„Die Kurden leiden am meisten“

(iz). Seit einigen Monaten ist der Konflikt im Südosten der Türkei wieder entflammt. Die türkische Armee und die PKK liefern sich in Städten wie Cizre und Sur Straßenkämpfe. Der Friedensprozess ist ins Stocken geraten. Mit dem Abgeordneten der AK Partei, Mustafa Yeneroglu, sprachen wir über das Aufflammen der Kämpfe, die Kritik an der türkischen Regierung und die Zukunft des Friedensprozesses. Yeneroglu ist Vorsitzender der Menschenrechtskommission des türkischen Parlaments.
Islamische Zeitung: Herr Yeneroglu, Sie sind seit Kurzem Vorsitzender der Menschenrechtskommission im türkischen Parlament. In den letzten Wochen sah man viele verstörende Bilder aus dem Südosten des Landes, die an einen Bürgerkrieg erinnern. Was passiert momentan in der Region dort?
Mustafa Yeneroglu: Die aktuelle Situation im Südosten der Türkei als einen Bürgerkrieg zu bezeichnen, ist falsch. Es ist ja nicht so, dass Kurden gegen Türken kämpfen, so wie es manche Medien oder Politiker gerne darstellen. Nicht einmal die Bewohner in den besetzten Stadtteilen unterstützen die PKK. Sie werden als Schutzschilde benutzt und bestraft, wenn sie sich nicht fügen.
Die jeweiligen Stadtteile werden von 100 bis 200 Terroristen gehalten, oft Jugendliche, die ihrer Zukunft beraubt sind. Die PKK richtet sich mit ihrem Vorgehen insbesondere gegen die kurdische Bevölkerung der Türkei und raubt ihr die Lebensgrundlagen. Sie vernichtet ganze Existenzen in verschiedenen Städten, setzt Häuser und Moscheen in Brand, zerstört kulturelles Erbgut und vertreibt die Einwohner aus den Stadtteilen. Andersdenkende werden so oder so zum Schweigen gebracht.
Seit dem praktisch längst vollzogenen und im Juli auch ausgesprochenen Abbruch der Feuerpause durch die PKK sollten die Absichten der terroristischen Organisation jedem klar geworden sein.
Islamische Zeitung: Die HDP sieht das aber anders, und beschuldigt die Regierung, bewusst den Friedensprozess torpediert zu haben…
Mustafa Yeneroglu: Wenn man, wie die HDP mehr denn je, als politischer Arm der PKK handelt, wundert das nicht. Die Tatsache, dass die PKK bis zum ausgesprochenen Abbruch der Feuerpause seit Beginn des Jahres 2015 in 7 Monaten 1.083 registrierte Gewaltakte begangen hat, lässt sich nicht unterdrücken. Ignorieren kann man sie, so wie die HDP es tut, die inzwischen von der PKK klar dominiert wird, übrigens zum Leid vieler Abgeordneter der Partei, wie sie mir immer wieder anvertrauen.
Im Ergebnis ist festzustellen, dass die PKK offensichtlich zu keiner Zeit eine friedliche Lösung und Eingliederung in das demokratische System zum Ziel ­gehabt hat. Während der zweijährigen Feuerpause hat sie tonnenweise Sprengstoff an verschiedenen Orten im Osten und Südosten der Türkei verlegt. Nur, um das Ausmaß zu veranschaulichen: Den Polizeistatistiken zufolge wurden im Zeitraum von Oktober 2015 bis Dezember 2015 unter anderem große Mengen an Ammoniumnitrat, Plastiksprengstoff, 34.892 Geschosse und 217 Bomben beschlagnahmt.
Insofern sind die Absichten eindeutig: Die Feuerpause wurde als Vorbereitungszeit für ihr späteres terroristisches Vorgehen genutzt, das Bestreben war nie die Friedensstiftung. Die langjährigen Bestrebungen der Regierung, einen dauerhaften Frieden zu erreichen, wurden so torpediert, ja sogar die scheinbare Mühe der HDP, eine Partei für die ganze Türkei zu sein, vereitelt.
Der PKK geht es darum, ihre mit Waffengewalt erzwungene Hegemonie unter der kurdischen Bevölkerung nicht aus der Hand zu geben. Kein Staat kann akzeptieren, dass mit Waffengewalt Stadtteile besetzt, Gräben ausgehoben, die Bevölkerung terrorisiert und die staatliche Ordnung bekämpft wird. Die Sicherheit und Ordnung in den jeweiligen Gebieten muss unverzüglich wiederhergestellt werden, damit die dortige Gesellschaft in Würde leben und Grundrechte in Anspruch nehmen kann. Dies ist das Ziel der militärischen Operationen.
Islamische Zeitung: Linke kurdische Organisationen in Deutschland und auch manche deutsche Politiker sprechen von Menschenrechtsverletzungen durch den türkischen Staat.
Mustafa Yeneroglu: Es wäre unglaubwürdig zu behaupten, dass während des Kampfs gegen den Terrorismus durch militärische Einheiten sämtliche Menschenrechtsideale gewahrt werden können. Ich erinnere nur an den Deutschen Herbst, die staatlichen Maßnahmen im Kampf gegen die RAF oder die Antiterrormaßnahmen nach dem 11. September nicht nur in Deutschland.
Mir fehlt in der öffentlichen Diskussion in Deutschland über die Türkei ­oftmals das Maß. Wie reagiert Deutschland auf den drohenden Terror durch den IS oder ähnliche Strukturen? Was würde in Deutschland passieren, wenn eine Terrororganisation Stadtteile besetzen würde? Warum läuft ein Verbotsverfahren gegen die NPD? Nicht nur für Deutschland gilt, dass das Maß an Freiheitsgewährung durch den Staat den Schutz der Sicherheit bedingt. Auf dieser Grundlage wurden seit der Regierungsübernahme der AK Partei große Fortschritte gemacht.
Während noch in den neunziger Jahren viele Grundrechte mit Füßen getreten wurden und zum Beispiel Kurden, die kurdisch singen wollten, aus dem Land gejagt wurden, kennt der öffentliche Diskurs heute keine Tabus mehr. In der Türkei kann heute über alles diskutiert werden. In dieser Hinsicht ist die Türkei viel weiter als viele europäische Staaten.
Ohne Zweifel ist der Prozess zur nationalen Einheit und Brüderlichkeit auch mit dem Ziel, den Terror der PKK zu beenden und sämtliche Grundrechte allen ethnischen, kulturellen und religiösen Minderheiten praktisch und umfassend zu gewähren, die bedeutendste Etappe der demokratischen Öffnung. Noch nie zuvor konnten in der Türkei derart wichtige Reformen zur Erreichung von demokratischen Idealen vorgenommen werden.
Dabei stellen Terrororganisationen wie die PKK oder YPG, DHKP-C, Daesh beziehungsweise ISIS, und wie sie sonst noch heißen, mit ihren unmenschlichen Aktivitäten das größte Hindernis für den freiheitlichen Rechtsstaat dar. Bei all dem ist die Regierung bestrebt, das Gleichgewicht zwischen Sicherheit und Freiheit zu wahren und den Kampf gegen Terrorismus fortzusetzen.
Islamische Zeitung: Ein Vorwurf, der immer wieder erhoben wird, ist, dass durch das Vorgehen des tür­kischen Militärs die Kurden in ihrem Kampf gegen den Islamischen Staat geschwächt würden. Wie stehen Sie zu diesen Vorwürfen?
Mustafa Yeneroglu: Die Türkei ist das erste Land, dass den sogenannten IS als Terrororganisation eingestuft hat. Klar ist: Der IS-Terror ist eine große Gefahr nicht nur für die Türkei. So wie der IS müssen alle terroristischen Organisationen bekämpft werden. Es gibt keine guten und schlechten Terroristen. Der IS ist genauso bösartig wie die PKK.
Diese klare Haltung vermisse ich leider zu oft in Deutschland. Dies bedeutet, dass die PKK und der IS für die Türkei das gleiche Ausmaß an Gefahr darstellen. Aufgrund dessen ist es meiner Meinung nach unverständlich, dass von einer Schwächung die Rede ist, abgesehen davon, dass dahinter sich auch oft PKK-Propaganda verbirgt.
Sie mit Kurden gleichzusetzen ist schlichtweg falsch. Die Kurden leiden am meisten unter dem Terror.
Islamische Zeitung: Die AKP hatte in ihren ersten Regierungsjahren große Schritte in Richtung Versöhnung getan. Ist die kurdische Bevölkerung enttäuscht von der Regierung?
Mustafa Yeneroglu: Die meisten Kurden wählen immer noch die AK Partei. Zudem zeigen aktuelle Umfragen, dass bei Neuwahlen die hier als prokurdisch dargestellte HPD unter die 10-Prozent-Hürde fallen würde. Viele Kurden waren eher enttäuscht darüber, dass die Vehemenz der Bekämpfung des PKK-Terrors in den letzten Jahren gedämpft war. Vor allem die Kurden wissen, was vor der Regierungsübernahme der AK Partei los war und welche Errungenschaften die AK Partei vor allem für sie gebracht hat.
Die vollzogenen Reformen räumten alle gesetzlichen und praktischen Verbote gegenüber dem Kurdischen aus dem Weg. Die kurdische Sprache wird überall gesprochen und gefördert. Ein staatlicher Fernsehsender wird in kurdischer Sprache ausgestrahlt. Privatschulen können errichtet werden, Institute wurden gegründet. Die Politik der demokratischen Öffnung hat große Hoffnungen und Erwartungen in der Bevölkerung geweckt. Der Rückzug der türkischen Sicherheitskräfte aus dem Südosten war ein wichtiges Signal der  Friedensbestrebungen. Aber auch die Investitionsinitiative der Regierung hat für eine große wirtschaftliche Belebung im Südosten der Türkei gesorgt.
Daher ist es offensichtlich, dass nicht die kurdische Bevölkerung enttäuscht von der Regierung ist, sondern die PKK. Denn durch den demokratischen Öffnungsprozess wurde die PKK in ihren Argumenten bloßgestellt und daher in ihrem Dasein extrem geschwächt. Im Übrigen ist das hemmungslose und tabulose Wirken der HDP der beste Beweis, dass der bewaffnete Kampf jeglicher Legitimation entbehrt.
Islamische Zeitung: Die Auseinandersetzungen in der Türkei beeinflussen auch die Stimmung unter den türkischstämmigen Menschen hier in Deutschland. Neben Demonstrationen kommt es leider auch zu Anschlägen auf Moscheen, zu denen sich PKK-Ableger bekannt haben. Sie sind in Deutschland aufgewachsen. Wie schätzen Sie die Lage hier ein?
Mustafa Yeneroglu: Deshalb appellieren wir regelmäßig an Politik und Sicherheitsbehörden in Deutschland, die Gefahr der PKK genauso ernst zu nehmen wie solche Gefahren aus anderen Bereichen. Da vermisse ich vieles. Ersatzorganisationen der PKK, wie man sie allen Verfassungsschutzberichten seitenweise entnehmen kann, gehören eigentlich de jure verboten, jedoch werden viele de facto wie gemeinnützige Organisationen behandelt. Terroristische Angriffe auf Moscheen, ob sie aus dem rechtsextremistischen Spektrum oder der PKK kommen, dürfen nicht geduldet werden.
Die Aufklärungsrate stellt den Sicherheitsbehörden kein gutes Zeugnis aus. Vor allem die letzten Angriffe in Bielefeld, Berlin-Kreuzberg und Stuttgart müssen aufgeklärt und die Täter bestraft werden. Der Umgang Deutschlands in Bezug auf die terroristischen Angriffe der PKK spielt eine ausschlaggebende Rolle. Innerhalb der Diskussion des Konflikts muss eine klare Trennung zwischen der Terrororganisation PKK und den Interessen der kurdischen Bevölkerung vorgenommen werden.
Islamische Zeitung: Wie kann man diesen Konflikt lösen? Oder anders gefragt: Ist dieser Konflikt nur militärisch zu lösen?
Mustafa Yeneroglu: Selbstverständlich ist der Konflikt nicht ausschließlich militärisch lösbar. Der begonnene Prozess wird fortgeführt werden sobald die besetzten Stadtteile wieder befreit und die öffentliche Ordnung und Sicherheit wiederhergestellt sind. Aber genauso sicher ist, dass Terrororganisationen und deren Unterstützer so lange nicht Ansprechpartner sein können, solange sie nicht der Gewalt abschwören.
Will die HDP eine Rolle einnehmen, so muss sie den Terror der PKK unmissverständlich verurteilen, anstatt sie durch viele ihrer Glieder zu unterstützen. Demokratische Partizipation setzt voraus, dass sich alle an die gemeinsamen Spielregeln halten, so auch die Erwartung an HDP-Abgeordnete, sich klar und deutlich für die Sicherheit der Bürger einzusetzen und sich von jeglichen terroristischen Gewaltaktionen zu distanzieren.
Gegenwärtig stärkt der Großteil der HDP die PKK bei der Zerstörung der besetzten Stadtteile. Die HDP hat die sogenannte Grabenpolitik in ihrem Agenda Setting zum Top-Thema gekürt. Die Einsätze der Sicherheitskräfte werden nach Möglichkeit erschwert. Sobald Maßnahmen gegen das Ausheben von Gräben ergriffen werden, ist ein HDP-Abgeordneter präsent und nutzt seine Immunität, um die Einsatzkräfte von ihrer Arbeit abzuhalten. Manche Stadtverwaltungen stellen zum Ausheben von Gräben Maschinen und Einsatzkräfte zur Verfügung, sie dienen oft auch zum Verlegen von Bomben.
Manche HDP-Abgeordnete stehen dem PKK-Terror direkt bei, indem sie sich als Waffenkuriere andienen, HDP-Parteibüros als Waffendepots genutzt werden und nicht zuletzt kommunales Eigentum für den Transport von Waffen für Terroristen zur Verfügung gestellt wird. Bemerkenswert ist, dass diese Tatsachen in den deutschsprachigen Medien meist unterdrückt und so die Öffentlichkeit desinformiert wird.
Islamische Zeitung: Lieber Herr ­Yeneroglu, wir danken Ihnen für das Interview.

