Die „islamischen Wirtschaft“: Überlegungen zu den Fallstricken eines unreflektierten Modernisierungsprojekts. (iz). Gelegentlich taucht in meinem Feed eine Flut von Konferenzplakaten auf. „Islamische Wirtschaft“. „Islamisches Finanzwesen“. Wegweisende Referenten. Großartige Themen. Das […]
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Der Entwurf einer „Islamischen Wirtschaft des Schenkens“ (Islamic Gift Economy, ICE) zeichnet ein anderes Bild vom Wirtschaftsleben.
(iz). Anstatt sich in den konventionellen Rahmen einzupassen und sich in kapitalistische Märkte zu integrieren, knüpft er an die klassischen Regeln der Mu’amalat an. Dabei steht das gegenseitige Geben, Teilen und die Verantwortung für das Gemeinwohl im Mittelpunkt.
Adi Setias Ansatz setzt bei einer religiösen Grundlage an, die in der zeitgenössischen Debatte oft übersehen wird. In der Rechtstradition werden die Bestimmungen zu Verträgen, Handel, Eigentum und sozialen Beziehungen (Mu’amalat) nicht als technisches Anhängsel der „eigentlichen“ Religion behandelt, sondern als ein Feld, in dem sich Glaubensüberzeugungen gemeinschaftlich und ökonomisch konkretisieren.
Eigenständiger Raum
Setia erinnert daran, dass es sich hierbei um einen originären Denkrahmen handelt: Verträge sollen auf gegenseitiger Zustimmung beruhen, Gerechtigkeit und Transparenz sollen die Zirkulation von Vermögen sichern und dem Gemeinwohl sowie den Zielen der Scharia entsprechen.
Die ICE versteht sich als Versuch, diesen Rahmen ernst zu nehmen, statt nur einzelne Instrumente, wie zinsfreie Finanzprodukte, in vorhandene kapitalistische Strukturen einzubauen.
Foto: jcomp, freepik.com
Der malaysische Gelehrte Adi Setia, der lange an Einrichtungen wie dem CASIS in Kuala Lumpur tätig war, verbindet die klassische islamische Lehre mit einer Ausbildung in Wissenschafts- und Philosophiegeschichte.
Parallel dazu engagiert er sich in konkreten Projekten, die von gemeinschaftlich organisierter Landwirtschaft und Permakultur bis zu Beratungsinitiativen zur Stärkung lokaler Ökonomien reichen.
Dass seine Überlegungen zu dieser Wirtschaftsform nicht im luftleeren Raum stehen, zeigt sich daran, dass er Bildungskurse, Pilotprojekte und Kooperationen mit Gelehrten, Aktivisten sowie politischen Entscheidungsträgern anstrebt – also genau dort, wo die Mu’amalat wieder zur gelebten Praxis werden kann.
Kritik an den konventionellen Modellen
Ausgangspunkt seiner Sichtweise ist die Diagnose, dass „Islamic Banking & Finance“ mehrheitlich in eine neoliberale Matrix eingebunden sind. Anstatt ein eigenständiges Modell zu entwickeln, haben viele Akteure wesentliche Begriffe wie „Maqasid“ und „Maslaha“ mit gängigen Entwicklungs- und Wachstumsparadigmen verschmolzen, die von Kapitalakkumulation und Wettbewerb geprägt sind.
Diese Wirtschaftspraxis – von Banken bis zu Investmentfonds – bleibt damit im Rahmen einer „freien Marktwirtschaft“, allerdings mit einigen religiösen Filterregeln: Verbot von Zins, Spekulation und Betrug, Pflicht zu Wohltätigkeit und Betonung sozialer Verantwortung.
Diese Korrekturen sind wichtig, für den Forscher jedoch nicht ausreichend, solange die grundlegende Logik von Knappheit, Konkurrenz und dem Vorrang individueller Gewinnmaximierung bestehen bleibt.
Foto: jcomp, Freepik
Demgegenüber formulierte er die „Islamic Gift Economy“ als „integratives islamisches Wirtschaftssystem“, das auf eigenen ethischen und ökonomischen Prinzipien basiert und zugleich konstruktiv mit der bestehenden Ordnung interagieren kann.
Er definiert sie als „Bereitstellung und Teilen durch gegenseitiges Geben und Empfangen mittels fairen sozialen und kommerziellen Austauschs natürlicher und kultureller Fülle zur Verwirklichung materiellen und spirituellen Wohlergehens“.
