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Evangelikale im Krieg: wie eine Prophezeiung

Ausgabe 370

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Foto: The White House | gemeinfrei

Krieg am Golf: Nachdem die USA und Israel den bombardierten, stellten einige der loyalsten evangelikalen Anhänger von US-Präsident Trump den Krieg rasch als religiösen Kampf dar.

(The Conversation). Am Morgen, als die Angriffe begannen, schrieb der amerikanische Evangelist Franklin Graham auf X: „Betet für unser Militär bei der Operation gegen den Iran, für Präsident @realDonaldTrump und dafür, dass das iranische Volk von den Fesseln des Islam befreit wird.“ Mehr als 1.000 Zivilisten wurden seitdem getötet. Von André Gagné

In meinem Buch „American Evangelicals for Trump“ erkläre ich, wie eine der zeitgenössischen Interpretationen der „Endzeit“, der prämillennialistische Dispensationalismus, unter US-Evangelikalen nach wie vor großen Einfluss hat. Dispensationen werden als unterschiedliche Zeitabschnitte in der Geschichte angesehen, von denen man glaubt, dass sie von Gott bestimmt wurden, um die Angelegenheiten der Welt zu regieren und zu ordnen.

Diese Ideologie dient sowohl als Methode zur Auslegung der Bibel wie als Rahmen zum Verständnis ihrer Geschichte. Er lehrt, dass Christus vor der Endzeit wiederkehren und eine tausendjährige Herrschaft des Friedens und der Gerechtigkeit auf Erden einleiten wird, die gemeinhin als das Millennium bezeichnet wird.

Seit dem US-Angriff auf den Iran hat Greg Laurie, Gründer und Pastor der Harvest Christian Fellowship in Kalifornien, eine Reihe von Videos veröffentlicht, in denen er seine dispensationalistische Auslegung der aktuellen Events propagiert. Für ihn ist das nächste Ereignis auf „Gottes Kalender“ als die „Entrückung“ der Gemeinde bekannt, bei der „wiedergeborene“ Gläubige in den Himmel aufgenommen werden.

Foto: US-DoD/gemeinfrei

In manchen Auslegungen biblischer Prophezeiungen folgt auf sie die „Große Trübsal“, eine siebenjährige Zeit des Aufruhrs. Man glaubt, dass währenddessen das jüdische Volk seinen Tempel in Jerusalem wiederaufbauen wird, göttliche Gerichte die Erde heimsuchen werden und eine politische Figur namens Antichrist an die Macht gelangen wird.

Diese Zeit gipfelt bei dieser Weltanschauung in einer endgültigen Konfrontation zwischen Jesus und den vom Antichristen gegen Israel versammelten Völkern, genannt Armageddon. Danach soll Jesus sein tausendjähriges Reich von Jerusalem aus errichten, wobei die Nationen der Welt letztlich unter seine Herrschaft gebracht werden. Einige Evangelikale interpretieren den Konflikt von Iran und Israel durch dieselbe eschatologische oder „Endzeit-/Ende der Geschichte“-Brille.

Ihrer Auslegung zufolge werde der Iran in einigen prophetischen Auslegungen als eines der Länder identifiziert, die dazu bestimmt seien, eine Rolle in einem Konflikt zu spielen, der in Hesekiel 38–39 beschrieben wird und oft als die Schlacht von Gog und Magog bezeichnet wird.

Die evangelikale Influencerin Traci Coston bediente sich zudem einer numerologischen Wendung, um Darstellungen von Trump als neuen König Cyrus zu untermauern – eine Vorstellung, die von Lance Wallnau, einem einflussreichen Unternehmer aus der Pfingstbewegung, populär gemacht wurde.

Trump machte sich solche Ansichten über sich selbst zunutze und teilte am 9. März auf seinem Truth-Social-Account eine Prophezeiung aus dem Jahr 2007 von Kim Clement, einem Musiker, Pastor und beliebten Propheten, der 2016 verstorben ist.

