Zakat als das Andere: Besitz, Konsum und individueller Erfolg gelten heutzutage in kapitalistischen Gesellschaften oft als Maßstab für ein gelungenes Leben. (iz). Zakat ist nicht einfach eine religiöse Pflicht unter […]
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Zakat als das Andere: Besitz, Konsum und individueller Erfolg gelten heutzutage in kapitalistischen Gesellschaften oft als Maßstab für ein gelungenes Leben. (iz). Zakat ist nicht einfach eine religiöse Pflicht unter […]
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„Tse Lu: Der Herr Wei wartet darauf, dass du eine Regierung bildest. Was wirst du als erstes tun? Kung: Die Namen klären. Tse Lu: Wie kann das sein? Du schweifst ab. Warum sie festlegen? Kung: Du Kürbis! Sprosse! Wenn ein Mann kein Wissen hat, sollte er Zurückhaltung an den Tag legen. Wenn Worte nicht genau sind, kann man ihnen nicht folgen oder eine Handlung entsprechend ihrer Bedingungen vollenden.“ Konfuzius
„Der Islam geht in die Bücher, und die Muslime gehen ins Grab.“ Hasan Al-Basri
(iz). Das Problem von Sprache und der mit ihr verbundenen Herausforderungen ist für Muslime in den Bereichen Medien, Schreiben und Kommunikation eine alltägliche Aufgabe.
Wie viel der Substanz von Allahs Din und von wichtigen Vorstellungen kann durch Übertragungen vermittelt werden? Und was geht mit ihnen verloren? Hier bieten sich – leider – keine einfachen Lösungen an.
Wie Ahmet Aydin in seinem obigen Beitrag am Beispiel von Molla Dschami im Dialog mit Goethe verdeutlicht, erleichtert die angemessene „Sprachgewandtheit“ unseren Auftrag, Inhalte des Islam der Umwelt zu vermitteln.
Ihr Fehlen erschwert – im Negativfall – das Verstehen beim beabsichtigten Publikum. Was es kaum gibt: einfache Lösungen bzw. simple Regeln, die sich gleichermaßen auf jeden Begriff bzw. sämtliche Vorstellungen anwenden ließen.

Foto: Vadym, Adobe
Bei einer Reihe der täglichen Wörter der islamisch-religiösen Lebenspraxis wie dem Gebet, Fasten, der Pflichtabgabe oder der Pilgerfahrt ist die Übertragung in unsere Sprache Normalität geworden.
Niemand mit einem Hauch an deutschem Sprachgefühl muss sich wegen falsch verstandener Korrektheit genötigt fühlen, zu sagen „ich habe die Salat gemacht.“ Hier trifft die „Eindeutschung“ auf eine passende Bedeutungsübertragung bei gleichzeitiger Gewissheit, das Gegenüber kann einen verstehen.
Als Nächstes stoßen ÜbersetzerInnen und AutorInnen auf eine Grauzone, in der beide Seiten für ihre Neigung – Übertragung vs. Beibehaltung in der Originalsprache – beiderseits Argumente vorweisen können.
Ob es bspw. angemessen sei, das kleine Wort „Fiqh“ mit „islamischem Recht“ zu übersetzen, ist eine Frage, mit der sich ganze Seminare füllen lassen. Und ist der Faqih dann ein „Jurist“?
Das wäre in jedem konkreten Fall eine Abwägungsfrage. Übernehme ich einen Begriff aus dem Arabischen und führe ihn (im Text oder einer Fußnote) mit einer Erklärung ein bzw. verwende ich eine angemessene Entsprechung?
Die Entscheidung hängt wahrscheinlich vom Publikum und Kontext ab. Wer sich seines Sprachgebrauchs bewusst ist, sollte zumindest davon ausgehen, dass viele Wörter auch hier einen Subtext haben können.
Schließlich kommen wir in einen Bereich, in dem – mindestens die unreflektierte – eine Übertragung in die hiesige Terminologie (die eine christliche Vorgeschichte hat) mit Fallstricken und Missverständnissen behaftet ist (oder sein kann).
Allzu schnell verheddert sich der wohlgesinnte Autor im Netz einer alten Begriffs- und Ideengeschichte. Die zumal seit der Spätantike diversen Umdeutungen unterzogen wurde. Kaum jemand erschüttert heute innerlich, wenn er Bezeichnungen wie „Jenseits“ oder „Göttlichkeit“ hört.
