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Warum ist der Qur’an für Muslime unnachahmlich?

Foto: Khairur Rijal Pauzi, Shutterstock

(iz). Der Qur’an steht im Mittelpunkt der islamischen Religion. Er ist für die Muslime ein Wunder und erhebt den Anspruch, unnachahmlich gegenüber anderen Büchern zu sein. Die Unnachahmlichkeit des Qur’an wurde in der islamischen Welt erstmal im 19. Jahrhundert ein wichtiges Thema, mit dem sich die muslimischen Gelehrten intensiv auseinandersetzten. Es erlebte im 21. Jahrhundert seine goldene Zeit.

Dem Gelehrten al-Baqilani zufolge konnten die Muslime seine Einzigartigkeit nicht ausreichend erklären. Aus diesem Grund verfasste er im 19. Jahrhundert sein berühmtes Werk mit dem Thema „I’dschaz al-Qur’an“. Dieses Werk wurde erstmal im Jahre 1315 in Kairo gedruckt und wird in der muslimischen Welt bis in die Gegenwart hochgeschätzt. Über seinen Inhalt wurde in der Vergangenheit und wird bis heute viel geschrieben und diskutiert.

Das Buch Allahs ist dem islamischen Glauben zufolge die wörtliche Offenbarung Gottes. Der Erzengel Gabriel vermittelte dem Propheten Muhammad den Qur’an durch Verbalinspiration. Er empfing die erste Offenbarung im Jahre 610 im Alter von 40 Jahren in Mekka und die letzte 632 in seinem Todesjahr in Madina. Der Qur’an wurde innerhalb von 23 Jahren in arabischer Schrift herabgesandt. Er besteht aus 114 Suren. Diese bestehen wiederum aus einer unterschiedliche Anzahl von Versen.

Er ist eine Erinnerung und Ermahnung an die Menschen. Er erinnert an die Grundbotschaft aller Propheten, an das Bekenntnis zum Glauben an den einzigen Gott und die Pflicht zum Gehorsam gegenüber dem Willen Gottes. Für die Muslime ist eine wirkliche, genaue Übersetzung in andere Sprachen unmöglich, weil jede Übersetzung zugleich eine Interpretation beinhaltet. Daher gilt er nur in Arabisch als solche und endgültige Quelle. Übersetzungen solche nicht als solche bezeichnet werden, sondern sie gelten als ungefähre Bedeutung.

Im Buch Allahs wird der göttliche Ursprung der Offenbarungen immer wieder betont. Die Menschen sind nicht in der Lage ein ihm ebenbürtiges Buch hervorzubringen. „Sprich: Gesetz den Fall, die Menschen und die Dschinn tun sich (alle) zusammen, um etwas beizubringen, was diesem Koran gleich(wertig) ist, so werden sie das nicht können. Auch (nicht), wenn sie sich gegenseitig (dabei) helfen würden.“ 17: 88

Seine Einzigartigkeit kann wie folgt beschrieben werden:

Scharfa-Theorie: Das Wort bedeutet entweder die Aufhebung der Fähigkeit, eine Angelegenheit zu beginnen; oder falls man sie beginnt, wird die Verwirklichung der Angelegenheit verhindert. Das Buch Allahs kann von Menschen sprachlich und stilistisch nicht nachgeahmt werden, weil Gott den Menschen diese Begabung genommen hat.

Sprache und Stil: Das Arabisch wird im Qur’an auf höchstem Niveau benutzt. Der Qur’an enthält keinerlei sprachlichen Fehler.

Inhalt: Der Qur’an beinhaltet keine widersprüchlichen Aussagen. Obwohl er innerhalb von 23 Jahren sukzessiv hinabgesandt wurde, und die einzelnen offenbarten Verse zu unterschiedlichen Suren gehörten, sind alle Suren im vollen Einklang.

Kenntnis des Verborgenen: Das Buch Allahs berichtet über Ereignisse der Vergangenheit und der Zukunft.

Wissen: Er vermittelt enormes Wissen in vielen Bereichen. Dieses Thema ist im 21. Jahrhundert besonders aktuell geworden.

