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Islam ist ein Filter für Kultur

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Islam, Kultur und Vielfalt: Warum Islam die Menschen nicht zu Kopien macht, sondern das Gute lokaler Traditionen bewahrt, reinigt und fördert.

(iz). Islam ist keine ethnische Subkultur. Genau gegen dieses Missverständnis richtet sich der folgende Text: Er zeigt ihn als religiöse Ordnung, die lokale Kultur nicht auslöscht, sondern prüft, ordnet und, wo sie gut ist, bejaht.

Es gibt eine verbreitete, doppelte Verengung des Islam. Islamkritiker sehen in ihm oft nur einen fremden Block, gebunden an Araber, an das Bild einer bestimmten Region oder an eine starre Zivilisation.

Manche Muslime übernehmen das unfreiwillig von der Gegenseite und verwechseln Norm mit arabischer Gewohnheit, Frömmigkeit mit Folklore, Universalität mit Uniformität. Beides führt in die Irre.

Denn Allahs Din ist nicht an eine Ethnie gekettet, aber ebenso wenig kulturfrei. Er kommt nicht als leere Form in die Welt, sondern als Offenbarung, die an Menschen mit ihren Sprachen, Sitten und Symbolen herantritt.

Wer seine Frühgeschichte und die Verbreitung betrachtet, erkennt gerade darin seine erstaunliche Weite. In Indonesien, dem größten mehrheitlich muslimischen Land der Welt, kam der Islam einige Jahrhunderte später. Entscheidend ist aber nicht das Datum, vielmehr die Art der Ausbreitung.

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Foto: Irisland/Shutterstock | Lizenz: Shutterstock, erworben

Er begegnete dort nicht einem kulturellen Vakuum, sondern einer bereits geordneten Welt aus Hofkultur, Handel, Dichtung, Ritual und Frömmigkeit. Lokale Traditionen, Weisheiten und Formen wurden nicht einfach zerschlagen, sondern im Licht islamischer Lehre umgedeutet und aufgenommen.

Die berühmten neun Wali Songo stehen genau für diese Art der Einladung: lehrend, geduldig, kunstsinnig, politisch klug und ohne rohe Kulturverachtung.

Das ist kein Synkretismus im Sinne eines beliebigen Mischens. Es ist etwas Strengeres und zugleich Menschlicheres: Islam wirkt wie ein Filter, nicht wie ein Farb- und Geruchsentzug.

In Umar Faruq Abd-Allahs Text „Islam and the Cultural Imperative“ wird dieser Gedanke mit großer Klarheit formuliert. Gute kulturelle Konventionen können rechtsähnliches Gewicht haben, solange sie der Offenbarung nicht widersprechen.

Die überlieferte Weisheit des Fiqh kennt nicht nur das Verbot, sondern ebenso die Anerkennung des Gewachsenen. Abd-Allah beschreibt Islam und seine Scharia geradezu als klaren Fluss, der seine Farbe aus dem Boden empfängt, über den er fließt.

Hier liegt auch der innere Zusammenhang zur Schule von Medina und zu Malik. Die malikitische Tradition ist nicht darauf angewiesen, Kultur gegen Religion auszuspielen. Sie kennt das Gewicht lokaler Praxis, sofern diese nicht die Grundnormen bricht.

Wissen Aischa

Foto: Archiv

Medina ist in diesem Sinn nicht nur ein Ort, sondern ein Prüfstein: Nicht jede Gewohnheit wird heilig, aber das Gute im Gewohnheitsrecht wird nicht leichtfertig vernichtet. Darin liegt eine eigentümliche Würde des islamischen Rechts: Es ist universal, ohne ortlos zu sein.

Dass dieser Weg historisch fruchtbar war, zeigt Indonesien besonders deutlich. Die Wali Songo arbeiteten nicht mit kultureller Demütigung, vielmehr mit Übersetzung. Sie nutzten Theater, Musik, Bildung, Moscheebau und die Sprache der Menschen.

