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Als Gast im Garten des Propheten

Ausgabe 325

prophet medina grab
Medina Al-Munawwara: Besucher an der letzten RuhestÀtte des Gesandten Allahs. (Foto: Muhammad Afzan, Shutterstock)

Besuch beim Propheten: Der Wert dieser Handlung wurde von vielen Gelehrten als wichtig betont.

(iz). Das große Ereignis der Hadsch, die lebensbestimmende und vervollkommnende Reise fĂŒr Muslime in aller Welt, lĂ€uft mittlerweile. WĂ€hrend Sie dieses lesen, sind Millionen Muslime in Mekka oder auf dem Weg dorthin, um das Haus Allahs zu besuchen und die Riten unseren Vorfahren Ibrahim zu erfĂŒllen. Damit vervollkommnen sie die fĂŒnf großen SĂ€ulen des Islam.

Foto: Muhammad Ali Effendi Sa’udi, Al Madina Books

Der Besuch des Propheten kommt nach der Hadsch

Das ist das erste Stadium der Reise. Danach kommt der Besuch beim Gesandten Allahs, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, an dessen Grab in der großen Moschee von Medina Al-Munawwara. Das ist ein Punkt, bei dem kein Hadschi meinen sollte, er könnte darauf verzichten. Denn durch diesen Besuch wird seine Pilgerfahrt vollendet.

So ist die Übereinkunft der Leute des Wissens unter den vier Rechtsschulen und es ist der Grund, warum der Besuch des Prophetengrabes in den RechtsbĂŒchern immer im Kapitel ĂŒber die Hadsch abgehandelt wird. So sagte Ibn ‘Aschir beispielsweise in seinem „Murschid Al-Mu’in“ am Ende der Sektion ĂŒber die Hadsch: „Geh zum Grab des AuserwĂ€hlten mit spiritueller Höflichkeit und einer Absicht, sodass jede deiner Bitten beantwortet werden mag.“

Und An-Nawawi schrieb: „Wisse, dass jeder, der die Hadsch vollzieht, das Grab des Gesandten Allahs – gleich, ob dies auf seinem Weg liegt oder nicht – besuchen sollte. Denn der Besuch bei ihm ist eines der wichtigsten Mittel, um Allah nahe zu kommen, eine der nĂŒtzlichsten BemĂŒhungen, die man anstreben kann, und eine der besten Dinge, um die man bitten kann.“

Heutige Verwirrung

Dieser wichtige Teil der Hadschreise wurde auf verschiedene Art und Weise durcheinandergebracht: Zuerst wurde dieser Besuch vor die Hadsch verlegt. Etwas, das bis vor Kurzem niemals Praxis der Muslime war. Er ist der Schlussstein der Hadsch, nicht ihr erstes StĂŒck. Jeder, der die Wahl dazu hat, muss sich den Besuch fĂŒr die Zeit danach aufheben.

Dies wird eindeutig durch ein bekanntes Hadith des Propheten, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, belegt: „Wer auf die Hadsch nach Mekka geht und mich dann in meiner Moschee besucht, wird zwei angenommen Hadschreisen fĂŒr sich aufgezeichnet haben.“

Er sagte eindeutig „und dann“ und verwies darauf, dass es eine Reihenfolge gibt, die mit dem Haus Allahs beginnt. Imam An-Nawawi sagt hierzu: „Wenn die Reisenden zur Hadsch und die Leute auf der ‘Umra (die ‘kleine’ Pilgerfahrt) Mekka verlassen, dann ist es stark angeraten, sich auf den Weg nach Medina zu machen, um ihn, Frieden und Segen auf ihm, zu besuchen.“

Zweitens gibt es solche Fraktionen unter Muslimen, welche die Bedeutung dieser Aufwartung herunterzuspielen suchen. Sie glauben, dass die Reise in Medina vorrangig dem Gebet in der Prophetenmoschee zu gelten habe und nicht dem Besuch seines Grabes. Sie behaupten, der Gesandte Allahs habe den Besuch von GrÀbern verboten.

Einerseits widerspricht eine solche Meinung den Worten und Handlungen des Propheten, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, selbst. Dieser besuchte die GrÀber seiner GefÀhrten in Al-Baqi (dem Friedhof von Medina).

