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Ostern und das Heilige Land: im Schatten des Krieges

Ostern krieg

Leere Straßen, geschlossene Heiligtümer und Feiern in kleinstem Kreis überschatten Pessach und Ostern. Frieden oder ein bisschen Normalität sind nicht in Sicht.

Jerusalem (KNA). Eigentlich ist Niederschlag in dem von Trockenheit geplagten Heiligen Land ein Segen. Angesichts von menschenleeren Straßen und geschlossenen Heiligtümern unterstreicht der anhaltende, späte Winterregen jedoch die bedrückende Atmosphäre in Jerusalem. 

Die Heilige Stadt, die zu Pessach und Ostern fest in der Hand von Pilgermassen sein sollte, leidet unter kriegsbedingten Einschränkungen. 

Das Gebetsleben geht hinter verschlossenen Türen weiter, ohne Pilger und fast ohne Gläubige. Der seit mehr als einem Monat andauernde Nahostkrieg wirft nach dem muslimischen Ramadan seinen Schatten nun auch auf das jüdische Pessachfest und Ostern.

Foto: Jorge Láscar/via Wikimedia Commons

Ostern und Pessach in Zeiten des Krieges

Mit Sonnenuntergang am Mittwochabend begann für Juden weltweit Pessach. Christen stimmten am Gründonnerstag mit Abendmahlsmesse, Fußwaschung und Chrisamweihe in die Feier der drei vorösterlichen Tage ein.

Normalerweise würden jetzt Zehntausende Menschen durch die engen Gassen der Jerusalemer Altstadt zu den heiligen Stätten ziehen. Die aber sind seit dem 28. Februar, dem Beginn des US-israelischen Krieges gegen den Iran, auf behördliche Anweisung geschlossen.

Ein massives Polizeiaufgebot, das an allen Toren der Altstadt den Zugang einschränkte, prägte den Auftakt der Feiertage.

„Wir erleben immer noch die sehr starken Restriktionen für die Jerusalemer Altstadt“, sagte der Abt der deutschsprachigen Benediktiner im Heiligen Land, Nikodemus Schnabel, der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Die Altstadt, den drei Religionen so kostbar und wertvoll, sei traurigerweise nicht zugänglich für Betende.

Die Spannung lasse sich nicht ignorieren, predigte der Lateinische Patriarch von Jerusalem, Kardinal Pierbattista Pizzaballa, zum Auftakt des sogenannten Triduums, das den Bogen spannt vom letzten Abendmahl über die Kreuzigung Jesu bis zur Auferstehung, im verschlossenen Inneren der Grabeskirche.

Foto: Latin Patriarchate of Jerusalem

„Der Krieg hat diesen Ort in eine Zuflucht verwandelt, ein ‘Innen’, das von einem ‘Außen’ abgeschnitten ist, das von Angst und Anspannung belastet ist. Wir sind hier wie in einem Schoß des Friedens, während die Welt um uns herum zerrissen wird, und wir wünschten, wir könnten all dies ändern“, so das Oberhaupt der Katholiken im Heiligen Land.

Die Hoffnung vieler Menschen im Heiligen Land, dass zu den hohen Feiertagen Frieden einkehrt und der Krieg endet, wurde enttäuscht.

Denn von Normalität ist das Heilige Land weit entfernt. Trotzdem will man zu Ostern alles tun, um im Rahmen des Erlaubten möglichst vielen die sichere Teilnahme an den Gottesdiensten zu ermöglichen.

Die zentralen Feiern in der Grabeskirche sollen live übertragen werden, die Pfarrer in allen Teilen des Bistums ihre Feiern an die konkreten Gegebenheiten vor Ort anpassen.

Kirchenvertreter stellen das Sicherheitsargument der israelischen Behörden nicht infrage und zeigten durch einen Ausschluss der Öffentlichkeit von den zentralen Kar- und Osterfeiern Kooperationsbereitschaft hinsichtlich der Einschränkungen, die Juden, Christen und Muslime gleichermaßen treffen.

