IZ-Reiseblog: Thessaloniki – die Stadt der Abwesenden
IZ-Reiseblog: Über die Zeitschienen von Thessaloniki, die Erinnerung an seine Menschen und die Zerbrechlichkeit der Koexistenz.
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(iz). Wir kommen vom Olymp. Noch stehen uns die mächtigen Berge vor Augen, die in der griechischen Mythologie den Göttern vorbehalten waren. Am Fuß des Gebirges haben wir die Ruinen von Dion besucht, ein antikes Heiligtum, in dem Menschen einst Zeus verehrten und ihren Göttern Opfer darbrachten.
Wir sind durch die Überreste einer Welt gegangen, deren religiöse Vorstellungen längst Geschichte geworden sind. Tempel, Säulen und steinerne Straßen überdauern ihre Erbauer. Die griechischen Götter sind geflohen, doch ihre Orte bleiben. In Thessaloniki wenden wir uns einem anderen Thema zu.
Uns interessieren jetzt weniger die Götter als die Menschen, die über Jahrhunderte in dieser Stadt gearbeitet, gehandelt, gebetet, geliebt und gestritten haben. Was ist aus ihnen geworden? Was bleibt von einer Stadt, wenn ihre Bewohner verschwinden?
Wir beginnen unseren Rundgang am Aristoteles-Platz. Die großzügige Anlage öffnet sich zum Thermaischen Golf. Cafés und Restaurants auf der Flaniermeile sind gut besucht, die Geräusche des Verkehrs vermischen sich mit den Gesprächen der Passanten.
Thessaloniki präsentiert sich als moderne europäische Großstadt, lebendig, geschäftig und mit einer mediterranen Gelassenheit, die den öffentlichen Raum zum verlängerten Wohnzimmer werden lässt. Wir gehen am Meer entlang zum Weißen Turm, dem Wahrzeichen der Stadt.
Er stammt aus osmanischer Zeit, ist aber heute vor allem ein Symbol des griechischen Thessalonikis. Schon dieser Wandel seiner Bedeutung erzählt eine Geschichte. Gebäude bleiben stehen, während politische Ordnungen wechseln. Neue Generationen geben ihnen andere Bedeutungen.
Foto: Abu Bakr Rieger/Islamische Zeitung
Später erreichen wir die Rotunde, einen gewaltigen Rundbau aus römischer Zeit, der im Verlauf seiner Geschichte unterschiedlichen religiösen Zwecken gedient hat. Das erhaltene Minarett erinnert daran, dass die Rotunde über Jahrhunderte auch eine Moschee war. Die Architektur hat die religiösen und politischen Umbrüche überlebt, ohne ihre früheren Schichten vollständig abzustreifen.
Wir lassen die Stadt auf uns wirken. Es ist zunächst nur ein Spaziergang durch eine Stadtlandschaft, wie ihn Reisende in vielen europäischen Städten unternehmen. Doch langsam verändert sich unsere Wahrnehmung. Die historischen Bauwerke erzählen von Kaisern, Eroberern und Glaubensgemeinschaften.
Aber sie erzählen nur wenig über das alltägliche Leben der Menschen, die zwischen ihnen wohnten. Wer erinnert sich an ihre Sprachen, ihre Nachbarschaften, ihre Gewohnheiten und Hoffnungen? Vielleicht besteht eine besondere Schwierigkeit des Reisens darin, dass man zwar Orte besuchen kann, aber nicht ohne Weiteres die Lebenswelten sieht, die sie hervorgebracht haben.
In einer Buchhandlung finden wir einen Stadtführer von Christos Zafiris, der sich der jüdischen Geschichte Thessalonikis widmet. Wir beginnen darin zu blättern und entdecken Bilder einer anderen Welt. Die Stadt gehörte einmal zu den bedeutendsten Zentren jüdischen Lebens in Europa.
Über Jahrhunderte hatten sephardische Juden, deren Vorfahren nach der Vertreibung aus Spanien im Jahr 1492 in das Osmanische Reich gekommen waren, das wirtschaftliche und kulturelle Leben Thessalonikis entscheidend geprägt. Ihre Sprache, das Ladino, war in den Straßen zu hören.