Ein Beispiel ist die Übersetzung des qur’anischen Begriffs „Din“ mit „Religion“. „Religio“ bedeutete ursprünglich „gewissenhafte Sorgfalt“ bzw. „Gottesfurcht“, kam im 16. Jahrhundert als Lehnwort ins Deutsche und wurde von der Reformation geprägt.
Heute steht es für Glaubenssysteme mit transzendenten Elementen; die Etymologie (relegere/religare) bleibt umstritten.
Foto: Topkapi Palace Library, Istanbul, via Wikimedia Commons | Lizenz: Public Domain
Die, so stattfindende Übersetzung von „Din“ ist mindestens „problematisch“. Seine Bedeutung lässt sich von „Verpflichtung“ ableiten (nicht der einzige qur’anische Begriff aus dem Bereich der Transaktionen), die aus unserer Anerkennung Gottes bei der Erschaffung der Seelen resultiert.
Der Mensch erkannte vor seiner Entsendung auf die Erde Allahs Herrschaft (Al-A’raf, Sure 7, 172) und schuldet Ihm dafür Anbetung bzw. Gehorsam als Gegenleistung für unsere Versorgung im Diesseits.
Mit dieser Pflicht ist keine „Schuld“ im Sinne einer christlichen „Erbsünde“ verbunden. Im erwähnten Qur’anvers versammelte Er alle Seelen mit der Frage: „Bin Ich nicht euer Herr?“ Was wir als Gattung bejahten. Aus dieser Anerkennung ergibt sich ein Bund, der sich durch unser Leben zieht.
Zu dieser Kategorie gehört die „Sünde“. Ihre Bedeutungsgeschichte ist so stark mit dem Christentum verknüpft, dass sie erklärungsbedürftig ist. Unausweichlich assoziiert der Begriff (wie der Leser) damit „Schuld“ und „Erbsünde“ – zentral in der christlichen Theologie, aber der islamischen Lebenspraxis und unseren Glaubenswelten fremd.
Die obigen Fragen wurden bisher zumeist nur unter Autoren, Übersetzern oder der Lehre diskutiert. Ein Punkt hingegen sorgt im Netz häufig für angeregte Debatten: Soll man „Gott“ bzw. „Allah“ sagen? Hier bleibe ich Agnostiker.
Mehr als eine, heute muslimische Bevölkerung hat ihre früheren Begriffe für die Göttlichkeit beibehalten und benutzt sie weiterhin. Andererseits ist mit diesem Wort ein solcher Wandel in der Bedeutungs- und Ideengeschichte seit der Antike verbunden, dass fraglich ist, ob die Übertragung glückt.
Nicht wenige hören hier Nietzsches Diktum „Gott ist tot“ (und ignorieren das „wir haben ihn getötet“ …) mit, wenn der Begriff fällt. Was seinerseits die Tür für die spannende Frage öffnet, ob der „Philosoph mit dem Hammer“ überhaupt Atheist war…
(iz). Im Oktober 1887 traf im Amt des Scheyhulislam in Istanbul ein ungewöhnliches Schreiben ein. Es kam nicht aus Kairo, nicht aus Damaskus, nicht aus den Weiten der islamischen Welt, sondern aus Goslar am Harz, einer kleinen deutschen Bergstadt in Niedersachsen.
Der Absender war ein Mann namens M. Schumann, wohnhaft in der Bäringerstraße 3, und sein Anliegen war, jedenfalls aus der Perspektive des osmanischen Staatsamtes, denkbar ungewöhnlich: Er wollte Muslim werden. Dieser Brief, heute überliefert im Osmanischen Staatsarchiv (BOA) und in den Tezâkir (Erinnerungen) des Ahmed Cevdet Pascha, ist mehr als ein privates Glaubensdokument.
Er ist ein Zeugnis der Zeit, ein Spiegel europäischer Sinnsuche, und zugleich eine Einladung zum Nachdenken über die Grenzen zwischen Orient und Okzident, die im ausgehenden 19. Jahrhundert noch keineswegs so undurchlässig waren, wie spätere Narrative es suggerierten.
Schumann schreibt, er lebe „in dichter Dunkelheit, weit entfernt von der Sonne des Islam, die im Osten ihr Licht verbreitet.“ Die Metapher ist bezeichnend. Es ist nicht das Licht der Aufklärung, das er sucht, nicht das Licht der Vernunft, das Europa seit dem 18. Jahrhundert für sich reklamierte.
