Neues Buch zur Geschichte der „Türkentaufen“ Ein Kompendium der tragischen Schicksale
Geschichte ist retrospektive Interpretation, die in uns, die im kollektiven Gedächtnis fortlebt. Dieses Fortleben der Interpretation vermag sich einerseits zu wandeln und progressiv zu wirken, birgt jedoch andererseits die Gefahr, geschichtsklitternd Gegenwart zu vereinnahmen. Dies illustriert als Standardwerk im besten, ersteren Sinne dieses Buch als Verneigung vor den orientalisch-deutschen Lebenswegen zwischen Fremdheit, Hoffnung, Gehen und […]
13.10.2022 Mieste Hotopp-Riecke 14 Min. Lesezeit
Foto: Irina Savchuk, Freepik.com
Geschichte ist retrospektive Interpretation, die in uns, die im kollektiven Gedächtnis fortlebt. Dieses Fortleben der Interpretation vermag sich einerseits zu wandeln und progressiv zu wirken, birgt jedoch andererseits die Gefahr, geschichtsklitternd Gegenwart zu vereinnahmen. Dies illustriert als Standardwerk im besten, ersteren Sinne dieses Buch als Verneigung vor den orientalisch-deutschen Lebenswegen zwischen Fremdheit, Hoffnung, Gehen und Bleiben.
(iz). Was dies meint, zeigt zum Beispiel der Gebrauch der Anführungszeichen in vorliegendem Band. Wenn anstatt von Türken ohne Anführungszeichen ausschließlich von „Türken“ in Anführungszeichen geschrieben wird, ist dies keine Lappalie oder eine Zumutung an die Leserschaft, sondern folgt hier stringent rezenten Ethnizitätsdiskursen. Denn während das Benutzen von Türkin, Türke oder Türken als nur eine Facette der Realität des osmanischen Vielvölkerreiches eine nicht vorhandene ethnische Homogenität vorspiegeln würde (und dies in eher nationalistischen Publikationen auch durchaus so intendiert ist), signalisieren die Anführungsstriche, dass eben nicht sicher zu eruieren ist, ob wir – in den Einzelfällen vorliegenden Handbuches zum Beispiel – von einem tscherkessischen Sipahi aus dem Kaukasus, einer kurdischen Marketenderin aus Aleppo, bulgarisch-stämmigen Janitscharen oder arabischen Söldnern aus Jemen oder dem Maghreb ausgehen können. Die Diversität des Osmanischen Vielvölkerstaates ist in den Taufeinträgen der letzten Jahrhunderte nicht abgebildet und dechiffrierbar.
Weiterlesen mit dem IZ+ (Monatsabo)
Mit unserem digitalen Abonnement IZ+ (Monatsabo) können Sie weitere Hintergrundbeiträge, Analysen und Interviews abrufen. Gegen einen Monatsbeitrag von 3,50 € können Sie das erweiterte Angebot der Islamischen Zeitung sowie das ständig wachsende Archiv nutzen.
Abonnenten der IZ-Print sparen beim IZ+ Abo 50%.
Wenn Sie bereits IZ+ Abonnent sind können Sie sich hier einloggen.
* Einfach, schnell und sicher bezahlen per Paypal, Kredit-Karte, Lastschrift oder Banküberweisung. Das IZ+ Abo verlängert sich automatisch um einen Monat, wenn es nicht vorher gekündigt wurde. Sie können ihr bestehendes Abo jederzeit auf der Mein Konto-Seite kündigen.