durch Sprechen und Handeln diese imaginierte Identität, sich selbst und den Anderen zu präsentieren, aber sie gänzlich zu realisieren, ist nicht möglich: „Identität meint eine aspirierte, angestrebte, imaginierte Identität, und als solche trägt sie zur Konstitution des Handlungspotentials einer Person bei und motiviert sie zu bestimmten Verhaltensweisen. Identität ist ein normativer, sozialer Anspruch, den Personen an sich und andere stellen können, wohl wissend, dass niemand diesen Anspruch jemals zu erfüllen in der Lage ist.“ (Straub 2004: 280f.)

Wichtig ist noch bei dieser Begriffsbestimmung der Identität, zu ergänzen, dass jede Selbstbeschreibung Alterität also Andersartigkeit fordert. Wenn man sagt, was man ist, muss man dies in Abgrenzung von dem tun, was man nicht ist. (Hahn 1994)

Begriff der Identität

Die muslimische Identität ist die Summe aller Komponenten, die ein Muslim von allen anderen unterscheidet. Sie bedeutet den Glauben an der islamischen Weltgemeinschaft; der Umma und zugleich den Stolz zu empfinden, dieser Gemeinschaft anzugehören.

Unter ihr versteht man auch, den zivilisatorisch-kulturellen Errungenschaften und dem Wertesystem der islamischen Gemeinschaft Respekt zu erweisen. Sie bedeutet zudem, die Rituale auszuüben und diese gesellschaftlich sichtbar zu machen. Dies Identität stellt zudem eine der Erscheinungsformen für das Festhalten am Islam als Gedanke, Glaube und Lebensansatz dar.

Eine muslimische Identität zu haben, heißt schlicht für den Muslim ,das Gefühl zu empfinden, privilegiert und different zu sein. Darüber hinaus ist sie mit der Aufgabe der Übermittlung der friedlichen Botschaft des Islams verbunden.

Ihre Elemente sind jene intellektuellen und emotionalen Charakteristika und Verhaltensmerkmale, die eine große Anzahl von Individuen in einer muslimischen Gesellschaft gemeinsam haben. Und sie nehmen die Form eines charakteristischen Musters ein, das sie von anderen unterscheidet.

Komponenten muslimischer Identität

Erstens die Religion: Mit diesem Begriff ist sowohl der Glaubenssatz als auch das Recht gemeint. Sie bildet eines der wichtigsten Elemente, die die Kultur muslimischer Gesellschaften prägt sowie die Werte der Menschen, ihre Verhaltens- und Denkmuster, Gewohnheiten, Traditionen und Auffassungen bestimmt. Darüber hinaus stellt sie das starke Band dar, das die Völker der muslimischen Welt verbindet und Harmonie und Eintracht zwischen Menschen unterschiedlicher Farben und Sprachen bewirkt: Jeder Muslim in der Welt glaubt an Allah als Gott und an den Islam als Religion und Muhammad als den gesandten Propheten. Der Islam bildet eine umfassende Religion, deren Glauben und Gesetz auf Wahrheit und Gerechtigkeit beruht. Und viele Gesetzgebungen, welche das Menschenleben der Muslime organisieren, gehen von den Lehren dieser Religion aus.

Zweitens die arabische Sprache: Sie ist das zweite Element, auf die sich die islamische Identität stützt. Sie ist die Sprache des Heiligen Quran. Der Allmächtige sagte in den Versen 192 bis 195 der Sure ash-Shura: „Und gewiss, er ( der Quran ) ist eine Hinabsendung des Herrn aller Schöpfung, mit dem der vertrauenswürdige Geist herabgekommen ist, dir ins Herz, damit du warnst, in deutlicher arabischer Sprache.“

Die arabische Sprache ist mit der islamischen Religion eng verbunden. Wenn die Umma ihre Sprache verlieren würde, dann würde die Religion schwächen und das Verständnis ihrer Anhänger von der Bedeutung ihrer Lehren würde ebenso verloren gehen. Und somit würde die Identität dieser Religion gefährdet sein.

Wir können sagen, dass das Arabische der Behälter ist, der die Kultur der muslimischen Gesellschaft umfasst. Sie ist das wahre und authentische Mittel, mit dem der Muslim seine Geschichte und alten Literaturquellen zum Ausdruck bringt.

