Ressentiments auf hohem Niveau

Ausgabe 306

Foto: r.classen, Shutterstock

Als positives Ergebnis verzeichnen die Forscher der Universität Leipzig im Vergleich zur vorherigen Befragung 2018 einen Rückgang des Anteils der „manifest ausländerfeindlich Eingestellten“ von 23,4 auf 16,5 Prozent.

(KNA/iz). Rechtsextreme Einstellungen bleiben in der deutschen Bevölkerung einer Studie zufolge weiterhin „auf einem hohen Niveau“ verbreitet. Zudem beobachten die Autoren der am 18. November in Berlin vorgestellten repräsentativen „Leipziger Autoritarismus-Studie“ nach eigenen Angaben eine „Radikalisierung und Enthemmung unter extremen Rechten“. Rund 2.500 Menschen waren im Mai und Juni für die zehnte Ausgabe der Erhebung zu ­autoritären und rechtsextremen Einstellungen befragt worden.

Als positives Ergebnis verzeichnen die Forscher der Universität Leipzig im Vergleich zur vorherigen Befragung 2018 einen Rückgang des Anteils der „manifest ausländerfeindlich Eingestellten“ von 23,4 auf 16,5 Prozent. Dabei zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen Ost und West: In Westdeutschland sank der Anteil von 21,5 auf 13,7 Prozent, in Ostdeutschland nur von 30,7 auf 27,8 Prozent.

Während laut Studie der Anteil verfestigt rechtsextrem eingestellter Menschen in Westdeutschland auf drei Prozent weiter sank, stieg er in Ostdeutschland nochmals auf knapp zehn Prozent an. Im Osten zeigten in der Befragung nach der Finanz- und Wirtschaftskrise 2010/2012 allerdings schon einmal fast 16 Prozent der Befragten ein geschlossenes rechtsextremes Weltbild. Im Westen lag der Anteil bei der ersten Befragung 2002 bei elf Prozent und damit höher als im Osten.

Die aktuelle Studie zeigt außerdem, dass die Zustimmung zu tradierter Judenfeindlichkeit bundesweit leicht rückläufig ist, ebenso wie die Abwertung von Muslimen. Allerdings gebe es weiterhin ein „erschreckend hohes Niveau an ­Zustimmung“, warnen die Forscher. So stimmten mehr als ein Viertel der Befragten der Forderung zu, dass „Muslimen die Zuwanderung nach Deutschland zu untersagen“ sei. 47 Prozent der Befragten fühlen sich „durch die vielen Muslime manchmal wie ein Fremder im eigenen Land“ (2018: 55). Zehn Prozent der Befragten äußerten Verständnis dafür, dass „manche Leute etwas gegen Juden haben“.

Ende Oktober wurde von der Robert Bosch-Stiftung ebenfalls eine Erhebung zur sozialen Stimmungslage veröffentlicht. Das repräsentative „Vielfaltsbarometer“ behandelt die Anerkennung unterschiedlicher Aspekte von Vielfalt sowie gegenüber AnhängerInnen anderer Religionen. Auf der Skala von 0 bis 100 liegt die allgemeine Akzeptanz dabei nur bei 44 in der Bundesrepublik.

Dabei legten die Ergebnisse nahe, dass es nicht etwa eine Ablehnung des Islams, sondern eher eine allgemeine Distanz gegenüber religiösen Lebensweisen und Traditionen sei, heißt es. Deutlich höher ist im Vergleich die Akzeptanz für Menschen mit Behinderung (83 Punkte) oder anderer ethnischer Herkunft (73 Punkte).

Für das Vielfaltsbarometer wurden bundesweit 3.025 repräsentative ausgewählte Personen ab 16 Jahren telefonisch zu ihren Meinungen und ihrem Verhalten gegenüber verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen befragt. Demnach besteht eine hohe Offenheit gegenüber Menschen eines anderen Lebensalters (70 Punkte) und eines anderen Geschlechts (69 Punkte). Deutlich weniger Akzeptanz herrscht indes gegenüber sozial Schwachen (58 Punkte).

Die Vielfalt könne eine Chance sein, führe aber auch zu Konflikten, sagte Projektleiter Ferdinand Mirbach. Dort, wo die Deutschen gesellschaftliche Vielfalt akzeptierten, sei aber auch der Zusammenhalt stärker und die Menschen seien glücklicher und zufriedener mit ihrem Leben.

Kommentar verfassen