Letzer Teil zur prophetischen Lebensweise – Der Prophet als Regierender (5)

Ausgabe 225

(iz). Der letzte der ökonomischen Aspekte und einer von enormer Bedeutung für die zukünftige wirtschaftliche Landschaft und soziale Ordnung der muslimischen Umma sind die Auqaf (Sing. Waqf, auch bekannt als Habous). Das sind wohltätige Stiftungen, die den sozialen und finanziellen Bedürfnissen der Muslime in einer eindeutig festgelegten Weise dienen.

Von Al-Waqidi wissen wir: „Der Gesandte Allahs, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, machte im siebten Jahr nach der Hidschra aus Al-A’raf, Barqa, Muthajjib, Ad-Dalal, Hasna, As-Safijja und dem Wasserloch von Umm Ibrahim einen Waqf. ‘Umar ibn Al-Khattab, ‘Uthman ibn ‘Auf, ‘Ali, Talha, Az-Zubair, Zaid ibn Thabit, ‘Abdallah ibn ‘Umar und ‘Arm ibn Al-’As schufen ebenfalls Habous.“ Und Al-Kattani sagte: „Der Prophet, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, und die Muslime nach ihm fuhren mit der Nutzung der Habous fort, bis sie zu einer der wichtigsten Einkommensquellen im Islam für die Hilfe der Leute wurden. Und das heutige Einkommen der Auqaf in allen muslimischen Ländern übersteigt jenes, welches durch das Mittel der Besteuerung erzielt wird.“

Dies wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts geschrieben. Daraus wird ersichtlich, dass während der gesamten Geschichte des Islam – von der Zeit des Propheten, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, bis beinahe in unsere Epoche – die große Mehrheit der Bedürfnisse der sozialen Wohlfahrt von Muslimen in aller Welt durch die unzähligen Auqaf erfüllt wurden. Sie beruhten auf dem Modell, das der Gesandte Allahs, Segen und Heil auf ihm, in Medina vor mehr als 1.400 Jahren ins Leben rief.

Die Liste dessen, was der Gesandte Allahs, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, ließe sich noch wesentlich verlängern. Er interessierte sich für alle Lebensbereiche und setzte – neben dem, was wir bereits sehen konnten – auch Maßnahmen in den Gebieten der Erziehung, Gesundheit, Landwirtschaft, Wohlfahrt und sogar des Wohnungsbaus um. Vieles davon hatte Folgen, die weit in die Zukunft reichten.

Es ist erstaunlich zu realisieren, dass diese intensive politische und administrative Aktivität in einem Zeitraum von weniger als zehn Jahren komprimiert wurde. Mehr noch als das war eigentlich nebensächlich im Vergleich zum Hauptziel seines Lebens: die Erinnerung seiner Umwelt an die wahre Natur der Existenz und die Weitergabe dessen, was ihm durch seinen Herrn offenbart wurde. Im Laufe dieser Aktivität reinigte er die Herzen der Menschen und bildete sie aus, dass sie ihrerseits in der Lage waren, die Anbetung des Einen Gottes auf die Art und Weise einzurichten, dass sie für alle zukünftigen Generationen in jedem Teil der Welt zugänglich sein kann.

Nichts desto trotz bleibt die einfache Wahrheit bestehen, dass in der gesamten Menschheitsgeschichte wenige Regierende politisch und verwaltungstechnisch so viel in solch kurzer Zeit erreichen konnten. Die Folgen der Entscheidungen, wie sie durch den Gesandten Allahs, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, getroffen wurden, sind immer noch klar in jedem Teil der Welt zu sehen.

Ein Schlüssel zu dem, was ihn zu solch einer Leistung befähigte, findet sich in folgender Selbstaussage: „Ich wurde entsandt, um die edlen Charaktereigenschaften zu perfektionie­ren.“ Er tat es, indem er in sich all diese Eigenschaften verkörperte, von denen er hier sprach. Viele dieser Qualitäten haben eine große Wirkung auf die Art und Weise, wie er seine Rolle als der Regierende über die erste muslimische Gemeinschaft ausfüllte – aber auch auf den Erfolg, den er damit hatte.

Vor allem anderen wäre hier diese Eigenschaft zu nennen: sein permanentes Bewusstsein von Allah, seinem Herrn, und seiner Abhängigkeit von Ihm. Das zeigte sich in der Konsistenz seiner Anbetung, der Häufigkeit seiner Bittgebete sowie der Konstanz der Erinnerung an seinen Herrn in jedem Augenblick seines Lebens. Das meint, dass es das Ziel des Gesandten Allahs war, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, zuallererst die Zufriedenheit Allahs alleine zu erlangen. Das befreite alle prophetischen Handlungen von eigennützigen oder egoistischen Motiven. Der Prophet, Allahs Heil und Segen auf ihm, war frei von jeder Art der persönlichen Ambition oder der Hoffnung auf persönlichen Zuwachs.

Daneben hatten einige seiner Charaktereigen­schaften, die er so vollkommen verkörperte, einen besonderen Einfluss auf seine Rolle als Herrscher. Unter diesen finden sich Rechtschaffenheit, sein Mut, seine Großzügigkeit, seine Nachsicht, seine Entschlussstärke und seine Bescheidenheit. Wenn all jene Qualitäten in einem Mann zusammenkommen, ist nur eine Reaktion möglich. Die Macht, die einige Herrscher über ihre Leute erlangen, kommt von Furcht. Bei anderen ist es vielleicht Respekt. Im Falle des Propheten Muhammad, war es nichts als Liebe.

Er brachte enorme Liebe in allen hervor, die ihm folgten, so dass die Sache, die sie mit ihm verband und die sie ihm folgen ließen, ihre Liebe zum Propheten war. Als die Quraisch ‘Urwa ibn Mas’ud Ath-Thaqafi als Botschafter zu den Muslimen in der Nähe von Al-Hudaibijja schickten, kam er mit den Worten zurück: „Ich habe Khosrau in seiner Herrschaft gesehen, Cäsar in seinem Reich und den Negus in dessen Königtum. Aber niemals habe ich Menschen gesehen, die ihre Führer so lieben, wie die Muslime Muhammad lieben. (…) Sie werden niemals aufgeben, also überlegt euch gut, was ihr tun werdet.“

Die erste Gemeinschaft wurde auf dieser Liebe aufgebaut und hielt durch sie zusammen. Und sie ist es, die – zusammen mit den weitreichenden Leistungen, die wir zuvor betrachteten – den Propheten Muhammad, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, zum vielleicht größten Herrscher und Politiker machte, den die Welt jemals sah.

Tuisa Hilft - Kurban

„Zu euch ist nunmehr ein Gesandter aus euren eigenen Reihen gekommen. Bedrückend ist es für ihn, wenn ihr in Bedrängnis seid, (er ist) eifrig um euch bestrebt, zu den Gläubigen gnadenvoll und barmherzig. Wenn sie sich aber abkehren, dann sag: Meine Genüge ist Allah. Es gibt keinen Gott außer Ihm. Auf Ihn verlasse ich mich, und Er ist der Herr des gewaltigen Thrones.“ (At-Tauba, 128-129)