Operativ basiert sie auf Kooperation (arab. ta’awun), beiderseitiger Zustimmung (arab. muradatin) und Partnerschaft (arab. muscharaka), die von Werten wie Barmherzigkeit, Dankbarkeit, Großzügigkeit, Maßhaltung, Treuhänderschaft und Vertrauenswürdigkeit getragen werden.
Dahinter steht die Annahme, dass die Schöpfung reichlich ausgestattet ist, während legitime menschliche Bedürfnisse begrenzt sind. Dies stellt einen Perspektivwechsel gegenüber Modellen dar, die Knappheit zum essenziellen Prinzip der Ökonomie machen.
Foto: Jacopo Maia, Unsplash
Aus dieser Perspektive wird die Wirtschaftstheorie als „Wissenschaft des Erwerbens und Bereitstellens“ betrachtet, die sich ausdrücklich auf den Lebensunterhalt und das Gemeinwohl bezieht. Zentrale Instrumente der islamischen Tradition wie Zakat, Sadaqa, Auqaf, zinsfreie Darlehen und Beteiligungsfinanzierungen erscheinen hier nicht als isolierte fromme Praktiken oder Spezialprodukte religiöser Finanzinstitute, sondern als Bausteine eines umfassenden „Gift“-Systems, das Wertschöpfung, den Umlauf von Vermögen und soziale Sicherung miteinander verknüpft.
In Studien zur nachhaltigen Entwicklung wird sein Ansatz aufgegriffen und betont, dass dieser Form von Gerechtigkeit (arab. ‘adl), Gleichgewicht (arab. mizan) und Gemeinwohl in den Mittelpunkt stellt. Damit sollen sie eine Alternative in postkapitalistischen Debatten über ökologische und soziale Krisen bieten.
Für eine auf religiösen Grundlagen basierende Ökonomie bedeutet das: Muʿamalat werden wieder als Ort gelebter Verantwortung vor Gott und als Ort der solidarischen Gestaltung von Gemeinwesen ernst genommen – und nicht nur als juristisch-ökonomische Technik, die man nach Bedarf in bestehende Modelle einpasst.
Spiritueller Missbrauch ist eine Form von Gewalt, bei der religiöse Autorität und Glaubensinhalte benutzt werden, um Menschen zu kontrollieren, kleinzuhalten oder zu traumatisieren. (iz). Sulaiman Wilms erinnerte in Ausgabe 354 […]
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Angesichts steigender Sommerhitze werden die Innenhöfe des Islam wieder interessant. Anmerkungen von Prof. Dr. Ömer Spahic
(iz). Wenn Hitze die Städte aufheizt, erinnert die muslimische Architektur an eine Kunst des Wohnens: Innenhöfe als kühle Rückzugsorte zwischen Öffentlichkeit und Privatheit. Prof. Dr. Omer Spahić zeigt, wie diese Räume nicht nur Schutz vor der Hitze bieten, sondern auch eine besondere Lebensart prägen.
Der Islam war treibende Kraft, welche die Tradition des Innenhofs zum Aufblühen brachte. Faktoren wie Geografie, Klima und andere lokale Einflüsse traten in den Hintergrund. Sein Stellenwert und die Funktionen spielen eine wichtige Rolle im Wohnhaus, das seinerseits der Rahmen für die Familie ist.
Mit diesen Höfen sind nicht nur offene Räume im Zentrum eines Hauses gemeint. Nach Ansicht von John Reynolds können sie „ein, vielleicht zwei Wände haben, die eine Barriere zum Nachbarhaus oder zur Straße bilden“. Folgende Elemente machen eine Fläche zum Innenhof: Eine Öffnung Richtung Himmel, Zugang zum Gebäude, sodass der Hof dessen fester Bestandteil ist und ein vollkommener Ausschluss nach Außen, damit Sicherheit und Privatsphäre gewahrt sind. Ein Raum ist dann ein solcher, wenn seine Funktionen die des Hauses unterstützen.
Unser Schöpfer hat festgelegt, dass keine zwei Orte das gleiche Klima haben. Dieses beeinflusst Lebensbedingungen im entscheidenden Maße und so entstand ein Muster aus Vegetation, Böden und Wasservorkommen, das sich je nach Region deutlich unterscheidet.