Drittens die Geschichte: Sie stellt die Verbindung zwischen den Mitgliedern einer Gemeinschaft einerseits und der Gesellschaft und anderen Gesellschaften andererseits dar. Und sie ist die Quelle ihrer Vergangenheit, ihrer Gegenwart und ihrer Zukunft. Sie enthält glänzende Seiten, die jeden Muslim stolz machen und ihn prahlen lassen, dieser Religion anzugehören.

Viertens das geistige und kulturelle Erbe: Diese Komponente bedeutet die materiellen und moralischen Erzeugnisse, die sich aus der Interaktion der islamischen Umma mit ihrer Umgebung ergeben haben, in der sie entstanden ist. Die Fakten, Ereignisse und Erfahrungen, die über die Zeit hinwegreichen, bezeugen das islamische Kulturerbe. Bis heute sind historische Bauten erhalten geblieben, die einen Bruchteil dieser Zivilisation darstellen. Und man kann genauer die Architektur Andalusiens als einfaches Beispiel für den islamischen architektonischen Erben einführen.

Ich komme nun zu den Merkmalen muslimischer Identität: Zunächst ist es von Bedeutung zu erwähnen, dass ein Teil der muslimischen Identität zu sein für ein Muslim eine Pflicht bedeutet und keine freiwillige oder empfehlenswerte Angelegenheit ist (vgl. Sure Al-A’raf: Verse 158).

Sie ist die Identität des Glaubenssatzes und zu der gehört jeder Muslim, egal wo er ist, wie er aussieht oder welche Sprache er spricht. Die Angehörige des Islam haben ihre eigenen Vorgaben, die sie unter einem einzigen Namen und Glauben kennzeichnet. Sie heißen nämlich alle Muslime und haben den Islam als Religion: „Gewiss, diese ist eure Gemeinschaft, eine einzige Gemeinschaft, und Ich bin euer Herr; so dient Mir!“ Sure Al-Anbiya, Verse 92

Aufgrund dass die muslimische Identität alle Komponenten beinhaltet, die die Voraussetzungen einer Identität bilden, kann sie als vollständig bezeichnet werden.

Sie greift alle Aspekte der Persönlichkeit auf und gibt ihrem Träger ein Ziel sowie definiert seine Funktion und Bestimmung im Leben. (Vgl. Sure Al-An`am, Verse 162,163)

Die muslimische Identität ist auch ein Grund zum Stolz und zur Selbstachtung: „Wir haben ja ein Buch zu euch hinabgesandt, in dem eure Ehre liegt. Begreift ihr denn nicht? “ Sure Al-Anbiya , Verse 10

Ein weiteres Merkmal ist, dass sie sich von den anderen Religionen unterscheidet. Um diesen Unterschied jeder Zeit aufrechtzuerhalten und hervorzuheben, hat Gott uns verpflichtet, ihn jeden Tag und jede Nacht in unseren Gebeten zu rufen, dass er uns auf den geraden Weg führt, der sich von den Wegen anderer unterscheidet (Sure Al-Fatiha, Verse 6,7).

Schließlich verknüpft die muslimische Identität Ihre Anhänger mit einem starken Band: Sie stellt Loyalität und Zuneigung unter ihnen her. Und sie bindet sie mit der Bindung der Brüderlichkeit und Unterstützung. (vgl. die Suren Al-Hujurat, Verse 10, Al-i-Imran, Verse 103).

Die Selbstbeschreibung „Muslim“

Nach dieser Darstellung der muslimischen Identität möchte ich einige Gedanken über das Verständnis der Selbstbeschreibung „Muslim“ mit Ihnen teilen und ich kann Ihnen bereits jetzt ankündigen, dass es mir dabei um Erkennen statt Verkennen geht.

Die Fundamente des Islams; das heilige Buch der Quran und die Sunna, welche die überlieferten Taten und Aussprüche des Propheten Muhammad und sein Brauch umfasst, beschreiben beide die Identität, die ein Muslim haben sollte. Die Islamvorschriften legen fest, wie das ideale Menschenbild, das ein Muslim verkörpert sein sollte.

