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Vorstellung der DITIB-Jugendstudie: „Zukunftsfähigkeit ist das größte Kapital“ 

Foto: DITIB

Köln (DITIB/iz). Zur Vorstellung der Jugendstudie „Lebensweltliche Einstellungen junger Muslim:innen in Deutschland“ von Prof. Dr. Behr und Dr. Kulaçatan fand ein Pressegespräch in den Räumlichkeiten der DITIB-Zentralmoschee statt. Weitere Teilnehmer waren Mustafa Salih Durdubaş, Vorsitzender BDMJ, Abdurrahman Atasoy, Generalsekretär im DITIB-Bundesverband, und Zekeriya Altuğ, Abteilungsleiter für Gesellschaft und Zusammenarbeit.

Der DITIB-Jugendverband Bund der Muslimischen Jugend (BDMJ) initiierte zu Beginn des Jahres 2021 eine Studie über die Einstellungen junger ehrenamtlich aktiver Muslim:innen zu lebensweltlichen und gesellschaftlichen Fragen. Die Studie, die von Prof. Dr. Harry Harun Behr und Dr. Meltem Kulaçatan verantwortet und mit mehr als 400 ehrenamtlich engagierten Jugendlichen der DITIB-Moscheegemeinden durchgeführt wurde, ist beim Beltz.JuventaVerlag (DİTİB Jugendstudie 2021 (Lebensweltliche Einstellungen junger Muslim:innen in Deutschland; Harry Harun Behr, Meltem Kulaçatan) erschienen.

Einleitend begrüßte DITIB-Generalsekretär Abdurrahman Atasoy, der selbst lange Jahre Jugendkoordinator war, die Gäste und wies darauf hin, dass die Studie der DITIB aufzeige, welche vielfältige Arbeit die Jugendlichen in den Gemeinden, Landesverbänden und im Bundesverband leisten. „Die Untersuchung gibt uns die Möglichkeit, die Jugendlichen näher kennenzulernen. Eine wichtige Erkenntnis der Studie war es, dass unsere Jugendlichen keinerlei extremistische Tendenzen zeigen“, so Atasoy. Fundierte Koranexegese habe eine präventive Funktion. Darüber hinaus sei die gesellschaftliche Partizipation ein wichtiger Bestandteil des Demokratieverständnisses der Jugendlichen in den DITIB-Gemeinden. Überdies habe die Arbeit auch konstruktive Kritik der Jugendlichen zum Vorschein gebracht, der man sich als Verband stellen werde.

Mustafa Salih Durdubaş, Vorsitzender des BDMJ, betonte: „Uns, dem BDMJ, ging es bei der Initiierung der Studie um eine unabhängige, wissenschaftliche und qualitative Erkenntnisgrundlage, um unsere Dienste und Angebote zukunftsperspektivisch an den Bedürfnissen und Erwartungen ihrer Jugend auszurichtend, sie zu professionalisieren und fortzuentwickeln. Zukunftsfähigkeit ist das größte Kapital, das wir haben. Konstruktive, wissenschaftlich gesicherte Kritik ist unser treibender Motor, der unsere Verbesserungspotentiale offenlegt.“

Die Diskrepanz von Selbst- und Fremdzuschreibungen seien durch die Studie, so Durdubaş, bestätigt worden. Der BDMJ werde unweigerlich auch die geäußerte Kritik aufnehmen und umsetzen. Besonders die Frage nach der „Heimat“ sei nicht nur eine spannungsgeladene, sondern auch eine sehr spannende Frage.

Prof. Behr, Autor der Jugendstudie, betonte, dass die Jugendforschung in den letzten Jahren in Deutschland viel zu sehr vernachlässigt wurde. Die Ursache hierfür seien fehlende Drittmittel, so der Wissenschaftler. Ihn habe es u.a. interessiert, wie stark sich religiös konnotierte Jugendliche mit der DITIB identifizieren. Den Jugendlichen müssten Zugänge zu Diskussionsplattformen mit Erwachsenen gegeben werden, um zukünftige Kooperationsfelder zu gestalten und zu bestimmen.

Dies gelte im Übrigen für alle Jugendorganisationen, seien es nun gewerkschaftsnahe, politische oder andere zivilgesellschaftliche Gruppen. Eine der wichtigsten Erkenntnisse der Studie für Prof. Behr: „Eine religiöse Grundbildung bildet die Grundlage für Prävention und einen Schutz religiöser Verführung durch Rattenfänger.“ Wenn beispielsweise Diskriminierungserfahrungen auf eine religiöse Grundbildung treffen, führe das – im Gegensatz zur weit verbreiteten Annahme – eben nicht zu Radikalisierung, so Behr. Die Studie verdeutliche, dass rund ein Drittel der Jugendlichen ihre religiöse Glaubenspraxis strikt einhalte. Das sei bürgerliche Normalität. „Die Jugendlichen, die an der Studie teilnahmen, fallen durch ihr hohes Bildungsniveau sowie einem hohen Maß an demokratischem Grundbewusstsein auf. Dies spiegelt sich auch im zivilgesellschaftlichen Engagement der Jugendlichen“.

Zudem erklärte Prof. Behr die Methodik der Studie: Für die wissenschaftliche Forschung seien gebotene Forschungsfreiheit und Transparenz im Hinblick auf Methodik-, Analyse-, Inhalt-, Themen- und Beteiligtenauswahl relevante Kriterien gewesen. Die Untersuchung erfolgte in deutscher Sprache. Sie wurde als quantitative Erhebung angelegt. Das beziehe sich auf skalierbare Antwortformate und auf freie Antworten, welche den digitalen Fragebogen ergänzten.

Tuisa Hilft - Kurban

Die Co-Autorin der Jugendstudie, Dr. Meltem Kulaçatan, bedankte sich sowohl beim DITIB-Bundesverband als auch dem BDMJ für das entgegengebrachte Vertrauen zur Erstellung der Untersuchung. Sie sprach in ihren Ausführungen die geschlechtsspezifischen Diskriminierungserfahrungen von muslimischen Jugendlichen an und unterstrich dabei die Nähe zum Antisemitismus: „Dort, wo antimuslimischer Rassismus entsteht, ist der Schritt zum Antisemitismus sehr nah“, sagte die Wissenschaftlerin.