Als Bestandteil der Schöpfung kann sich der Mensch nicht den Naturgesetzen entziehen. In Folge ihrer Anpassung an die Herausforderungen der Klimazonen haben die Völker kulturelle Ausdrucksformen hervorgebracht, die ihnen am besten entsprechen – Kleidung, Architektur sowie Mentalität und Sprachunterschiede.
Allah sagt im Qur’an: „Und zu Seinen Zeichen gehört die Erschaffung der Himmel und der Erde und die Verschiedenheit eurer Sprachen und Farben. Darin sind wahrlich Zeichen für die Wissenden.“ (Ar-Rum, Sure 30, 22)
Die profunde Vielfalt der Schöpfung ist eine zwingende Wirklichkeit, die weder übersehen, noch oberflächlich betrachtet werden kann. Sie ist eines der deutlichsten Anzeichen für Allahs Existenz, Allgegenwart und Allmacht.
Imam Al-Ghazali sagte, dass es nichts in der Welt gäbe, was nicht Seine Einheit bestätigt. Für das Lesen dieser Symbole in der Natur braucht es keine äußerliche Reise, sondern eine geistige. Tiere und Pflanzen überleben den jährlichen Kreislauf der Jahreszeiten. Von allen Geschöpfen steht dem Menschen die größte Vielfalt im Umgang mit der Temperatur zur Verfügung.
Es gibt kein Standardhaus. Wenn die Gestaltung von Häusern „importiert“ wird, muss diese „akklimatisiert“ werden, damit sie den jeweiligen Verhältnissen angepasst ist. Dieselben Baupläne für zwei Klimazonen wären so, als würde man in beiden die gleiche Kleidung tragen.
Hassan Fathy schrieb über die nivellierende Art des Bauens: Der Architekt vergisst „die Umgebung, in der seine Gebäude umgesetzt werden, weil er von neuen und modernen Innovationen fasziniert ist. (…) Wenn er vor seiner Verantwortung zurückschreckt und die Umwelt dadurch verletzt, dass er keinen Bezug zu ihr herstellt, hat er ein Verbrechen gegen Architektur und Kultur begangen.“
Volkstümliche Bautraditionen aus aller Welt waren erstaunlich fähig darin, diese Aufgabe zu lösen. Die Nutzung von natürlichen Vorteilen durch spezifische Baustile ist eine, dem Menschen innewohnende Eigenschaft.
Salman Al-Farsi, ein bekannter Prophetengefährte, beauftragte einmal einen Baumeister und fragte den Mann, wie er vorgehen wollte. Der Maurer sagte: „Dies wird ein Haus für dich, um dich gegen die Hitze der Sonne und dem kalten Wetter zu schützen.“
Abu Muhammad Al-’Aini kommentierte diese Aussage, die im Sahih Al-Bukhari aufgenommen wurde, wie folgt: „Nur solche Gebäude sind echte Häuser, wenn sie ihre Bewohner vor Regen, Sonne und Kälte schützen. Und wenn sie ein Schutz vor der äußeren Welt sind.“
Foto: Freepik/Magnific
Innenhöfe sind im Idealfall Orte der Erholung, an denen sich Gäste und Bewohner an der angenehmen Atmosphäre erfreuen. Gleichzeitig sind sie Mittel, um Probleme zu beseitigen, die durch spezifische Wetterbedingungen erzeugt werden. Dank ihrer Struktur, der Pflanzen und des Wassers liefern sie Ventilation und kältere Luft.
m Winter sind die Temperaturen in den Höfen generell höher als draußen. Es versteht sich von selbst, dass Bäume im Innenhof effektivere und gesündere Kühlmethoden sind als Klimaanlagen. Ihre Wirkung hängt von Geometrie, Baumaterialien und der Bepflanzung ab.
Die Höfe des Islam sind dank ihrer Funktion wie hypnotisierend. Diese ist genauso prächtig, wie die Werte und Standards, die ihre Grundlage darstellen. Die Form spielt demnach nur eine unterstützende Rolle. Sie ist ihrem Ziel untergeordnet. Und basiert auf der Spiritualität des Islam – die allüberragend ist.
Hassan Fathy vertritt die Idee, dass der Innenhof im muslimischen Haus ein „Mikrokosmos“ war, der „Raum mit Zeit, Land mit Himmel durch die symbolische Bedeutung seiner Komponenten“ verbindet.
