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Welcher Typ passt zu mir?

Ausgabe 269

Screenshot: YouTube

(mentalhealth4muslims.com). Vorab sei so viel gesagt: Es gibt einen richtigen und einen falschen Weg, jemanden für eine Ehe kennenzulernen. Der falsche besteht darin, in der Aufregung einer sich anbahnenden Beziehung den Kopf zu verlieren. Oft wird vergessen, entscheidende Fragen zur Verträglichkeit beider zu stellen.
Es ist einer der größten Fehler, den viele junge Muslime machen: Auf eine Ehe zu zurasen, ohne den anderen gründlich kennengelernt zu haben. Ein häufiger Irrtum ist, dass die Dauer des Umwerbens ein Maß dafür sei, wie kompatibel Menschen sind. Das Problem besteht hierbei, dass nicht bedacht wird, wie man seine gemeinsame Zeit verbringt.
In zunehmendem Maße nehmen angehende Paare am „Halal-Dating“ teil. Das ist ein Kennenlernen in Gesellschaft von Freunden und/oder der Familie. Dazu zählen beispielsweise essen gehen, ein Besuch im Kino, Sport oder andere Freizeitaktivitäten etc. Abhängig von Familie und Kultur sind die Gespräche dabei minimal und betreut oder – noch schlimmer – unbeschränkt und unbegleitet. Angesichts all dieser Einschränkungen wundert man sich, wann eigentlich genau das entscheidende Gespräch stattfindet. Für viele ist die Antwort leider: niemals, wofür sie unter den Konsequenzen zu leiden haben. Ist man in dieser Phase, bieten die folgenden Punkte Ansätze, nach denen man suchen oder die man vermeiden sollte:
Kein Potenzial heiraten: Häufig denken Männer über die Ehe in der Hoffnung nach, die Frau werde sich nicht ändern. Frauen glauben, sie könnten ihren Mann nach der Hochzeit ändern. Nehmen Sie nicht an, Sie könnten eine Person verändern, nachdem Sie diese geehelicht haben, oder dass diese ihr volles Potenzial ausschöpfen wird. Es gibt überhaupt keine Garantien, wonach es eine Wandlung zum Besseren wird. Tatsächlich ist häufig das Gegenteil der Fall. Ist es unmöglich, sich das Leben mit einer Person vorzustellen, wie sie ist, sollte eine Heirat ausgeschlossen werden. Zu diesen Unterschieden können ideologische oder praktische Differenzen bei Religion, Gewohnheiten, Hygiene, Kommunikationsverhalten etc. gehören.
Charakter vor Chemie: Zwischen­menschliche „Chemie“ und Anziehung sind zweifelsohne wichtig. Der Charakter überragt aber beide. Ein berühmtes Sprichwort lautet: „Chemie entzündet das Feuer, aber Charakter hält es am Leben.“ Die Idee des „sich Verliebens“ sollte niemals der einzige Grund sein. Es ist sehr einfach, Verliebtheit und Lust mit Liebe zu verwechseln. Zu den wichtigsten Charaktereigenschaften gehören Demut, Freundlichkeit, Verantwortlichkeit und Freude.
Eine bescheidene Person stellt weniger Forderungen an andere, sondern versucht, es selbst zu machen. Sie stellt ihre Werte und Prinzipien über eigene Bequemlichkeit. Sie wird nur langsam wütend, ist bescheiden und vermeidet Materialismus.
Der freundliche Mensch ist der Gebende. Er will andere zufrieden stellen und ihnen keine Schmerzen zufügen. Um zu wissen, ob jemand darunter fällt, sollte man ihn im Umgang mit der Familie, Geschwistern und Eltern beobachten. Wenn man nicht dankbar gegenüber den eigenen Eltern ist, wird man es nicht gegenüber dem Partner sein. Entscheidend ist, wie eine Person Menschen behandelt, zu denen sie nicht freundlich sein muss.
Eine verantwortungsbewusste Person ist stabil in ihren Finanzen, Beziehungen, Arbeit und Charakter. Man kann sich auf sie verlassen und ihrem Wort vertrauen.
Ein glücklicher Mensch ist zufrieden mit seinem Anteil im Leben. Er fühlt sich gut mit sich und seinem Leben und fokussiert sich auf das, was er hat, anstatt was nicht. Dieser Mensch beschwert sich nur selten.
Emotionen des Anderen: Frauen und Männer haben emotionale Bedürfnisse. Damit eine Partnerschaft gelingen kann, müssen beide gegenseitig erfüllt werden. Frauen wünschen sich, geliebt zu werden. Sie brauchen Aufmerksamkeit, Zuneigung und Wertschätzung. Bei Männern ist es der Wunsch nach Respekt und Anerkennung. Sie wollen Wertschätzung, Bestätigung und Erleichterung. Es ist die Pflicht des Partners, dass der andere zufrieden sein kann. Und das dehnt sich auch auf Intimität aus. Solange jeder der beiden mit den emotionalen Bedürfnissen des anderen beschäftigt ist, wird die intime Beziehung voranschreiten. Das aktive Handeln zugunsten des Partners wird diesen wiederum motivieren, ebenso zu sein.
Keine gegenläufige Pläne: In einer Ehe kann man sich zusammen oder auseinander entwickeln. Ein gemeinsamer Sinn im Leben erhöht die Möglichkeit, dass man zusammenwächst. Man muss wissen, was den Partner beschäftigt. Das heißt, worin seine höchste Leidenschaft liegt. Und sich fragen: „Kann und will ich das respektieren?“ Je genauer man sich kennt – Werte, Überzeugungen, Lebensweisen –, desto größer die Chance, einen Partner im Leben zu finden, der am besten passt.