Andererseits wird aus dem Qur’an und der Übereinkunft der Gelehrten ersichtlich, dass es keinen Unterschied darin gibt, ob er am Leben oder verstorben ist – ihm gebĂŒhrt in beiden FĂ€llen der gleiche Adab. Allah sagt im Qur’an: „Und wisset, dass Allahs Gesandter unter euch ist.“ (Al-Hudschurat, Sure 49, 7)

Foto: Archiv

Der Liebende besucht den Geliebten

Die erste Sache, die ein aufrichtig Liebender tut, wenn er heimkehrt, ist der Besuch beim Geliebten, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben. So handelten die GefÀhrten, wenn sie nach Medina von einer Reise heimkehrten. Es war sogar die erste Sache, die sie nach dem Betreten der Stadt taten.

Nehmen wir als Beispiel Bilal, den Gebetsrufer des Propheten. Wegen des Todes des Gesandten Allahs vermochte er nicht mehr in der Stadt zu bleiben und verbrachte sein Leben in Syrien. Aber nach vielen Jahren hatte er einen Traum, in dem der Prophet zu ihm kam und fragte: „Warum diese Entfremdung, Bilal? Ist die Zeit nicht fĂŒr dich gekommen, mich zu besuchen.“

Also sprang er auf, packte seine Sachen und machte sich auf den Weg nach Medina. Im Augenblick seiner Ankunft ging er sofort zu dessen Grab. Seine Reise – ein Weg von mehr als 1.600 Kilometern! – wurde nur aus einem Grunde gemacht: Um den Propheten an dessen RuhestĂ€tte zu besuchen. Bilal sehnte sich nach dem Propheten und wusste, dass er so wieder in dessen Gegenwart sein konnte.

Und dies gilt fĂŒr jeden Muslim; insbesondere fĂŒr die, welche von der Hadsch kommen. Der Prophet sagte: „Wenn ihr die Hadsch verrichtet und mich nach meinem Tod besucht, so wird es sein, als hĂ€ttet ihr mich in meiner Lebenszeit besucht und begleitet.“ Wie könnte irgendeiner – jemand mit nur einem StĂ€ubchen Liebe in seinem Herzen fĂŒr den Propheten – nicht alles stehen und liegen lassen, wenn dies bedeuten wĂŒrde, dass er auch nur einen Augenblick in der Gegenwart des Gesandten Allahs verbringen wĂŒrde? FĂŒr die meisten Muslime bietet sich diese Gelegenheit nicht oft – höchstens ein oder zwei Mal in ihrem Leben.

Dann muss man wissen, dass der Raum in der Umgebung seines Grabes, die Rauda Asch-Scharif, der beste Ort auf der ganzen Welt ist – grĂ¶ĂŸer sogar als der Haram in Mekka. DarĂŒber gibt es keinen Streit, wie dies von Qadi ‘Ijad in seiner „Schifa“ dargelegt wurde. Wenn wir ihn grĂŒĂŸen und ansprechen, kann er uns hören. So sagte er, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden schenken: „Niemand grĂŒĂŸt mich an meinem Grab, ohne dass Allah meine Seele Geist (Ruh) zu mir zurĂŒckbringt, sodass ich den Gruß erwidern kann.“

Foto: Andrzej Lisowski Travel, Shutterstock

Der Prophet versprach FĂŒrsprache

Und der Prophet versprach im Namen aller FĂŒrsprache einzulegen und Zeugnis abzugeben, die ihn an seinem Grab besuchen. „Meine FĂŒrsprache ist verpflichtend fĂŒr alle, die mein Grab besuchen.“

Allah sagt im Qur’an: „Und wenn sie, wo sie sich selbst Unrecht zugefĂŒgt haben, zu dir kĂ€men und dann Allah um Vergebung bĂ€ten, und der Gesandte fĂŒr sie um Vergebung bĂ€te, wĂŒrden sie wahrlich Allah Reue-Annehmend und Barmherzig finden.“ (An-Nisa, Sure 4, 64)

Al-Utbi ĂŒberlieferte, dass er einmal in der NĂ€he des Grabes des Propheten saß. Dann hörte er, wie ein WĂŒstenaraber hereinkam, den Propheten grĂŒĂŸte, einen Qur’anvers rezitierte und dann sagte: „Ich bin gekommen, um Vergebung fĂŒr meine falschen Handlungen zu finden und bitte dich, bei meinem Herrn FĂŒrsprache einzulegen.“

Dann rezitierte der Mann einige Gedichtzeilen zum Lobe des Gesandten Allahs, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, und ging hinaus. Nachdem er ging, schlief Al-Utbi ein. In seinem Traum sah er den Propheten, der ihn anwies: „Utbi, finde diesen WĂŒstenaraber und gebe ihm die gute Nachricht, dass Allah ihm vergeben hat.“