Unter einigen Trump-nahen Führern in neopfingstlichen und -charismatischen Kreisen wird der Konflikt mit dem Iran als geistlicher Kampf interpretiert. Sie betrachten das Weltgeschehen als Teil eines andauernden Kampfes zwischen göttlichen und dämonischen Mächten und glauben, dass die Gebete der Christen dazu beitragen, das, was sie als böse Mächte ansehen, zurückzudrängen.

Währung Iran

Foto: rawf8, Shutterstock

Lou Engle, ein US-amerikanischer neo-charismatischer Prophet, schrieb einen Tag vor dem Angriff, dass sich im Jahr 2006 eine Gruppe von 70 Gläubigen in Boston zu einer 40 Tage und Nächte dauernden Gebetszeit versammelt habe.

Er bezog sich dabei auf die Prophezeiung aus Jeremia 49,34–38, in der das Gericht über Elam – eine antike Region im heutigen Süden des Iran – angekündigt wird. Unter Berufung auf diesen Text sagte er, die Gläubigen hätten gebetet, „Gott möge den Bogen des Islam zerbrechen und seinen Thron im Iran errichten“.

Das jüdische Purimfest, das am 2. und 3. März gefeiert wurde, wurde herangezogen, um den aktuellen Krieg als geistliche Auseinandersetzung zu erklären. Diese Sichtweise gründet sich darauf, dass einige dieser pro-Trump-Pfingstführer Beispiele für kosmische Kämpfe in biblischen Texten sehen.

Die Vorstellung von einem weltweiten Erwachen in der Endzeit ist nicht neu. Die frühen Pfingstler glaubten ursprünglich, sie lebten in dieser Phase und dass die Gabe der Zungenrede für die Mission gegeben worden sei. Ausgestattet mit der übernatürlichen Fähigkeit, nicht erlernte Sprachen zu sprechen, konnten sie nun in die ganze Welt hinausgehen und das Evangelium vor der Wiederkunft Christi verkünden.

Später vertrat die Bewegung aus der Mitte des 20. Jahrhunderts, bekannt als New Order of the Latter Rain, eine Gruppe, die 1948 in North Battleford, Saskatchewan, eine Erweckung erlebte, eine ähnliche Sichtweise.

Foto: The White House | gemeinfrei

Ihre Ansichten hatten letztlich einen tiefgreifenden Einfluss auf die charismatische Bewegung weltweit. Die „New Order“ spaltete sich von den klassischen Pfingstlern in Kanada ab, da sie unter den Pfingstlern eine „geistliche Dürre“ empfanden und nun nach einer neuen geistlichen Erfahrung suchten.

Wenn US-Außenminister Marco Rubio sagt, dass das iranische Regime „Entscheidungen auf der Grundlage von Theologie trifft, und zwar ihrer eigenen, apokalyptischen Auslegung der Theologie“, und Kriegsminister Pete Hegseth erklärt, dass „verrückte Regime wie der Iran, die von prophetischen islamistischen Wahnvorstellungen besessen sind, keine Atomwaffen besitzen dürfen; das ist gesunder Menschenverstand“, dann stellt diese Rhetorik Teheran als ein Land dar, das in einzigartiger Weise von religiösem Extremismus getrieben wird.

Dennoch wurden trumpistisch-orientierte christliche Führer im Oval Office willkommen geheißen, um dem Präsidenten im Gebet die Hände aufzulegen, während Trump prophetische Botschaften über seinen Aufstieg zur politischen Macht verstärkt hat und seinen Anhängern damit signalisierte, dass seine Präsidentschaft göttlich vorherbestimmt sei.

Der Kontrast ist auffällig. Wenn religiöser Glaube die Politik von Rivalen prägt, wird er als gefährliche Theologie abgestempelt. Tritt er jedoch in Washington auf, wird er als göttliche Vorsehung dargestellt.

* Übersetzt und veröffentlicht im Rahmen einer CC-Lizenz.

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