Im Islam spielt Privatsphäre eine wichtige Rolle. Genauso wie ein Muslim verpflichtet ist, seine Privatheit und die seiner Familie zu schützen, muss er die anderer respektieren. Die bewusste Verletzung derselben ist ein schwerwiegender Regelbruch. Muslime sind dazu angehalten, vor dem Betreten eines Gebäudes drei Mal um Erlaubnis zu bitten („O die ihr glaubt, betretet nicht andere Häuser, die nicht eure Häuser sind, bis ihr euch bemerkbar gemacht und ihre Bewohner begrüßt habt. Das ist besser für euch, auf dass ihr bedenken möget! Wenn ihr niemanden darin findet, dann tretet nicht ein, bis man (es) euch erlaubt. Und wenn man zu euch sagt: ‘Kehrt um’, dann kehrt um. Das ist lauterer für euch. Und Allah weiß über das, was ihr tut, Bescheid.“ An-Nur, Sure 24, 27-28).
Es wurde beim Bau von Wohngebäuden darauf geachtet, dass die Höfe und Dachflächen vor dem ungebetenen Blick Dritter geschützt sind. Entweder, indem Nachbarn ihre Häuser nicht höher als andere bauten, oder durch den Einsatz von Strukturen, die ihn von Außen abwenden. Die Zugänge zu einem muslimischen Innenhof dienen als Übergang zwischen privatem und öffentlichem Bereich.
Aus diesem Grund ist eine der grundlegenden Funktionen des Hauses die Bereitstellung eines Rahmens für die menschlichen Aktivitäten, die in ihr stattfinden. Das Haus als künstlerischer und architektonischer Ausdruck und Erfahrung muss als Zeugnis dieser positiven Lebenseinstellung dienen. Daher fanden sich in Innenhöfen häufig Wasser, Blumen und andere farbige Pflanzen, Vögel, Licht und lebendige Dekorationen.
Hitze in Deutschland hat ihre eigene Chronik: Flirrende Straßen, aufgeheizte Fassaden und das leise Surren der Ventilatoren in den Büros. (iz). Während Wetter-Apps vor „gefühlten 35 Grad“ warnen, wirkt es […]
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Warum das Pilotprojekt zur islamischen Militärseelsorge dem Bedarf und dem Anspruch religiöser Gleichstellung nicht gerecht wird
(iz). Mit großer Symbolik verkündete die Bundeswehr die Einführung einer islamischen Militärseelsorge. Nach Jahrzehnten des Wartens erhalten muslimische Soldatinnen und Soldaten nun endlich ein seelsorgerisches Angebot.
Auf den ersten Blick wirkt dies wie ein Fortschritt. Bei genauerer Betrachtung offenbart sich jedoch ein strukturelles Problem. Was als Anerkennung verkauft wird, trägt Züge einer provisorischen Verwaltungslösung, die weder dem religiösen Bedarf muslimischer Soldaten noch dem Anspruch echter Gleichbehandlung gerecht wird.
Es geht dabei nicht um die Frage, ob muslimische Soldaten seelsorgerische Begleitung benötigen. Diese Frage ist längst beantwortet. Natürlich benötigen sie diese. Die eigentliche Frage lautet, warum wird muslimischen Soldaten auch im Jahr 2026 weiterhin nur ein Übergangsmodell angeboten, während für andere Religionsgemeinschaften längst institutionelle Normalität geschaffen wurde?
Militärseelsorge: Zwei Jahrzehnte verspätete Anerkennung
Muslime dienen nicht erst seit gestern in der Bundeswehr. Bereits seit den 2000er Jahren ist bekannt, dass tausende Muslime Teil der deutschen Streitkräfte sind. Schon während der Auslandseinsätze in Afghanistan wurde deutlich, dass muslimische Soldaten mit spezifischen religiösen und ethischen Fragen konfrontiert werden.
Wie verhält man sich religiös im Auslandseinsatz? Wie verarbeitet man Tod? Wie organisiert man religiöse Trauer? Wie vereinbart man Ramadan mit militärischen Anforderungen? Wie geht man mit Fragen von Schuld, Gewissen und Gewalt um?
Muslimische Soldaten und Soldatinnen in der Bundeswehr schilderten immer wieder öffentlich, dass sie während ihrer Einsätze den Tod von Freunden und Kameraden verarbeiten mussten, aber hierfür keinen religiösen Ansprechpartner hatten. Diese Aussagen stehen exemplarisch für ein strukturelles Versagen.