Selbst dort, wo ältere Formen weiterlebten, wurden sie nicht bloß verboten, sondern islamisch umgeformt. Gerade deshalb konnte sich Allahs Din als tiefes Milieu und nicht nur als äußere Hülle ausbreiten. Religion gewann Autorität nicht durch kulturelle Aggression, stattdessen durch geistige Souveränität.

Gerade dieser Punkt ist wichtig, weil er an eine Gegenwart erinnert, in der Muslime in Europa häufig zwischen zwei Fallen stehen. Die eine ist die Forderung, endlich vollständig „wie die anderen“ zu werden. Die gegenteilige die Versuchung, aus Identitätspolitik eine starre kulturelle Abschottung zu machen.

Goethe Divan Koran

Foto: Dana Ward, Unsplash

Beides ist schwach. Tragfähig ist vielmehr der Weg der Brücke: nicht der Preisgabe des Eigenen, sondern der verständigen Vermittlung. Genau in dieser Tonlage schreiben wir bspw. über Weimar als Brücke zwischen der deutschen Kultur und Muslimen, von Florenz als Ort islamisch-europäischer Anknüpfung und Dialog als Praxis von Begegnung statt bloßer Rhetorik.

Auch Umar Faruq Abd-Allah liefert dafür ein wichtiges Bild. In seinem Gesprächsmaterial betont er, dass Muslime nicht gezwungen sind, kulturell zu kapitulieren, wenn sie in einer neuen Umgebung leben.

Der Prophet selbst habe Unterschiede nicht eingeebnet, sondern anerkannt. Das berühmte Beispiel der Äthiopier, die in der Prophetenmoschee tanzten und trommelten, zeigt: Der Islam verlangte nicht kulturelle Selbstaufgabe. Er lässt Raum für Würde, Form und Freude.

Vielleicht liegt genau darin eine der stärksten Antworten auf die Gegenwart. In einer Zeit globaler Standardisierung, in der viele Kulturen durch eine monotone Weltform bedroht sind, erinnert der Islam an eine andere Ordnung: Einheit ohne Uniformität.

Die Offenbarung kommt nicht, um die Völker zu entkleiden, sondern um das Gute in ihren Gewohnheiten zu sichten und zu heben. Das ist weder Nostalgie noch Beliebigkeit.

Es ist eine alte, aber immer wieder neue Weisheit. Islam wird dort am lebendigsten, wo er Menschen nicht zu Kopien macht, sondern zu glaubenden Persönlichkeiten in ihren je eigenen Welten.

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Das geheime Kalifornien

Kalifornien

Unterwegs in Kalifornien: Unser Autor spekuliert über die sprachlichen und islamischen Wurzeln des beliebten US-Staats. (iz). Diesen Sommer machte ich mich auf zu einer weiteren Reise nach Kalifornien, diesmal, um […]

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Islamische Lebenspraxis: Dhikr und die Ruhe des Herzens

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Dhikr ist im Din keine Technik der Selbstoptimierung, sondern das Gedenken Gottes und wird an mehreren Stellen des Qur’an dringend empfohlen.

(iz). In ihm liegt auch eine körperliche Dimension geborgen: Wer Allah mit der Aufmerksamkeit des Herzens, ruhigem Atem und Wiederholung gedenkt, kann den Organismus aus der Anspannung in einen Zustand der Beruhigung führen.

Prinzipiell ist er zunächst ein Akt der Anbetung: Erinnerung an Allah, Hinwendung, Gegenwart des Herzens. Doch diese geistliche Praxis bleibt nicht auf einer abstrakten Ebene stehen. Wer ihn regelmäßig und bewusst praktiziert, erfährt oft, dass sich der Körper verändert. Der Atem wird ruhiger, der Puls langsamer, die innere Unruhe lässt nach.

