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Die schwarzen Sufis in den USA

Ausgabe 305

Foto: Nasrul Ilm America

(Sapelo Square). Schwarze Muslime in den USA engagieren sich in verschiedensten Ausformungen ihrer Religion. Daher ist es auch nicht überraschend, dass viele von ihnen Sufismus, die spirituelle Wissenschaft des Islam, praktizieren. In New York marschieren sie in Paraden mit Mitgliedern des Mouriden-Ordens von Schaikh Amadou Bamba. Anerkannte Gelehrte wie Ustadha Iesha Prime und andere bringen spirituell Suchende in den USA in Verbindung mit der Tradition der Ba’alawija-Tariqa aus dem ­Jemen. Es gibt erhebliche Beweise der sufischen Praxis unter versklavten Muslimen Amerikas.

Obwohl Tasawwuf früh in schwarzen, amerikanischen Gemeinschaften des frühen 20. Jahrhunderts praktiziert wurde, betrachten viele heutige Community ihn mit Misstrauen. Teil dafür liegt am Aufstieg einer Generation, die in den 1990ern der salafistischen Bewegung ausgesetzt war. Insbesondere junge Männer, die an der Universität von Medina in Saudi-Arabien studierten, begannen erfolgreich, in Großstädten an der Ostküste zu unterrichten und zu propagieren. Infolge dieses zunehmenden salafistischen Einflusses wurden viele misstrauisch gegenüber ­Sufismus und stellten seine Vereinbarkeit mit dem orthodoxen Islam in Frage.

Trotz dieser Anfeindungen bleibt er ein fester Bestandteil des religiösen Lebens vieler schwarzer Muslime in den Vereinigten Staaten. Das ist Zeugnis für das Verlangen nach spiritueller Erfüllung und Transformation. Zu den bekanntesten Pionieren des Mainstream-Islams im Amerika des 20. Jahrhunderts gehörten Shaykh Daoud Ahmed Faisal und Al-Hajj Wali Akram. Ich bezeichne diese Männer als „orthodoxe“ Pioniere, um sich der Alltagssprache vieler schwarzer Muslime im frühen 20. Jahrhundert anzupassen. Damals unterschieden sie „orthodoxe“ Gruppen von jenen, die sie als heterodox betrachteten – wie die Nation of Islam und dem maurischen Wissenschaftstempel.

Shaykh Daoud wurde 1891 auf der karibischen Insel Grenada geboren. Im Alter von 21 Jahren zog er nach New York, um Musik zu studieren. 1924 heiratete er eine bermudanische Sängerin, die später den Namen Khadijah annahm. Bis 1928 ­akzeptierte er den Islam und eröffnete die Islamic Propogation Society; eine der ­ersten Organisationen der Stadt, die zur Förderung des Islam gegründet wurde. Gemeinsam gründete das Ehepaar 1939 eine Moschee im Stadtteil Brooklyn ­namens Islamic Mission of America. Shaykh Daoud trat dem Shadhili-Orden bei und wurde später Muqaddam (offizi­eller ­Vertreter) der Gemeinschaft. Einem ­engen Freund zufolge erhielt er eine schriftliche Genehmigung (arab. idschaza) des bekannten marokkanischen Sufi Shaykh Ahmed al-Alawi.

Ein anderer Gigant des US-amerikanischen Islam in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ist Imam Al-Hajj Wali Akram. 1937 gründete er die First Cleveland Mosque. Während der 1950er Jahre führte er Mitglieder der Community an die Tschischti-Tariqat heran. Nach Auskunft seiner Familie lernte er diese bei Reisen durch die arabische Welt, Südasien und Osteuropa kennen, nachdem er seine Pilgerfahrt nach Mekka absolvierte. Anders als Shaykh Daoud praktizierte er seinen Tasawwuf offen und hielt Dhikr-Versammlungen in seiner Moschee ab.

In den 1970er Jahren entstanden in New York City drei schwarze muslimische Sufi-Gemeinschaften, die landesweit Anhänger bekamen: Tijaniyyah, Qadiriyyah und Burhaniyyah. Diese drei Gruppen machten viele schwarze amerikanische Muslime durch ihre Begegnung mit einem traditionellen Sufi-Orden bekannt. Ab den 1980er Jahren interessierten sich immer mehr schwarze Muslime in den Vereinigten Staaten für andere Sufi-Orden auf dem afrikanischen Kontinent. In den 1990ern beispielsweise entdeckten viele den berühmten vorkolonialen nigerianischen Gelehrten, politischen Führer und Sufischaikh ‘Uthman Dan Fodio.

Es bleibt wichtig, die lokalen Geschichten unserer schwarzen Vormütter und ­Vorfahren zu erzählen, die sich für den Sufismus engagiert haben. Sie gewähren uns Zugang zu einer einzigartigen Art von Weisheit. Sie kann uns helfen, die ideologischen Unterschiede zu überwinden, die muslimische Gemeinschaften in den Vereinigten Staaten spalten.­

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