Die Synagogen, Schulen, Geschäfte und kulturellen Einrichtungen bildeten einen wesentlichen Teil des städtischen Alltags. Es wird uns bewusst, dass wir bisher nur die Oberfläche der Stadt betrachtet haben. Am folgenden Tag besuchen wir das Jüdische Museum.
Bundesarchiv, Bild 101I-179-1575-02 / Wetzel / CC-BY-SA 3.0
Was wir dort erfahren, erschüttert uns. Während der deutschen Besatzung wurde die jüdische Gemeinde Thessalonikis nahezu vollständig vernichtet. Zwischen März und August 1943 deportierten die deutschen Besatzer mehr als 45.000 jüdische Menschen nach Auschwitz-Birkenau.
Die meisten wurden unmittelbar nach ihrer Ankunft ermordet. Eine über Jahrhunderte gewachsene Kultur, die das Leben dieser Stadt entscheidend geprägt hatte, wurde innerhalb weniger Monate beinahe ausgelöscht. Wir stehen vor den Dokumenten und Bildern und versuchen, das Ausmaß dieses Verbrechens zu begreifen.
Für uns als deutsche Reisende bekommt diese Begegnung eine besondere Schwere. Die Täter kamen aus unserem Land. Die deutsche Besatzungsmacht organisierte Entrechtung, Enteignung und Deportation. Menschen wurden nicht nur aus ihren Häusern vertrieben, sondern aus dem Leben gerissen.
Besonders erschüttert uns die Geschichte des jüdischen Friedhofs. An der Stelle, an der sich heute die Aristoteles-Universität befindet, lag über Jahrhunderte einer der größten jüdischen Friedhöfe Europas.
Während der deutschen Besatzung wurde er ab Dezember 1942 zerstört, unter Beteiligung örtlicher Akteure. Grabsteine wurden zertrümmert und als Baumaterial verwendet. Marmorplatten fanden sich später in Straßen und Gebäuden wieder.
Selbst die Gräber der Toten wurden nicht verschont. Den Menschen wurde nicht nur das Leben genommen. Auch die Erinnerung an die Toten wurde aus dem Stadtbild verdrängt. Ein Friedhof ist mehr als eine Ansammlung von Gräbern.
Er ist das Gedächtnis einer Gemeinschaft, ein Ort, an dem die Lebenden ihren Toten einen Platz in der Gegenwart einräumen. Seine Zerstörung bedeutete deshalb einen weiteren Akt der Auslöschung.
Thessaloniki erscheint uns nun in einem anderen Licht. Die Stadt ist nicht nur das, was wir sehen. Sie besteht auch aus Leerstellen, dem, was wir nicht mehr sehen können. Die vertraute touristische Frage, was es in einer Stadt zu besichtigen gibt, erscheint uns plötzlich unzureichend. Vielleicht müssten wir häufiger fragen, was an einem Ort fehlt und warum es verschwunden ist.
Foto: Abu Bakr Rieger/Islamische Zeitung
In diesen Tagen begleitet uns ein Buch des britischen Historikers Mark Mazower: „Salonica, City of Ghosts“. Mazower erzählt in seinem Meisterwerk die Geschichte Thessalonikis nicht ausschließlich als Abfolge von Herrschaften, Eroberungen und Staatsgründungen, sondern als Geschichte seiner Bewohner. Christen, Juden und Muslime lebten hier über Jahrhunderte nebeneinander, miteinander und gelegentlich gegeneinander.
Die Stadt war ein bedeutendes Zentrum des Osmanischen Reiches, ein Raum unterschiedlicher Sprachen, Religionen und Lebensformen. Mazowers Darstellung fasziniert uns, weil sie sich einer einfachen Erzählung und vorschnellen Urteilen entzieht. Thessaloniki war kein harmonisches Paradies der Toleranz.
