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Die Pilgerfahrt nach Mekka erreicht ihren Höhepunkt

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Für Millionen ist es der Höhepunkt des Lebens: Die Pilgerfahrt nach Mekka versammelt ab Freitag wieder Muslime von Nigeria bis Indonesien an der Kaaba.

„Und Wir wiesen Ibrahim die Stelle des Hauses zu: ‘Geselle Mir nichts bei und reinige Mein Haus für die den Umlauf Vollziehenden, die aufrecht Stehenden, sich Verbeugenden und die sich Niederwerfenden. Und rufe unter den Menschen die Pilgerfahrt aus, so werden sie zu dir kommen zu Fuß und auf vielen hageren Reittieren, hager gemacht durch die lange Reise, von jedem entfernten Ort kommend, damit sie Nutzen für sich erfahren und den Namen Allahs an bestimmten Tagen über dem Aussprechen, womit Er sie mit Opfertieren versorgt hat. Esst davon und speist die Armen und die Bedürftigen. Dann sollen sie ihren Zustand der Vernachlässigung beenden, ihre Eide erfüllen und das Alte Haus umkreisen.’“ (Al-Hadsch, Sure 22, 24-27)

Bonn/Riad (KNA/iz). Es ist gefährlich heiß in Mekka, sogar für arabische Verhältnisse. Das saudische Gesundheitsministerium warnt vor Beginn der islamischen Wallfahrt in die Heilige Stadt am Freitag vor Temperaturen bis 48 Grad.

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Hitze, Durst und Belastung – Herausforderungen für die Organisation der Pilgerfahrt

Sprecher Muhammad Al-Abdulaali sieht große Herausforderungen auf die Massen der Pilger und die Organisatoren zukommen. Schirme gegen die Sonne, ausreichend Wassertrinken und häufige Ruhepausen im Schatten seien unbedingt erforderlich.

Das Königreich tue alles, um den Gläubigen ihren Aufenthalt so schonend wie möglich zu gestalten. Vorgesehen sind mehr klimatisierte Zelte, Luftbefeuchter und große Mengen Trinkwasser.

Schon 2023 litten die Teilnehmer der Pilgerfahrt, arabisch Haddsch, unter extremer Hitze. Mindestens 240 Menschen starben, wobei Saudi-Arabien keine Angaben zu den Todesursachen machte; Tausende kollabierten wegen der hohen Temperaturen.

Häufig trifft es Ältere, die viele Jahre auf die Reise gespart haben, um in der Geburtsstadt des Propheten Mohammed den spirituellen Höhepunkt ihres Lebens zu erfahren und ihre religiöse Pflicht zu erfüllen.

Doch der sechstägige Vollzug der Riten, die teils schon auf vorislamische Zeiten zurückgehen, erfordert körperliche Fitness.

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Wie läuft die Hadsch ab?

Die wichtigsten Bestandteile sind: Das Fassen der Absicht, das Eintreten in den Ihram-Zustand (bei Männern verbunden mit dem Anlegen des Pilgergewandes), der Tawaf Al-Ifada (das siebenmalige Umschreiten der Ka’ba am Ende der Hadsch-Riten), das Laufen zwischen den Hügeln Safa und Marwa (Sa’i), das Stehen auf der Ebene von ‘Arafa zur Zeit der Hadsch, und, wobei die Meinungen dazu verschieden sind, das ­Steinigen der Säulen von ‘Aqaba.

Es gibt drei Arten der Verrichtung der Hadsch: Hadsch Al-Ifrad, wobei nur die Hadsch-Riten vollzogen werden; Hadsch Al-Qiran, die die Hadsch Al-Ifrad mit einer ‘Umra verbindet, wobei man dazwischen den Ihram anbehält; und Hadsch ­Tamattu’, wobei man zuerst eine ‘Umra und dann die Hadsch verrichtet, dazwischen aber den Ihram ablegt. Die malikitische ­Rechtsschule bevorzugt die Hadsch Al-Ifrad, die hanafitische die Hadsch Al-Qiran. Bei der Hadsch Al-Ifrad entfällt das bei den beiden anderen Arten erforderliche Schlachtopfer. Die Sunna-Handlungen der Hadsch, die nach dem Vorbild des Propheten während dieser durchgeführt werden sollen, sind zu umfangreich, um hier vollständig dargestellt zu werden.

Am Freitag begeben sich die Teilnehmer zunächst in den Weihezustand (Ihram): Männer legen das weiße Pilgergewand an; Frauen dürfen ihr Gesicht nicht mehr verhüllen. Rasieren sowie das Schneiden von Haar und Nägeln ist nun verboten. In der Heiligen Moschee von Mekka umkreisen die Menschen siebenmal die Kaaba.

Ein anderer wesentlicher Teil des Ihram ist die Talbija. Das ist das Rufen von „Allahumma labbaik…“, wenn man in diesen Zustand eintritt und solange man sich darin befindet. Nach Ansicht von Imam Malik und Imam Asch-Schafi’i ist die beste Form die Hadsch Ifrad (die Reisenden kombinieren ihre Hadsch nicht mit der ’Umra und bleiben bis zum Ende im Ihram).

Eine wichtige Säule ist Sa’i, das siebenmalige Laufen und Gehen zwischen den Hügeln Safa und Marwa. Damit ahmen die Pilger die Suche der Hadschar, der Ehefrau des Propheten Ibrahim, nach Wasser für sich und ihren Sohn Isma’il nach. Im Qur’an und in der Sunna ist der verpflichtende Charakter des Sa’i bestätigt.

Am nächsten Tag ziehen sie weiter zum Hügel Arafat, wo Mohammed laut Überlieferung seine letzte Predigt hielt. Dort beten sie um Vergebung ihrer Sünden und erbitten Allahs Beistand für sich und ihre Angehörigen. Für viele Muslime ist dies der emotional wichtigste Moment des Haddsch. Der Gesandte Allahs sagte: „Hadsch ist ’Arafat.“

Nach einer weiteren Nacht in der Ebene Muzdalifah geht es zurück nach Mina. Dort steinigen die Pilger auf der Dschamarat-Brücke eine Säule, die den Teufel symbolisiert. An diesem Tag beginnt auch das viertägige Opferfest, der wichtigste islamische Feiertag im Islam.

Die letzte Säule ist die Abschiedsumkreisung der Kaaba (arab. Tawaf Al-Ifada). Diese Umkreisung der Kaaba folgt dem Stehen von ’Arafat und ist eine der drei Umkreisungen, die ein Hadschi mindestens macht. Aber sie ist die einzige, die absolut nötig ist und ohne die es keine Hadsch gibt.

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Ministerium spricht von neuem Besucherrekord

Insgesamt erwartet das saudische Hadsch-Ministerium laut dem Portal Gulf News in diesem Jahr mit mehr als zwei Millionen Pilgern einen neuen Höchststand. Für das Königreich bedeutet die Ausrichtung des Mega-Ereignisses großes Prestige.

Rund 1,5 Milliarden US-Dollar investierte Riad in den vergangenen Jahren in die Infrastruktur; ein Mehrfaches davon fließt als Gewinn zurück in die Staatskasse. Auch Fluglinien profitieren durch etliche Sonderflüge nach Dschidda und Medina.

Tuisa Hilft - Kurban

Für die Pilgerfahrt zahlt der Einzelne im Westen schnell 7.000 bis zu 10.000 Euro. Auch in Deutschland haben sich islamische Reiseveranstalter längst auf entsprechende Rundum-Pakete spezialisiert.