Soziales Umfeld: Der Prophet war Analphabet. Ein solcher konnte dieses Buch aus seiner eigenen Kraft nicht hervorbringen. Der Qur’an wurde in einem Zeitraum und Umfeld hinabgesandt, in dem die Offenbarungen mit sehr begrenzten Möglichkeiten niedergeschrieben werden konnten. Trotz dieser Schwierigkeiten konnte er seinen ursprünglichen Inhalt bewahren.

Al-Baqillani verfasst einer Überlieferung zufolge 55 Werke. „I’dschaz al-Qur’an“ war sein erstes Buch, das gedruckt wurde. Er kam wahrscheinlich 941-42 in Basra zur Welt und starb 1013 in Bagdad. Er befasste sich überwiegend mit der Kalam-Wissenschaft, wurde aber auch als Autorität in der Hadith-Wissenschaft, islamischer Jurisprudenz (Fiqh), Rechtswissenschaft (Usul al-Fıqh), Qur’an-Exegese (Tafsir), Religions- und Rechtsschulengeschichte (Madhhab) anerkannt.

Er ging im Jahre 977 von Bagdad aus zur Teilnahme an den theologischen Diskussionen nach Schiras in Iran. Er wurde 982 mit einer diplomatischen Mission in das Byzantinische Reich nach Konstantinopel gesandt. Sein übriges Leben verbrachte er in Bagdad, wobei er zeitweise ein Kadi-Amt innehatte. Al-Baqillani gehörte zu malikitischen Rechtsschule und spielte eine enorme Rolle bei der Durchsetzung der theologischen Lehre von al-Ascha’riyya. Dadurch konnte er zur Verbreitung der ascha’ritischen Lehre in Nordafrika beitragen.

„I’dschaz al-Qur’an“ besteht aus 18 Kapiteln, die sich in ihren Umfängen sehr unterscheiden. In den ersten zwei Kapiteln führt der Imam den Wundercharakter des Qur’an für Muhammads Prophetentum als wichtigsten Beweis an. Obwohl der Prophet die Mekkaner herausforderte, „sie sollten versuchen, ein Buch wie den Qur’an hervorzubringen“, konnte niemand das schaffen. Al-Baqillani beschreibt ab dem dritten Kapitel seines Werkes die unerreichbaren Eigenschaften des Qur’an: Erzählungen über Verborgenes, fehlende Lesefähigkeit des Propheten, unnachahmliche sprachliche, literarischer Stil vom Buche Allahs.

Ab dem vierten bis sechzehnten Kapitel wird seine literarische Überlegenheit thematisiert und beschrieben. Im fünften und sechsten Kapitel wird betont, dass er keine Dichtung sei. Im neunten Kapitel werden die Predigten, Briefe und Gedichte des Propheten, seiner Gefährten, der nachfolgenden Generation und der Dichter aus literarischer Sicht überprüft. Es wird betont, dass solche Schriften nicht dem Qur’an gleichkommen und deshalb nicht als ein solches Wunder anerkannt werden können. Die letzten drei Kapitel beinhalten einige ergänzende Informationen zum Thema und die Empfehlungen des Verfassers an die Leser.

Imam Al-Baqillani zog zwar für sein Werk aus den Theorien der Gelehrten al-Hattabi und ar-Rummani Nutzen, aber er kritisierte sie auch. Al-Baqillani zufolge wird die qur’anische Einzigartigkeit mit seiner unerreichbaren Ausdrucksweise uns seinen schönen Versen bewiesen, die sich von geistlichen und profanen Angelegenheiten, Erzählungen, Poesie und Prosa unterscheiden. Der Gelehrte führte die Predigten des Propheten, der ersten vier Kalifen und der Prophetengefährten an, um zu beweisen, dass der Qur’an kein menschliches Wort sei. Er machte hinsichtlich des literarischen Aspekts grundlegende Feststellungen.