Wenn ein Staat über zwei Jahrzehnte hinweg muslimische Soldaten beschäftigt, ohne ihnen dieselben religiösen Strukturen anzubieten wie anderen Glaubensgruppen, dann handelt es sich nicht um ein organisatorisches Problem. Es ist Ausdruck institutioneller Ungleichbehandlung.
Foto: Deutscher Bundestag | Marc-Steffen Unger
Das Provisorium statt echter Gleichstellung
Katholische und evangelische Militärseelsorge sind institutionell abgesichert. Die jüdische Militärseelsorge erhielt 2019 einen Staatsvertrag mit dem Zentralrat der Juden in Deutschland.
Muslimische Seelsorge erhält hingegen eine öffentliche Ausschreibung, ein Pilotprojekt, eine externe Dienstleistungslösung, keinen Staatsvertrag, keine langfristige institutionelle Verankerung. Allein diese Konstruktion zeigt die Hierarchie.
Christliche und jüdische Seelsorger sind Teil institutioneller Stabilität. Muslime erhalten eine Ausschreibung wie bei einem externen Verwaltungsauftrag.
Religiöse Seelsorge wird hier faktisch behandelt wie ein austauschbarer Dienstleistungsprozess. Das wird weder dem religiösen Charakter der Seelsorge gerecht noch dem Anspruch muslimischer Bürger auf gleichberechtigte Behandlung.
Ein Staat, der religiöse Gleichbehandlung ernst nimmt, darf nicht für manche Religionsgemeinschaften dauerhaft institutionalisierte Strukturen schaffen, während muslimische Gläubige auf befristete Ausschreibungen und provisorische Übergangslösungen verwiesen werden.
Wenn religiöse Rechte tatsächlich universell gelten sollen, dann müssen sie unabhängig von der jeweiligen Religionszugehörigkeit in gleicher Qualität, mit derselben institutionellen Verbindlichkeit und mit derselben Würde gewährleistet werden. Alles andere sendet die Botschaft, dass manche religiösen Bedürfnisse als dauerhaft legitim betrachtet werden, während muslimische Bedürfnisse weiterhin unter Vorbehalt stehen.
Das Argument des fehlenden Ansprechpartners überzeugt nur bedingt
Das Verteidigungsministerium argumentiert seit Jahren, nein seit Jahrzehnten, es gebe keinen zentralen muslimischen Ansprechpartner. Dieses Argument greift zu kurz. Die religiöse Pluralität des Islams in Deutschland ist real. Aber Vielfalt darf nicht als Vorwand genutzt werden, um strukturelle Gleichstellung dauerhaft aufzuschieben.
Der Staat hat in vielen Bereichen gelernt, mit muslimischer Pluralität umzugehen. Islamunterricht. islamische Theologie an Universitäten, Gefängnisseelsorge Krankenhausseelsorge, Bestattungsfragen.
Warum soll ausgerechnet im Bereich der Bundeswehr plötzlich institutionelle Handlungsunfähigkeit bestehen? Juristen haben bereits darauf hingewiesen, dass ein Staatsvertrag nicht zwingend notwendig wäre. Es fehlt weniger an juristischen Möglichkeiten als an politischem Willen.
Foto: Bundeswehr/Rolf Klatt
Die fragwürdige Zahl von „3.000 muslimischen Soldaten“
Auffällig ist, dass seit Jahren nahezu identische Zahlen kursieren. Mal spricht man von 3.000. Mal von 4.000. Mal von 6.000. Bemerkenswert ist jedoch, dass die Zahl 3.000 seit vielen Jahren nahezu unverändert kommuniziert wird. Soziologisch wirft das Fragen auf.
Wie realistisch ist es, dass sich die Zahl muslimischer Soldaten trotz gesellschaftlicher Veränderungen, Migration, Geburtenentwicklung und Rekrutierungsbewegungen über ein Jahrzehnt kaum verändert haben soll? Entweder existiert keine präzise Datenerhebung. Oder man arbeitet bewusst mit konservativen Schätzungen. Beides wäre problematisch. Eine Institution, die religiöse Bedürfnisse ernst nimmt, muss ihre Zielgruppe überhaupt erst einmal seriös kennen.
Seelsorge oder Rekrutierungsstrategie?