Der Qur’an bringt diese Erfahrung in eine knappe Formel: „Im Gedenken Allahs finden die Herzen Ruhe.“

Dass diese Besonnenheit nicht bloß eine fromme Metapher ist, zeigen neuere Studien zu ihm und verwandten Lebenspraktiken. In einer klinischen Untersuchung mit Krebspatienten konnte Dhikr die Angst signifikant senken.

Foto: C. Media / Peter Sanders

Ihre Autoren führen dies u.a. auf eine stärkere parasympathische Aktivität und eine Dämpfung der Stressreaktion zurück.

Weitere Forschungen zu Gebet, Rezitation und spiritueller Beruhigung kommen zu ähnlichen Ergebnissen: weniger Sympathikus-Alarm, mehr parasympathische Regulation bedeuten mehr Ruhe, bessere Verdauung und Erholung.

Für den Alltag ist das wichtig, weil Dhikr gerade keine komplizierte Methode verlangt. Er braucht keinen besonderen Raum, keinerlei Gerät und null Distanz zum Leben.

Wer morgens vor der Arbeit, nach einem belastenden Gespräch oder am Abend in Vorbereitung des Schlafs einige Minuten Allah gedenkt, setzt einen Gegenakzent zur ständigen Reizüberflutung.

türen scham dhikr

Foto: B. Lund, IZ Medien

Schon die Verbindung von ruhigem Sitzen, bewusstem Ausatmen und wiederholtem Dhikr kann helfen, den Körper von der dauernden Alarmbereitschaft in eine entspanntere Lage zu führen.

Dabei darf man diese Form der Anbetung keinesfalls auf eine bloße Atemtechnik reduzieren. Sein eigentlicher Gehalt liegt in der Einheit Allahs: Der Mensch löst sich für einen Moment von Sorgen, Erwartungen und innerem Lärm und richtet sich auf Den, Der allein Macht und Fürsorge besitzt.

Gerade diese geistige Ordnung wirkt körperlich entlastend. Was in der Sprache der Medizin als Beruhigung des vegetativen Nervensystems beschrieben wird, ist im islamischen Vokabular die Frucht von Sakina, Sukun und Vertrauen auf Allah.

ramadan herzensbildung dhikr

Foto: Sener Dagasan/Shutterstock

Das macht Dhikr gerade im Blick auf Belastungssituationen bedeutsam. Nicht nur in der stillen Andacht, sondern vielmehr mitten im Alltag kann er eine Hilfe sein: auf dem Weg zur Arbeit, in Momenten der Sorge, bei Schlaflosigkeit oder nach langen Phasen innerer Anspannung.

Er ersetzt weder ärztliche Behandlung noch psychotherapeutische Begleitung, kann aber Teil einer religiös verankerten Selbstfürsorge sein. Wer ihn pflegt, übt nicht Flucht, sondern Ausrichtung auf Allah.

Gerade darin liegt seine bleibende Kraft: Dhikr ist keine esoterische Wellness-Praxis, vielmehr ein Akt der Gottesnähe mit spürbarer Wirkung auf Herz und Körper. In einer Zeit, in der viele Menschen unter chronischem Stress stehen, erinnert er daran, dass Ruhe nicht nur aus Entlastung entsteht, ebenso aus Bindung.

Wer Allah gedenkt, ordnet nicht nur seinen Glauben, sondern oft auch seinen Atem, seine Nerven und seine Haltung zum Leben.

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Tipps & Tricks: Was tun für gute Nachbarschaft?

Nachbarschaft

Der Kontakt und das gute Verhältnis zur Nachbarschaft gehört zu den wichtigen sozialen Tugenden im Islam. „Jibril (der Engel Gabriel) hat mir so lange den Nachbarn ans Herz gelegt, bis […]

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Wie die Weisheit in den Volksmund kommt

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Wer im Teehaus, im Taxi oder im kleinen Laden an der Ecke zuhört, merkt schnell: In vielen muslimischen Gesellschaften spazieren islamische Weisheiten längst ohne Turban durchs Volksmund-Arabisch, -Türkisch, -Bosnisch oder […]