Absurd seien jedoch die „die merkwürdigen Doppelstandards, die wir bezüglich Altstadt und Neustadt erleben“, sagte Abt Schnabel. Während die Altstadt komplett geschlossen sei, sei in der wenige Meter entfernten Westjerusalemer Einkaufsstraße Mamilla alles geöffnet; Menschen säßen in Cafés.

Kurzmeldungen

Foto: Abbas Zakeri/Wikimedia Commons/CC-Lizenz

Unendliches menschliches Leid

Dieser Krieg habe unendliches menschliches Leid über die Verletzlichsten gebracht. Dies dürfe nicht durch die schmerzhaften Einschränkungen für das gottesdienstliche Leben an den wichtigsten Tagen im christlichen Kalender in den Hintergrund geraten, betonen die Kirchenvertreter.

Patriarch Pizzaballa warnte vor einem Fokus auf die eigenen „kleinen Probleme“ und mahnte zur Wahrung der Verhältnismäßigkeit. „Es gibt so viele Menschen, denen es schlechter geht als uns, und das muss gesagt werden – im Libanon, in Syrien und an vielen anderen Orten im Nahen Osten, aber nicht nur dort.“

Mit der Krypta unter der Abteikirche, dem „besten Bunker Jerusalems“, gehe es der Gemeinschaft der Dormitio auf dem Zionsberg „wirklich gut, vergleichbar mit dem, was um uns herum geschieht“, sagte Schnabel. 

Er denke an jene, die keine Schutzräume hätten wie die Beduinen; er denke an jene, die in Fürsorge für die ihnen anvertrauten Alten und Kranken Schutzräume nicht aufsuchten, wie die philippinischen und sri-lankischen Gastarbeiterinnen.

Und an die Christen im Gazastreifen, deren sich zuspitzende Situation im Schatten des Krieges in Vergessenheit gerate, aber auch die Menschen im Südlibanon, die zwischen der Hisbollah und der israelischen Armee zerrieben würden. Sie alle seien die „kleinen Schicksale“, die in diesem Krieg untergehen.

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Jerusalem – der Schlüssel, der Religionen verbindet

Jerusalem

Jerusalem: Wie ein tägliches Ritual im Morgengrauen um die Grabeskirche einen Weg zu mehr Frieden weisen kann

(iz). Wenn die Altstadt von Jerusalem noch im Halbdunkel liegt und nur vereinzelte Schritte durch die Gassen hallen, beginnt ein Vorgang, der älter ist als viele Staaten dieser Welt.

Zwei Männer begegnen sich vor dem Portal der Grabeskirche. Beide gehören muslimischen Familien an, deren Namen seit Generationen mit diesem Ort verbunden sind. Die Familie Judeh al-Husseini und die Familie Nusseibeh.

Einer trägt den Schlüssel bei sich, ein langes, schmales Stück Metall von beträchtlicher Größe. Der andere übernimmt ihn, setzt ihn ins Schloss und öffnet das schwere Tor. Hinter ihm liegt nach christlichem Glauben das Grab Jesu, das Zentrum der Christenheit. Die Szene wirkt schlicht. Doch sie erzählt von einer komplexen Geschichte.

Foto: Jorge Láscar/via Wikimedia Commons | Lizenz: CC BY 2.0

Jerusalem: Konkurrenz im Heiligtum

Schon früh wurde die Grabeskirche nicht von einer einzigen Kirche verwaltet. Mehrere alte christliche Gemeinschaften beanspruchten Rechte an Kapellen, Altären und sogar an einzelnen Stufen. Armenier, Griechen, Kopten, Syrer, Äthiopier und auch Katholiken teilen sich das Gebäude bis heute nach streng festgelegten Regeln.

Was von außen wie Einheit aussieht, ist im Inneren oft ein empfindliches Gleichgewicht. Selbst kleinste Veränderungen, wie z.B. wo ein bestimmtes Möbelstück stehen darf und nicht stehen darf, lösen Spannungen aus. Historisch führten solche Auseinandersetzungen nicht nur zu lautstarken Streitigkeiten, sondern auch zu politischen Konflikten mit internationaler Tragweite.