Es ist eine andere Helligkeit, die ihm fehlt, eine geistige Orientierung und innerer Halt. Das Christentum seiner Umgebung, so Schumann, sei dem Namen nach vorhanden, aber ohne eigentlichen religiösen Ernst. Luthers Reformation habe nichts gebessert, sie sei wie ein fauler Same auf unfruchtbarem Boden.
Aus diesem Widerspruch zwischen nominellem Glauben und gelebter Leere sei eine Zersplitterung in zahllose Konfessionen entstanden. Allein der Islam, schreibt er, habe allen äußeren Angriffen standgehalten, unerschüttert und unverdorben.
Was Schumann antreibt, ist keine oberflächliche Faszination für das Fremde. Sein Brief ist von erkennbarer Ernsthaftigkeit. Er verweist auf den Kerngedanken des islamischen Monotheismus als das, was ihn anzieht, und bittet ausdrücklich, das Glaubensbekenntnis sprechen zu dürfen.
Dabei entschuldigt er sich für seine mangelnden Türkischkenntnisse und wartet gespannt auf Antwort vom Scheyhulislam-Amt, dem höchsten religiösen Gremium des Osmanischen Reiches, jenem Amt, das seit dem 15. Jahrhundert als oberste Instanz für Religionsrecht und Glaubensfragen zuständig war und dem Sultan in religiösen Dingen unmittelbar zur Seite stand.
Die Antwort wird nicht vom Scheyhulislam persönlich verfasst. Das Amt delegiert die Aufgabe an Ahmed Cevdet Pascha, einen der bedeutendsten osmanischen Gelehrten und Staatsmänner des 19. Jahrhunderts, der zu diesem Zeitpunkt als Justizminister tätig ist.
Cevdet Pascha ist Historiker, Rechtsgelehrter und Verfasser einer monumentalen Geschichte des Osmanischen Reiches. Er ist kein weltfremder Klostergelehrter, sondern ein Mann, der die Welt kennt, der die europäischen Rechtssysteme studiert hat und der den Islam als lebendige, rationale Ordnung zu vermitteln weiß.
Dass man gerade ihm diese Aufgabe überträgt, ist kein Zufall. Es zeugt davon, wie ernst das Amt das Schreiben aus dem fernen deutschen Harzstädtchen nimmt.
Cevdet Paşas Antwort ist von bemerkenswerter Nüchternheit und zugleich von tiefer Würde. Er erklärt Schumann, dass der Übertritt zum Islam keiner kirchlichen Genehmigung bedarf, keiner Institution, keines Priesters, keiner Zeremonie.
Im Islam existiere keine Geistlichkeit als Vermittler zwischen Mensch und Gott. Wer von Herzen überzeugt ist und mit dem Mund bekennt, dass es keine Gottheit außer Gott gibt und dass Muhammad Sein Gesandter ist, der ist Muslim, ohne dass jemand anderes diesen Akt vollziehen oder genehmigen müsste.
Diese theologische Auskunft ist gleichzeitig eine stille kulturkritische Aussage, denn sie trifft genau das, was Schumann an seiner christlichen Umgebung bemängelt hatte: die Abhängigkeit des Glaubens von Institutionen, Vermittlern und Amtsträgern.
Was macht diesen Briefwechsel kulturphilosophisch so bedeutsam? Es ist zunächst die Asymmetrie der Erwartungen, die sich im Laufe des Gesprächs aufzulösen scheint. Schumann schreibt aus einer Position des Suchenden, des religiös Entwurzelten, der im Westen keine Heimat für seinen Glauben findet.
Er blickt nach Osten, als blicke er in ein Licht. Das Osmanische Reich hingegen, das er als Adressaten wählt, befindet sich selbst in einem tiefen Umbruch. Die Tanzimat-Reformen haben das Reich in den Jahrzehnten zuvor fundamental verändert, europäische Rechtssysteme wurden rezipiert, die Rolle des Scheyhulislam begann sich zu wandeln. Zwei Kulturen, die beide in Bewegung sind, treffen aufeinander.
Zugleich widersetzt sich dieser Briefwechsel dem dominanten Narrativ der Zeit. Im ausgehenden 19. Jahrhundert ist der Diskurs über Orient und Okzident weitgehend von kolonialen Kategorien geprägt.

