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10 Jahre nach Anschlag in München: Rechtsextreme Tat hinterließ tiefe Wunden

Anschlag München OEZ

Der Anschlag auf das Münchner OEZ sorgte für Panik – und wurde dennoch lange falsch eingeschätzt. Hinterbliebene der Opfer leiden bis heute darunter.

München (KNA). Hasan Leyla hat Spätschicht, da ruft ihn seine Frau Sibel an: Der gemeinsame 14-jährige Sohn sei nicht erreichbar. Er soll sich mit Freunden im Olympia-Einkaufszentrum (OEZ) aufgehalten haben. Von Wanja Ebelsheiser

Online hat der Vater schon gelesen, dass dort etwas passiert ist. Er zieht los. Der 22. Juli 2016 ist ein warmer Sommerabend. Und es ist ein Abend, an dem ein 18-Jähriger aus rassistischen Motiven erst neun Menschen und dann sich selbst erschießt.

In München herrscht stundenlang Ausnahmezustand. Hubschrauber kreisen über den Dächern, an mehreren Orten geraten Menschen in Panik. Minütlich gehen neue Notrufe bei der Polizei ein – und über die sozialen Netzwerke verbreiten sich Gerüchte über mehrere Schießereien in der Innenstadt: am Stachus, im Hofbräuhaus, am Marienplatz. Mehr als 70 mögliche Tatorte werden gemeldet.

Als Hasan Leyla am OEZ ankommt, bringt ihn ein Sammelbus zu einem Treffpunkt für Angehörige von Vermissten. Informationen über seinen Sohn erhält er dort nicht. Am späten Abend ruft er bei einer eigens eingerichteten Hotline an.

Foto: Fundsachen/Wikimedia Commons | Lizenz: CC BY-SA 4.0

Nach langer Wartezeit erfährt er: Cans Name ist weder als Toter noch als Verletzter gelistet. Hasan und Sibel Leyla hoffen, dass ihr Sohn sich verstecken konnte.

Diese Hoffnung erlischt gegen 3 Uhr früh: Da überbringt ihnen ein Polizist die Todesnachricht. Hasan Leyla muss den Erhalt der Nachricht auf einem Dokument quittieren. „Danach hat sich der Polizeibeamte ins Auto gesetzt und ist weggefahren“, erinnert er sich.

Der öffentliche Nahverkehr ist in den Stunden nach der Tat eingestellt, auch Taxis fahren nicht. Die Angehörigen der Opfer müssen ihre Heimreise selbst organisieren. Erst gegen halb sieben Uhr morgens sind die Leylas wieder zu Hause.

Die Polizei fahndet zunächst nach bis zu drei Tätern. Erst nach Stunden steht fest: Es gab nur einen. Die vielen gemeldeten Tatorte erweisen sich als Phantome. Restaurantgäste haben herunterfallende Gläser mit Schüssen verwechselt, bewaffnete Zivilbeamte wurden für Attentäter gehalten.

Jahrelang wird um die Einordnung der Bluttat gestritten. Polizei und Staatsanwaltschaft legen sich am Tag nach der Tat auf einen Amoklauf fest und schließen einen politischen Hintergrund aus. Dabei sind unter den neun Todesopfern überwiegend junge Menschen mit Einwanderungsgeschichte; sieben sind Muslime.

Wie die Ermittlungen zeigen, hat der Täter ein Jahr zuvor ein „Manifest“ verfasst: Darin kündigte er an, „ausländische Untermenschen exekutieren“ zu wollen.

Im Auftrag der Stadt München kommen drei Gutachter 2017 unabhängig voneinander zum Ergebnis, dass es sich um rechten Terror gehandelt habe. Ein Gutachten des bayerischen Innenministeriums hält indes fest, der Täter sei ein „typischer junger Amoktäter“.

Hinterbliebene der Opfer fordern jahrelang, die Tat als rassistischen Anschlag einzuordnen. Sie sind überzeugt, dass der Schütze seine Opfer nicht willkürlich, sondern gezielt aus Hass ausgewählt hat.

Drei Jahre und drei Monate dauert es, bis sich die Staatsregierung dieser Auffassung anschließt. Das macht Angehörige wie Hasan und Sibel Leyla bis heute wütend.

Der Händler, der dem Täter die Schusswaffe verkauft hatte, wird 2018 vom Landgericht München wegen „fahrlässiger Tötung“ zu sieben Jahren Haft verurteilt. Aber nicht, wie von den Opferanwälten gefordert, wegen Beihilfe zum Mord. Mittlerweile hat er seine Haft abgesessen und befindet sich auf freiem Fuß.

Hasan Leyla lässt sich nach dem Tod seines Sohnes für drei Monate krankschreiben. Finanzielle Unterstützung vom Staat erhalten er und seine Frau nach eigenen Angaben nicht, ebenso wenig eine psychologische Begleitung. 

Therapeuten suchen sie sich selbst. „Die Behörden und die Gesellschaft haben uns im Stich gelassen, als Eltern mussten wir alles selbst machen“, sagt Sibel Leyla.

