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Band über Antisemitismus und Muslimfeindlichkeit: „Zwei Seiten der gleichen Medaille“

Ausgabe 317

Foto: CLAIM Allianz

„In der Diskurshierarchie ist angelegt, dass Verteidigung dem Angriff immer unterlegen ist.“

(iz). Seit Jahren wird in der Republik grundsätzlich sowie anlassbezogen über Antisemitismus sowie – in geringerem Maße – über Muslimfeindlichkeit gestritten. Alleine schon der Medientrubel über den Musiker Gil Ofarim hat das Thema erneut in den Vordergrund gerückt.

Daher lohnt sich ein Blick in die zweite und überarbeitete Ausgabe des von Sabine Schiffer und Constantin Wagner verfassten Handbuches über „Antisemitismus und Islamophobie“. Nicht zuletzt habe der antisemitische Anschlag in Halle am 9. Oktober 2019 gezeigt, dass antijüdischer Hass in diesem Land virulent sei. Rechtsradikale Einstellungen dürfen nicht relativiert werden. Dies trage ansonsten „schreckliche Früchte“.

Mit der Neuauflage des zuerst 2009 erschienenen Buches beabsichtigt das Autorenduo aufzuzeigen, „dass antijüdische und antimuslimische Diskurse vergleichbare Momente haben, dass sie beide fortbestehen und durchaus von denselben Ressentimentträgern gleichzeitig vertreten werden können“.

Bei genauerer Betrachtung würden „Antisemitismus und Islamophobie als zwei Seiten der gleichen Medaille“ erscheinen. Gleichzeitig weisen Schiffer und Wagner darauf hin, dass beide Phänomene spezifische Eigenarten haben, „die differenziert betrachtet werden müssen“. Sie machen auch eine wichtige Unterscheidung: Der Leser dürfe den Vergleich nicht mit Gleichsetzung vertauschen. Dieser verbiete sich angesichts der „dominanten Vernichtungsdiskurse der NS-Zeit“. Allerdings seien Erkenntnisse aus dem 19. Jahrhundert möglich, „die für den Umgang mit aktueller Hate Speech wichtige Hinweise geben“.

Schiffer und Wagner widmen sich dem Titel in drei Kernkapiteln. Im zweiten, „Der lange kultivierte Antisemitismus und seine Folgen“ beschäftigt sich das Buch mit der jahrhundertealten Tradition des Hasses auf Juden. Im dritten, „Die Islamfeindlichkeit und ihre Plausibilität“, gehen sie dem Hass auf Muslime, seine Mythen sowie den relevanten Islamdiskursen nach. Schließlich beschäftigen sich die AutorInnen in „Spiegelungen, Übernahmen, Verschiebungen“ mit relevanten Fragen wie Antisemitismus unter MuslimInnen, Assoziationsketten und die Notwendigkeit von Zusammenarbeit.

Sabine Schiffer & Constantin Wagner, Antisemitismus und Islamophobie. Ein Vergleich, 2. erweiterte und überarbeitete Neuausgabe, Westend Wissenschaft, Berlin 2021, Taschenbuch, 420 Seiten, ISBN 3864893534, Preis: EUR 39.–

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