Es gab Konflikte, Machtkämpfe, soziale Ungleichheit und religiöse Spannungen. Doch die unterschiedlichen Gemeinschaften hatten Formen des Zusammenlebens entwickelt. Ihre wirtschaftlichen Beziehungen, ihre Nachbarschaften und ihre alltäglichen Begegnungen schufen eine gemeinsame städtische Wirklichkeit.
Gerade deshalb lässt sich hier eine Frage stellen, die heute wieder aktuell geworden ist: Was bedeutet eigentlich Koexistenz? Vielleicht ist sie weniger ein moralisches Ideal als zunächst eine praktische Fähigkeit.
Menschen müssen nicht denselben Glauben teilen, dieselben Traditionen pflegen oder dieselbe Geschichte erzählen, um miteinander leben zu können. Sie müssen aber akzeptieren, dass der andere ebenso selbstverständlich zu diesem Ort gehört wie sie selbst.
Die Geschichte Thessalonikis zeigt, wie zerbrechlich diese Fähigkeit ist. Denn die jüdische Bevölkerung war nicht die einzige Gemeinschaft, deren jahrhundertealte Lebenswelt aus der Stadt verschwand. Nach den Balkankriegen von 1912 und 1913 und der Eingliederung Thessalonikis in den griechischen Staat veränderten sich die politischen Verhältnisse grundlegend.
Die muslimische Bevölkerung, die über Jahrhunderte zum städtischen Leben gehört hatte, geriet in eine neue, zunehmend unsichere Lage. Der griechisch-türkische Krieg und das Lausanner Abkommen von 1923 besiegelten schließlich einen umfassenden, nach religiöser Zugehörigkeit organisierten Zwangsaustausch der Bevölkerung.
Hunderttausende Muslime mussten Griechenland verlassen; auf der anderen Seite wurden griechisch-orthodoxe Christen aus Kleinasien und anderen Teilen der Türkei zur Auswanderung gezwungen. Viele von ihnen hatten dort seit Generationen gelebt. Ganze Familien verloren ihre Heimat, ihre Häuser, ihre vertrauten Landschaften und Nachbarschaften.
Eine jahrhundertealte kulturelle Geografie wurde innerhalb weniger Jahre grundlegend verändert. Menschen wurden zu Fremden in ihrer eigenen Heimat erklärt. Ihre Zugehörigkeit bestimmte sich plötzlich weniger durch den Ort, an dem sie geboren waren, als durch ihre Religion und die nationalstaatliche Ordnung, der sie zugerechnet wurden.
Wer griechisch-orthodox war, sollte nach Griechenland, wer Muslim war, in die Türkei – mit wenigen vertraglichen Ausnahmen. Die komplexen Zugehörigkeiten der Menschen wurden auf wenige Kategorien reduziert. Dabei waren viele dieser Menschen in einer Welt aufgewachsen, in der Identitäten keineswegs so eindeutig verliefen.
Ein muslimischer Bewohner Thessalonikis hat sich nie als Fremder in seiner Stadt empfunden. Ein griechisch-orthodoxer Christ in Anatolien konnte seine Heimat in einem Dorf sehen, dessen Geschichte weit älter war als die modernen Nationalstaaten.
Für sie waren die Orte keine abstrakten Territorien, sondern gelebte Lebensräume. Ihre Heimat bestand aus Häusern, Gärten, Nachbarn, Friedhöfen, vertrauten Wegen und gemeinsamen Erinnerungen.
Mit dem Aufstieg des Nationalismus wurde diese Selbstverständlichkeit zunehmend infrage gestellt. Die Vorstellung, dass ein Staat möglichst eine Nation, eine Sprache und eine kulturelle Identität verkörpern müsse, geriet in Konflikt mit der historisch gewachsenen Vielfalt der Region.
Natürlich dürfen die unterschiedlichen historischen Vorgänge nicht gleichgesetzt werden. Der nationalsozialistische Völkermord an den Juden Thessalonikis war ein planmäßig organisierter Massenmord.
