Es hat etwas Bizarres, wenn man in eine islamwissenschaftliche Vorlesung geht und hört, wie Figuren der Vergangenheit in modernen Begriffen gefasst werden. Leichthin wird beispielsweise die Person Rabi’a Al-’Adawijja nicht nur als Sufi beschrieben, sondern als jemand, der „die Autonomie und die Fähigkeit der Freiheit von männlicher Autorität betont“. Von Aqil Azme
(Traversing Tradition). Diese Definition wird im Verlauf als „mutige Frau, die gegen Patriarchat und Unterdrückung durch institutionalisierte Orthodoxie kämpft“ übersetzt. Das hörte ich in einem Seminar der Harvard-Universität. Intuitiv könnte man Unbehagen empfinden, wenn der Prophet Muhammad, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, als „Feminist“ beschrieben wird, nur weil er den Status von Frauen verbesserte.
Dieses Gefühl ist berechtigt. So sagt Qadi ‚IJad in „Kitab Asch-Schifa“: „Wer dessen unwissend ist, was für den Propheten notwendig, möglich oder unmöglich ist, und wer die entsprechenden Urteile unkenntlich ist, ist nicht davor gefeit, Dinge zu glauben, die sich von der Wirklichkeit unterscheiden.“ Letztendlich läuft dies auf die Frage nach spiritueller Höflichkeit (arab. adab) gegenüber dem Gesandten Allahs, Heil und Segen auf ihm, und anderen Figuren der islamischen Tradition hinaus.