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IKRK: Bisherige Hilfen „nur Tropfen auf heißen Stein“. Hilfskonvoi beschossen

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Foto: IKRK

Das IKRK sieht bisherige Lieferungen nur als „Tropfen auf heißen Stein“. Am Dienstag geriet ein Hilfskonvoi unter Beschuss.

Gaza/Tel Aviv (dpa, IKRK, KNA). Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) forderte mehr Hilfe für die Menschen im Gazastreifen. Die bisher eingetroffenen Lieferungen seien nur „ein Tropfen auf dem heißen Stein“, sagte Imene Trabelsi, Regionalsprecherin des IKRK im Nahen und Mittleren Osten, der Deutschen Presse-Agentur.

Die humanitäre Lage für die Bevölkerung verschlechtere sich von Tag zu Tag. Für die Hunderttausenden geflohenen Familien sei die Situation besonders schlimm, da die Notunterkünfte überfüllt seien. „Viele sind gezwungen, auf offenen Flächen auf der Straße zu schlafen“, sagte Trabelsi. Ihnen fehlten Dinge wie Decken oder Babynahrung.

Screenshot: IKRK

IKRK zur Lage in Gaza: Humanitäre Situation wird täglich schlechter

Das Gesundheitssystem in Gaza ist stark belastet. Ein aus sieben Fahrzeugen bestehender Konvoi des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz, der medizinische Hilfsgüter an Gesundheitseinrichtungen lieferte, geriet am Dienstag unter Beschuss. Währenddessen berichtete ein IKRK-Chirurg, er habe keine Vaseline-Mullbinden mehr, um Patienten mit schweren Verbrennungen zu behandeln.

Der Konvoi transportierte lebensrettende medizinische Hilfsgüter für Gesundheitseinrichtungen, unter anderem für das Al-Quds-Krankenhaus der Palästinensischen Rothalbmondgesellschaft, als er beschossen wurde. Zwei Lastwagen wurden beschädigt, und ein Fahrer wurde leicht verletzt.

„Das IKRK konnte den Plan aufgrund erheblicher Sicherheitsprobleme auf der Straße, bei denen einer unserer Lastwagen beschädigt und einer unserer Fahrer verletzt wurde, nicht wie vorgesehen durchführen. Wir waren jedoch in der Lage, den Großteil der Hilfsgüter, die wir dabei hatten, an eines der großen Krankenhäuser, Al Shifa, zu liefern. Dies sind jedoch keine Bedingungen, unter denen humanitäre Helfer arbeiten und die dringend benötigten Bedürfnisse der Zivilbevölkerung befriedigen können“, sagte William Schomburg, der Leiter der IKRK-Delegation in Gaza.

Tom Potokar, der Chefchirurg des IKRK, der jetzt im Europäischen Krankenhaus in Gaza arbeitet, sagte: „In der letzten Woche musste ich einem Vater sagen, dass sein Kind nicht überlebensfähige Brandverletzungen hat. Wir mussten junge Patienten behandeln, die nach 48 Stunden aus den Trümmern gezogen wurden.“

Pototka fügte hinzu: „Uns gehen jetzt wirklich die Dinge aus, vor allem die Verbände für die Verbrennungen. Uns gehen die Anästhesie- und Schmerzmittel aus. Das Personal, sowohl wir als auch das örtliche Personal, ist sehr erschöpft. Die Lebensbedingungen sind sehr einfach. Es gibt nicht viel zu essen. … Aber das ist natürlich nichts im Vergleich zu dem, was die Menschen hier in Gaza im Moment erleiden.“

Foto: g7hiroshima.go.jp

Kreise: G7 halten Ausbau humanitärer Hilfe in Gaza für dringend nötig

Die G7-Runde hält einen Ausbau der humanitären Hilfe für die notleidende palästinensische Zivilbevölkerung im Gazastreifen für dringend geboten.

Darüber habe in der Gruppe der G7-Außenministerinnen und -minister bei ihren Beratungen über den Gaza-Krieg am Vorabend in Tokio „große Einigkeit“ bestanden, hieß es am Mittwoch aus deutschen Delegationskreisen. Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (Grüne) und ihre japanische Kollegin Yoko Kamikawa forderten humanitäre Feuerpausen zur Versorgung der Bevölkerung in dem von Israel abgeriegelten Gebiet.

Kamikawa erklärte nach Angaben des japanischen Außenministeriums, „dass die sofortige Freilassung der Geiseln und die Verbesserung der humanitären Lage im Gazastreifen oberste Priorität haben und wir die betreffenden Länder auffordern müssen, humanitäre Pausen einzulegen und den Zugang für humanitäre Hilfe zu gewährleisten“.

Japan sei bereit, weitere humanitäre Hilfe für Gaza über rund 65 Millionen Dollar (61 Millionen Euro) zu leisten. Der G7-Gastgeber hatte bereits eine Soforthilfe von zehn Millionen US-Dollar beschlossen.

Gemeinsame Sorge gebe es vor einer Zunahme der Spannungen im Westjordanland, auch durch zunehmende Siedlergewalt, hieß es aus den deutschen Delegationskreisen.

Screenshot: IKRK

Jüdische und arabische Menschenrechtler für Waffenruhe in Gaza

Waffenstillstand im Gazastreifen, Freilassung der von der Hamas entführten israelischen Geiseln und eine politische Lösung des Nahost-Konflikts: Das sind die Forderungen von 35 jüdischen und arabischen Friedens- und Menschenrechtsgruppen in Israel.

„Es ist offensichtlich, dass es keine militärische Lösung für diesen Konflikt gibt und auch niemals geben kann“, heißt es laut der Zeitung „Haaretz“ in einem Offenen Brief der Organisationen von Montag.

Das brutale Massaker der Hamas vom 7. Oktober sei durch weitere Gräueltaten ergänzt worden, bei denen Tausende Menschen durch israelische Bombenangriffe im Gazastreifen getötet wurden und immer noch getötet werden, so der Brief. „Das Verletzen Unschuldiger auf der einen Seite gleicht den Schmerz des Tötens auf der anderen Seite nicht aus – es fügt nur noch mehr Schmerz hinzu.“

Das Blutvergießen stoppen könnte nach Ansicht der Verfasser nur ein politisches Abkommen, das beiden Nationen Sicherheit, Gerechtigkeit und Freiheit garantiert. Israel müsse einen stabilen Waffenstillstand anstreben, um dann unmittelbar Verhandlungen über eine politische Lösung aufzunehmen, die auf „der gegenseitigen Anerkennung des Rechts beider Völker auf Selbstbestimmung beruht“.

Tuisa Hilft - Kurban

Ferner fordern die Unterzeichner, darunter die Gruppe „Rabbiner für Menschenrechte“ und die linke jüdisch-arabische Partei „Chadasch“, ein umfassendes Gefangenenabkommen und das Ende der Siedlergewalt in den besetzten Gebieten. Es müsse darum gehen, „in Gedenken an die Ermordeten und um der Lebenden willen“ gemeinsam für ein Ende des Kriegs zu arbeiten.