Kein vorehelicher Sex: Man muss erkennen, dass enorme Weisheit darin liegt, warum körperliche Intimität vor der Hochzeit verwehrt ist. Es verhindert großen Schaden und hält den gesegnetsten Teil einer Beziehung zwischen einer Frau und einem Mann intakt. Ganz abgesehen von den spirituellen Konsequenzen führt der physische Austausch beider dazu, dass wichtige Fragen wie Charakter, Lebensphilosophie und Vereinbarkeit beiseite geschoben werden. Folglich wird alles romantisiert und es wird schwierig, sich überhaupt an die wichtigen Themen zu erinnern, geschweige denn über sie zu reden.
Mangel an emotionaler Bindung vermeiden: Es gibt vier Fragen, auf welche die Antwort „ja“ lauten muss. Respektiere und bewundere ich diese Person? Vertraue ich ihr? Fühle ich mich sicher mit ihr? Komme ich zur Ruhe in ihrer Gegenwart? Lautet die Antwort „bin mir nicht sicher“ oder „weiß nicht“, dann sollte man weiter nachdenken, bis Gewissheit eingetreten ist. Fühlt man sich jetzt nicht sicher, ist es auch nach der Hochzeit nicht der Fall.
Auf die eigenen Sorgen hören: Die Wahl eines Partners, bei dem man sich nicht sicher ist, kann kein gutes Rezept für eine lange und liebevolle Ehe sein. Geborgenheit ist das Fundament einer starken und gesunden Partnerschaft. Ohne Sicherheit lassen sich Gefühle und Meinungen nicht ausdrücken.
Mangel an Offenheit: Viele Paaren machen den Fehler, nicht zu Beginn offen zu sein. Fragen Sie sich: „Was muss ich wissen, um absolut sicher zu sein, dass ich diese Person heiraten will?“ Es ist sehr wichtig festzustellen, was einen stört und beschäftigt. Dann muss es eine Diskussion über diese Fragen geben. Dies ist eine gute Möglichkeit, die Stärke einer Beziehung zu prüfen. Bei Widerspruch lässt sich gut ausloten, wie gut man kommuniziert, verhandelt und gemeinsam als Team arbeitet. Streiten sich Leute um Macht und bezichtigen einander, ist dies ein Hinweis darauf, dass sie nicht gut kooperieren. Ebenso wichtig ist, einander tiefe Fragen zu stellen, um zu sehen, wie der Partner antwortet.
Gefahr der Vermeidung von Verantwortlichkeit: Elementar ist sich daran zu erinnern, dass niemand für die eigene Zufriedenheit verantwortlich ist als man selbst. Viele denken fehlerhaft und meinen, jemand könnte sie erfüllen und ihr Leben besser machen. Das wird ihr Grund zur Eheschließung. Dabei verkennt man, dass wenn sie alleine unglücklich sind, sich auch in der Ehe wahrscheinlich nicht besser fühlen werden. Ist man jetzt mit sich und dem Verlauf seines Lebens unzufrieden, muss man jetzt dafür die Verantwortung übernehmen und entsprechende Lebensbereiche verbessern, bevor man eine Eheschließung in Betracht zieht. Diese Probleme sollen nicht in eine Ehe eingebracht werden, in der Hoffnung, der Partner möge sie lösen.
Emotionale Gesundheit im zukünftigen Partner: Viele entscheiden sich für Partner, die emotional nicht gesund oder zugänglich sind. Ein großes Problem tritt auf, wenn einer der Partner nicht in der Lage ist, die emotionalen Bindungen zu seinen Familienmitgliedern gleich aufzuteilen. Als Folge nehmen am Ende drei oder mehr Menschen an der Ehe teil. Ein Beispiel dafür ist ein Mann, der zu abhängig von seiner Mutter ist und dies mit in die Partnerschaft einbringt: zweifelsohne das Rezept für eine Katastrophe.
Ebenso wichtig ist es, Menschen zu meiden, die gefühlsarm sind. Dazu gehören solche, die sich aus einem Mangel der emotionalen Zugänglichkeit nicht lieben können. Sie werden immer mit ihren Mängeln, Unsicherheiten und negativen Gedanken beschäftigt sein. Solche Menschen befinden sich in einem andauerndem Kampf mit Depression, fühlen sich schlecht, isoliert und sind kritisch. Ein weiterer, klarer Hinweis auf diesen Typus ist, dass sie Anspruchsgefühle haben und wütend werden, wenn die Menschen sich ihrer Meinung nach nicht ausreichend um sie kümmern. Dieser Typus fühlt sich durch die Bedürfnisse anderer belastet und ist in der Regel nicht verfügbar, um gesunde Beziehungen zu knüpfen.
Sucht kann auch die Möglichkeit untergraben, starke emotionale Bindungen zu schaffen. Niemals sollte man einen Süchtigen heiraten. Abhängigkeiten sind nicht auf Drogen und Alkohol beschränkt. Es kann sich dabei auch um Arbeit, Internet, Hobbys, Sport, Einkaufen, Geld, Status etc. handeln. Diese Menschen sind nicht emotional ansprechbar und werden es auch nicht sein.
Jenseits von Schönheit, Geld und Gesundheit sind es Moral und Spiritualität, die einen Menschen bestimmen. Die moralisch aufrechte und spirituelle Person wird bei Gegenwind und Beschwernis an Ihrer Seite stehen. Fehlt es jemandem an einem Bewusstsein der Göttlichkeit und einer Bindung zur ihr, wie kann man erwarten, die Rechte anderer zu respektieren? Eine gemeinsame spirituelle Beziehung wird eine erfolgreiche Ehe der Partner fördern.

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