Die Vertreibungen und der erzwungene Bevölkerungsaustausch zwischen Griechenland und der Türkei hatten andere, komplizierte Ursachen, war eine Folge der politischen Konstellationen und ihrer jeweiligen Formen der Gewalt.
Und doch führt ihre Betrachtung zu einer gemeinsamen Frage: Was geschieht mit einer Gesellschaft, wenn die Vorstellung einer homogenen Gemeinschaft wichtiger wird als das tatsächliche Zusammenleben der Menschen?
Während wir Mazowers Geschichte Thessalonikis lesen, wird uns noch etwas anderes bewusst. Was wir heute als kulturelle Identität einer Stadt bezeichnen, ist selbst das Ergebnis einer langen Geschichte von Wanderungen, Begegnungen und gegenseitigen Einflüssen.
Die Politikwissenschaftlerin Inanna Hamati-Ataya hat diesen Gedanken in ihrem Essay „There Are No Pure Cultures“ eindrucksvoll entfaltet. Ihre These lautet, dass die Globalisierung keineswegs eine Erfindung unserer Zeit ist.
Foto: Abu Bakr Rieger/Islamische Zeitung
Menschen, Religionen, Sprachen, Lebensmittel, technische Erfindungen und Vorstellungen vom guten Leben haben seit Jahrtausenden Grenzen überschritten. Was uns heute als ursprüngliche oder authentische Kultur erscheint, ist häufig das Ergebnis längst vergessener Begegnungen.
Thessaloniki scheint uns dafür ein beinahe ideales Beispiel zu sein. Die Stadt war über Jahrhunderte ein Knotenpunkt zwischen Europa und Asien, zwischen dem Mittelmeerraum und dem Balkan. Griechische, römische, byzantinische, osmanische und jüdische Einflüsse haben sich hier nicht einfach abgelöst. Sie haben einander durchdrungen, verändert und neue Lebensformen hervorgebracht.
Die sephardischen Juden brachten ihre Sprache und Traditionen aus Spanien mit. Muslimische Händler, Handwerker und Gelehrte verbanden die Stadt mit der osmanischen Welt. Griechische Christen waren Teil dieser gemeinsamen urbanen Geschichte.
Keine dieser Gemeinschaften lebte völlig unabhängig von den anderen. Ihre kulturellen Eigenheiten entstanden und entwickelten sich auch in der Begegnung miteinander. Das bedeutet nicht, dass kulturelle Unterschiede bedeutungslos wären.
Im Gegenteil: Gerade durch den Austausch können unverwechselbare lokale Kulturen entstehen. Aber ihre Eigenart beruht nicht auf der Idee der Reinheit. Sie ist das Ergebnis einer Geschichte. Vielleicht liegt darin – so denken wir – das eigentliche Paradox des ethnischen Nationalismus.
Er sucht nach einer ursprünglichen kulturellen Identität, nach einer vermeintlich reinen Vergangenheit, die es in dieser Form niemals gegeben hat. Er versucht Grenzen dort zu befestigen, wo über Jahrhunderte Verbindungen bestanden haben.
Die Geschichte Thessalonikis führt uns deshalb vor Augen, dass kulturelle Vielfalt nicht erst durch die moderne Globalisierung entstanden ist. Sie gehörte längst zum Wesen der Stadt.
Ihre gewaltsame Auflösung war keine Rückkehr zu einem ursprünglichen Zustand, sondern die Zerstörung einer historisch gewachsenen Wirklichkeit. Nicht die Vermischung der Kulturen ist die historische Ausnahme. Der Versuch, sie voneinander zu trennen, ist der Bruch mit ihrer Geschichte.
Für Reisende liegt darin eine besondere Herausforderung. Der moderne Tourismus verspricht uns gerne die Begegnung mit dem Authentischen: die ursprüngliche Küche, die traditionelle Lebensweise oder die unverfälschte Kultur.
Doch vielleicht sollten wir gerade dort genauer hinsehen, wo sich die vermeintliche Ursprünglichkeit als Ergebnis unzähliger Begegnungen erweist. Die Eigenart Thessalonikis bestand nicht darin, von der Welt unberührt geblieben zu sein.