Im 19. Jahrhundert etwa nutzte das Russische Reich Differenzen um Schutzrechte an christlichen Stätten als Vorwand für militärische Schritte gegen das Osmanische Reich. Der daraus entstandene Krimkrieg zeigt, wie eng religiöse Fragen mit Machtpolitik verflochten waren.

Bis heute kommt es gelegentlich zu handfesten Auseinandersetzungen zwischen Geistlichen verschiedener christlicher Konfessionen. Die Spannungen sind Teil einer langen Geschichte konkurrierender Ansprüche.

Die Entscheidung Saladins

Ein Wendepunkt trat 1187 ein. Nach seinem Sieg über die Kreuzfahrer übernahm Saladin die Herrschaft über Jerusalem. Wie viele seiner muslimischen Vorgänger in anderen Gebieten, entschied auch er sich gegen die Zerstörung von Kirchen und Synagogen. Die Grabeskirche blieb bestehen.

Um jedoch dauerhafte Konflikte unter den christlichen Gruppen zu verhindern, wurde eine ungewöhnliche Lösung gefunden. Die Verantwortung für den Schlüssel ging an muslimische Familien über. Damit lag die Kontrolle über das Öffnen und Schließen des Tores in neutralen Händen.

Foto: Freepik

Diese Regelung stabilisierte die Situation. Keine der christlichen Kirchen musste befürchten, dass eine rivalisierende Gemeinschaft die Oberhand gewann. Gleichzeitig blieb der Zugang für Pilger gesichert.

Christen und Juden konnten sich auf die muslimischen Schlüsselträger verlassen. Seit fast 900 Jahren sorgen sie für Schutz und Sicherheit in der Grabeskirche, so dass der Gottesdienst stattfinden kann.

Ein lebendiges Gleichgewicht

Heute erscheint diese Praxis wie ein stilles Lehrstück über Zusammenleben. In einer Stadt, in der religiöse Identitäten tief verwurzelt sind und politische Spannungen zum Alltag gehören, existiert hier eine Kooperation, die auf Vertrauen und Tradition beruht.

Der Schlüssel wechselt jeden Morgen die Hand. Zwei Männer erfüllen ihre Aufgabe, unabhängig von theologischen Differenzen oder politischen Entwicklungen.

Das schwere Tor öffnet sich nur, wenn beide ihren Teil beitragen. In dieser einfachen Handlung liegt eine symbolische Kraft. Selbst an einem Ort voller Geschichte und Konflikte ist das Miteinander möglich, wenn Rollen klar verteilt und gegenseitiger Respekt gewahrt bleiben.

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Stephan Wahl: Gazakrieg mit einem Deal beenden

menschenrechte Rafah flucht krieg

Viele kennen ihn aus dem „Wort zum Sonntag“: Ex-Sprecher Stephan Wahl. Der Israel-Experte hält ein Ende des Konflikts für möglich. Die Kriegsparteien müssen über ihren Schatten springen. Jerusalem/Trier (KNA). Für […]

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Hunderte bei interreligiösem Friedensmarsch durch Jerusalem 

jerusalem

Aus der Stadt des Friedens für den Frieden: Hunderte Menschen verschiedener Religionen wollten am Montag Jerusalem nicht den Kriegstreibern überlassen. Für viele ein Hoffnungszeichen.

Jerusalem (KNA). Für Frieden und Menschenrechte sind am Montagnachmittag mehrere Hundert Menschen verschiedener Religionen durch Jerusalem gezogen. Mit dem Zug durch die Stadt, „aus der die Welt geschaffen wurde und die eine Stadt der Gerechtigkeit und des Friedens“ sein sollte, wolle man „in dieser schmerzhaften Zeit die Worte Gottes mit lauter und entschlossener Stimme verkünden“, sagte Rabbinerin Leah Schakdiel zum Abschluss des Zugs vor dem Jaffator zur Jerusalemer Altstadt.

„Frieden, Gleichheit und Gerechtigkeit für alle Menschen zwischen dem Fluss und der See“, gab sie dem oft von Radikalen auf beiden Seiten des Nahostkonflikts missbrauchten Slogan „From the River to the Sea“ eine erstrebenswertere Bedeutung.

