Sudan: Erneut Tote auf dem „Weg in die Militärdiktatur“

Foto: Agence France-Presse, via Wikimedia Commons | Lizenz: Universal Public Domain

Khartum/Göttingen (KNA/GfbV/iz). Bei Protesten gegen die Militärregierung im Sudan ist es erneut zu etlichen Toten gekommen. Wie eine pro-demokratische Ärztevereinigung mitteilt, kamen am 17. November mindestens 15 Menschen in der Hauptstadt Khartum und der Nachbarstadt Omdurman ums Leben.

Neben dem Einsatz von Tränengas verurteilt das Zentralkomitee der sudanesischen Ärzte (CCSD) brutale Übergriffe auf Zivilisten: Die Sicherheitskräfte hätten mit scharfer Munition auf Demonstranten geschossen und seien bei dem Einsatz in Krankenhäuser vorgedrungen. Dort hätten sie die Behandlungen von Verwundeten verhindert.

Laut dem Nachrichtenportal „Sudan Tribune“ könnte die Zahl der Toten in den kommenden Tagen weiter steigen; etliche der mindestens 80 Verletzten schwebten in Lebensgefahr. Die Onlinezeitung sprach am Donnerstag von dem „blutigsten Tag“ seit dem Militärputsch vergangenen Monat. Unterdessen klagten Ärzte über akute Engpässe bei Blutkonserven, Infusionen und Narkosemittel. Sie baten internationale Organisationen wie das Rote Kreuz um Unterstützung.

Nach Ansicht einer Erklärung der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) vom 16. November sei der Sudan „auf dem Weg zurück in die Militärdiktatur“. Zwei Jahre nach den zivilen Massenprotesten, in deren Folge der Langzeit-Diktator Omar al-Bashir abgesetzt wurde, hätten seine alten Weggefährten die Macht erneut an sich gerissen.

„Das Versprechen des neuen Machthabers Abdel Fattah al-Burhan, bald wieder eine zivile Regierung einzusetzen, ist unglaubwürdig“, befürchtete Nadja Grossenbacher, Referentin für Genozid-Prävention und Schutzverantwortung bei der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV). „Er lässt mit scharfer Munition auf Protestierende schießen, die gegen seine Machtübernahme demonstrieren. Die Toten vom Wochenende werden wohl nicht die letzten bleiben.“

Am vergangenen Donnerstag hatte al-Burhan einen neuen Übergangsrat unter seiner Führung angekündigt. Er selbst sitzt dem sogenannten Souveränitätsrat vor, sein Stellvertreter ist der mutmaßliche Kriegsverbrecher Mohamed Habdan Dagalo, genannt Hemeti. Dem neu geformten 14-köpfigen Gremium sollen fünf zivile Mitglieder angehören, von denen eines noch nicht ernannt ist.

Sämtliche Vertreter der Protestbewegung von 2019 wurden aus dem Rat entfernt. Vertreter des Militärs sowie verschiedener Rebellengruppen gehören ihm weiter an. „Bashirs alter Machtapparat ist nicht verschwunden. Al-Burhan und Hemeti gehörten jahrelang zu seinem inneren Zirkel. Für die Menschen im Land, die Erneuerung und wirkliche zivile Mitbestimmung fordern, ist das ein herber Rückschlag“, so Grossenbacher. 

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