Sie entstand gerade daraus, dass die Welt hier auf vielfältige Weise zusammenkam. Die eigentliche historische Aufgabe besteht deshalb nicht allein darin, an die Opfer zu erinnern, sondern auch die gesellschaftlichen Mechanismen zu verstehen, die aus einem Nachbarn einen Feind machen können.
Koexistenz erscheint aus dieser Perspektive nicht mehr als eine selbstverständliche Errungenschaft der Zivilisation. Sie ist eine Fähigkeit, die immer wieder neu gelernt, verteidigt und praktisch gelebt werden muss. Dabei wäre es zu einfach, die Vergangenheit Thessalonikis zu idealisieren.
Am Ende unseres Rundgangs stehen wir an der Metrostation Venizelou. Thessaloniki hat nach langen Bauarbeiten ein modernes U-Bahn-System erhalten. Doch als die Ingenieure die Tunnel und Stationen anlegten, stießen sie auf eine andere Stadt.
Unter den heutigen Straßen kamen die Überreste einer römisch-byzantinischen Hauptstraße zum Vorschein, mit Geschäften, Werkstätten und den Spuren eines alten Marktes. Die archäologischen Funde wurden schließlich in die Metrostation integriert.
Wir betrachten die alten Straßen und Mauern. Hier sind einst Menschen gegangen, haben Waren verkauft, miteinander verhandelt, sich getroffen und wieder voneinander verabschiedet. Darüber fährt heute der Verkehr einer modernen europäischen Großstadt. Darunter verlaufen die Tunnel der neuen U-Bahn.
Plötzlich wird uns bewusst, dass wir auf verschiedenen Zeitschienen unterwegs sind. Die eine führt durch die Gegenwart, durch Cafés, Geschäfte, Straßen und Plätze. Eine andere führt in die Vergangenheit der Stadt, in die Welt ihrer verschwundenen Gemeinschaften. Und wieder eine andere verbindet diese Geschichte mit unserer eigenen Zeit.
Die Zeitschienen verlaufen nicht unabhängig voneinander. Sie kreuzen sich, überlagern sich und kommen manchmal unerwartet zum Vorschein. Eine archäologische Ausgrabung kann eine längst vergessene Straße freilegen. Ein Buch kann eine untergegangene Lebenswelt wieder sichtbar machen. Ein Museumsbesuch kann die scheinbare Unschuld eines touristischen Spaziergangs erschüttern.
Wir denken noch einmal an den Olymp und die Ruinen von Dion. Dort hatten wir die Überreste einer Welt betrachtet, deren Götter verschwunden waren. Hier in Thessaloniki begegnen wir den Spuren von Menschen, die ermordet oder vertrieben wurden, und den Geschichten jener, die überlebten, blieben oder zurückkehrten.
Vielleicht ist das der entscheidende Unterschied. Antike Ruinen betrachten wir meist mit einer gewissen ästhetischen Distanz. Sie gehören einer fernen Vergangenheit an. Die Geschichte Thessalonikis dagegen reicht unmittelbar in unsere Gegenwart hinein.
Die Fragen, die sie aufwirft, sind nicht erledigt. Wem gehört eine Stadt? Wer darf sich in ihr heimisch fühlen? Was bleibt von einer Gesellschaft, wenn sie ihre Vielfalt verliert? Und wie erinnern wir an Menschen, deren Spuren aus dem öffentlichen Raum verschwunden sind?
Wir verlassen die Metrostation und kehren in das geschäftige Leben der Stadt zurück. Die Menschen gehen ihren Wegen nach, als hätte die Vergangenheit für einen Augenblick nur den Boden unter ihren Füßen geöffnet.
Thessaloniki lebt weiter, auf seinen alten und neuen Straßen. Vielleicht beginnt tieferes Reisen genau dort, wo wir erkennen, dass wir niemals nur durch Räume reisen. Wir reisen immer auch durch die Zeit – und durch die Geschichten der Menschen, die vor uns dort gelebt haben.