Foto: Wikimedia Commons, gemeinfrei
Der Osten gilt dem westlichen Blick als rückständig, irrational, erneuerungsbedürftig. Schumann bricht mit dieser Sichtweise radikal. Er kehrt den Blick um. Der Osten erscheint ihm als der Ort des lebendigen Glaubens, der Westen als der Ort des religiösen Verfalls.
Damit greift er unwissentlich eine romantische Sehnsucht auf, die in der deutschen Geistesgeschichte seit Goethe präsent ist: die Vorstellung des Ostens als spirituellen Gegenentwurf zum rationalistisch entzauberten Europa.
Ahmed Cevdet Pascha geht auf diese romantische Projektion nicht ein. Er korrigiert sie stillschweigend durch den sachlichen Ton seiner Antwort. Der Islam, den er beschreibt, ist keine Sehnsuchtsreligion, kein spirituelles Gegenprojekt zum westlichen Rationalismus, sondern eine umfassende Lebensordnung, die Glauben, Recht, soziale Gerechtigkeit und persönliche Praxis verbindet.
Er erklärt die fünf Säulen mit der Präzision eines Gelehrten und der Wärme eines Lehrers. Er vergleicht die islamische Praxis der direkten Gottesbeziehung mit der christlichen Abhängigkeit von Klerus und Sakramenten und stellt dabei nicht Überlegenheit zur Schau, sondern sachliche Unterschiedlichkeit.
Wenige Monate später, am 9. Februar 1888, schreibt Schumann erneut. Sein zweiter Brief ist ein anderer als der erste. Er klingt nicht mehr wie die Bitte eines Suchenden, sondern wie das Wort eines Angekommenen.
Er habe das Glaubensbekenntnis gesprochen, schreibt er, er glaube von Herzen an Gottes Einheit und an die Prophetie Muhammads, und er sei stolz darauf, Muslim zu sein. Er wolle an den Geboten der Scharia festhalten und bitte Gott, ihn dabei zu stärken:
„Mit unbeschreibliche Freude erfüllte mich der Empfang des freundlichen Schreibens Eurer Hoheit. Aus voller Überzeugung bekenne ich: ‚Es ist nur ein Gott, und Mohammed ist sein Prophet.‘ Es wird mein höchstes Bestreben sein, zu zeigen, dass ich nicht unwürdig des Namens Muselman bin. Möge Allah mir Kraft geben, meinen Verpflichtungen als wahrer Gläubiger nachzukommen.“
Cevdet Paschas zweite Antwort ist noch umfangreicher als die erste. Er gratuliert Schumann, beglückwünscht ihn zur Führung Gottes und erklärt dann ausführlich, was das Leben als Muslim im Alltag bedeutet: Reinheit, Gebet, Zakat, Fasten, Hadsch.
Er erklärt die islamische Sozialordnung, die Ehe, das Erbrecht, den Schutz der Schwachen. Er beschreibt den Islam als eine Zivilisation der Würde, in der niemand des Anderen bedarf, um mit Gott zu sprechen, und in der soziale Gerechtigkeit nicht von der Güte der Mächtigen abhängt, sondern gesetzlich verankert ist.
Der Brief endet mit einem Gebet: „Möge Gott Sie und uns Seiner göttlichen Führung würdig befinden. Amin.“
Über M. Schumann selbst ist wenig bekannt. Sein Name taucht in keiner größeren europäischen Geschichtsquelle auf. Er war kein Diplomat, kein Orientalist, kein prominenter Konvertit.
Er war ein Bürger einer deutschen Kleinstadt, der in einem fernen Amt um geistige Führung bat. Was aus ihm wurde, ob er seinen Glauben weiter pflegte, ob er je Kontakt zu Muslimen in seiner Umgebung fand, ist nicht überliefert. Er bleibt eine Randfigur der Geschichte.
Aber gerade seine Unauffälligkeit macht ihn bedeutsam. Er repräsentiert das, was offiziellen Geschichtserzählungen häufig entgeht: die persönliche, stille, unspektakuläre Dimension der Begegnung zwischen den Kulturen.
Dieser Briefwechsel lässt sich nicht in das übliche Bild der Ost-West-Beziehungen des 19. Jahrhunderts einordnen. Er ist keine Missionarsgeschichte, kein Kolonialtext, kein diplomatisches Dokument. Er ist das Protokoll einer menschlichen Suche.