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Ein probates Mittel gegen die Hitze: über die Innenhöfe der muslimischen Kulturen

innenhöfe hitze

Angesichts steigender Sommerhitze werden die Innenhöfe des Islam wieder interessant. Anmerkungen von Prof. Dr. Ömer Spahic

(iz). Wenn Hitze die Städte aufheizt, erinnert die muslimische Architektur an eine Kunst des Wohnens: Innenhöfe als kühle Rückzugsorte zwischen Öffentlichkeit und Privatheit. Prof. Dr. Omer Spahić zeigt, wie diese Räume nicht nur Schutz vor der Hitze bieten, sondern auch eine besondere Lebensart prägen.

Der Islam war treibende Kraft, welche die Tradition des Innenhofs zum Aufblühen brachte. Faktoren wie Geografie, Klima und andere lokale Einflüsse traten in den Hintergrund. Sein Stellenwert und die Funktionen spielen eine wichtige Rolle im Wohnhaus, das seinerseits der Rahmen für die Familie ist.

Mit diesen Höfen sind nicht nur offene Räume im Zentrum eines Hauses gemeint. Nach Ansicht von John Reynolds können sie „ein, vielleicht zwei Wände haben, die eine Barriere zum Nachbarhaus oder zur Straße bilden“. Folgende Elemente machen eine Fläche zum Innenhof: Eine Öffnung Richtung Himmel, Zugang zum Gebäude, sodass der Hof dessen fester Bestandteil ist und ein vollkommener Ausschluss nach Außen, damit Sicherheit und Privatsphäre gewahrt sind. Ein Raum ist dann ein solcher, wenn seine Funktionen die des Hauses unterstützen.

Unser Schöpfer hat festgelegt, dass keine zwei Orte das gleiche Klima haben. Dieses beeinflusst Lebensbedingungen im entscheidenden Maße und so entstand ein Muster aus Vegetation, Böden und Wasservorkommen, das sich je nach Region deutlich unterscheidet.

lehrgedicht

Foto: Paolo Gamba, vie Wikimedia Commons | Lizenz: CC BY 2.0

Als Bestandteil der Schöpfung kann sich der Mensch nicht den Naturgesetzen entziehen. In Folge ihrer Anpassung an die Herausforderungen der Klimazonen haben die Völker kulturelle Ausdrucksformen hervorgebracht, die ihnen am besten entsprechen – Kleidung, Architektur sowie Mentalität und Sprachunterschiede.

Allah sagt im Qur’an: „Und zu Seinen Zeichen gehört die Erschaffung der Himmel und der Erde und die Verschiedenheit eurer Sprachen und Farben. Darin sind wahrlich Zeichen für die Wissenden.“ (Ar-Rum, Sure 30, 22)

Die profunde Vielfalt der Schöpfung ist eine zwingende Wirklichkeit, die weder übersehen, noch oberflächlich betrachtet werden kann. Sie ist eines der deutlichsten Anzeichen für Allahs Existenz, Allgegenwart und Allmacht.

Imam Al-Ghazali sagte, dass es nichts in der Welt gäbe, was nicht Seine Einheit bestätigt. Für das Lesen dieser Symbole in der Natur braucht es keine äußerliche Reise, sondern eine geistige. Tiere und Pflanzen überleben den jährlichen Kreislauf der Jahreszeiten. Von allen Geschöpfen steht dem Menschen die größte Vielfalt im Umgang mit der Temperatur zur Verfügung.

Es gibt kein Standardhaus. Wenn die Gestaltung von Häusern „importiert“ wird, muss diese „akklimatisiert“ werden, damit sie den jeweiligen Verhältnissen angepasst ist. Dieselben Baupläne für zwei Klimazonen wären so, als würde man in beiden die gleiche Kleidung tragen.