Die Berliner DMK-Vorsitzende Iman Andrea Reimann war an den Vorbereitungen für die lokale Friedensaktion beteiligt

Berlin (iz). Die Bundeshauptstadt gehört zu den Orten, an denen die deutschen Muslime auch außerhalb ihrer Moscheen öffentlich ihre Distanz zu gewalttätigen Phänomenen wie dem IS bekunden wollen. Iman Andrea Reimann vom dortigen Deutschsprachigen Muslimkreis gibt Auskunft.

Islamische Zeitung: Liebe Iman Andrea Reimann, Berlin gehört zu den Städten, in denen Muslime sich an der Friedensaktion vom 19. September beteiligen. In welchem Rahmen sind Sie vor Ort eingebunden?

Iman Andrea Reimann: Als erstes möchte ich sagen, dass ich es als wichtig für unsere Stadt Berlin erachte, dass wir uns als Moscheen zusammen tun, unabhängig von der Verbandszugehörigkeit und gemeinsam gegen Hass, Islamfeindlichkeit und Rassismus in unserer Gesellschaft auftreten.

Als Verwaltungsratmitglied der Islamischen Förderation war ich in die Vorbereitungen involviert und werde mit unseren Mitgliedern des DMKs das Freitagsgebet vor der Mevlana Moschee wahrnehmen und an der Mahnwache teilnehmen. An mich wurden Anfragen herangetragen, ob es für politische Vertreter der Stadt und Bundespolitik möglich ist, sich an der Mahnwache zu beteiligen.

Islamische Zeitung: Was ist geplant?

Iman Andrea Reimann: Bundesweit werden sich an die 2.000 Moscheen unter dem Aufruf „Muslime stehen auf gegen Hass und Unrecht“ am Freitag, den 19. September, mit ihren Mitgliedern und Besuchern an den Mahnwachen und Freitagsgebeten beteiligen, was wirklich wunderbar ist. In Berlin werden wir eine große Mahnwache nach dem Freitagsgebet vor der Mevlana Moschee in Kreuzberg abhalten. Darüber hinaus beteiligen sich alle Moscheen des ZMD, der IFB, der DITIB und der VIKZ in Berlin, um in ihren Predigten auf diese Aktion einzugehen und die Muslime für das Thema zu sensibilisieren.

Islamische Zeitung: Mit welcher Motivation nehmen Berliner Muslime daran teil?

Iman Andrea Reimann: Für die Berliner Muslime ist es zum großen Teil eine wichtiger Anlass, Solidarität mit der Mevlana Moschee und darüber hinaus Solidarität mit anderen Bürgern unserer Gesellschaft zu bekunden. Viele meiner Gemeindemitglieder waren kurz nach dem Brand vor Ort beim ersten Freitagsgebet der Mevlana Moschee. Ihre Bestürzung war groß, als sie die Beschädigung des Rohbaus der Moschee gesehen haben. Darüber hinaus hat es uns noch einmal mehr miteinander verbunden.

Islamische Zeitung: Wie reagieren die Muslime in Ihrem lokalen Umfeld auf den Event? Fühlen sie sich eingebunden?