Der interreligiöse Friedensmarsch inmitten des seit fast acht Monaten dauernden Gaza-Kriegs ist auch eine Gegenveranstaltung zum israelisch-nationalistischen Flaggenumzug rechter Organisatoren am Mittwoch, bei dem es regelmäßig zu rassistischer Gewalt kommt.

Zum Auftakt der von den „Rabbinern für Menschenrechte“ initiierten Veranstaltung hatten sich die Teilnehmer zu gemeinsamen Gebeten im Herzen der Westjerusalemer Fußgängerzone versammelt. Am Rathaus und entlang der westlichen Altstadtmauer ging es dann weiter zum Jaffator, ganz ohne Fahnen, dafür mit bekannten Friedensliedern wie „Od javo schalom aleinu“ (Noch wird Friede über uns kommen) auf den Lippen.

Rabbinerinnen, Imame, Priester und Scheichs wechselten sich ab in ihren Forderungen nach einem anderen, besseren Weg aus dem Konflikt als Krieg. Ob auf Hebräisch oder Arabisch, ein jeder und eine jede erntete den Applaus der Versammelten aus mindestens fünf Religionen.

Nach Monaten des Krieges mit zu vielen unschuldigen Opfern scheine ein gemeinsamer Umzug „beängstigend, ja fast gefährlich“, erklärte der Rabbiner der reformjüdischen Jerusalemer Gemeinde „Kol HaNeschama“, Oded Mazor. Dennoch sei es der einzige Weg, und er müsse gemeinsam gegangen werden. „Von Jerusalem muss ein großer Ruf nach Frieden kommen, der aus dem Blickkontakt entsteht“, so Mazor.

Freiheit, Frieden, Gleichheit und Gerechtigkeit waren die verbindenden Themen der Reden, Gebete und Gesänge. Man müsse sich auf das Gemeinsame konzentrieren, statt das Trennende zu betonen, sagte Drusen-Scheich Junis Amascha der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

Den langen Weg vom Karmelgebirge in Nordisrael „und drei Stunden Stau“ hat er auf sich genommen, um Solidarität mit „diesem Forum für den Frieden“ zu zeigen, entsprechend dem Geist des Drusentums als „Brücke zum Frieden“. Glaube müsse zusammenbringen, statt zu spalten, so Amascha.

„Im Heiligen Land gibt es derzeit nicht gerade viele, die noch Zuversicht auf Frieden haben, aber von denen sind viele hier.“ An ihrer Seite wolle man stehen, begründete der Propst der evangelischen Erlöserkirche in Jerusalem, Joachim Lenz, seine Teilnahme. Man dürfe die Heilige Stadt nicht denen überlassen, die keinen Frieden wollen. Betet für den Frieden von Jerusalem, der sechste Vers des Psalms 122, der an diesem Nachmittag einige Male gesprochen wird, steht eingraviert auf dem Brustkreuz des rheinischen Theologen.

Lenz will besonders auch die einheimischen Christen unterstützen. Als Christ aus dem Ausland treffe ihn der Vorwurf der „Normalisierung“, wie er manchmal gegen Palästinenser vorgebracht werde, die trotz des anhaltenden Konflikts mit Israelis zusammenarbeiten, weniger hart.

Für den bekannten britisch-israelischen Rabbiner David Rosen steht die Zusammenkunft für das „interreligiöse Engagement für Frieden“. Ihre zweite Auflage, diesmal mit deutlich größerer Beteiligung als im Vorjahr, sei „ein Zeichen der Hoffnung in harten Zeiten“, sagte er KNA.

„Hoffnung ist ein Tun“, warb Friedensaktivist Maoz Inon, dessen Eltern am 7. Oktober von Hamas-Terroristen ermordet wurden. Genau das sei es, was sie mit diesem Marsch gemeinsam täten: der Hoffnung Handlung verleihen.