Hassan Fathy schrieb über die nivellierende Art des Bauens: Der Architekt vergisst „die Umgebung, in der seine Gebäude umgesetzt werden, weil er von neuen und modernen Innovationen fasziniert ist. (…) Wenn er vor seiner Verantwortung zurückschreckt und die Umwelt dadurch verletzt, dass er keinen Bezug zu ihr herstellt, hat er ein Verbrechen gegen Architektur und Kultur begangen.“

Volkstümliche Bautraditionen aus aller Welt waren erstaunlich fähig darin, diese Aufgabe zu lösen. Die Nutzung von natürlichen Vorteilen durch spezifische Baustile ist eine, dem Menschen innewohnende Eigenschaft.

Salman Al-Farsi, ein bekannter Prophetengefährte, beauftragte einmal einen Baumeister und fragte den Mann, wie er vorgehen wollte. Der Maurer sagte: „Dies wird ein Haus für dich, um dich gegen die Hitze der Sonne und dem kalten Wetter zu schützen.“ 

Abu Muhammad Al-’Aini kommentierte diese Aussage, die im Sahih Al-Bukhari aufgenommen wurde, wie folgt: „Nur solche Gebäude sind echte Häuser, wenn sie ihre Bewohner vor Regen, Sonne und Kälte schützen. Und wenn sie ein Schutz vor der äußeren Welt sind.“

Foto: Freepik/Magnific

Innenhöfe sind im Idealfall Orte der Erholung, an denen sich Gäste und Bewohner an der angenehmen Atmosphäre erfreuen. Gleichzeitig sind sie Mittel, um Probleme zu beseitigen, die durch spezifische Wetterbedingungen erzeugt werden. Dank ihrer Struktur, der Pflanzen und des Wassers liefern sie Ventilation und kältere Luft. 

m Winter sind die Temperaturen in den Höfen generell höher als draußen. Es versteht sich von selbst, dass Bäume im Innenhof effektivere und gesündere Kühlmethoden sind als Klimaanlagen. Ihre Wirkung hängt von Geometrie, Baumaterialien und der Bepflanzung ab.

Die Höfe des Islam sind dank ihrer Funktion wie hypnotisierend. Diese ist genauso prächtig, wie die Werte und Standards, die ihre Grundlage darstellen. Die Form spielt demnach nur eine unterstützende Rolle. Sie ist ihrem Ziel untergeordnet. Und basiert auf der Spiritualität des Islam – die allüberragend ist.

Hassan Fathy vertritt die Idee, dass der Innenhof im muslimischen Haus ein „Mikrokosmos“ war, der „Raum mit Zeit, Land mit Himmel durch die symbolische Bedeutung seiner Komponenten“ verbindet.

Im Islam spielt Privatsphäre eine wichtige Rolle. Genauso wie ein Muslim verpflichtet ist, seine Privatheit und die seiner Familie zu schützen, muss er die anderer respektieren. Die bewusste Verletzung derselben ist ein schwerwiegender Regelbruch. Muslime sind dazu angehalten, vor dem Betreten eines Gebäudes drei Mal um Erlaubnis zu bitten („O die ihr glaubt, betretet nicht andere Häuser, die nicht eure Häuser sind, bis ihr euch bemerkbar gemacht und ihre Bewohner begrüßt habt. Das ist besser für euch, auf dass ihr bedenken möget! Wenn ihr niemanden darin findet, dann tretet nicht ein, bis man (es) euch erlaubt. Und wenn man zu euch sagt: ‘Kehrt um’, dann kehrt um. Das ist lauterer für euch. Und Allah weiß über das, was ihr tut, Bescheid.“ An-Nur, Sure 24, 27-28).

Es wurde beim Bau von Wohngebäuden darauf geachtet, dass die Höfe und Dachflächen vor dem ungebetenen Blick Dritter geschützt sind. Entweder, indem Nachbarn ihre Häuser nicht höher als andere bauten, oder durch den Einsatz von Strukturen, die ihn von Außen abwenden. Die Zugänge zu einem muslimischen Innenhof dienen als Übergang zwischen privatem und öffentlichem Bereich.