Iman Andrea Reimann: Es ist immer eine Herausforderung, möglichst viele Muslime zu erreichen, um ein Thema, eine Aktion in die Breite zu streuen und einen Effekt der Nachhaltigkeit zu erzielen. Hier können wir uns immer noch verbessern und mehr Geschwister einbeziehen, die über Netzwerke verfügen und umsetzbare Ideen einbringen können. Für mich ist immer das persönliche Gespräch am wichtigsten, um möglichst viele zu informieren und zu mobilisieren.

Islamische Zeitung: Seit Wochen kursieren die Ansichten vermeintlicher Experten, wonach das Problem von Radikalisierung und Extremismus viel drastischer sei und eine deutlich größere Menge an Muslime klammheimlich Sympathien gegenüber gewaltbereiten Extremisten hegt? Können Sie, aus Ihrer jahrelangen Erfahrung heraus, diese Behauptung bestätigen oder verneinen?

Iman Andrea Reimann: Ich finde es erschreckend, wie selbstverständlich jeden Tag neue Zahlen der Radikalen, der Extremisten in die Höhe getrieben wird, ohne eindeutige Belege. Die Methode hat sich seit den Kreuzzügen nicht verändert, wir Muslime werden aufgrund unserer Religion mit schlechten Eigenschaften belegt, um den abendländischen Versäumnissen und Fehlentwicklungen, zu zu spielen.

Dass wir in unseren Moscheen oder im Internet Muslime haben, die eine andere Vorstellung von religiösem Leben und politischer Auseinandersetzung haben, ist nicht zu verneinen. Jedoch immer reflexartig darauf zu reagieren oder zu ignorieren, kann für uns nicht der Weg zur Auseinandersetzung und Weiterentwicklung sein.

Islamische Zeitung: Liebe Iman Andrea Reimann, wir bedanken uns.

Daten Berliner Schwerpunktveranstaltung:
Erwartete Gäste: Nikolaus Schneider, Vorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland; Cem Özdemir (Bündnis 90 / Die Grünen); Gregor Gysi (Die Linke).
Ort: Mevlana Moschee Skalitzer Str. 131-132 10999 Berlin

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Mufti Abu Layth: „Das klassische Erbe lebendig halten“

(iz). Was ein muslimischer Gelehrter, insbesondere ein Faqih oder Mufti, zu tun scheint, hat oft mehr mit der Vorstellung vieler Muslime als mit der Wirklichkeit zu tun. Gerade in muslimischen Gemeinschaften, insbesondere denen im Westen, nehmen sie bisher noch nicht ausreichend an wichtigen Debatten teil und werden auch oft genug der politischen Kontrolle unterworfen.

Dabei gäbe es genug The­men, die eine Fusion aus der klassischen Lehrtradition mit einem Verständnis von Zeit und Ort nötig machten.

Dabei gibt es gerade im Westen eine wachsende Zahl von ‘Ulama, die sich um frische Zugänge zur islamischen Tradition und um eine authentische Rückbindung an die frühe Gemeinschaft bemühen, ohne dabei in das Stereotyp zu geraten, das heute damit in Verbindung gebracht wird.

Eines dieser Beispiele ist der junge britische Mufti Abu Layth al-Maliki, der in Birmingham unterrichtet. Seine grundlegenden Studien schloss er in Großbritannien ab, bevor er nach Damaskus ging, wo er die malikitische Rechtsschule annahm und das essenzielle Wissen des Islam studierte. Am Jamia’ah Muhammadiyyah Institut im pakistanischen Islamabad lernte er den Qur’an und dessen Kommentar auswendig. Nach weiteren Studienaufenthalten in Syrien und Pakistan erhielt er unter Mufti Abdullah Shoukat (hanafitisches Recht) und unter Mufti Salim Al-Tunisi (malikitisches Recht) eine Ausbildung, um Fatwas zu geben.

Seit seiner Rückkehr nach Großbritannien machte Mufti Abu Layth einen Abschluss als Schullehrer und schließt gerade ein Studium der Psychologie ab. Derzeit bildet er Schüler im Recht nach Imam Malik aus. Insbesondere sein Unterricht im Internet ist sehr nachgefragt.

Islamische Zeitung: Es gibt, gerade in Westeuropa, recht vielfältige, aber auch komplexe muslimische Gemeinschaften. Sind Sie, lieber Mufti Abu Layth, zufrieden mit der Rolle, die die muslimischen Gelehrten in ihnen spielen?

Mufti Abu Layth: Zufrieden? Nicht in dem Sinne, dass wir noch sehr viel Arbeit vor uns haben. Um fair zu sein, die Muslime Europas, inklusive ihrer Gelehrten, stehen derzeit vor schwierigen Aufgaben, wenn es um Herausforderungen für die Muslime geht. Ganz abgesehen davon, dass sie die gleichen Probleme wie alle anderen Muslime haben, gibt es einige spezifische europäische Probleme.

Viele unserer ‘Ulama sind keine hier, organisch aufgewachsenen Gelehrte. Üblicherweise kommen sie aus einem anderen Teil der Welt. Weil sie oft nicht aus der gleichen Kultur kommen beziehungsweise in ihr aufgewachsen sind, sind sie sich manchmal unsicher, wie sie reagieren sollen. Sie tun natürlich ihr Bestes und wir bemühen uns, sie zu unterstützen.

Islamische Zeitung: Es lässt sich feststellen, dass es für die europäischen Muslime einige drängende Herausforderungen gibt. Es fällt schwer, mehr als eine Handvoll Leute auszumachen, die diese auf einem hohen Niveau ansprechen können…

Mufti Abu Layth: Mir sind die Verhältnisse in Deutschland nicht so gegenwärtig, obwohl ich kürzlich mehr über die sozialen Netzwerke von positiven Aktivitäten höre. Ich erfahre viele positive Rückmeldungen von deutschen Muslimen. Das zeigt mir, dass es dort ein hohes Maß an Aktivitäten gibt.

Wir haben in Großbritannien viele Madrassen. Sie bringen insgesamt 100 ‘Ulama pro Jahr hervor – vielleicht sogar viele mehr. In Wirklichkeit brauchen wir aber nicht nur Quantität, sondern auch Qualität. Es muss Gelehrte geben, die diese Rolle annehmen, und nicht nur das System von sechs Studienjahren absolvieren. Es ist großartig, dass so viele Menschen die Zeit aufwenden, um den Din zu studieren. Wir brauchen aber Leute, die nach ihrem Abschluss in Kontakt mit der Realität stehen und die Probleme vor Ort verstehen. Wir haben in Großbritannien einen ebenso großen – wenn nicht gar größeren – Mangel wie im Rest Europas.

Ich würde Ihnen zustimmen, da es auch bei uns schwierig sein dürfte, mehr als zehn solcher Gelehrte in Großbritannien zu finden, die zeitgenössische Mitglieder unserer Gesellschaften sind. Ohne eine solche Qualifikation fiele es leicht, zehn zu benennen. Vielleicht könnte man sogar den Namen hunderter ‘Ulama erwähnen. Aber das war ja nicht unser Thema. Wir reden über Leute, die als Einheimische aktiv sind.

So wie bei Ihnen auch, haben wir viele Gelehrte – was nicht deren Fehler ist –, die an eine andere Kultur, an eine andere Gesellschaft gebunden sind. Sollten sie diejenige Kultur fördern, mit der sie mehrheitlich in Kontakt stehen, oder vielmehr die britische beziehungsweise europäische? Manchmal passiert das sogar mit Gelehrten, die hier geboren wurden.

Viele von ihnen bewegen sich ausschließlich in der indopakistanischen Kultur und sind nur in einer Madrassa gewesen, die eine Miniversion von Indien oder Pakistan darstellt. Wenn sie diese Bildungseinrichtungen verlassen, mögen sie ausgestattet sein, um mit Themen aus dem pakistanischen oder indischen Kulturraum fertig zu werden, aber haben mit Themen in Großbritannien oder gar in Europa zu kämpfen. Dafür wurden sie gar nicht ausgebildet.

Islamische Zeitung: Heute haben wir Gelehrte, die bezahlte Angestellte muslimischer Organisationen sind. Glauben Sie, dass es eine Frage der intellektuellen Unabhängigkeit ist, wenn Gelehrte im Sold bestimmter Organisationen stehen?

Mufti Abu Layth: Mit ziemlicher Sicherheit. Hier liegen enorm wichtige Faktoren für wahre Gelehrsamkeit vor. Das eine ist wahre Leidenschaft für das Wissen; vielleicht die erste Sache, die wir oft nicht antreffen. Wir haben vielleicht hunderte von ‘Ulama, die von ihren Eltern an die Madrassen geschickt wurden. Sie sind nur selten dort, weil sie tieferes Interesse am Din haben. Sie bleiben natürlich im Din und sind vorbildlich praktizierende Muslime. Aber diese ‘Ulama hatten niemals eine wirkliche Leidenschaft für ihre Wissenschaft. Das ist die erste wichtige Zutat beziehungsweise ihre Abwesenheit, von der wir hier sprechen müssen.