Das letzte Wort der Hoffnung an diesem Nachmittag hatte ein Lied des jüdisch-christlich-muslimischen „Jerusalemer Jugendchors“: „Aber wir werden den Sonnenaufgang sehen. Diese Dunkelheit kann nicht andauern“, heißt es darin. „Wir leben in den Kriegen. Wir fühlen den Schmerz des anderen. Deinetwegen weiß ich, dass wir einen anderen Weg wählen müssen.“

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Droht Jerusalem eine „Disneylandisierung“?

jerusalem

Derzeit sind Touristen in Jerusalem wegen des Gaza-Kriegs eher Mangelware. Doch meist wirkt die Heilige Stadt dreier Weltreligionen wie ein Magnet. (KNA). Sie ist als Touristen-Attraktion für Millionen Jerusalem-Besucher gedacht. […]

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Jerusalem – Stadt dreier Religionen

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Die Einzigartigkeit Jerusalems als Stadt dreier Religionen bewahren. Neues 3D-Modell zeigt Heilige Orte von Christen, Muslimen, Juden (KNA). Eine Trennung von Religion und Staat, wie etwa in Deutschland, ist hier […]

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Jerusalem bereitet Sorgen

miradsch Jerusalem wahl

Amman/Jerusalem (dpa/IZ) Rund eine Woche vor Beginn des Fastenmonats Ramadan wächst die Sorge vor möglichen Auseinandersetzungen um den Al-Haram al-Scharif in Jerusalem. Jordaniens König Abdullah II. empfing am Montag drei arabische Abgeordnete der Knesset, wie der Königshof in Amman mitteilte. Israelischen Medienberichten zufolge sollen sie um Unterstützung für ungehinderten Zugang für Muslime zur Al-Aksa-Moschee auf dem auch als Al-Haram al-Scharif bekannten Komplex gebeten haben. Das jordanische Königshaus hat zumindest symbolisch die Schirmherrschaft für die heiligen Stätten in Jerusalem, auch wenn diese de facto seit dem Sechstagekrieg im Jahr 1967 von Israel kontrolliert werden. 

Abdullah II. mahnte Israel einer Mitteilung seines Büros zufolge zur Zurückhaltung. Alle Seiten müssten zu einer Deeskalation beitragen, so der Monarch. Vertreter der Hamas hatten die Palästinenser in Jerusalem und im Westjordanland zuvor aufgerufen, zum Beginn des Ramadan, der am 10. oder 11. März beginnen soll, zur Al-Aksa-Moschee zu ziehen. Hamas-Vertreter Osama Hamdan rief die Menschen in einer Rede in der libanesischen Hauptstadt Beirut am Montag dazu auf, „jeden Tag des Fastenmonats zu einem Tag der Zusammenstöße“ zu machen. 

Am Sonntag hatten sich israelischen Medien zufolge bereits hochrangige Vertreter der Armee, der Polizei und des israelischen Inlandsgeheimdienstes Schin Bet getroffen, um Sicherheitsvorkehrungen für den Tempelberg zu besprechen. 

Jerusalems heilige Stätten für unter 70jährige gesperrt?

Der rechtsextreme Polizeiminister Itamar Ben-Gvir pocht auf weitreichende Beschränkungen für Palästinenser aus dem Westjordanland. Mitte Februar hatte er verlangt, dass Muslime aus Israel im Alter unter 70 Jahren keinen Zugang zu der Anlage haben, während er Palästinensern aus dem besetzten Westjordanland grundsätzlich verwehrt werden soll. Am Montag bekräftigte Ben-Gvir seine Forderungen. 

Medien zufolge lehnen aber der israelische Inlandsgeheimdienst Schin Bet und das Militär strenge Auflagen ab, die in der Vergangenheit zu Zusammenstößen geführt haben. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu verschob Medien zufolge ein weiteres für Montag geplantes Treffen über die Sicherheitsvorkehrungen aus gesundheitlichen Gründen. Die Kabinettssitzung könnte am Dienstag nachgeholt werden und dann im Sinne der Vorschläge von Schin Bet und Militär entscheiden, berichtete der Fernsehsender Channel 12. 

Im vergangenen Jahr war der Zugang zum Tempelberg Frauen jeden Alters, Männern wiederum nur über 55 Jahren erlaubt. Der Tempelberg mit dem Felsendom und der Al-Aksa-Moschee ist die drittheiligste Stätte im Islam. Als Maßnahme zur Deeskalation wurde in den vergangenen Jahren zudem Juden der Besuch für die letzten zehn Tage des Ramadan verboten. Der Tempelberg (arabisch: Al-Haram al-Scharif) gilt auch Juden als heilig, weil es die Stätte der beiden in der Antike zerstörten jüdischen Tempel ist.