Aus diesem Grund ist eine der grundlegenden Funktionen des Hauses die Bereitstellung eines Rahmens für die menschlichen Aktivitäten, die in ihr stattfinden. Das Haus als künstlerischer und architektonischer Ausdruck und Erfahrung muss als Zeugnis dieser positiven Lebenseinstellung dienen. Daher fanden sich in Innenhöfen häufig Wasser, Blumen und andere farbige Pflanzen, Vögel, Licht und lebendige Dekorationen.

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Die Chimäre der „Islamischen Wirtschaft“

islam wirtschaft

Die „islamischen Wirtschaft“: Überlegungen zu den Fallstricken eines unreflektierten Modernisierungsprojekts. (iz). Gelegentlich taucht in meinem Feed eine Flut von Konferenzplakaten auf. „Islamische Wirtschaft“. „Islamisches Finanzwesen“. Wegweisende Referenten. Großartige Themen. Das […]

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Was ist die „Islamische Wirtschaft des Schenkens“?

wirtschaft islamisch schenken

Der Entwurf einer „Islamischen Wirtschaft des Schenkens“ (Islamic Gift Economy, ICE) zeichnet ein anderes Bild vom Wirtschaftsleben.

(iz). Anstatt sich in den konventionellen Rahmen einzupassen und sich in kapitalistische Märkte zu integrieren, knüpft er an die klassischen Regeln der Mu’amalat an. Dabei steht das gegenseitige Geben, Teilen und die Verantwortung für das Gemeinwohl im Mittelpunkt.

Adi Setias Ansatz setzt bei einer religiösen Grundlage an, die in der zeitgenössischen Debatte oft übersehen wird. In der Rechtstradition werden die Bestimmungen zu Verträgen, Handel, Eigentum und sozialen Beziehungen (Mu’amalat) nicht als technisches Anhängsel der „eigentlichen“ Religion behandelt, sondern als ein Feld, in dem sich Glaubensüberzeugungen gemeinschaftlich und ökonomisch konkretisieren.

Eigenständiger Raum

Setia erinnert daran, dass es sich hierbei um einen originären Denkrahmen handelt: Verträge sollen auf gegenseitiger Zustimmung beruhen, Gerechtigkeit und Transparenz sollen die Zirkulation von Vermögen sichern und dem Gemeinwohl sowie den Zielen der Scharia entsprechen.

Die ICE versteht sich als Versuch, diesen Rahmen ernst zu nehmen, statt nur einzelne Instrumente, wie zinsfreie Finanzprodukte, in vorhandene kapitalistische Strukturen einzubauen.

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Foto: jcomp, freepik.com

Der malaysische Gelehrte Adi Setia, der lange an Einrichtungen wie dem CASIS in Kuala Lumpur tätig war, verbindet die klassische islamische Lehre mit einer Ausbildung in Wissenschafts- und Philosophiegeschichte.

Parallel dazu engagiert er sich in konkreten Projekten, die von gemeinschaftlich organisierter Landwirtschaft und Permakultur bis zu Beratungsinitiativen zur Stärkung lokaler Ökonomien reichen.

Dass seine Überlegungen zu dieser Wirtschaftsform nicht im luftleeren Raum stehen, zeigt sich daran, dass er Bildungskurse, Pilotprojekte und Kooperationen mit Gelehrten, Aktivisten sowie politischen Entscheidungsträgern anstrebt – also genau dort, wo die Mu’amalat wieder zur gelebten Praxis werden kann.

Kritik an den konventionellen Modellen

Ausgangspunkt seiner Sichtweise ist die Diagnose, dass „Islamic Banking & Finance“ mehrheitlich in eine neoliberale Matrix eingebunden sind. Anstatt ein eigenständiges Modell zu entwickeln, haben viele Akteure wesentliche Begriffe wie „Maqasid“ und „Maslaha“ mit gängigen Entwicklungs- und Wachstumsparadigmen verschmolzen, die von Kapitalakkumulation und Wettbewerb geprägt sind.

