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Vergessene Nachrichten von Armut bis Rassismus

Foto: Shutterstock

Köln (KNA). Das Netzwerkdurchsetzungsgesetz war nach Ansicht der Initiative Nachrichtenaufklärung INA das vergessene Topthema Nummer 1 im vergangenen Jahr. Auf den folgenden zwei Plätzen der vom Deutschlandfunk und der INA am 25. März veröffentlichten Rangliste liegen die NATO-Großübung „Defender 2020“ und das Thema Gewalt in der Schwangerschaft.

Mit dem Netzwerkdurchsetzungsgesetz will die Bundesregierung gegen Hass im Netz vorgehen. Kritiker hielten aber auch die Novellierung für wirkungslos, was in der Öffentlichkeit jedoch kaum diskutiert werde, hieß es. Auch das größte militärische Manöver seit einem Vierteljahrhundert „Defender 2020“ spielte nach Ansicht der INA in der Berichterstattung kaum eine Rolle. Das von der Weltgesundheitsorganisation WHO als gravierendes Problem bezeichnete Thema Gewalt in der Schwangerschaft sei selbst unter Ärzten kaum bekannt.

Weitere vergessene Nachrichten sind das übersehene Armutsrisiko von jungen Menschen über 18 Jahren, die wirtschaftlichen Schwierigkeiten gerade von Sozialunternehmen in der Corona-Pandemie oder der Umgang mit Rassismus und Kolonialismus im Schulunterricht. Auch den Umgang des deutschen Staates mit rechtsextremen Organisationen türkischstämmiger Menschen, die Menschenrechtsverletzungen an den Opfern der Terrorgruppe Boko Haram in Nigeria oder die fehlende Umsetzung europäischer Richtlinien zur Terrorismusbekämpfung hält die INA für medial stark vernachlässigt.

„Die Medien sind zu sehr fokussiert auf einige wenige populäre Themen, auf denen das gesamte Schlaglicht der Öffentlichkeit liegt“, sagte INA-Geschäftsführer Hektor Haarkötter, der auch Professor für Kommunikationswissenschaft mit Schwerpunkt politische Kommunikation an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg ist. „Man kann hier schon fast von Themen-Populismus sprechen“.

Die INA benennt seit 1995 jährlich zehn Nachrichten und Themen, die nach Einschätzung der Jury zu wenig Aufmerksamkeit in den Medien erhalten haben. Die Jury der Rangliste der „vergessenen Nachrichten“ besteht aus Journalisten und Wissenschaftlern.

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