Zeitgenössische Wissenschaftler kritisierten Al-Baqillani wegen seiner Einwände gegenüber älteren Gelehrten und seiner andersartigen Meinungen zur arabischen Sprache. Diese Kritik konnte aber den Wert seins Werkes aufgrund mangelnder Qualität nicht niederschlagen. Die Gefährten des Propheten und die darauffolgende Generation befassten sich nicht mit der Unnachahmlichkeit des Qur’an, weil sein Ausnahmscharakter für sie eine eindeutige Tatsache war. Der Prophet Muhammad ist dem islamischen Glauben zufolge der letzte Prophet. Er wurde herabgesandt, um sein Prophetentum zu bestätigen. Er ist das größte Wunder, das der Prophet Muhammads hervorbrachte.

Al-Baqillani zufolge soll die Unnachahmlichkeit des Qur’an mit großer Aufmerksamkeit zur Kenntnis genommen werden, denn das Prophetentum Muhammads beruht auf diesem Wunder. Dieses ist nicht das einzige Wunder des Gesandten Allahs. Sein Prophetentum wurde noch durch andere bestätigt. Diese geschahen zu besonderen Zeiten und in Situationen bei besonderen Menschen. Einige wurden nur mündlich ununterbrochen überliefert. Dadurch entstanden die heutigen Kenntnisse der Muslime über die Wunder, die der Prophet Muhammads hervorbrachte. Andere wurden auf besondere Art und Weise überliefert, sodass sie von einer großen Menge Menschen gesehen wurden.

Sollte diese Wunder von den Menschen geleugnet werden, dann sollte diese Verleugnung durch Muslime beseitigt werden. Ihre Aussagen sollten es so nicht gemacht werden, weil sie nicht die Wahrheit überliefern. Es gibt auch noch einige Wunder, die aus dem Blick eines einzigen Menschen überliefert wurden. Was den Qur’an betrifft, so ist er ein allgemeines Wunder. Er wurde zu allen herabgesandt. Obwohl er für alle Menschen offenbart wurde, wurde seine Unvergleichlichkeit in den ersten zwei Jahrhunderten nicht erforscht.

Für al-Baqillani konnten weder die Gelehrten der ersten Zeit noch die des neunten Jahrhunderts diese Unnachahmlichkeit ausreichend erklären. Aus diesem Grunde verfasste er „I’dschaz al-Qur’an“. Gott sandte Muhammad als Propheten und machte Sein Buch zu einem Wunder. Er baute Muhammads Prophetentum auf mehrere Phänomene und Zeichen auf. Al-Baqillani erwähnt in seinem Werk einige von diesen Zeichen und führte mehrere al-Baqillani Verse an, um zu zeigen, dass der Qur’an eine Wunder des Propheten Muhammads ist. Der folgende Vers lautet wie folgt:

„(Dieses ist) eine Schrift, die wir (als Offenbarung) zu dir hinabgesagt haben, damit du die Menschen mit der Erlaubnis ihres Herrn aus der Finsternis ins Licht hinausbringst, auf den Weg dessen, der mächtig und des Lobes würdig ist.“ 14; 1

Gott sandte den Qur’an hinab, damit die Menschen den rechten Weg finden sollten. Wenn das nicht so wäre, wäre er kein Beweis. Wenn das Buch Allahs kein Beweis wäre, wäre er kein Wunder.

Ein anderer Vers lautet: „Und wenn einer von den Heiden dich um Schutz angeht, dann gewähre ihm Schutz, damit er das Wort Gottes hören kann!“ 9; 6

Wenn der Qur’an kein Beweis wäre, würde der Hörer nicht verstehen, was er hörte. Dieser Beweis wäre sonst kein Wunder.

Gott teilt Folgendes mit: „Und er (d.h. der Qur’an) ist vom Herrn der Menschen in aller Welt (als Offenbarung) herabgesandt. Der zuverlässige Geist hat ihn herabgesandt dir ins Herz, damit du ein Warner seist. (Er ist) in deutlicher arabischer Sprache.“ 26; 192-195

Der Wissenschaftszweig „Unnachahmlichkeit des Qur’an“ ist für Muslime auch in der Gegenwart ein aktuelles Thema. Im türkischsprachigen Raum wurde darüber Folgendes berichtet: Die Wunder der Propheten vor Muhammad galten in einer begrenzten Zeit für bestimmte Völker an spezifischen Orten. Mit dem Tod des jeweiligen Propheten gingen auch sie verloren. Nur die Erzählungen über diese Wunder blieben übrig. Die darauffolgenden Generationen konnten diese nicht sehen. Im Verlauf der Geschichte schwanden aus diesem Grund die Einflüsse der Propheten auf die Menschen. Im Unterschied zu den ehemaligen Propheten wurde der Prophet Muhammad zur Menschheit mit der ewigen Schrift geschickt. Seine Wunder werden bis zum jüngsten Tag bestehen.