Der andere Punkt ist Unabhängigkeit. Selbst wenn sie diese Leidenschaft haben, wie können Sie diese dann nicht entwickeln? Die Leute haben bestimmte grundlegende Bedürfnisse. Ich weiß natürlich, dass Versorgung von Allah kommt, aber wir leben im Dar Al-Asbab und die Leute brauchen Arbeit. Wer zehn Jahre in einer Madrassa verbringt, hat keine anderen Qualifikationen mehr. Also schließt man sich einer anderen Schule an, um dort zu unterrichten. Das gilt für Institutionen hier in Großbritannien und in Europa. Ich weiß, dass es in den USA ein bisschen anders ist.

In Großbritannien sind Gelehrte enorm unterbezahlt. Sie erhalten nur Minimalbeträge für eine Arbeit, die eigentlich ein ehrwürdiges Amt sein sollte. Wird jemand Imam, dann ist das heute nichts Würdevolles mehr. Neben einer mickrigen Bezahlung muss man sich ständig darüber sorgen, ob man gefeuert wird, wenn einmal den Anweisungen des Vorstands widersprochen wird. Das Komitee besteht zumeist aus lokalen Geschäftsleuten, üblicherweise aus der ersten Generation, die nicht in Großbritannien geboren wurden. Im Normalfall sind es kleine und mittlere Geschäftsleute, die genug Geld haben, um ein Gebäude zu kaufen und es in eine Moschee umzuwandeln.

Ich möchte einen weiteren Faktor hinzufügen. Jene Gelehrte werden recht isoliert ausgebildet. Sie gehen in eine bestimmte Madrassa und bleiben dort. Die Schule gehört einer bestimmten Denkrichtung an. Das Problem hierbei ist, dass sie nur dem Unterricht dieser Meinung ausgesetzt sind. Selbst, wenn sie danach rausgehen und einen Job finden sollten, werden die Absolventen nur in dieser spezifischen Richtung Wurzeln schlagen können. Wollen wir intellektuelle Freiheit fördern, dann steht diese Art von ‘Ulama vor erheblichen Schwierigkeiten. Wollen sie einmal widersprechen, dann können sie das nur schlecht, weil dieses Umfeld die einzige Welt ist, in der sie sich bewegen. Stellen sie sich in diesem Feld gegen ihr bisheriges Umfeld, wären sie extrem isoliert. Wohin sollte ein solcher ‘Alim gehen, wenn er sich davon verabschiedet? Das ist ein weiterer einschneidender Faktor, der ganz besonders in Großbritannien vorhanden ist. Wahrscheinlich trifft er bis zu einem gewissen Grad auch auf den Rest Europas zu.

Islamische Zeitung: Oft bringen Organisationen ihre Gelehrten nur dann in die Öffentlichkeit, wenn es um die Distanzierung von negativen Dingen wie Terror oder Zwangsheirat geht. Bei anderen Anliegen oder konkreten Forderungen ist hingegen eher selten von ihnen zu hören…

Mufti Abu Layth: Ich würde es vielleicht etwas anders formulieren. Meiner Erfahrung nach ist es häufig so, dass die Gelehrten nur zu solchen Themen befragt werden. Bleiben wir beim Beispiel Großbritannien. Die Mehrheit der hiesigen Muslime hat einen indopakistanischen Hintergrund. In ihrer Kultur haben sie etwas, das dem Kastenwesen ähnelt, und beinahe hinduistisch zu sein scheint. Die Muslime haben die Unterschiede früher an Berufen festgemacht. Bei vielen ist das heute noch so und daher gibt es auch noch Diskriminierung. So könnten wir alle pakistanischen Ursprungs sein, aber trotzdem würde es heißen: „Oh nein, er ist von einer niedrigen Kaste. Du kannst nicht in diese Familie heiraten.“

Einige Gelehrte sprechen darüber und verurteilen das, aber tun es nicht im Allgemeinen. Es sollte eigentlich eine Welle der Distanzierung geben. Gelehrte selbst fürchten, dass, wenn sie mit solchen Themen anfangen, die Leute nicht mehr auf sie hören werden. Ich habe generell den Eindruck, dass die Leute sich nicht im Allgemeinen an ‘Ulama wenden, sondern das nur bei bestimmten Fragen tun. Sie gehen zu ihnen, um Terrorismus zu verurteilen, was die Gelehrten natürlich tun werden, aber fragen nicht bei anderen Themen um Rat.

Wir haben hier noch ganz andere Probleme und ich glaube, dass das auch anderswo der Fall ist. Die Gelehrten und die britischen Muslime insgesamt können sich nicht gut ausdrücken, wenn es um die Landessprache geht. Oft haben sogar geborene Briten kein gutes Englisch. Und die ‘Ulama beherrschen es unglücklicherweise nur sehr schlecht. Wahrscheinlich haben sie rund ein Drittel ihres Lebens in einer Madrassa verbracht, in der nur Urdu gesprochen wurde. Und selbst in ihren eigenen Gemeinschaften dürfte das Englisch nicht so gut sein. Daher haben sie erhebliche Schwierigkeiten, sich auszudrücken.

Was ist die Folge? Zum einen fällt es schwer, sich verständlich zu machen. Zum anderen wollen normale Muslime auch nicht, dass sie als ihre Repräsentanten auftreten, weil sie beinahe peinlich sind. Gelegentlich sind die Gelehrten zu entschuldigen, weil sie aus dem Ausland stammen oder nur seit wenigen Jahren hier leben. Aber wenn selbst gebürtige Briten, die hier auch aufgewachsen sind, noch schlechtes Englisch sprechen, wie können sie dann in einer Krise in den Medien sinnvolle Stellungnahmen abgeben? Wenn Gelehrte sich nicht klar artikulieren können, wird es für die normalen Muslime recht peinlich.

Islamische Zeitung: Und sie können auch nicht zum Islam einladen…

Mufti Abu Layth: Natürlich können sie so keine Da’wa machen. Nicht nur haben sie Schwierigkeiten damit, andere zum Islam einzuladen, auch wollen viele Muslime nicht mit ihnen in Verbindung gebracht werden. Ironisch ist, dass die Gelehrten des Islam – in der arabisch sprachigen Welt, in der indopakistanischen Welt oder auch im türkischen Raum – normalerweise die eloquentesten Leute überhaupt sind. ‘Ulama in der arabischen Welt sprechen oft das beste Arabisch. Das gleiche gilt für Gelehrte in Pakistan und das Urdu. Sie können durch Dichtung und viele andere Sprachformen argumentieren. Das ist sehr wichtig, denn Sprache ist etwas sehr mächtiges. Wir rufen zum Weg unseres Herren mit unseren Worten.

Islamische Zeitung: Sie unterrichten das Recht der Leute von Medina. Was fasziniert Sie daran?

Mufti Abu Layth: Das ist eine sehr wichtige und interessante Frage. Viele Leute haben nicht nur gefragt, warum ich das Fiqh der Leute von Medina gewählt habe, sondern wollen auch wissen, warum ich es leidenschaftlich in Großbritannien und in Europa unterrichte. Mein Ziel wäre erreicht, wenn ich zur Verbreitung der Schule von Medina auf europäischem Boden beigetragen hätte.

Islam ist wie eine Substanz oder eine Essenz. Und jeder blickt durch eine Linse hinein – oder hinaus. Sie wird immer zu einer Art Färbung oder Brechung des betrachteten Objektes führen. Rechtsschulen sind auch so. Manche, wenn sie den Islam betrachten, haben bereits eine strikt festgelegte Blickweise; ein vorgefasstes Verständnis, bevor sie sich einem Text nähern. Fast könnte man sagen, sie haben eine Persönlichkeit entwickelt.

Wir respektieren alle Rechtsschulen, die auf die ihre je eigene Weise unglaublich sind. Ihre Interpretation aber, die sie alle haben, sind nicht immer notwendigerweise „Islam“. Der Din lässt sich nicht auf eine bestimmte Lesart beschränken. Manche Deutungen passen besser auf einige Kulturen als auf andere. Einige Schulen unterliegen einem starken Kontrollzwang. Sie ermutigen die Leute nicht zur freien Debatte und sind selbst in gewissem Sinne ein Kontrollmechanismus. Manche sind bei bestimmten Interpretationen sehr strikt. Vor die Wahl gestellt würden sie sich immer für Strenge und Vorsicht entscheiden. Es scheint, als seien die „Einstellungen“ ihres „Programms“ immer schon auf sehr streng gesetzt.

Ich sage nicht, dass das eine schlechte Sache per se ist; glaube aber nicht, dass es die förderlichste Einstellung für das heutige Europa ist. Viele hiesige Muslime haben mit einigen Interpretation wegen ihrer Lebensumstände hart zu kämpfen. Ihnen wird gesagt, sie müssten einen Bart mit einer bestimmten Länge haben. Wenn nicht, heißt es, verbrächten sie jeden einzelnen Tag ihres Lebens in „Sünde“. Oder Frauen müssten einen Niqab tragen. Viele Leute können damit nicht fertig werden.

