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Sudan: Irankrieg verschärft die Hungerkrise

Ausgabe 372

Sudan Irankrieg hunger
Foto: Islamic Relief Deutschland

Der anhaltende Irankrieg und die Störung der globalen Lieferketten führten zum teuersten Opferfest aller Zeiten, was den Hunger antrieb und Hilfslieferungen in einige der ärmsten Länder erschwert.

(iz). Die anhaltenden Kriege im Nahen Osten treffen Menschen im Sudan mit voller Wucht – und sie treffen sie ausgerechnet in einer Zeit, in der viele Familien auf ein wenig Festfreude hoffen.

Die Hilfsorganisation Islamic Relief sprach mit Blick auf das kürzliche Opferfest vom „teuersten Opferfest aller Zeiten“: Die Kosten für die jährlichen Kurban‑Verteilungen der Organisation sind im Sudan binnen weniger Monate um mehr als 60 Prozent gestiegen, Brot hat sich verteuert, Treibstoffpreise haben sich nahezu verdreifacht.

Dabei gehört der Sudan schon jetzt zu den am stärksten von Hunger betroffenen Ländern der Welt. Drei Jahre Krieg haben nach UN‑Angaben die größte Hungerkrise weltweit ausgelöst. Dutzende Millionen haben kaum Zugang zu ausreichender Nahrung.

In diesem Kontext ist das Kurbanprogramm mehr als eine religiöse Tradition: Für viele Familien bedeutet das Fleisch aus den Opfertieren die einzige eiweißreiche Mahlzeit im Monat und ist ein wichtiges Mittel, um Unterernährung vorzubeugen.

Foto: US-DoD/gemeinfrei

Islamic Relief hatte im Sudan ursprünglich geplant, mehr als 92.000 Menschen mit Kurban‑Fleischkonserven zu erreichen – vor allem Vertriebene in Regionen wie Darfur und Kordofan, wo die Kämpfe besonders heftig sind.

Doch die rapide steigenden Preise zwangen die Organisation, schmerzhafte Prioritäten zu setzen: Entweder müssen weniger Familien erreicht werden, oder jede erhält weniger Fleisch als in den Vorjahren.

Mitarbeitende vor Ort berichten, dass sich das Leben binnen weniger Monate drastisch verteuert hat: Für den gleichen Betrag gibt es nur noch die Hälfte Brot, Treibstoff ist um weit über 100 Prozent teurer geworden, Düngemittel, Saatgut und andere landwirtschaftliche Betriebsmittel fehlen auf den Märkten.

Die Folgen reichen jenseits der Verteilungen von Fleisch hinaus. Steigende Treibstoff‑ und Lebensmittelpreise belasten die gesamte humanitäre Infrastruktur an ihre Grenzen. Lieferanten, mit denen Hilfswerke seit Jahren zusammenarbeiten, scheuen neue Verträge, weil sie das Währungs‑ und Preisrisiko nicht kalkulieren können.

In vielen Städten sind Gemeinschaftsküchen (Takaaya) zu einer Lebensader für arme Familien geworden. Doch genau diese Küchen müssen reihenweise schließen: Nach Angaben von Islamic Relief sind in den letzten sechs Monaten mehr als 40 Prozent von ihnen mangels Mitteln und Nachschub vom Netz gegangen.

Takaaya Sudan

Menschen im Sudan kochen in jahrhundertealter Tradition solidarisch für ihre Mitmenschen, in sogenannten Takaaya, Gemeinschaftsküchen. (Foto: Islamic Relief Deutschland)

Hinzu kommt, dass sich die Krisen überlagern. Die Kämpfe in Darfur und Kordofan treiben Hunderttausende Richtung Khartum und andere vergleichsweise sichere Bundesstaaten; dort treffen sie auf überforderte Gemeinden, steigende Mieten und eine kollabierende Grundversorgung.

Gleichzeitig verschärfen die Angriffe im Nahen Osten und die Blockade wichtiger Seewege die Lage: Unterbrochene Lieferketten über Rotes Meer und Straße von Hormus verteuern nicht nur Öl und Treibstoff, sondern ebenso Dünger und Getreide.

Das hat spürbare Folgen bis in die sudanesischen Märkte. Der Krieg am Golf wird so zur unsichtbaren Ursache leerer Töpfe in afrikanischen Küchen.

Was im Sudan zu beobachten ist, steht exemplarisch für eine breitere Entwicklung. Islamic Relief berichtet von ähnlichen Problemen in anderen Krisenländern: In Somalia haben sich die Treibstoffpreise mehr als verdoppelt, was Nahrungsmittel verteuert und Hilfslieferungen erschwert.

Foto: Islamic Relief Deutschland

Im Libanon, wo Angriffe ganze Gemeinden zur Flucht gezwungen haben, schlagen schon einfache Tankfüllungen deutlich stärker zu Buche – mit unmittelbaren Auswirkungen auf Transport, Stromversorgung und die Kosten grundlegender Dienstleistungen.

Das Welternährungsprogramm (WFP) warnt, dass solche Preis‑ und Versorgungsschocks Millionen weitere Menschen in akute Ernährungsunsicherheit stoßen können.

Für muslimische Hilfsorganisationen stellt sich damit zukünftig die Aufgabe, die religiöse Bedeutung von Hilfen mit der politischen Dimension der aktuellen Krisen zu verbinden.

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