Systematische sexuelle Gewalt und Folter in israelischen Gefängnissen
Genf/Gaza (IZ) Das Euro-Mediterranean Human Rights Monitor (Euro-Med Monitor) mit Sitz in Genf hat im April 2026 einen umfassenden Bericht unter dem Titel „Another Genocide Behind Walls“ veröffentlicht. Darin werden auf Grundlage direkter Zeugenaussagen freigelassener Häftlinge weitverbreitete Muster schwerer Menschenrechtsverletzungen, systematische sexuelle Gewalt und Folter in israelischen Gefängnissen und Haftzentren dokumentiert – begangen an Palästinensern aus dem Gazastreifen seit Oktober 2023.
Eine Überlebende, die in einem israelischen Gefängnis inhaftiert war, beschrieb ihre Erfahrungen mit den Worten: „Ich schrie, aber niemand hörte mich. Ich wünschte mir den Tod.“ Was sie erlebt hatte, nannte sie „einen weiteren Genozid hinter Mauern“. Es ist dieser erschütternde Satz, der einem neuen Menschenrechtsbericht seinen Namen gegeben hat – einem Dokument, das die Welt aufhorchen lassen sollte.
Der Bericht: Fakten und Zeugenaussagen
Die Aussagen wurden in vertraulichen Sitzungen gesammelt und umfassen Berichte über Vergewaltigung, sexuelle Folter, den Einsatz von Militärhunden bei Übergriffen, erzwungene Nacktheit sowie das Filmen der Taten zu Erpressungszwecken. Darüber hinaus dokumentiert der Bericht vorsätzlichen Nahrungsentzug und medizinische Vernachlässigung, die in einigen Fällen zu dauerhaften Behinderungen – einschließlich Amputationen – und zu Todesfällen unter Folter geführt haben.
„Während des Verhörs fesselten sie mich nackt an ein Metallbett. Ein Soldat vergewaltigte mich. Ich schrie vor Schmerz – doch jedes Mal, wenn ich schrie, wurde ich geschlagen.“
– Wajdi, 43 Jahre, ehemaliger Häftling, Zeugnis gegenüber Euro-Med Monitor
Systematisch und staatlich geduldet
Die Autoren des Berichts betonen mit Nachdruck, dass es sich bei den dokumentierten Vorfällen nicht um Einzeltaten handelt. Vielmehr zeige die Häufung gleichartiger Berichte aus unterschiedlichen Hafteinrichtungen, die organisierte Anwesenheit mehrerer Sicherheitskräfte während der Übergriffe sowie den Einsatz ausgebildeter Tiere ein systematisches Muster – eines, das ohne institutionelle Duldung nicht möglich wäre.
Besonders alarmierend: Trotz wiederholter Versuche blockiert Israel dem Bericht zufolge systematisch den Zugang des Internationalen Komitees des Roten Kreuzes sowie von Anwälten zu Gefängnissen und Haftzentren. Dies erschwere externe Kontrolle erheblich und befördere eine Kultur der Straflosigkeit.
Historische Daten, die der Bericht zitiert, unterstreichen dieses Muster: Anklagen gegen israelische Soldaten wegen Verbrechen an Palästinensern hätten weniger als ein Prozent aller eingereichten Beschwerden ausgemacht. Der Fall der Gruppenvergewaltigung eines palästinensischen Häftlings im Gefängnis Sde Teiman – in dem Soldaten vom Militärgericht freigelassen und von Teilen der israelischen Gesellschaft als „Helden“ gefeiert wurden – wird im Bericht als symptomatisch für diese „strukturelle Straflosigkeit“ angeführt.

Rechtliche Einordnung: Kriegsverbrechen und Völkermord?
Euro-Med Monitor ordnet die dokumentierten Handlungen rechtlich unter das Römische Statut des Internationalen Strafgerichtshofs (IStGH), die Genfer Konventionen sowie weiteres einschlägiges Völkerrecht ein. Demnach erfüllten die Taten die Tatbestandsmerkmale von Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit.
In der schwersten rechtlichen Qualifikation geht der Bericht noch weiter: Er argumentiert, dass bestimmte dokumentierte Muster sexueller Gewalt und Folter den Tatbestand des Völkermords berühren – insbesondere den Teiltatbestand der Verursachung schweren körperlichen oder seelischen Schadens an Mitgliedern einer geschützten Gruppe. Die Organisation fordert den IStGH auf, den Tatbestand des Völkermords in seine laufenden Ermittlungen zur Lage in Palästina aufzunehmen.
Internationale Reaktionen und Forderungen
Der Bericht hat in Menschenrechtskreisen und bei diplomatischen Vertretungen Palästinas weltweit Bestürzung ausgelöst. Die palästinensische Botschaft in Irland verwies auf den Bericht und betonte, israelische Hafteinrichtungen hätten sich in staatlich unterstützte Strukturen organisierten Missbrauchs verwandelt, die mit institutioneller Rückendeckung und Straflosigkeit operierten.
Die Organisation Save the Children bestätigte gegenüber Medien einen „erschreckenden Anstieg“ von Fällen, in denen auch minderjährige Häftlinge von erzwungener Entkleidung und sexueller Gewalt betroffen seien – teils durch mehrere Personen gleichzeitig.
Euro-Med Monitor fordert die internationale Gemeinschaft auf, konkrete Schritte einzuleiten: darunter die Schließung der betroffenen Hafteinrichtungen, die Einleitung unabhängiger internationaler Untersuchungen sowie die Etablierung von Rechenschaftsmechanismen. Israel hat die im Bericht erhobenen Vorwürfe bislang nicht offiziell kommentiert.

Einordnung: Wer ist Euro-Med Monitor?
Das Euro-Mediterranean Human Rights Monitor ist eine 2011 gegründete Nichtregierungsorganisation mit Sitz in Genf, die Menschenrechtsverletzungen im Nahen Osten und Nordafrika dokumentiert. Die Organisation gilt in Menschenrechtskreisen als seriöse, wenngleich auch als pro-palästinensisch eingestufte Quelle. Ihre Berichte werden von der UN und internationalen Medien zitiert, jedoch von israelischer Seite regelmäßig als parteiisch zurückgewiesen.
Die Zeugenaussagen, auf denen der vorliegende Bericht basiert, wurden in vertraulichen Sitzungen mit freigelassenen Häftlingen gesammelt und konnten nicht unabhängig verifiziert werden. Gleichwohl decken sie sich in wesentlichen Punkten mit Berichten anderer Organisationen, darunter dem Palästinensischen Zentrum für Menschenrechte sowie Medienberichten über den Fall Sde Teiman.
Was hinter den Mauern israelischer Gefängnisse geschieht, bleibt für die Außenwelt weitgehend unsichtbar – genau das ist, was der Bericht ändern will. Ob die internationale Gemeinschaft auf diesen Alarmruf reagiert, bleibt abzuwarten. Die Berichte der Betroffenen aber werden nicht verstummen.
Quellen: Euro-Med Human Rights Monitor (April 2026) · TRT World · Palestine Chronicle · LatestLY
Lesen Sie hierzu auch: Unabhängige Untersuchungskommission der UN spricht von Genozid in Gaza