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Jerusalem: Bundesregierung fordert Deeskalation nach Gewalt am Heiligtum

Jerusalem

Die Bundesregierung hat nach Gewaltausbrüchen am Haram al-Scharif in Jerusalem alle Seiten zur Deeskalation aufgerufen.

Berlin (dpa/iz/KNA). Die Bundesregierung hat nach Gewaltausbrüchen am Haram al-Scharif in Jerusalem alle Seiten zur Deeskalation aufgerufen. „Die Ausschreitungen der vergangenen Nacht am Tempelberg erfüllen uns mit Sorge. Die Raketenangriffe in der Nacht von Gaza auf Israel verurteilen wir klar“, sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amts am Mittwoch in Berlin.

Foto: Muhamad Taufiq Bin Azmi, Shutterstock

Feiertage in Jerusalem respektieren

Damit alle Gläubigen die anstehenden Feiertage Ramadan, Pessach und Ostern in Würde und Frieden begehen könnten, „darf es jetzt zu keiner weiteren Eskalation kommen“. Dafür sei es essenziell, dass die zuständigen israelischen, palästinensischen und jordanischen Stellen weiter im engen Austausch blieben. Das jüdische Pessach-Fest hat am Mittwoch begonnen und dauert eine Woche.

Der Sprecher ergänzte, in den vergangenen Wochen hätten teils mehrere zehntausend muslimische Gläubige täglich in Ruhe und Sicherheit auf dem Tempelberg Gebete und Festlichkeiten im Zuge des Ramadan begehen können, „auch dank einer engen Absprache zwischen den beteiligten Behörden.

Foto: Eddie Gerald, Alamy

„Kein Öl ins Feuer gießen“

Dies gilt es aus Sicht der Bundesregierung fortzuführen.“ Alle, die Einfluss auf die Lage hätten, stünden in der Verantwortung, „dass jetzt kein weiteres Öl ins Feuer gegossen wird und alles zu tun, um die Lage zu beruhigen“.

Wegen des Status als besetztes Gebiet gelte für das Handeln israelischer Stellen in Ostjerusalem das humanitäre Völkerrecht, das sowohl die Pflicht zur Sicherung der öffentlichen Ordnung als auch das Gebot der Verhältnismäßigkeit beinhaltet, erklärte der Sprecher des deutschen Außenministeriums.

Foto: Nick Brundle

Zugleich wisse man, dass auch an diesem Ort „immer wieder leider auch Akteure, Gruppen mit provokativen Absichten zugange sind, sowohl von palästinensischer als auch von israelischer Seite“. 

In jedem Fall solle Gewalt immer das letzte Mittel sein und besonders der Schutz von Zivilpersonen im Vordergrund stehen. Und für den Tempelberg als politisch und religiös besonders sensiblen Ort gelte dies in ganz besonderem Maße.

Zuvor hatten Konfrontationen auf dem Tempelberg Sorgen vor einer weiteren Eskalation in Nahost geweckt. Nach Angaben der Polizei wurden rund 350 Menschen festgenommen. Ein Sprecher des palästinensischen Präsidenten Mahmud Abbas verurteilte das Vorgehen der Polizei. Kritik kam auch aus Jordanien, Ägypten, Saudi Arabien und der Türkei.

Foto: Jan Scheunert/ZUMA Wire/Alamy Live News

„Gewaltexzesse“: Zentralrat der Muslime meldet sich zu Wort

„Bilder über die jüngsten Gewaltexzesse in und um die Al-Aqsa Moschee sind sehr verstörend und machen uns als Religionsgemeinschaft tief betroffen“, erklärte der Zentralrat der Muslime am gleichen Tag.

Er verurteile jeglichen Gewalteinsatz und forder die israelischen Sicherheitskräfte gemeinsam mit den Hütern der Heiligen Stätte auf, alles daran zu setzen, damit diese angespannte Lage nicht weiter eskaliert.