Hier beginnt die gesellschaftspolitisch heikelste Frage. Deutschland befindet sich sicherheitspolitisch in einer neuen Phase. Seit der sogenannten Zeitenwende steigen Verteidigungsausgaben massiv. Die Wehrpflicht wurde wieder eingeführt. Die Bundeswehr sucht dringend Personal.
Parallel entsteht plötzlich eine neue Offenheit gegenüber muslimischen Soldaten. Diese zeitliche Parallelität erzeugt einen problematischen Eindruck. Solange muslimische Soldaten in kleinerer Zahl dienten, blieb ihre religiöse Infrastruktur zweitrangig. Nun, da mehr Personal benötigt wird, entdeckt man muslimische Vielfalt als strategische Ressource. Dieser Eindruck muss ernst genommen werden.
Gleichzeitig erleben viele junge Muslime im Alltag Rassismus und/oder Islamfeindlichkeit. Wenn in genau dieser Situation plötzlich religiöse Anerkennung innerhalb der Bundeswehr angeboten wird, entsteht zwangsläufig die Frage, ob es hier um Gleichberechtigung geht oder um bessere Rekrutierung? Ein Staat muss auf diese Frage glaubwürdig antworten.
Seelsorge braucht Vertrauen, nicht Symbolpolitik
Seelsorge funktioniert nur auf Basis von Vertrauen. Vertrauen entsteht nicht durch Ausschreibungen, Pilotprojekte oder durch symbolische Pressemitteilungen. Vertrauen entsteht durch langfristige institutionelle Anerkennung.
Muslimische Soldaten verdienen dieselbe Würde wie ihre christlichen und jüdischen Kameraden. Wenn der Staat muslimische Bürger dazu aufruft, Verantwortung für das Land zu übernehmen, dann muss er auch bereit sein, ihnen dieselben religiösen Rechte einzuräumen. Nicht provisorisch, testweise oder nur unter Vorbehalt, sondern vollwertig. Alles andere bleibt ein Modell zweiter Klasse.
Islam und KI: Es gibt fundamentale Grenzen menschlichen Wissens. Die Unfähigkeit, die Seele vollständig zu begreifen, demonstriert, dass bestimmte Aspekte der Schöpfung jenseits technologischer Reproduzierbarkeit liegen. (iz). In den gläsernen […]
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Beim Propheten in Medina: Jeder sollte nach der Hajj, soweit es möglich ist, den Gesandten Allahs besuchen.
(iz). Das große Ereignis des Hajj, die lebensbestimmende und vervollkommnende Reise für Muslime in aller Welt, steht kurz bevor. Während Sie dieses lesen, sind Millionen in Mekka, um das Haus Allahs zu besuchen und die Riten unseren Vorfahren Ibrahim zu erfüllen, bzw. haben ihre Pilgerfahrt erfolgreich abgeschlossen. Damit besiegeln sie eine der fünf großen Säulen des Islam.
Das ist das erste Stadium der Reise. Danach kommt der Besuch beim Propheten, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, an dessen Grab in der großen Moschee der erleuchteten Stadt Medina. Das ist ein Punkt, bei dem kein Pilger meinen sollte, er könnte darauf verzichten. Denn durch diesen Besuch wird seine Pilgerfahrt vollendet.
Besuch beim Propheten: Konsens der Gelehrten
So ist die Übereinkunft der Leute des Wissens unter den vier Rechtsschulen und es ist der Grund, warum der Besuch des Prophetengrabes in den Rechtsbüchern immer im Kapitel zur Hajj abgehandelt wird.
Und An-Nawawi schrieb: „Wisse, dass jeder, der die Hajj vollzieht, das Grab des Gesandten Allahs – gleich, ob dies auf seinem Weg liegt oder nicht – besuchen sollte. Denn der Besuch bei ihm ist eines der wichtigsten Mittel, um Allah nahe zu kommen, eine der nützlichsten Bemühungen, die man anstreben kann, und eine der besten Dinge, um die man bitten kann.“
Dieser bedeutende Teil der Reise wurde auf verschiedene Art und Weise durcheinandergebracht: Zuerst wurde dieser Reiseabschnitt vor die Pilgerfahrt gelegt. Etwas, das bis vor Kurzem niemals Praxis der Muslime war. Er ist der Schlussstein des Hajj, nicht ihr erstes Stück. Jeder, der die Wahl dazu hat, muss sich den Besuch für die Zeit danach aufheben.
