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Jemen geht uns alle an

Ausgabe 335

Jemen
Foto: Islamic Relief Deutschland

Die Lage in Jemen ist katastrophal. Die internationale Gemeinschaft darf nicht länger passiv bleiben.

(IPS). Während der Jemenkrieg in sein neuntes Jahr tritt, stehen seine Menschen vor einer humanitären Krise von erschreckenden Ausmaßen. Als Oxfams Jemen-Direktor habe ich erster Hand die Folgen dieser Katastrophe erlebt. Verschlimmert wird sie durch wirtschaftlichen Kollaps und einen scharfen Anstieg der Lebenshaltungskosten. Von Farran Puig

Foto: Husam Alqoliaa, Shutterstock

Die Welt ist für den Jemen verantwortlich

Über 17 Millionen Jemeniten erleben ein hohes Maß an Lebensmittelunsicherheit; 75 Prozent davon Frauen und Kinder. Die Lage wird weiter verschlechtert durch die globale Nahrungskrise. Als Folge stehen Millionen vor dem Risiko eines katastrophalen Hungers.

Der aktuelle Konflikt hat seine Wurzeln im Arabischen Frühling 2011, als Massenproteste zum Sturz des langjährigen Präsidenten Ali Abdullah Saleh führten. Sein Nachfolger, Abdrabbuh Mansur Hadi, bemühte sich, eine Reihe von Problemen wie Korruption, Arbeitslosigkeit und Ernährungsunsicherheit anzugehen.

Jemen Sanaa

Foto: Yarr65, Adobe Stock

Katastrophe begann mit einem Machtkampf

Im Jahr 2014 übernahmen die Huthi-Rebellen die Kontrolle über große Teile des Landes, darunter die Hauptstadt Sanaa.

Dieser Krieg ist geprägt durch unzählige Verletzungen des internationalen Völkerrechts. Dazu gehören unterscheidungslose Angriffe auf die zivile Infrastruktur. Hinzukommen Einsatz von „Kindersoldaten“ sowie Zwangsmaßnahmen, welche Hilfslieferungen beeinträchtigen. 

Der 26. März dieses Jahres markiert das achte Jahr, seitdem die bewaffnete Auseinandersetzung im Jemen eskalierte. Nach dem Auslaufen eines von der UNO vermittelten Waffenstillstands im Oktober befindet sich das Land in einer prekären Lage. Er hat zwar größtenteils gehalten, doch die politische und wirtschaftliche Zukunft bleibt ungewiss.

Foto: WFP, Asma Waguih

UN: schon 337.000 Tote

Nach UN-Schätzungen (2021) sind bereits 337.000 Menschen gestorben. Ursache dafür sind der Konflikt sowie verbundene Aspekte wie der Mangel an Nahrung, Wasser und Gesundheitsversorgung. Millionen wurden intern vertrieben. Heute brauchen mehr als 21,6 Millionen Jemeniten (zwei Drittel der Bevölkerung) humanitäre Hilfe und Schutz.

Die Bedeutung von internationaler Unterstützung bei akuten Krisenlagen kann nicht überschätzt werden. Sie stellen eine Lebenslinie für die betroffene Bevölkerung dar. Hilft ihnen bei der Erfüllung grundlegender Bedürfnisse und gibt Hoffnung auf eine Zukunft. In Krisenzeiten kann sie den Unterschied zwischen Leben und Tod ausmachen.

Wir können nicht zulassen, dass die Geberstaaten einer der schwersten humanitären Krisen den Rücken zuwenden. Es ist an der Zeit, dass die Staats- und Regierungschefs echten Druck ausüben, um Kriegsparteien wieder an den Verhandlungstisch zu bringen, damit sie dem Konflikt ein dauerhaftes Ende setzen können.

Sie müssen auch dafür sorgen, dass die Stimmen der am stärksten Marginalisierten – vor allem die der Frauen – einbezogen und gehört werden. Die internationale Antwort war unzureichend. Trotz eines wachsenden Bedarfs war das Welternährungsprogramm gezwungen, die Menge seiner Hilfslieferungen zu verringern.

Die Lage in Jemen ist katastrophal. Die internationale Gemeinschaft darf nicht länger passiv bleiben. Wenn wir uns an den Ausbruch des Konflikts erinnern, müssen wir an die Millionen Jemeniten denken, die weiterhin leiden.