Ein Europäer sucht Orientierung und wendet sich an eine islamische Instanz, nicht aus politischem Kalkül, sondern aus innerem Bedürfnis. Und die islamische Instanz antwortet, ohne zu missionieren, ohne zu vereinnahmen, ohne Triumphgefühle, mit dem klaren, ruhigen Ton des Wissenden, der einem Unwissenden erklärt, was er fragen wollte.
Vielleicht liegt gerade darin die bleibende Bedeutung dieses Briefwechsels. In einer Zeit, in der die Debatte über Islam und Europa häufig von Angst, Abwehr und wechselseitiger Vereinfachung geprägt ist, erinnert er daran, dass es diese einfache, offene Begegnung immer gegeben hat.
Dass ein Mann in Goslar im Jahr 1887 an das Herz des Osmanischen Reiches schrieb und höflich, ernst und vollständig Antwort erhielt, ist kein Wunder der Geschichte. Es ist ihr stilles, übersehenes Normalmaß.
Quellen
BOA, HR.TO, 531/33; BOA, Y.EE, 34/40; HR.TO, 531/64. Ahmed Cevdet Paşa, Tezâkir, Atatürk Kitaplığı, Cevdet Paşa Yazmaları, nr. 20, vr. 14a-17b und 32a-39a; Cevdet Paşa, Tezâkir, 40-Tetimme, hrsg. von Cavid Baysun, Ankara 1991, S. 246-249 und S. 258-263.
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(iz). In der Übermittlung der heiligen Worte Allahs ist die menschliche Stimme das wesentliche Element. Die Weisung des Propheten Muhammad, Allahs Segen und Friede auf ihm, den Qur’an in seiner bestmöglichen Stimme vorzutragen, reflektiert dabei den Anspruch, im respektvollen Wohlklang seiner Rezitation ebenfalls etwas von der Schönheit der Göttlichen Offenbarung widerzuspiegeln. Dies gilt nicht als Musik, sondern als „Lesen mit schöner Stimme“.
Der Anspruch des Propheten Muhammad, Dinge in der bestmöglichen Form zu präsentieren, ist ebenfalls ein Hinweis darauf, dass Worte und Handlungen nicht nur in ihrem Inhalt, sondern auch in ihrer Form und der Art, in der sie dargeboten werden, nichts Geringeres als das Beste reflektieren sollen.
Foto: as-artmedia, Adobe Stock
Dieses entspricht einer Qualität, die wir als Ihsan – „das Gute von Allah in allen Dingen sehen“ – bezeichnen.
Neben melodisch ausgeschmückten Qur’anrezitationen ist der Gebetsruf in seinem Wohlklang bedeutsam. Von Minaretten überall auf der Welt erklingen zu den entsprechenden Tageszeiten der fünf Gebete und zum Freitagsgebet die sieben Elemente des Gebetsrufes (Adhan), welcher unter anderem die Wiederholung des Glaubensbekenntnisses enthält.
In religiösen Zusammenkünften, vielerorts als Dhikr („Erinnern“) oder Sama’ bekannt (wortgetreu: „Hören“), versammeln sich Muslime – Männer wie Frauen – unter der Leitung eines Schaikhs, einem spirituellen Lehrer, um in gemeinsamer Andacht Göttliches Wissen auf traditionelle Weise zu vertiefen.
Hierzu gehören Qur’anrezitationen und der gesungene Vortrag von Qasiden: Gedichte mit festem Versmaß und durchgehendem Reim.
Foto: YouTube
Wer diese Art interaktiver Versammlungen mit seinen Gesängen und Klängen erlebt, spürt die herzerfrischende Lebendigkeit des Islam in der beseelten Überlieferung aus reinsten Quellen, die durch die Gelehrten von der ersten Generation des Islam bis zu jenen aus jüngster Zeit in die jetzige Zeit flossen und uns in verschiedensten kulturellen Ausprägungen die Botschaften aus Qur’an und Sunna übermitteln.
Die religiöse Andacht in melodischer Intonation (Makam) kann durch das Wohlwollen Allahs, Seine heiligen Worte in einer Weise beleben, die allein durch das Hören oder das Singen den Geist erfrischt und Heilung herbeiführt.
