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Brandanschlag auf Synagoge: Mehr Schutz jüdischer Einrichtungen gefordert

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Foto: Pixabay.com | Lizenz: CC0 Public Domain

Brandschlag: Unbekannte Männer griffen Berliner Gemeindezentrum der Kaha Adass Jisroel mit Brandsätzen an.

Berlin (KNA, dpa, iz). Der versuchte Brandanschlag auf eine Synagoge in Berlin hat Entsetzen ausgelöst. „Es ist ganz klar, dass wir nicht hinnehmen werden und niemals hinnehmen werden, wenn gegen jüdische Einrichtungen Anschläge verübt werden“, sagte Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) am Mittwoch in Kairo.

Brandanschlag: Vermummte werfen Brandsätze

Nach Angaben der Polizei hatten zwei vermummte Unbekannte in der Nacht zum Mittwoch Brandsätze in Richtung des Zentrum von Kahal Adass Jisroel geworfen, die das Gebäude jedoch nicht erreichten. Dort ist neben einer Synagoge eine jüdische Kita untergebracht.

Die Vermummten hätten gegen 3.45 Uhr zwei mit Flüssigkeit gefüllte, brennende Flaschen in Richtung des Gebäudes in der Brunnenstraße geworfen, teilte die Polizei mit.

„Die Flaschen schlugen auf dem Gehweg auf und zerbrachen. Dabei erloschen die Feuer.“ Auf dem Gehweg sei ein kleines Feuer ausgebrochen. Dieses sei umgehend von einem Mitarbeiter des Zentralen Objektschutzes gelöscht worden.

Berliner Staatsschutz ermittelt

Die Gemeinde Kahal Adass Jisroel hatte zuvor bei der Plattform geschrieben, Unbekannte hätten zwei Molotow-Cocktails in Richtung ihres Gemeindezentrums geworfen. Nach Angaben von Berlins Innensenatorin Iris Spranger (SPD) verhinderte die Anwesenheit der Polizei, dass die Täter nahe genug an das Gebäude an der Brunnenstraße herangekommen seien, um ihr Ziel zu treffen.

Der für politisch motivierte Taten zuständige Staatsschutz ermittelt wegen versuchter schwerer Brandstiftung. Während der Ermittlungen am Tatort kam es laut Polizei vor der Synagoge zu einem weiteren Vorfall: Gegen 8.00 Uhr sei ein 30-Jähriger mit einem E-Scooter vorgefahren, habe diesen weggeworfen und sei auf das Gebäude zugelaufen. Polizisten hätten den Mann gestoppt und ihn vorläufig festgenommen, hieß es. Der Mann habe sich gewehrt und dabei volksverhetzende sowie israelfeindliche Parolen gerufen.

Foto: Mo Photography Berlin, Shutterstock

Juden in der Hauptstadt fühlen sich nicht mehr sicher

Die Jüdische Gemeinde hofft nach dem versuchten Anschlag auf eine Synagoge auf Solidarität der Berlinerinnen und Berliner. „85 Jahre nach der Reichspogromnacht sollen in Deutschlands Hauptstadt Synagogen wieder brennen“, warnte der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Gideon Joffe, am Mittwoch. „Die antijüdische Gewalt auf den Straßen Berlins hat damit eine neue Dimension erreicht.“

Die Sicherheitsmaßnahmen an jüdischen Institutionen seien zu Recht erhöht worden und hätten wohl Schlimmeres verhindert. „Aber Juden und Jüdinnen in unserer Stadt fühlen sich trotz allem nicht mehr sicher“, erklärte Joffe. Der Anstieg islamistischer Gewalt sei erschreckend. „Hier liegt es nun auch an der Zivilgesellschaft, sich mit der jüdischen Gemeinschaft zu solidarisieren.“

Polizeischutz vor einer Synagoge in Berlin. (Foto: Tobias Arhelger, Shutterstock)

Mehr Schutz jüdischer Einrichtungen gefordert

Der Zentralrat der Juden in Deutschland hat den Brandanschlag scharf verurteilt. Auch wenn die genauen Hintergründe ermittelt werden müssten, sei „eine Verbindung zu den fortdauernden antisemitischen Ausschreitungen in Berlin naheliegend“, erklärte er am Mittwoch.

„Wir alle sind erschüttert über diesen Terroranschlag“, betonte der Zentralrat. „Vor allem sind die Familien aus dem Umfeld der Synagoge schockiert und verunsichert.“ Die Vernichtungsideologie der Hamas gegen alles Jüdische wirke auch in Deutschland.

Felix Klein, Antisemitismus-Beauftragter der Bundesregierung, sagte den Zeitungen der Funke-Mediengruppe zum Anschlag in Berlin, es sei „pures Glück, dass weder Gebäude noch Personen zu Schaden gekommen sind“. Er forderte, den Schutz jüdischer Institutionen nochmals zu erhöhen.

Der Co-Vorsitzende der Grünen, Omid Nouripour, und FDP-Generalsekretär Bijan Djir-Sarai riefen die Sicherheitsbehörden auf, dass sie „alles daran setzen, jüdische und israelische Einrichtungen in Deutschland zu schützen“.