Diese Wirtschaftspraxis – von Banken bis zu Investmentfonds – bleibt damit im Rahmen einer „freien Marktwirtschaft“, allerdings mit einigen religiösen Filterregeln: Verbot von Zins, Spekulation und Betrug, Pflicht zu Wohltätigkeit und Betonung sozialer Verantwortung.

Diese Korrekturen sind wichtig, für den Forscher jedoch nicht ausreichend, solange die grundlegende Logik von Knappheit, Konkurrenz und dem Vorrang individueller Gewinnmaximierung bestehen bleibt.

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Foto: jcomp, Freepik

Demgegenüber formulierte er die „Islamic Gift Economy“ als „integratives islamisches Wirtschaftssystem“, das auf eigenen ethischen und ökonomischen Prinzipien basiert und zugleich konstruktiv mit der bestehenden Ordnung interagieren kann.

Er definiert sie als „Bereitstellung und Teilen durch gegenseitiges Geben und Empfangen mittels fairen sozialen und kommerziellen Austauschs natürlicher und kultureller Fülle zur Verwirklichung materiellen und spirituellen Wohlergehens“.

Operativ basiert sie auf Kooperation (arab. ta’awun), beiderseitiger Zustimmung (arab. muradatin) und Partnerschaft (arab. muscharaka), die von Werten wie Barmherzigkeit, Dankbarkeit, Großzügigkeit, Maßhaltung, Treuhänderschaft und Vertrauenswürdigkeit getragen werden.

Dahinter steht die Annahme, dass die Schöpfung reichlich ausgestattet ist, während legitime menschliche Bedürfnisse begrenzt sind. Dies stellt einen Perspektivwechsel gegenüber Modellen dar, die Knappheit zum essenziellen Prinzip der Ökonomie machen.

Foto: Jacopo Maia, Unsplash

Aus dieser Perspektive wird die Wirtschaftstheorie als „Wissenschaft des Erwerbens und Bereitstellens“ betrachtet, die sich ausdrücklich auf den Lebensunterhalt und das Gemeinwohl bezieht. Zentrale Instrumente der islamischen Tradition wie Zakat, Sadaqa, Auqaf, zinsfreie Darlehen und Beteiligungsfinanzierungen erscheinen hier nicht als isolierte fromme Praktiken oder Spezialprodukte religiöser Finanzinstitute, sondern als Bausteine eines umfassenden „Gift“-Systems, das Wertschöpfung, den Umlauf von Vermögen und soziale Sicherung miteinander verknüpft.

In Studien zur nachhaltigen Entwicklung wird sein Ansatz aufgegriffen und betont, dass dieser Form von Gerechtigkeit (arab. ‘adl), Gleichgewicht (arab. mizan) und Gemeinwohl in den Mittelpunkt stellt. Damit sollen sie eine Alternative in postkapitalistischen Debatten über ökologische und soziale Krisen bieten.

Für eine auf religiösen Grundlagen basierende Ökonomie bedeutet das: Muʿamalat werden wieder als Ort gelebter Verantwortung vor Gott und als Ort der solidarischen Gestaltung von Gemeinwesen ernst genommen – und nicht nur als juristisch-ökonomische Technik, die man nach Bedarf in bestehende Modelle einpasst.

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Spiritueller Missbrauch: Wenn Autorität zweckentfremdet wird

spirituell missbrauch

Spiritueller Missbrauch ist eine Form von Gewalt, bei der religiöse Autorität und Glaubensinhalte benutzt werden, um Menschen zu kontrollieren, kleinzuhalten oder zu traumatisieren. (iz). Sulaiman Wilms erinnerte in Ausgabe 354 […]

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Hitze in Deutschland: Was findet sich in der islamischen Lebenspraxis?

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Hitze in Deutschland hat ihre eigene Chronik: Flirrende Straßen, aufgeheizte Fassaden und das leise Surren der Ventilatoren in den Büros. (iz). Während Wetter-Apps vor „gefühlten 35 Grad“ warnen, wirkt es […]

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