Die qur’anischen Verse, die al-Baqillani anführt, bringen diesen Anspruch deutlich zum Ausdruck. Der Gesandte Allahs soll nicht nur die Muslime, sondern die Menschen aus der Finsternis ins Licht und auf den richtigen Weg bringen. Das Buch Allahs wurde in aller Welt als Offenbarung herabgesandt. Aus diesem Grunde ist der Qur’an die letzte göttliche Schrift und Muhammad der letzte Prophet.

Fazit: Ein Buch muss nicht unbedingt die Eigenschaft der Einzigartigkeit tragen, weil es einen göttlichen Ursprung hat. Auch die Bücher, die Gott den Propheten vor Muhammad sandte, erheben diesen Anspruch nicht. Die muslimischen Wissenschaftler, die sich mit dieser Theorie befassten, begründen aber die Unnachahmlichkeit des Qur’an mit seinem göttlichen Ursprung.

Gott forderte Nichtmuslime heraus, die das Prophetentum Muhammads und den göttlichen Ursprung des Qur’an leugneten, ein dieser Offenbarung ebenbürtiges Buch hervorzubringen. Diese Herausforderung ist eine der wichtigsten Theorien dieser Debatte und ein wichtiger Beweis für diese Unnachahmlichkeit. Die Menschen bis in die Gegenwart konnten, kein einziges dem Buch Allahs ebenbürtiges hervorbringen. Immerhin wurde er bis in die Gegenwart in ursprünglicher Form aufbewahrt.

Das Buch Allahs ist für Muslime Gottes unmittelbares, unverfälschtes Wort. Er wird ihn bis zum Jüngsten Tag vor Veränderungen und Schande schützen. Sein Buch ist für Muslime unnachahmlich, weil er Gottes Buch ist. Die Menschen können nur menschliche Worte verfassen.

Literaturverzeichnis
– AL-BAQILLANI: Abu Bakr Muhammad b. aṭ-Ṭaiyib : Iʿgaz al-Qur’an, Kairo o. J.
– BİRIŞIK, Abdülhamit: Kur’an. Tarifi und İsimleri, in: Diyanet İşleri Vakfı İslam Ansiklopedisi, 26 (2002) S. 383; 388
– GÖLCÜK, Şerafettin: Art. Baqillani, in: Diyanet İşleri Vakfı İslam Ansiklopedisi 4 (1991) S. 531-525
– GÖLCÜK, Şerafettin: Art. İ’cazül-Kur’an, S. 407
– KHOURY, Theodor Khour: Der Koran. Erschlossen und kommentiert von Adel Theodor Khour, 2. Auflage, Düsseldorf 2006
– KONAKLI, Numan: İ’cazül-Kur’an İlminin Doğuş Süreci, İstanbul 2006
– PARET, Rude: Der Koran. Die Übersetzung von Rudi Paret, Stuttgart 2007
– YAVUZ, Yusuf Şevki: Art. İ’cazül-Kur’an. Kur’anı Kerim’in erişilmez üstünlüğünü ifade eden terim, bu konuda yazılan eserlerin ortak adı, in: Diyanet İşleri Vakfı İslam Ansiklopedisi, 21 (2000) S. 531-525

Ein Kommentar zu “Warum ist der Qur’an für Muslime unnachahmlich?

  1. „Aus diesem Grund verfasste er im 19. Jahrhundert sein berühmtes Werk mit dem Thema „I’dschaz al-Qur’an“. Dieses Werk wurde erstmal im Jahre 1315 in Kairo gedruckt…“ Erst gedruckt, Jahrhunderte später erst verfasst – Wunder gibt es, die gibt’s gar nicht…

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