Islamische Zeitung: Das Leben wird den Leuten erschwert…

Mufti Abu Layth: Die Vertreter dieser Interpretationen glauben, sie dienten damit dem Islam, verkennen aber dabei, dass Islam viel größer als das ist. Ihre Perspektive stellt nur eines von mehreren möglichen Fenstern dar, durch die wir auf den Din schauen. Islam ist viel größer und andere Blickweisen ermöglichten in unseren Umständen eine klarere Sicht, was den Menschen mehr Freiheit erlaubt. Ich habe nichts gegen traditionelle Kleidung und trage sie gelegentlich selbst. Der normale Muslim, der in Europa aufwächst, will diese Sachen aber nicht immer tragen. Manche Gelehrte zwingen ihnen das als Teil ihrer Interpretation vom Fiqh auf. Auch wenn dergleichen einige anzieht, stößt es viele andere ab.

Die Schule von Medina legt sehr viel Wert auf Natürlichkeit und auf ein harmonisches Dasein mit den jeweiligen Lebensumständen. Es gibt in der Schule selbst so viele verschiedene Interpretationen, die von ihr zugelassen werden. Sie heißt die Leute willkommen, anstatt sie abzuschrecken.

Für manche ist das zu tiefenentspannt. In Wirklichkeit aber wollen und brauchen die Leute in Europa genau das. Und durch dieses Fenster erhalten sie Zugang zu einer Botschaft, die sehr zugänglich ist. Und wenn die Botschaft das ermöglicht, dann frage ich: warum nicht? In einem Hadith riet uns der Prophet, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, mit den Leuten entsprechend ihrer geistigen Fähigkeiten zu sprechen. Oft kommt es vor, dass Leute große Schwierigkeiten mit einigen Fatawa haben, die ‘Ulama im Fiqh aber es den Leuten nicht erleichtern werden.

Die Gefahr besteht, dass sich die Leute in dem Fall als Folge vom gesamten Din abgrenzen. Bei nüchterner Betrachtung war das nur eine simple Fatwa, kein Qur’anvers oder ein aussagekräftiges Hadith. Es war eine Fatwa auf Grundlage eines Idschtihads und es gibt viele andere Fatawa in der Scharia, mit denen man den Leuten entgegenkommen könnte, wenn man das denn wollte.

Islamische Zeitung: Derzeit lässt sich hier bei uns eine Auflösung unter Muslimen erkennen, bei der viele nur noch die eigenen Meinungen gelten lassen. Gleichzeitig schwindet der Konsens über essenzielle Fragen und über Prioritäten im Din.

Mufti Abu Layth: Wichtiger Punkt. Wir brauchen eine Verbindung zu unserem ‘Ilmi-Erbe, zu unserem Wissen. Das muss von den ‘Ulama am Leben erhalten werden. Wir müssen uns wieder mit den Wissenschaften der Scharia vertraut machen und immer das klassische Denken und Verständnis an vorderster Stelle im Blick behalten. Das heißt nicht, dass wir nicht wissen, wie wir mit neuen Situationen umzugehen haben, weil wir sie nicht in klassischen Quellen finden. Es geht darum, dass wir ihre Denkprozesse und ihr Verständnis der Sunna im Auge behalten.

Das Thema ist interessant. Manchmal wurde mir vorgeworfen, Modernist zu sein. Ich habe ernsthaft gefragt, was mit „modernistisch“ gemeint sei, wenn es nicht nur um die bloße äußere Erscheinung geht. Philosophisch beschreibt es aber die Sache nicht. „Modernismus“ ist die Zurückweisung des traditionellen Denkens, der Anspruch, ganz von vorne anzufangen und die Zurückweisung der Ansichten von Gelehrten wie Imam Malik. Oder auch, die Relevanz der Sunna in Frage zu stellen.

Wir als Muslime sollten das klassische Erbe lebendig halten. Der Qur’an, die Sunna und die Scharia müssen uns als Wissenschaft sehr am Herzen liegen. Unsere Kenntnisse sollten es uns auch ermöglichen, hier und heute mit neuen Fragen umzugehen. Das erlaubte es Leuten wie Imam Malik, Qadi ‘Ijad, Ibn Ruschd oder Sidi Khalil in ihren Zeiten, auf unbekannte Situationen zu reagieren.

Wir brauchen nicht nur eine Verbindung zu unseren Gelehrten, sondern auch zum Wissen. Ich garantiere, dass jeder Schüler der islamischen Wissenschaften bei seinem Studium der Geschichte der frühen Generationen sowie der Rechtsprinzipien (den Usul) feststellen wird, dass ein Geist des Fragens und der Debatte herrschte. In gewisser Weise waren Imam Malik, Imam Abu Hanifa und auch Imam Asch-Schafi’i bei bestimmten Aspekten sehr „revolutionär“. Das gilt auch für die Salaf, die ihnen vorangingen.

Ich würde jenen deutlich widersprechen, die unser Erbe zurückweisen. Es ist für mich eine Lebensader. Sie zu durchtrennen, bedeutet ein sicherer Niedergang dieser Umma. Wir müssen diese Persönlichkeiten verstehen und ihr Vorbild zum Leben erwecken. Wie bei einem Staffelrennen gibt es eine ununterbrochene Kette, über die der Din an uns weitergegeben wurde. So werden wir ermächtigt, uns mit den Anforderungen dieser Zeit und dieses Ortes auseinanderzusetzen. Wir haben das klassische Erbe der Imame, aber nutzen es, um mit dem Hier und Heute umzugehen.

Betrachten wir die andalusischen Gelehrten, eröffnet sich uns ein massives Erbe. Das ist ein weiter Grund, warum ich die Schule von Medina studiere. Sie bestand beinahe acht Jahrhunderte auf europäischem Boden. Die Gelehrten setzten sich mit ihren Gesellschaften auseinander und dienten ihnen, was uns das nötige Selbstbewusstsein geben sollte, das gleiche zu tun.

Islamische Zeitung: Imam Malik sprach vom Wissen als Licht, das Allah in die Herzen legt…

Mufti Abu Layth: Das ein sehr wichtiger Aspekt. Imam Malik sagte tatsächlich, dass Wissen „nicht nur das Auswendiglernen von Überliefererketten“ oder Quantitäten an Wissen sei, sondern vielmehr „ein Licht, das Allah in die Herzen“ legt. Diese Aussage lässt sich auf zwei Arten verstehen. Zum einen auf die offenkundige, wonach Wissen ein Licht ist, dass Allah in ein Herz legt und das zu einem erleuchteten Herzen führt. Die Deutung, die sich mir mehr zueignet, meint eher eine Art Aufklärung, Erhellung. Wissen ist nicht nur die Fähigkeit, Information wiederzugeben, sondern eine intellektuelle Aufklärung.

In der Psychologie sprechen Leute wie Piagetti über die vier Stadien der Entwicklung unserer geistigen Fähigkeiten. Sie werden auch sagen, dass ein Erwachsener nicht einfach ein Kind mit mehr Informationen ist. Ein 18-jähriger ist nicht einfach ein 10-jähriger mit mehr Wissen, sondern hat vielmehr eine qualitative Entwicklung seiner kognitiven Fähigkeiten durchlaufen.

Meinem Verständnis nach bezog sich Imam Malik darauf. Dieses Wissen ist nicht etwas, das sich einfach nur wiedergeben lässt. Es ist ein erleuchteter intellektueller Ausblick, den Allah den Menschen gibt. Es ist ein Geschenk von Allah. Und jeder, der die Wissenschaften der Scharia studiert, wird erkennen müssen, dass diese Form der Aufklärung gegenwärtig ist, aber manchmal lernen wir dieses Wissen nur, ohne danach zu streben, es zu verkörpern. Wissen ist praktisch.

Es besteht einerseits in seiner praktischen Umsetzung, aber auch darin, dass wir uns mit seiner Hilfe praktisch mit den Herausforderungen unserer Zeit auseinandersetzen. Es muss zu einer Wirklichkeit werden.

Islamische Zeitung: Lieber Mufti Abu Layth, wir bedanken uns sehr herzlich für das Gespräch.

Interview mit der Arabistin Angelika Neuwirth über die Arbeit ihres Instituts zur Koranforschung

(iz). Prof. Dr. Angelika Neuwirth studierte Arabistik, Semitistik und Klassische Philologie an der Freien Universität Berlin sowie in Teheran, Göttingen, Jerusalem und München. Nach ihrer Habilitation arbeitete sie von 1977 bis 1983 als Gastprofessorin an der Universität von Jordanien in Amman. Von 1994 bis 1999 war sie Direktorin am Orient-Institut der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft Beirut und Istanbul.

