Abu Dhabi zwischen Ost und West

Vor Kurzem besuchte ich Abu Dhabi. Meine dortigen Eindrücke vermischten sich mit Sorgen um den Krieg in der Ukraine. Parallel zur Reise las ich ein Werk zur römischen Frühgeschichte von Titus Livius, das zu Beginn unserer Zeitrechnung entstand. Darin stieß ich auf die folgenden Zeilen: „Das Studium der Geschichte ist die beste Medizin für einen […]

03.06.2022 .Redaktion 6 Min. Lesezeit

Foto: Hamdan Yoshida, Adobe Stock

Vor Kurzem besuchte ich Abu Dhabi. Meine dortigen Eindrücke vermischten sich mit Sorgen um den Krieg in der Ukraine. Parallel zur Reise las ich ein Werk zur römischen Frühgeschichte von Titus Livius, das zu Beginn unserer Zeitrechnung entstand. Darin stieß ich auf die folgenden Zeilen: „Das Studium der Geschichte ist die beste Medizin für einen kranken Verstand. Denn in Geschichte habe ich eine Aufzeichnung der unendlichen Vielfalt der menschlichen Erfahrung, die für alle erkennbar dargelegt ist.“ Von Jan Lundius

(IPS). Die gegenwärtige Lage in der Ukraine lässt sich auf die Nachwehen des Ersten Weltkrieges zurückführen: das Auseinanderbrechen von Osteuropa entlang ethnischer Grenzziehungen, dem Kampf der Sowjetunion um Vormacht in dem Land sowie die Konkurrenz anderer Nationen in der Region.

Abu Dhabis gegenwärtiger Zustand ist ebenfalls das Ergebnis dieses Krieges sowie dem Handeln fremder Staaten und der Initiative eines einzelnen Akteurs. Die von Großbritannien ausgeübte Macht über das Gebiet, das zu Abu Dhabi werden sollte, war weitaus friedlicher als die Übergriffe der Sowjetunion und Deutschlands auf das Wohlergehen der Ukraine. Allerdings war auch sie weitgehend blind und taub für die Bedürfnisse und Wünsche der lokalen Bevölkerung. Seine Geschichte wurde nicht von den kranken Geistern und Despoten wie Stalin, Hitler und Putin beeinflusst, sondern durch einen weitaus aufgeklärteren Herrscher geprägt: Schaikh Zayed bin Sultan Al Nahyan.

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