„Überall haben Muslime die Musik als Medium benutzt, um ihre Freude in ihrem Glauben auszudrücken, sodass die Musik zu den am stärksten kultivierten aller islamischen Künste wurde: Die heiligen Klänge von Java, Marokko, Usbekistan, der Swahili-Küste und dem muslimischen Balkan.
Vielleicht ist es in der Musik, mehr als in jeder anderen kulturellen Form, dass der Islam seinen Universalismus und das Feiern der kulturellen Unterschiede ausdrückt“, sagt Schaikh Abdal Hakim Murad in seinem Buch „Muslim Songs of the British Isles“.

(iz). In den gläsernen Bürotürmen von Silicon Valley, der IT-Hochburg in Kalifornien, hat sich in den letzten Jahrzehnten eine bemerkenswerte Entwicklung vollzogen: Technologische Visionen nehmen zunehmend religiöse Züge an. Von Masroor Ahmad-Hünsch
Ray Kurzweil, Googles Director of Engineering und einer der einflussreichsten Vordenker der Künstlichen Intelligenz, prophezeit nicht weniger als die Verschmelzung von Mensch und Maschine – eine technologische Apokalypse, die er „Die Singularität“ nennt.
Seine Vorhersagen lesen sich wie säkulare Prophezeiungen: Bis 2029 sollen Computer menschliche Intelligenz erreichen und den Turing-Test bestehen.
Der Turing-Test ist ein Verfahren, das vom britischen Mathematiker und Informatiker Alan Turing entwickelt wurde, um festzustellen, ob eine Maschine ein dem Menschen vergleichbares Denkvermögen besitzt. Dabei kommuniziert eine menschliche Testperson über einen Computerbildschirm mit einem Menschen und einer Maschine, ohne zu wissen, wer wer ist. Kann die Maschine die Testperson so täuschen, dass sie nicht mehr zwischen Mensch und Computer unterscheiden kann, gilt der Test als bestanden.
Im Jahr 2045, so Kurzweil, erreichen wir „Die Singularität“: eine Verschmelzung von Mensch und KI, die unsere Intelligenz „milliardenfach“ vervielfacht. Bereits in den frühen 2030er Jahren, so seine Prognose, kommen wir einen Punkt, an dem wissenschaftlicher Fortschritt schneller voranschreitet als biologisches Altern und die Maschine besser sei als der Menschen und sich selbst vervielfacht und optimiert.
Kurzweil ist nicht irgendjemand, sondern eine Gallionsfigur des Transhumanismus, ein Name, der für viele zum Synonym für die Vision einer technologisch erweiterten Zukunft geworden ist. Seine Vorstellungen werden längst nicht nur von einer kleinen, abgeschotteten Gruppe getragen, sondern finden weltweit Anklang bei Forschenden, Unternehmern und Menschen.
Seine Vision gipfelt in sechs „Epochen der Evolution“, deren letzte er „Das Universum erwacht“ nennt – ein Zustand, den er selbst beschreibt als „so nah an Gott, wie ich es mir vorstellen kann.“
Der Wissenschaftsjournalist John Horgan bringt es auf den Punkt: „Seien wir ehrlich. Die Singularität ist eher eine religiöse als eine wissenschaftliche Vision.“ Diese Beobachtung ist nicht nur metaphorisch gemeint. Philosophen wie Émile P. Torres und Timnit Gebru haben den Begriff „TESCREAL“ geprägt – ein Akronym für eine Ideologie, die Transhumanismus, Extropianismus, Singularitarismus, Cosmismus, Rationalismus, Effektiven Altruismus und Longtermismus vereint.
Émile Torres, erklärt die quasi-religiöse Anziehungskraft dieser Bewegung: „Transhumanismus gibt dir ein Gefühl von Zweck und Bedeutung; da ist ein Versprechen vom Paradies; da ist die Idee, dass, wenn du nicht glaubst, dass Gott existiert, du ihn einfach durch künstliche Superintelligenz erschaffen kannst.“
Die religiöse Dimension der KI-Bewegung ist keineswegs nur metaphorisch. Anthony Levandowski, ehemaliger Google-Ingenieur und Pionier der selbstfahrenden Autos, gründete 2015 die „Way of the Future Church“ – eine offizielle, beim US-Finanzamt registrierte Religion, deren erklärtes Ziel die „Anbetung einer Gottheit basierend auf Künstlicher Intelligenz“ ist.