„Wir beten für die Verletzten der letzten Nacht und bitten unseren Schöpfer, dass in #Jerusalem, als religiöse und historische Stätte der drei abrahamitischen Weltreligionen, Frieden einkehrt. Wir appellieren an alle Gläubigen den Fastenmonat Ramadan, das christliche Oster- und das jüdische Pessachfest, welche alle drei in diesen Tagen zusammenfallen, zu achten, zu respektieren und zu schützen.“

Palästinensisches Kirchenkomitee fordert Schutz für Heiligtümer

Das Leitungskomitee für Kirchenangelegenheiten der Palästinensischen Behörde hat internationalen Schutz für das palästinensische Volk und seine heiligen Stätten gefordert. Nach Zusammenstößen zwischen muslimischen Gläubigen und der israelischen Polizei auf dem Tempelberg, arabisch Haram al-Scharif, rief der Vorsitzende des Gremiums, Ramzi Khoury, die politisch Verantwortlichen weltweit am Mittwoch dazu auf, „diesem blinden Wahnsinn Einhalt zu gebieten, den Angreifer zur Rechenschaft zu ziehen und die barbarische Aggression gegen Kultstätten zu beenden“.

Khoury bezeichnete das Vorgehen Israels als brutale Aggression sowie „Unterdrückung und Misshandlung, die sich über alle menschlichen Werte hinwegsetzen“. Die Besatzungsmacht Israel ziele darauf ab, den Status quo zu ändern und jüdischen Extremisten zu ermöglichen, ihre Rituale wie das rituelle Schlachtopfer am Pessachfest auf dem Tempelberg zu feiern.

Damit bringe „die Regierung der rassistischen Rechten“ die Region an den „Abgrund eines Religionskrieges, dessen Folgen nicht absehbar sind“. Das palästinensische Volk werde seine christlichen und islamischen heiligen Stätten verteidigen.

In der Nacht zu Mittwoch war die israelische Polizei unter anderem mit Blendgranaten und Gummigeschossen gegen Palästinenser vorgegangen, die sich nach den nächtlichen Ramadan-Gebeten in der Al-Aksa-Moschee auf dem Tempelberg verbarrikadiert haben.

Nach israelischen Polizeiangaben wurden 350 Palästinenser festgenommen. Laut dem Palästinensischen Roten Halbmond wurden sieben Palästinenser verletzt. Die Polizei habe die Sanitäter daran gehindert, die Verletzten zu erreichen.

Der palästinensische Präsident Mahmud Abbas, sein Ministerpräsident Mohammed Schtajjeh, das jordanische Außenministerium sowie weitere arabische Länder verurteilten das israelische Vorgehen und warnten vor unabsehbaren Folgen für die Region.

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Australien widerruft Anerkennung West-Jerusalems als Hauptstadt

miradsch Jerusalem wahl

Canberra (dpa). Australien macht die Anerkennung von West-Jerusalem als israelische Hauptstadt nach wenigen Jahren wieder rückgängig. Außenministerin Penny Wong begründete dies am Dienstag in Canberra damit, dass über den Status von Jerusalem in Friedensverhandlungen zwischen Israel und den Palästinensern entschieden werden solle. Die australische Botschaft sei immer in Tel Aviv gewesen und werde dort auch bleiben. Australien wolle eine Zwei-Staaten-Lösung, in der Israel und ein Palästinenserstaat „in Frieden und Sicherheit“ miteinander auskommen.

Israels Ministerpräsident Jair Lapid äußerte sich enttäuscht. Er sprach von einer „hastigen Entscheidung“. „Wir können nur hoffen, dass die australische Regierung andere Dinge ernsthafter und professioneller handhabt. Jerusalem ist die ewige und vereinigte Hauptstadt Israels und nichts wird dies jemals ändern.“ Das Außenministerium kündigte an, den australischen Botschafter einzubestellen.

Australiens neue Regierung von Premierminister Anthony Albanese ändert mit der Entscheidung den Kurs von Vorgänger Scott Morrison. Dieser hatte im Dezember 2018 West-Jerusalem als israelische Hauptstadt anerkannt, die Botschaft allerdings in Tel Aviv belassen.