Derzeit ist sie an der Freien Universität in Berlin als Professorin tätig. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich des Korans und der Koranexegese, in der modernen arabischen Literatur der Levante, der palästinensischen Dichtung und der Literatur des israelisch-palästinensischen Konflikts. Für ihre Koranforschung erhielt sie im Juni 2013 den Sigmund-Freud-Preis für wissenschaftliche Prosa.

Frage: Guten Tag, Frau Prof. Neuwirth. Auf mehr als achthundert Seiten versuchen Sie in ihrem Werk über den „Koran als Text der Spätantike“, einen europäischen Zugang zum heiligen Buch der Muslime zu finden. Was genau meinen Sie mit dem „europäischen“ Blick auf den Koran?

Neuwirth: Das Buch selber legt das dar. Ich versuche zu zeigen, dass, wenn man den Koran historisch liest, man auf dieselben Traditionen stößt, die von Europäern als für ihre Kultur grundlegend in Anspruch genommen werden. Das ist einfach eine historische Lektüre des Korans, jetzt nicht wie üblich als Gründungsurkunde des Islam, sondern gewissermaßen dahinter zurück. Der Koran wird als eine Verkündigung, das heißt als Botschaft an Leute, die noch gar nicht Muslime waren, gelesen. Denn Muslime wurden sie ja erst durch die Verkündigung.

Dieser Blick zeigt, dass damals dieselben Probleme auf der arabischen Halbinsel diskutiert wurden, wie in der umliegenden spätantiken Welt, die später dann gewissermaßen als Grundlage Europas wahrgenommen wurde. Das heißt, wir entstammen alle einem gemeinsamen Entstehungsszenario, ein Sachverhalt, der nur durch spätere historische Entwicklungen verunklärt worden ist.

Frage: Also, geht es ja eigentlich nicht um einen „europäischen“ Zugang, sondern um die verbindenden Elemente der Spätantike beziehungsweise die Einflüsse der Antike. Und weder der so genannte „Orient“  noch der „Okzident“ können diese Elemente als Eigenheit für sich beanspruchen, oder?

Neuwirth: Das tun sie allerdings faktisch. Sowohl im Orient, also in der konventionellen islamischen Selbstwahrnehmung, wird davon ausgegangen, dass der Islam sich bereits von seinen Anfängen her essentiell von der umgebenden Kultur unterscheidet, dass mit ihm etwas ganz Neues in die Welt gekommen ist. Davor gab es das Zeitalter der „Dschahiliya“ (Zeit der Unwissenheit), eine gering geschätzte Epoche, die man nicht unbedingt zur Kenntnis nehmen muss.

Und im Westen glaubt man, dass der Islam das ganz Andere ist, also etwas, was nicht zu der eigenen Kultur gehört. Es sind uralte Festschreibungen von Andersheit, die historisch nicht zu halten sind, die sich aber aufgrund von früheren Machtverlagerungen oder Machtverhältnissen eben so festgeschrieben haben. 

Frage: Würden Sie dann auch die Auffassung verneinen, dass der Islam noch eine Aufklärung nötig hat beziehungsweise, dass Vernunft und Wissenschaft im Koran in einem Spannungsverhältnis zum Glauben stehen? 
Neuwirth: Die Behauptung, dem Islam fehle die Aufklärung ist auch ein uraltes Klischee. Der Stolz auf die Aufklärung, wenn er sich inzwischen allerdings auch etwas gelegt hat, verleitet immer wieder dazu, der westlichen Kultur gegenüber dem Islam einen erheblichen Vorsprung zuzumessen. In der islamischen Geschichte hat es zwar keine flächendeckende  Säkularisierungsbewegung gegeben, dies aber deshalb nicht, weil Sakrales und Säkulares im Islam bereits nebeneinander existierten. Auch war das Kräfteungleichgewicht keineswegs immer so wie wir es heute haben.

Die islamische Wissenskultur war sehr lange Zeit der westlichen oder überhaupt der außerislamischen weit überlegen. Das hat nicht zuletzt zu tun mit den medialen Vorsprüngen, die man hatte. Es gab in der islamischen Welt beispielsweise schon seit dem achten Jahrhundert die Herstellung von Papier. Diese ermöglichte wiederum, immense Massen von Texten zu verbreiten, wovon im gleichzeitigen Westen keine Rede sein konnte.

Es ist sicher mehr als das Hundertfache des im Westen an Schriften Vorhandenen, was da an arabischen Texten in Umlauf gebracht worden ist. Bis zum 15. Jahrhundert war man im Westen noch auf Pergament angewiesen, was sehr kostspielig und schwer zu bekommen war.

Frage: Wenn wir uns die inhaltliche Ebene des Korans anschauen: Welches Frauen- und Menschenbild konstatiert der Koran?

Neuwirth: Natürlich ist der Koran kein Nachschlagwerk für soziales Verhalten. Weite Kreise gehen heute davon aus, dass man alle Normen des Islam bereits im Koran auffinden kann. So war der Koran aber nicht gedacht. Es wandte sich als Verkündigung an Leute, die andere Normen kannten und bereit waren, diese Normen infrage zu stellen. Der Koran bildet Verhandlungen über verschiedene Normen ab. Dass man die relativ wenigen rechtlich relevanten Anweisungen dann systematisiert hat, und zu einem Teil des islamischen Normenkanons, der Scharia gemacht, ist eine andere Sache.

Die spätere Rechtsliteratur reflektiert nicht dieselben Verhältnisse wie der Koran. Das zeigt sich besonders deutlich am Bild der Frau, das ja in der islamischen Rechtsliteratur ganz anders aussieht als im Koran. Gerade hier markiert der Koran einen revolutionären Fortschritt: Er stellt die Frau – zu seiner Zeit ist es einmalig! – vor Gott auf gleiche Ebene mit dem Mann. Beide Geschlechter werden im jüngsten Gericht auf dieselbe Weise beurteilt.

Das klingt vor heute aus gesehen vielleicht irrelevant, aber das ist es nicht. In der damaligen Zeit war die Gleichstellung der Frau mit dem Mann noch ganz undenkbar – es gab sogar noch Diskussionen darüber, ob die Frau überhaupt eine Seele habe. Die Frau wurde sehr ambivalent beurteilt und ihr Rechtsstatus war in vielen vorislamischen Gesellschaften ausgesprochen ungünstig.

Der Koran rückt die Frau auch in wichtigen weltlichen Dingen auf die gleiche Ebene mit dem Mann, sie besitzt Rechte und kann sogar erben, ist also keineswegs entmündigt.

Frage: Navid Kermani spricht in seinem Werk „Gott ist schön“ von der ästhetischen Dimension des Korans. Können Sie dazu näheres sagen?

Neuwirth: Ja, das ist sogar wichtig. Wenn man, wie viele Koranforscher es heute tun, den Koran als eine Art Informationsmedium liest, in dem bestimmte Informationen stehen, dann wird man der ganzen Sache nicht gerecht. Der Koran ist sehr stark poetisch geprägt und hat eine ganze Reihe von Botschaften, die er gar nicht explizit, gar nicht eindeutig auf der semantischen Ebene mitteilt, sondern eben durch poetische Strukturen vermittelt, sonst wäre er auch gar nicht so eindringlich.

Wenn da bestimmte Informationen stünden, die hätte man vielleicht woanders auch haben können. Das Einzigartige am Koran ist eben seine Vielschichtigkeit, das er auf verschiedenen Ebenen spricht und das ist einerseits natürlich ästhetisch von großem Reiz, aber es ist auch, wenn man so will, rhetorisch oder überzeugungstechnisch von großem Reiz.

Wie gesagt, die Aussagen des Korans ließen sich vielleicht in einem ganz kurzen Zeitungsresümee zusammenfassen, das hätte aber keinerlei Effekt gehabt. Es geht wirklich um diese Verzauberung durch Sprache. Sprache selbst wird im Koran auch gepriesen als die höchste Gabe, die der Mensch von Gott erhalten hat. Das hat natürlich zu tun mit Wissen. Sprache ist das Medium des Wissens. Deswegen sollte man auf gar keinen Fall der islamischen Kultur auch noch Wissensfeindlichkeit unterstellen. Also der ganze Koran ist im Grunde genommen ein Preis auf das Wissen. Das Wissen, das sich durch Sprache artikuliert.

Frage: Welche Parallelen weist der Koran zu den religiösen Schriften der Juden und Christen auf? Was ist konkret die besondere Auszeichnung des Korans beziehungsweise was hat der Koran neues gebracht?