Es gilt nicht nur, die muslimische Identität zu haben, sondern auch diese zu verstehen, sich ihren Komponenten bewusst zu werden und mit ihren Merkmalen vertraut zu machen.

Als Muslim muss man sich selbst erkennen, behaupten und sich weiterentwickeln. Die Erkenntnisse über sich selbst als Menschen und Muslim sind ein wichtiges Konstrukt der muslimischen Identität. Das Wissen über die Identität gewinnt man durch einen Bearbeitungsprozess, der aus Aneignung und Abgrenzung besteht. Wenn ein Muslim über sich selbst vieles oder einiges weiß, dann eröffnet man die Möglichkeiten der Kooperation, des Austausches bzw. des Kulturaustausches und der Völkerverständigung.

Muslime können sich im Rahmen des friedlichen Dialogs als solche Gemeinschaft behaupten, die produktive Veränderungen in ihrem sozialen Umfeld hervorrufen und die Teilhabe an gesellschaftlicher und Kultureller Entwicklungen haben.

Es genügt nicht, Muslim zu sein, sondern es stellen sich die Fragen, welche islamischen Identitätsmerkmale sind mir als Muslim bewusst, wofür stehe und werbe ich als Muslim und wie baue ich meine Persönlichkeit und Charaktereigenschaften auf.

Wenn ein Muslim seiner Identität bewusst wird, dann ist ein Selbstreflexionsprozess wichtig bei der Identitätsbildung. Der Muslim insbesondere in fremdkulturellen Gesellschaften muss in der Lage sein, nach seiner Ich-Identität zu fragen; d.h. ein Prozess des Nachdenkens über sich selbst und seine Beziehung zum sozialen Umfeld durchzuführen. Der Bezug der eigenen Ich-Identität zum Kollektiv hilft, sich mit der kulturellen und sozialen Identität auseinanderzusetzen. Schließlich strebt man eine Einheit zwischen personeller und kollektiver Identität an.

Die Auseinandersetzung mit dem, was eigen und fremd ist, hilft bei der Konstitution und Erneuerung der Identität. Genauso spielt wie bereits erwähnt das Ausbalancieren zwischen Innen und Außen bzw. zwischen eigenen und soziokulturellen fremden Ansprüchen eine Rolle zur Wahrung personeller und kollektiver Identität. Wie möchte man sein und werden, darauf baut und bildet man seine Identität.

Aber man muss erstmals seine muslimische Identität verstehen. Es gibt Muslime, die ihrem Dasein fremd gegenüberstehen. Deshalb müssen Muslime Ihre Identität erkennen, um anerkannt zu werden. Denn es gibt einen Zusammenhang zwischen Anerkennung und Identität.

Die Verkennung der Identität löst interkulturelle Konflikte aus. Der Kampf um Anerkennung birgt in sich den Wunsch, dass die Differenz einer Kultur oder Religion respektiert und geschätzt wird. Interkulturelle Begegnungen werden dann produktiver, wenn man Differenzen erläutert und zur Achtung solcher Differenzen bewegt bzw. den Wert einer Kultur und Religion betont. Es gilt für ein Muslim dialogische kommunikative Beziehungen zu verstärken und mit dem Kollektiv einer Gesellschaft auskommen zu können.

Der normale Muslim nimmt sich selbst und sein Umfeld wahr und bringt sein Handeln mit seinem Ich und seiner Umgebung in Übereinstimmung.

Herausforderungen für die muslimische Identität

Ich möchte nun einen weiteren Punkt besprechen, nämlich Herausforderungen für die muslimische Identität. Ich sehe sie vor allem in der Integration in Gesellschaftssysteme und in der Globalisierung.

Es besteht ein Misstrauen gegenüber Islam in Europa und es gibt immer wieder Stimmen, die äußern, dass er die eigene gesellschaftliche Ordnung gefährde. Dabei handelt es sich bei genauerer Betrachtung um ein Phänomen des kollektiven Unterbewusstseins. Viele Menschen sind der Auffassung, dass die muslimischen und die abendländischen Zivilisationen, schwer zu vereinbaren sind. Viele Angehörige beider Zivilisationswelten sind der Auffassung, dass der Islam und der Westen inkompatibel sind.

