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Muhaddithat – über eine bahnbrechende Sammlung von gelehrten Frauen

Ausgabe 310

Foto: Interface Publications

Internationale Gedenktage wie der Internationale Frauentag oder der internationale Monat zur Frauengeschichte erinnern uns an die weiblichen Beiträge im Laufe der Geschichte. Wir wissen, dass Vergangenheit die Gegenwart inspirieren kann. Was geschieht aber, wenn sie unbekannt bleibt oder verzerrt wurde? Sie wird meistens von Männern geschrieben und überschattet. Dabei werden Frauen häufig als intellektuell weniger wichtigere Gegenstücke dargestellt, die angeblich nur eine geringe Rolle bei der Produktion von Wissen oder Ideen gespielt hätten. Von Arzoo Ahmed

(iz). Die Abwesenheit der gelehrten Beiträge von Frauen ist ein allzu bekanntes Vakuum in muslimischen Gesellschaften, wo heute der Höhepunkt von Gelehrsamkeit und intellektueller oder spiritueller Autorität als das Vorrecht einer männlichen Elite gesehen wird. Wenn wir nach weiblichen Gelehrten der Vergangenheit oder Gegenwart gefragt werden, fallen uns mit Mühe einige wenige Namen ein, die kaum über die Frauen aus dem direkten Umfeld des Propheten hinausreichen – namentlich seine Familie und engen Gefährten und Gefährtinnen.

Ist die männerzentrierte Erzählung die ganze Geschichte der islamischen Gelehrsamkeit? Obwohl viele von uns dazu veranlasst wurden, dass zu glauben, besagen die historischen Aufzeichnungen etwas anderes. Im Januar 2021 gipfelte die über zwanzigjährige Forschungsarbeit von Dr. Mohammad Akram Nadwi aus Oxford in der Veröffentlichung einer 43-bändigen biografischen Enzyklopädie mit dem Titel „Al-wafa bi-asma an-nisa“ (englisch: Al-Muhaddithat – The Female Hadith Transmitters).

Diese bahnbrechende Sammlung erhellt die verlorene Geschichte der muslimischen weiblichen Gelehrsamkeit neu. Sie enthält über 10.000 Biografien von Musliminnen, die sich mit dem Lernen, Lehren und Übermitteln von Hadithen beschäftigten. Festgehalten werden ihre Lehrreisen (arab. rihlat) von mehr als 1.000 Jahren, die sie durch Wüsten und Meere auf der Suche nach Wissen führten.

Die Enzyklopädie ist eine Fundgrube für Geschichten, die die historische Vorstellungskraft des Lesers herausfordern und bewegen werden. Lassen Sie uns kurz in die Vergangenheit eintauchen, die die Seiten dieser Sammlung erhellen. Im China des 12. Jahrhunderts beginnt Fatima mit jungen Jahren ihre Suche nach Wissen unter der Obhut ihres Vaters, Sa’ad Al-Khair. Sie reiste im Fernen Osten los und machte für ihre Studien in Samarkand, Buchara, Merv, Tus, Nischapur und Rayy Halt, bis sie Isfahan erreichte, wo sie bei der berühmten Fatima Al-Dschuzdanijja lernte. Fatimas Reise verlief über 6.000 Meilen, in einer Zeit, in der das einzige Reisemittel das Kamel oder der Pfer­derücken war, und sie schuf sich eine ­erfolgreiche Lehrkarriere in Bagdad.

Eine andere Gelehrte des 12. Jahrhunderts, Zainab bint Al-Kamal unterrichtete mehr als 400 Hadithwerke. Mir ihrem überragenden intellektuellen Ruf lehrte sie in einigen der wichtigsten akademischen Einrichtungen von Damaskus.

Ibn An-Nadschar, ein Gelehrter aus dem Bagdad des 13. Jahrhunderts, merkte in seinen Büchern an, dass er 400 Lehrerinnen hatte.

Im achten Jahrhundert griff Amra bint Abdarrahman in einen Gerichtsprozess in Medina ein. Sie verhinderte einen ­Justizirrtum, indem sie textliche Beweise vorlegte, die den Richter zwangen, seine Entscheidung zu widerrufen, ohne eine zweite Meinung einzuholen.

Trotz allem Streit um den Status von Frauen im Islam sehen wir Beispiele aus den formativen Jahren des Islam. In diesem war die Aussage einer Frau gleichwertig. Und manchmal sogar relevanter als die ihrer männlichen Gegenstücke. Frauen im Islam waren fester Bestandteil und aktiv in seiner Geschichte, in der Bildung, Erhaltung und Weitergabe von Wissen.

Sie erlangten Bekanntheit durch ihr Streben nach Wissen und gaben Männern und Frauen religiöse Unterweisung, sowohl in etablierten Positionen in angesehenen Moscheen und Hochschulen als auch im privaten Umfeld. Die Geschichte der islamischen Gelehrsamkeit ist eine Geschichte von Männern und Frauen, in der die Frauen heute unerkannt sind.

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