Neuwirth: Ja, was hat der Koran neues gebracht? Also, er muss ja Neues gebracht haben, wenn er so viele hundert Jahre nach der zuletzt vorher entstandenen heiligen Schrift in die Welt tritt (ca. 600 Jahre nach dem Neuen Testament). Zum einen würde ich sagen ist es sein Beharren darauf, dass Wissen einen ganz immens wichtigen Anteil am menschlichen Leben und auch am menschlichen religiösen Leben hat.

Der Gedanke ist im Neuen Testament zum Beispiel nicht interessant. Das Neue Testament hebt auf andere Dinge ab, und die Thora, das Alte Testament, also die hebräische Bibel, ebenfalls. Die Fokussierung auf das Wissen ist eindeutig eine Neuheit, die es vorher nicht gegeben hat. Das hängt zusammen mit der spätantiken Entstehung, damals war man einfach, auch durch die Philosophie, bereit, Wissen in den Vordergrund zu stellen.

Außerdem lässt sich anführen, dass im Koran die Universalisierung der Botschaft, die sich nun an alle Menschen richtet, eine besondere Rolle spielt. Weder hat der Koran ein besonderes Verständnis für das Erwählungsverständnis der Juden. Eine solche Erwählung lehnt die koranische Stimme ab, an die Stelle einiger Erwählter treten die Menschen insgesamt. Auch die Erwählung der Christen, die sich an die Stelle der Juden gesetzt hatten, wird zurückgewiesen.

Es gibt keine Erwählten, sondern es gibt die Menschen insgesamt, die bestimmten Vorbildern folgen, sich aber nicht auf irgendwelche Erwählungsprivilegien berufen können. Also weder, wie die Juden auf Abraham, oder wie die Christen auf Christus. Diese Berufungen helfen vor Gott gar nicht, sondern jeder ist allein verantwortlich und hat für sein Tun Rechenschaft abzulegen.

Frage: Das heißt, dass jeder Mensch eine individuelle Beziehung zu Gott aufbauen kann, ohne dass es dafür eine vermittelnde Instanz gibt?

Neuwirth: Ja, das kann man so sagen, wenngleich auch der Koran selber in gewisser Hinsicht eine vermittelnde Instanz ist, nämlich als ein Medium ist, durch das man leichter diesen Zustand erreichen kann. Durch die Erfüllung der rituellen Verpflichtung, vor allem durch das Gebet, durch die Rezitation des Korans, hat der Gläubige einen Zugang, der anderen nicht offen steht. Das ist aber eben ein verbaler Zugang, ein rituell-verbaler Zugang, aber keine auf eine Person gerichtete, auf einen Vorfahren oder eine Erlöserfigur gegründete Privilegierung.

Frage: Welchen Rat würden Sie einem Menschen geben, der bisher keinen Zugang zur Religion des Islams hatte und sich den Koran zum ersten Mal durchlesen möchte?

Neuwirth: Das ist natürlich ein ganz unvorteilhafter Ausgangspunkt (lacht). Vielleicht hat er dann ja auch gar keinen Zugang zu den anderen heiligen Schriften.

Es es ist ja leider so, dass man das Wissen, das die Hörer des Propheten hatten, normalerweise nicht nicht mehr hat. Die Hörer des Propheten waren gebildet, sie hatten eine Menge Bibelwissen und auch einiges philosophische Wissen der Zeit, das wir heute nicht haben. Was kann man da tun?

Wenn man Muslim ist, tut man gut daran, einfach die Kommentare zu lesen, die enthalten ja die Erfahrungen der muslimischen Gemeinde mit dem Koran. Das ist auf jeden Fall hilfreich – auch wenn diese auch aus einer Zeit stammen, die nicht unsere ist, und es manchmal irritierend ist, was man da zu lesen bekommt.

Wenn man Außenstehender ist, dann sollte man sich vielleicht damit begnügen, zunächst einmal den letzten Teil des Korans zu lesen, nach Möglichkeit auf Arabisch, wenn es geht, und dabei eine Koranrezitation zu hören. Dieses letzte Dreißigstel des Korans, das Dschuz' 'amm, wie es im Arabischen heißt, ist ein sehr schöner Zugang. Wenn sich da in einem nichts öffnet, wird es auch nicht bei Sure Zwei nicht passieren (lacht). Ich würde unbedingt raten, sich Koranrezitation dazu zu gönnen, damit nicht der falsche Eindruck entsteht, hier würden religiöse Informationen herübergebracht.

Frage: Inwiefern gibt es eine andere Spiritualität im Islam, oder eine andere Vorstellung von Spiritualität im Islam, als jetzt im Judentum oder Christentum?

Neuwirth: Es ist jetzt schwer in einem Satz von drei Spiritualitäten zu handeln, aber auf jeden Fall lebt die islamische Spiritualität von der Koranrezitation.

Erstmal reinszeniert man damit die Erfahrung des Propheten, was ja schon einmal eine ganz wichtige Rückbindung an ihn ist. Man steht in einer Tradition. Die Rezitation ist eingebettet in die Vorstellung, dass man durch das Sprechen bestimmter Formeln sich für einen Moment aus der Alltagswelt entfernen kann.

Besonders im Gebet selber werden bestimmte Formeln gesprochen, am Anfang und wieder am Ende, die zeigen, dass man während dieser Zeit abgemeldet ist aus dem Alltag. Das ist ein ganz erheblicher Vorteil gegenüber Leuten, die eine solche Möglichkeit nicht haben, sondern gewissermaßen 24 Stunden lang auf demselben Alltagsniveau sind.

Es gibt inzwischen ja eine Menge Versuche, solche Auszeiten mithilfe künstlicher Religionen zu erreichen, aber im Islam ist diese Praxis – sehr genuin und außerordentlich gut geregelt – schon abrufbar. Das heißt, mit dieser Rezitation ist man eine Weile in einer anderen Welt.

Anmerkung zur Autorin:
Anna Alvi (23) ist Bloggerin und im interreligiösen Dialog aktiv. Zurzeit studiert sie in Heidelberg  Vergleichende Religionswissenschaften (Masterstudiengang). Alia Hübsch (23) ist ebenfalls Bloggerin und Beauftragte für den interreligiösen Dialog einer muslimischen Frauenorganisation in Frankfurt am Main; derzeit studiert sie Religionsphilosophie (Masterstudiengang) in Frankfurt.

"IZ-Begegnung" mit dem Schriftsteller Feridun Zaimoglu

(iz). Dem Dichter – wie dem gesamten Berufszweig der „Intellektuellen“, wird im Feuilleton und auf Festveranstaltungen gerne ein gewisser Respekt erwiesen. Oft genug verharren viele, nicht alle, in diesem Bannkreis, oder nehmen als sprachliche Kunsthandwerker am allgemeinen Spektakel teil. Wollen sie mit relevanten Beiträgen an Debatten teilnehmen, bleiben sie – jenseits des Feuilletons – zu oft unge­hört oder, wie der Fall Grass belegt, werden von der Herde niedergebrüllt und schnell in ihre Reihen zurückgedrängt.

Zu den, existierenden, Ausnahmen gehört der deutsche Schriftsteller, Publizist und Drehbuch­autor Feridun Zaimoglu, der sich neben seiner künstlerischen Tätigkeit auch an verschiedenen Debatten zu den Themen Islam und Integration beteiligt. Der Kieler (geb. 1964) war auch anfänglich Teilnehmer der Deutschen Islamkonferenz, die er aber 2007 wieder verließ. Aus Protest, dass keine selbstbewussten Muslimas mit Kopftuch eingeladen wurden.

Feridun Zaimoglu, der auch unter jungen Muslimen seine Leser findet, lässt sich nicht auf ein Genre oder auf ein bestimmtes Image festlegen. Schon gar nicht auf das Ökotop einer wie auch immer gearteten „Migrantenliteratur“. Mit dem aktuellen Titel „Ruß“ hat er einen „Heimatroman“ geliefert, der in der – eigentlich untergegangene – Welt des Ruhrgebiets spielt. Mit ihm sprachen wir unter anderem über den Fall Grass, die Möglichkeiten des Dichters und den Islam in Deutschland.

Islamische Zeitung: Lieber Feridun Zaimoglu, man hat den Eindruck, dass in den letzten Jahren das Wirken der Dichter ins folgenlose Feuilleton oder in die kunsthandwerkliche Behübschung herrschender Verhältnisse abgeschoben wurde. Scheinbar plötzlich debattierte Deutschland tagelang über ein Gedicht – lassen wir dessen sprachlichen Gehalt einmal beiseite – von Günter Grass zur Kriegsgefahr im Nahen Osten. Hat sie das überrascht?

Feridun Zaimoglu: Mit Grass verfährt man, als hätte er sich des heimlichen ­Kackens im Weingarten des Herrn schuldig gemacht. Die Freaks der Aufklärung sahen in Sarazin einen ehrenwerten Mann mit kleinen Macken. Die selben Leuten hacken heute auf Günter Grass ein. Er hat die Konservativen geärgert, das verzeihen sie ihm nicht. Einige gute Leute aus dem Kulturjournal machen mit – weshalb? Grass’ Text ist eine einwandfreie politische Analyse. Die blinden Parteigänger mögen noch so laut jodeln: Günter Grass tat Wahrheit kund.