So eine extreme Entwicklung ist symptomatisch für einen tiefgreifenden Wandel im technologischen Diskurs. Was einst als Werkzeug gedacht war, wird zunehmend zum Objekt der Verehrung. Elon Musk verkündete im Januar 2026 auf X: „Wir haben die Singularität erreicht“.

Foto: rdne/Pexels
Aus islamischer Sicht offenbart diese Entwicklung ein fundamentales Problem: die Verwechslung von Schöpfer und Geschöpf, von Werkzeug und Anbetungswürdigem. Der Heilige Qur‘an spricht unmissverständlich über die einzigartige Stellung Gottes als Schöpfer: „Er ist Allah, der Schöpfer, der Bildner, der Gestalter. Sein sind die schönsten Namen. Alles, was in den Himmeln und auf Erden ist, preist Ihn, und Er ist der Allmächtige, der Allweise.“ (59:25)
Diese drei Namen Gottes – Al-Khaliq (der Schöpfer), Al-Bari (der Bildner) und Al-Musawwir (der Gestalter) – beschreiben eine Schöpfungsmacht, die kategorial verschieden ist von jeder menschlichen oder maschinellen „Kreativität“.
Der Heilige Qur’an stellt eine rhetorische Frage, die direkt zum Kern der KI-Debatte führt: „Ist nun wohl Der, Der erschafft, dem gleich, der nicht erschafft? Wollt ihr es also nicht beherzigen?“ (An-Nahl, 16:17)
Diese Frage ist nicht nur theoretisch, sondern hochaktuell: Können Maschinen, die statistisch Muster erkennen und reproduzieren, wirklich „erschaffen“ im wahrsten Sinne des Wortes? Oder imitieren sie lediglich das, was ihnen durch menschliche Trainingsdaten eingegeben wurde?
So betont er die unüberbrückbare Kluft zwischen Schöpfer und Geschöpf: „Dann entwickelten Wir es zu einer anderen Schöpfung. So sei denn Allah gepriesen, der beste Schöpfer.“ (23:13)
Dass Menschen in begrenztem Sinne „erschaffen“ können, ist nicht ausgeschlossen, weil sie sich diese Eigenschaft Gottes in menschlichen Maßen „leihen“ – aber der Koran stellt unmissverständlich klar: Allah ist „der Beste“ unter ihnen, unvergleichbar in Seiner Schöpfungskraft.
Ein zentraler Vers für das Verständnis der Grenzen menschlichen Wissens – und damit auch technologischer Machbarkeit – findet sich in Sure Al-Isra: „Und sie fragen dich über die Seele. Sprich: „Die Seele entsteht auf den Befehl meines Herrn; und euch ist vom Wissen nur wenig gegeben.“ (17:85)

Foto: Freepik.com
Dieser Vers wurde offenbart, als der Prophet Muhammad, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, nach der Natur des Geistes bzw. der Seele gefragt wurde. Die Antwort ist bemerkenswert eindeutig: Es gibt fundamentale Grenzen menschlichen Wissens. Die Unfähigkeit, die Seele vollständig zu begreifen, demonstriert, dass bestimmte Aspekte der Schöpfung – Bewusstsein, Geist, Leben selbst – jenseits menschlichen Verstehens und damit auch jenseits technologischer Reproduzierbarkeit liegen.
Wenn Kurzweil und andere Singularitäts-Propheten von der „Erschaffung“ künstlicher Superintelligenz oder gar künstlichen Bewusstseins sprechen, übersehen sie diese fundamentale Grenze. Sie verwechseln Simulation mit Substanz, statistische Verarbeitung mit echtem Verstehen.
In zeitgenössischen Science-Fiction-Filmen wie „Transcendence“, „Black Mirror“ oder „Upload“ wird eine scheinbar verlockende Vision präsentiert: Das menschliche Bewusstsein wird „hochgeladen“, digitalisiert und in eine virtuelle Unsterblichkeit überführt.
Diese Darstellungen offenbaren einen fundamentalen Irrtum der materialistischen Weltanschauung – die Annahme, dass das menschliche Bewusstsein nichts weiter sei als ein komplexes neuronales Muster, das sich durch ausreichend fortgeschrittene Algorithmen emulieren lässt.
Wir brauchen Freunde: Im Islam wird der Weg zu Gott nicht allein gegangen, sondern im Kreis von Gefährten. (iz). Erleben wir die Wiederentdeckung der Freundschaft? Das wäre – wie wir […]
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