Dies wird eindeutig durch ein bekanntes Hadith des Propheten, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, belegt: „Wer auf die Hajj nach Mekka geht und mich dann in meiner Moschee besucht, wird zwei angenommene Hajjreisen für sich aufgezeichnet haben.“
Foto: Muhammad Ali Effendi Sa’udi, Al Madina Books
Er sagte eindeutig „und dann“ und verwies darauf, dass es eine Reihenfolge gibt, die mit dem Haus Allahs beginnt. Imam An-Nawawi meinte hierzu:
„Wenn die Reisenden zur Hajj und die Leute auf der ‘Umra (die ‘kleine’ Pilgerfahrt) Mekka verlassen, dann ist es stark angeraten, sich auf den Weg nach Medina zu machen, um ihn, Frieden und Segen auf ihm, zu besuchen.“
Zweitens gibt es solche Fraktionen unter Muslimen, welche die Bedeutung dieser Aufwartung herunterzuspielen suchen. Sie glauben, dass die Reise in Medina vorrangig dem Gebet in der Prophetenmoschee zu gelten habe und nicht der seiner Ruhestätte. Sie behaupten, der Gesandte Allahs habe den Besuch von Gräbern verboten.
Einerseits widerspricht eine solche Meinung den Worten und Handlungen des Propheten, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, selbst. Dieser besuchte die Gräber seiner Gefährten in Al-Baqi (dem Friedhof von Medina).
Andererseits wird aus dem Buch Allahs und der Übereinkunft der Gelehrten ersichtlich, dass es keinen Unterschied darin gibt, ob er am Leben oder verstorben ist – ihm gebührt in beiden Fällen der gleiche Adab. Allah sagt im Qur’an: „Und wisset, dass Allahs Gesandter unter euch ist.“ (Al-Hujurat, Sure 49, 7)
Was die Liebenden tun
Die erste Sache, die ein aufrichtig Liebender tut, wenn er heimkehrt, ist der Besuch beim Geliebten, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben. So handelten die Gefährten, sobald sie ihre Heimatstadt erreichten. Es war sogar der erste Schritt, den sie unternahmen.
Nehmen wir als Beispiel Bilal, den Gebetsrufer des Gesandten Allahs. Wegen dessen Verscheiden vermochte er nicht mehr in der Stadt zu bleiben und verbrachte sein Leben in Syrien.
Aber nach vielen Jahren hatte er einen Traum, in dem der Prophet zu ihm kam und fragte: „Warum diese Entfremdung, Bilal? Ist die Zeit nicht für dich gekommen, mich zu besuchen.“
Also sprang er auf, packte seine Sachen und machte sich auf den Weg nach Medina. Im Augenblick seiner Ankunft ging er sofort zu seinem Grab. Seine Reise – ein Weg von mehr als 1.600 Kilometern! – wurde nur aus einem Grunde gemacht: Um den Gesandten Allahs an seiner Ruhestätte zu besuchen. Bilal sehnte sich nach ihm und wusste, dass er so wieder in dessen Gegenwart sein konnte.
Foto. Ar. Sh. Mohammed, Unsplash
Und dies gilt für jeden Muslim; insbesondere jene, die von der Hajj kommen. Der Prophet sagte: „Wenn ihr die Hajj verrichtet und mich nach meinem Tod besucht, so wird es sein, als hättet ihr mich in meiner Lebenszeit besucht und begleitet.“
Wie könnte irgendeiner – jemand mit nur einem Stäubchen Liebe in seinem Herzen für den Propheten – nicht alles stehen und liegen lassen, wenn dies bedeuten würde, dass er auch nur einen Augenblick in der Gegenwart des Gesandten Allahs verbringen würde? Für die meisten Muslime bietet sich diese Gelegenheit nicht oft – höchstens ein oder zwei Mal in ihrem Leben.
Hamid Dabashi ist ein bedeutender iranischer Intellektueller, der hinterfragt, wie Begriffe wie „der Westen“ und „der Islam“ im gegenwärtigen Denken konstruiert werden. (iz). Im Bereich der Kultursoziologie und der Islamischen […]
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Umweltethik: Während viele Gesellschaften global nach einer Lösung für die Umweltkrise suchen, werden Alternativen aus unserer Tradition zu wenig angeboten. (Iz/Yaqeen). Islam beinhaltet in seinem Kern zahlreiche Umweltprinzipien, die vielen […]
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