(iz). Quintessenz einer Studienreise: Die Stimmung ist ökumenisch, kämpferisch-solidarisch und kreativ-optimistisch
Muslime in Polen und Litauen sehen trotz derzeitiger Doppelbelastung optimistisch in die Zukunft. Während sie regional als Bestandteil der Landesgeschichte und touristischer Mehrwert wahrgenommen werden, kämpfen sie national für mehr Beachtung und unterstützen in Zeiten des Krieges – trotz knapper eigener Ressourcen – Geflüchtete, nicht ausschließlich Ukrainer und nicht nur Muslime.
„Wie können wir ein Happiness-Festival feiern, wo nebenan Freunde im Krieg sterben?“, so bringt es Donata Jutkienė vom OrgaTeam Kaunas – European Capital of Culture 2022 auf den Punkt. Und auch der Mufti der Muslime Polens, Hadżi Szejk Hazret Tomasz Miśkiewicz, junge Musiker, Akademiker und Vertreter der islamischen, karaimischen, jüdischen und christlichen Gemeinden Litauens und Polens spiegeln eine durchaus entschlossenere Haltung gegen den russischen Angriffskrieg als etwa die in Deutschland.
Dżenneta Bogdanowicz, vom Kulturzentrum der tatarischen Muslime im polnischen Bohoniki, weiß auch warum: „Der Zusammenhalt in kleineren Gemeinden, bei nationalen oder religiösen Minderheiten ist stärker, wir stützen einander, auch über Ländergrenzen hinweg.“ Teile der Verwandtschaft der muslimisch-tatarischen Einwohner Podlasiens, der östlichsten Wojwodschaft Polens, leben nach Teilungen, Kriegen und Grenzverschiebungen im 19. Und 20. Jahrhundert heute in Belarus, andere in Litauen. Ein anderer Grund für das vehemente – auch täglich offensiv öffentliche – Eintreten von Bevölkerung, Künstlern sowie Vertretern aus Wirtschaft, Religion und Politik der polnisch-litauischen Nachbarn dürfte in der gemeinsamen Gewalterfahrung liegen, die sowohl unter der deutschen Nazi-Herrschaft als auch unter der russischen und später sowjetischen Besatzung tausende Opfer forderte.