Wir finden einerseits Europäer, die ihren langen bekannten Blick auf den Islam als etwas dem Westen Bedrohliches nicht einfach aufgeben. Und mit Muslimen gern das Bild der Ignoranz und Gewalt verbinden.

Anderseits weigert sich ein Teil europäischer Muslime, sich in die Gesellschaft zu integrieren. Mehrere nennen als Hauptgrund, dass es zu starke kulturelle Unterschiede gäbe.

Man kann sagen, dass die in Europa lebende Muslime mehr oder weniger bewusst stolz auf ihre Identität sind, zumal sie sich auf den Zeitraum der Geschichte beziehen, in der die muslimische Zivilisation vor westlicher Zivilisation drei Jahrhunderte angedauert hat: Sie erinnern sich an jene Zeiten, als berühmte Denker und Wissenschaftler berühmt waren. Sie betrachten es daher als legitim, zu dieser Zivilisation zu gehören und beabsichtigen, ihre Kultur zu bewahren, wenn sie sich in Europa niederlassen.

Aber damit Muslime Integration bewirken, müssen sie neben ihrer muslimischen Identität eine gemeinsame Identität mit der Gesellschaft, in der sie leben und agieren, finden.

Die westliche Zivilisation hat viele positive Seiten und sie ist eine starke Zivilisation. Muslime haben die Aufgabe, sich mit ihr auseinanderzusetzen. Der Gedanke, man lehnt einfach den Westen mit der Begründung ab, dass es nicht behebbare Differenzen gebe, ist falsch.

Islam als Religion fördert den Dialog mit anderen Kulturen und Religionen und bittet seine Anhänger, den Frieden im Glauben offen zu zeigen und ihn Anderen zu übermitteln.

In dieser Hinsicht können Muslime zum Beispiel eine Rolle bei der Suche nach Lösungsansätzen für gesellschaftliche Problematiken einnehmen. Das heißt, die Religion des Islam ist gegen die Haltung, dass Muslime eine Exklusionsidentität übernehmen sollen.

Die muslimische Identität ist fähig, sich in fremdkulturelle gesellschaftliche Systeme zu integrieren. Nur muss der Muslim eine Kohärenz herstellen zwischen dem, was er im Kern als Muslim verkörpert und dem, wie er als Muslim nach Außen seine Identität repräsentiert.

Die zweite Herausforderung ist Globalisierung. Auch Muslime fürchten in diesem Zusammenhang um ihre eigene kulturelle Identität. Viele Gelehrte fordern den Schutz muslimischer Identität vor den Risiken der Globalisierung. Dabei verlangt die Globalisierung von uns ein interkulturelles Wissen, damit wir andere Kulturen verstehen und eine gegenseitige Anerkennung stattfinden kann

Wege zum Erhalt der muslimischen Identität

Dem letzten Punkt meines Beitrages widme ich der Darstellung von Möglichkeiten, die den Erhalt muslimischer Identität gewährleisten.

Die muslimische Identität lässt sich über verschiedene Wege bewahren. In erster Linie ist zu betonen, dass Muslime darauf achten müssen, den wahren islamischen Glauben und alle islamischen Rituale aufrechtzuerhalten. Darüber hinaus müssen sie die arabische Sprache bzw. die Sprache des Korans bewahren und an allen tugendhaften islamischen Sitten festhalten.

Im Einzelnen kann man folgende Wege einschlagen:

  • 1. Förderung der Integration der islamischen Religion im Westen: Natürlich spielen die Repräsentanten dieser Religion bzw. Muslime eine wichtige Rolle zur Durchführung dieser Bestrebung. Ich bin hierzu von der Idee geleitet, dass muslimische und westliche Zivilisation miteinander im Sinne der Erhaltung des Friedens und der Stabilität kooperieren.
  • 2. Für den positiven Islam werben: Menschen, die ihm angehören, müssen sich für ein positives Islambild in Medien und in politisch-gesellschaftlichen Diskurs einsetzen.
  • 3. Die Leistungen islamischer Zivilisation und ihre positive Auswirkungen auf andere Zivilisationen hervorheben.
  • 4. Jungen Muslimen beibringen, dass man Stolz auf die islamische Identität und auf diese Religion sein kann. Zugleich darf die Wichtigkeit einer gemeinsamen Identität in der Gesellschaft und in der Welt zu finden, beim Erziehungs- und Bildungsprozess nicht fehlen. Das Erzielen einer interkulturellen Verständigung muss Muslimen im Allgemeinen und nicht nur den Jugendlichen unter ihnen eine Selbstverständlichkeit werden, denn die interkulturelle Verständigung ist an der menschlichen Vernunft orientiert und sie fördert die tolerante Sicht.
  • 5. Institutionen schaffen, die sich mit der Wahrung des Dialogs und dem Schutz der islamischen Identität befassen. Es bleibt für Sie, das angestrebte Ziel zu erreichen, den befangenen Blick auf den Islam zu korrigieren und aktiv für das Islambild als eine reine tolerante Religion einzutreten. Ferner können sie mit Skeptikern diskutieren, um die Ursachen für die Ungleichgewichte bei der Aufnahme der Kultur und Religion herauszufinden.

Zum Schluss kann noch betont werden, dass muslimische Identität heute mit der Präsenz des Islams und der Muslime besteht und dass Muslime mittlerweile aufgrund ihrer Anzahl und Nationalität ein Teil der europäischen Gesellschaften sind. Um eine positive Integration in solchen Gesellschaften zu bewirken, müssen sie sich zunächst mit ihrer muslimischen Identität vertraut machen. Die Gemeinden und die Gesellschaften, in denen Muslime leben, müssen Vorurteile beseitigen, gegenseitige Ängste überwinden, um einen echten Dialog aufzubauen, der gesellschaftlichen Pluralismus fördert und kulturelle und religiöse Unterschiede respektiert.

Viele Muslime möchten, unter Beachtung der europäischen Rechtsordnung ihre Religion einfach ausleben und ihre Kultur und Religionszugehörigkeit offen zeigen. Sie sind Muslime, die die Prinzipien des Islam gut kennen, in der Praxis umsetzen. Zugleich vertreten sie die Haltung, dass man für Gerechtigkeit, Respekt für Pluralismus und mehr Solidarität eintritt.

Literatur
Al-Ani, Khalil Nouri Musayher: „AlHuwiyyah Alislamiyyah fi zaman AlAawlama Altaqafiah (dt. die islamische Identität im Zeitalter der kulturellen Globalisierung), Bagdad: Diwan Alwaqf AlSuni, 2009: 45-55
Bohn, Cornelia/ Hahn, Alois: Selbstbeschreibung und Selbstthematisierung: Facetten der Identität in der modernen Gesellschaft, in: Willems, Herbert/Alois, Hahn (Hg.): Identität und Moderne, Frankfurt a.M.: Suhrkamp 1999, S. 33-62
Hahn, Alois: Die soziale Konstruktion des Fremden. In: Walter M. Sprondel, 1994: Die Objektivität der Ordnungen und ihre kommunikative Konstruktion. Frankfurt a.M.: Suhrkamp S. 140-163
Hahn, Alois: Partizipative Identitäten, in: Herfried, Münkler: Furcht und Faszination. Facetten der Fremdheit, Berlin: Akademie Verlag 1997, S. 115-158
Straub, Jürgen: Identität, in: Friedrich Jaegen/ Burkahard Liebsch: Handbuch der Kulturwissenschaften. Grundlagen und Schlüsselbegriffe, Bd. 1, Stuttgart: Metzler 2004, S. 277-303.

Weiterführende Literatur
Amara, Muhammad: Makhader AlAawlama ala AlHuwiyyah Altaqafiah (dt. die Risiken der Globalisierung für die kulturelle Identität), Nahdah Misr litibaraah 1999
Al-Azmeh Aziz, Effie Fokas: Islam in Europe: Diversity, Identity and Influence, Cambridge University Press 2007
Schmied-Kowarzik, Wolfdietrich: Verstehen und Verständigung: Ethnologie- Xenologie- interkulturelle Philosophie: von. 2002, Königshausen & Neumann, S. 15-26, S. 273-289, S. 162-170

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