Darüber hinaus hatte er sich dazu bekannt, einen künftigen palästinensischen Staat mit Ost-Jerusalem als Hauptstadt anzuerkennen, wenn eine dauerhafte Zwei-Staaten-Lösung erreicht sei. Palästinenser hatten die Entscheidung damals kritisiert. Israel von „einem Schritt in die richtige Richtung“ gesprochen.

Zuvor hatten die USA 2017 unter dem damaligen Präsidenten Donald Trump Jerusalem als Israels Hauptstadt anerkannt und ihre Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem verlegt. Die Verlegung war für die Palästinenser ein Affront. Israel hatte den Ostteil Jerusalems im Sechstagekrieg 1967 erobert.

Palästinensische Hilflosigkeit: „Niemand steht uns bei"

Jerusalem (iz). Alle amerikanischen Präsidenten der neueren Geschichte bezeichneten sich als Freunde Israels, doch er – so Donald Trump während seines Wahlkampfes – würde beweisen, dass er ein wahrer Freund Israels sei.
An diesem Mittwoch, den 06. Dezember, hat er es nun getan. Entgegen aller Warnungen erklärte der US-Präsident, dass die USA Jerusalem als ungeteilte (!) Hauptstadt Israels anerkannten und die amerikanische Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem verlegen wollten.
Sofort versammelten sich wütende Demonstranten in der Jerusalemer Altstadt und ein dreitägiger Generalstreik wurde ausgerufen. Schulen, Kindergärten, Büros und Geschäfte blieben geschlossen – wieder einmal. Die Hamas rief zu einer „neuen Intifada“ auf – wieder einmal. Denn leider protestieren und streiken die Palästinenser sehr oft. So oft, dass es außerhalb Palästinas niemanden mehr interessiert und auch niemand darüber berichtet. Israel verstößt permanent gegen sämtliche Regeln des Völkerrechts, doch die Palästinenser fühlen sich zunehmend hilflos.
„Es gibt keine Führung“, sagte ein Journalist aus Bethlehem. „Niemand steht uns bei und wir sollen unsere Söhne jedes Mal in den Tod schicken.“ Denn immer, wenn erneut ein Mauerabschnitt oder eine Siedlung gebaut wird, immer wenn Häuser demoliert werden oder die Beschränkungen an der Al-Aqsa-Moschee zunehmen, sind die Jugendlichen zur Stelle. Junge Männer gehen mit Steinen und Messern auf israelische Sicherheitskräfte los – und sterben. Ein Stein in der Hand und gleich darauf die Kugel im Kopf. „Ich möchte nicht, dass mein Sohn nach Jerusalem geht“, sagt die Mutter eines 14-Jährigen, „ich habe Angst um ihn“.
Die Stimmung ist angespannt. Wird etwas passieren? Trump wurde „gewarnt“ – aber wovor? Saudi Arabien und Ägypten haben seine Entscheidung moniert. Doch laut dem israelischen Fernsehsender „Channel 10“ hätte der US-Präsident sich diesen Schritt nicht getraut, wenn er nicht Saudi Arabien und Ägypten hinter ihm wüsste.
Erst vor einem Monat kehrte Mahmud Abbas aus Saudi Arabien zurück und berichtete, dass der einflussreiche Kronprinz Muhammad ibn Salman ihm einen mit Trumps Schwiegersohn Jared Kushner erarbeiteten „Friedensvertrag“ vorgelegt habe. Demnach sollte er einem palästinensischen Staat ohne Jerusalem als Hauptstadt, ohne Rückkehrrecht und ohne Abzug der Siedlungen zustimmen. Saudi Arabien bestritt diese Meldungen allerdings.
Während Mahmud Abbas immer noch auf ein Wunder seitens der „Internationalen Staatengemeinschaft“ und auf deren Hilfe hofft, werden in den sozialen Netzwerken und Medien Katar und die Türkei als einzige Unterstützer angesehen. Doch jeder weiß, dass auch diese Länder in ihre eigenen Probleme verstrickt sind.
Währenddessen fragen sich die Menschen vor Ort: Wo ist er also, der wahre Freund Palästinas?