Islamische Zeitung: Früher waren Dichter Künder des Überzeitlichen und sollten Wahrheit sprechen? Lässt sich heute – nach Jahrzehnten Postmoderne, Dekonstruktivismus und Popkultur – damit überhaupt noch etwas anfangen?

Feridun Zaimoglu: Die Party ist vorbei, die Kasper sammeln die letzten Pappbecher ein. Es hieß: Lasst uns so schön ausgebeutet Lieder singen. Es hieß: Der Bekenner ist nur ein schlechter Tänzer. Es hieß: Däumchendrehen und Faseln macht uns munter. Es hieß: Gut und Böse – was schert uns das? Und heute? Geschwätz, Geflüster und Gerüchte. Aber auch: Zerpflückt die Armen. Kapitalverkehr von unten nach oben. Die Rechten schwätzen von Denkverboten, immer dann, wenn sie den Menschen das Denken verbieten wollen. Alles Lügen hilft nichts – der Kapitalismus frisst alle Kinder.

Islamische Zeitung: Ihr Buch „Ruß“ hat einer unserer Autoren im letzten Juli als „einen deutschen Roman“ ­bezeichnet. Ist es für Schriftsteller schwierig geworden, sich unverstellt und verständlich mit ihren Umfeld auseinanderzusetzen?

Feridun Zaimoglu: Hierzulande galt es als schick, Schischi-Schreiber aus Amerika oder Frankreich voll toll zu finden. Es wurden aber auch Pflänzchen aus den Literaturinstituten gelobt. Deutsch war unfein und deutsche Welt ­unwelthaltig. Das hat sich, nur ein bisschen, geändert. Nun will man, nun wollen die Experten, besser hinsehen.

Man man sich ja über mich lustig: Der Mameluck macht auf überdeutsch. Ist mir egal. Ich sehe, dass es vor meiner Haustür keimt und gärt. Blöde wär’s, nicht darüber zu schreiben. Gott sei Dank, die öden Büchlein von Frolleins und Knäbchen sind aus der Mode gekommen. Es sind nicht wenige Kollegin­nen und Kollegen bereit, deutsche Geschichten zu schreiben. Man achte auf die Dichtkunst aus dem Osten. Gute Dichter rücken an, und man wird sie nicht mit den üblichen ­Schaufenster-Ossis verwechseln können.

Islamische Zeitung: Neben – oder begleitend? – zu ihrer schriftstellerischen Arbeit haben sie sich seit Jahren in verschiedene „Integrations-“ und „Islamdebatten“ eingeschaltet. Gelegentlich drängt sich der Eindruck auf, dass mit den meisten Beiträgen nicht die Klarheit, sondern nur die Unüber­sichtlichkeit zunimmt. Haben sie die Hoffnung, hier einen Unterschied zu machen?

Feridun Zaimoglu: Man ruft mich an und bittet mich um meine Meinung. Man sitzt bei mir auf dem Sofa und drückt auf die Aufnahmetaste des Dikta­fons. Und manchmal melde ich mich als Salonfrontsau zu Wort. Ich bin ehrlich: Ich glaube nicht, dass ich mit wirklich klaren Beiträgen zum Thema glänze. Ich gelobe Besserung.

Islamische Zeitung: Ein deutscher Philosoph hat gesagt: „Bei vielen Menschen ist es bereits eine Unverschämt­heit, wenn sie ‘ich’ sagen.“ Gehen ihnen die vielen Identitätsdebatten nicht auf die Nerven?

Feridun Zaimoglu: Sie sagen es. Ich hör’ schon nicht mehr hin. Vor anderthalb Jahren habe ich aufgehört, Zeitungen zu kaufen. Der mündige und interes­sierte Bürger – was ein Schwindel. Frühstückszeitungen im Hotel lese ich dann doch. Um festzustellen, dass sich nichts geändert hat. Zur Ichverortung neigen vornehmlich Menschen, die im Leben sonst nichts vorhaben. Identität? Albern.

Islamische Zeitung: Lieber Feridun Zaimoglu, sie haben sich, beispielsweise in einem Beitrag für die „Zeit“ und in einer Interviewreihe mit den „Deutsch-Türkischen Nachrichten“, zu Wort gemeldet. Und zwar mit ­einer gehörigen Portion Wut. Braucht es diese Wut, um sich einen Weg zu den Herzen und zum Verstand der Menschen durchzuhämmern?

Feridun Zaimoglu: Was war noch einmal das Modewort der letzten Saison? Wutbürger. Was hat’s gebracht. Was bin ich? Schreibender Wutbürger. Schön ist es, sich nicht zu verheben. Ich rumpele in der Kiste, ein paar Freunde rufen an, und sagen: Guter Rappel, toll. Eigentlich liebe ich Zimmerlautstärke – ausgerechnet ich, den man auch gerne mal als altdeutschen Krakeeler bezeichnet. Ja, ich tobe. Ja, ich lange zu. Aber wenn ich schreibe, tauche ich ab und halte den Mund. Dann fühle ich mich am wohlsten. Das Reden über Missstände zermürbt. Trotzdem: Man sollte schon dann und wann die Lügner anbrüllen.

Islamische Zeitung: Sie nahmen an den ersten Runden der Deutschen Islamkonferenz teil. Können sie heute, nach mehreren Jahren und Mutationen dieser Gesprächseinrichtung, noch etwas damit anfangen? Wenn nein, sehen sie Alternativen?

Feridun Zaimoglu: Am Anfang stand die gute Idee: Die Moslems gehören zu Deutschland. Ich gehörte zu einem bunt zusammen gewürfelten Haufen aus Hauptberuflichen und Privatinteressierten. Es wurden viele Gruppenfotos geschossen. Das Ding implodierte. Der Stifter der Konferenz wanderte in ein ande­res Ressort, die folgenden Minister sprachen weise Worte oder blödes Zeug. Heute schart man sich um eine Leiche, ringt die Hände. Die Leiche stinkt, man sollte sie begraben. Alternativen? Neue Moslem-Welle? Bund der aus der Konferenz Vertriebenen? Liberale für mehr Beinfreiheit? Nein. Junger Deutscher Islam. Ja.

Islamische Zeitung: Ein nicht unerheblicher Anteil der muslimischen Jugend hat höchstwahrscheinlich nur einen sehr begrenzten Zugang zur Sprachwelt und zur Literatur Deutschlands, aber auch der Kultur ihrer Eltern. Haben sie die Hoffnung – wenn sie das denn wollen – diese neuen Generationen zu erreichen?

Feridun Zaimoglu: Die meisten Deutschstämmigen haben keinen Bezug zu Literatur. Ich mache ja nur ein Angebot. Es fällt aber auch, dass zu meinen Lesungen immer mehr Muslime kommen. Sie erleben einen Berserker auf der Bühne. Manchen gefällt’s, andere rümpfen ob meiner Stubenbarbarei die Nase. In der Arbeiterklasse hält man halt die Kultur für recht verzichtbar. Auf die Techniken der Verfeinerung pfeift man. Sehr schade.

Islamische Zeitung: Was ist ihr Verhältnis zu den – vermeintlichen – sozialen Netzwerken und deren Folgen für unsere Kommunikation? Haben sie eine Bedeutung für ihren Alltag?

Feridun Zaimoglu: Verstehe die Frage nicht wirklich. Halt, doch mir dämmert’s. Bin Einzelgänger und ­Einzeltäter. Bin gern unter Menschen, setze mich aber auch gerne ab. Die meiste Zeit des ­Tages sitze ich alleine zu Haue, oder im Zug, oder im Hotelzimmer. Und brüte: über eine Geschichte, über den nächsten Roman, über das nächste Projekt. Und danke am Ende des Tages dem ­Allmächtigen, dass er mich geschützt hat.

Islamische Zeitung: Lieber Feridun Zaimoglu, wie sehen sie den Zustand der muslimischen Gemeinschaft in Deutschland und was sollte ­geschehen, um ihn zu transformieren?

Feridun Zaimoglu: Alles ist in Auflö­sung. Schön. Alles ist im Entstehen. Noch besser. Das Ziel: Weg von der Tradition, vom Altvaterglauben. Hin zur Menschenliebe. Wer andere Menschen demütigt, ist ein Schwein. Ein Schwein muss man befehden. Das Heilige ist uns überliefert – daran festhalten. Und in den Gärten der reichen Säcke heimlich kacken – darauf nicht verzichten.

Islamische Zeitung: Lieber Feridun Zaimoglu, wir danken Ihnen für das Gespräch.

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