Foto: Karl-Ludwig Poggemann/Wikimedia Commons | Lizenz: Creative Commons 2.0

Gabriele Fischer forscht als Soziologin zum Thema rechte Gewalt. Nach ihren Erkenntnissen wird „das politische Motiv bei Gewaltakten häufig seitens der Behörden heruntergespielt“.

Sechs Jahre nach dem Anschlag hat sie die Initiative „München OEZ Erinnern“ mitgegründet. Angehörige, Überlebende und Unterstützer wollen die Tat im öffentlichen Bewusstsein halten.

Am Sonntag will die Initiative vor dem Bayerischen Landtag demonstrieren. Dabei soll die Forderung nach einem Untersuchungsausschuss symbolisch überbracht werden. Aus Sicht der Angehörigen gibt es bis heute offene Fragen.

Neben fünf anderen Opferfamilien engagieren sich auch Hasan und Sibel Leyla in der Initiative. Im vierten Stock eines Bürogebäudes im Stadtteil Moosach, zwischen Nagelstudio und Wettbüro, stellt die Stadtverwaltung ihnen einen Treffpunkt zur Verfügung.

Der Raum liegt etwa zwei Kilometer vom Tatort entfernt, viele Opfer haben hier gewohnt. An der Wand hängen Porträts der neun Ermordeten, weitere Erinnerungsstücke wie Fußballtrikots und Boxhandschuhe sind zu sehen.

Hier organisiert die Initiative die Gedenkfeier am kommenden Mittwoch. Vergangenes Jahr gab es Spannungen zwischen Opferfamilien und Freistaat. Vertreter der Staatsregierung blieben dem Jahresgedenken fern.

Zeitgleich richtete der Landtag seinen Sommerempfang aus. Dieses Jahr erhält das Gedenken deutlich größere Aufmerksamkeit; erstmals hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier seine Teilnahme angekündigt.

Foto: Guido van Nispen/Wikimedia Commons | CCL 2.0

Die Erinnerung an den Anschlag hat schleppend begonnen. Zu den ersten Jahrestagen fanden sich wenige Personen am OEZ ein. Laut Fischer hat das auch mit der anfänglichen Einstufung des unpolitischen Amoklaufs zu tun. In der Stadtgesellschaft festigte sich so das Bild eines zufällig handelnden, psychisch kranken Einzeltäters.

Mittlerweile komme in den Köpfen der Münchner zunehmend an, dass der Täter aus einer „menschenverachtenden Ideologie heraus“ gehandelt habe.

Eine Ideologie, die auch bei den Anschlägen in Halle und Hanau Menschenleben gekostet hat. Nach Erkenntnissen des Verfassungsschutzes sind zunehmend junge, teils minderjährige Akteure im gewaltorientierten Rechtsextremismus unterwegs. Oft radikalisieren sie sich über das Internet.

Behörden sollten laut Fischer aus dem OEZ-Anschlag lernen, „keine vorschnellen Einordnungen zu treffen“; Medien sollten Darstellungen der Polizei nicht ungeprüft übernehmen. Die Gesellschaft müsse sich zudem fragen, wie ernst sie rechte Gewalt wirklich nehme.

Auch Hasan und Sibel Leyla appellieren an ihre Mitbürger, sich aktiv gegen Rassismus zu positionieren: „Zusammen können wir viel verändern, aber dafür müssen wir unsere Stimme erheben.“

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Religionsgipfel in München: Dialogforum setzt Zeichen gegen Hass & Hetze

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In München haben führende Vertreter von Religionsgemeinschaften eine gemeinsame Erklärung des bayerischen Dialogforums „Religion und Integration“ vorgestellt. Es sendet ein Signal gegen Antisemitismus, Muslimfeindlichkeit und Polarisierung, das Imam Benjamin Idriz in seinem Plädoyer als „Manifest des Vertrauens“ deutete.

(iz). Im Bayerischen Innenministerium in München ist ein Projekt sichtbar geworden, das bereits seit Herbst 2025 im Hintergrund gewachsen ist: das „Dialogforum Religion und Integration“. Es ist eine vom Innen- und Integrationsministerium initiierte Plattform, auf der sich Vertreter nahezu aller großen Religionsgemeinschaften, Wissenschaft und zivilgesellschaftliche Akteure vernetzen.

Ein neues Forum für Religion und Integration

Unter Federführung von Innenminister Joachim Herrmann erarbeiteten die Beteiligten in mehreren, zunächst nicht-öffentlichen Sitzungen einen Text, der als „Gemeinsame Erklärung des Bayerischen Dialogforums Religion und Integration“ vorgestellt und von über zwei Dutzend führenden Persönlichkeiten unterzeichnet wurde.

Die Unterzeichnerliste reicht von den Spitzen der katholischen und evangelischen Kirche in Bayern über Vertreter der Israelitischen Kultusgemeinden und der Europäischen Rabbinerkonferenz bis hin zum Landesverband des Zentralrats der Muslime, orthodoxen Kirchen, der Deutschen Buddhistischen Union, alevitischen Organisationen, Forschungszentren und dem Bayerischen Bündnis für Toleranz. 

Die Islamische Gemeinde Penzberg und das Münchner Forum für Islam sind über Imam Benjamin Idriz und Gönül Yerli sichtbar eingebunden. Das gilt als Hinweis, dass das Forum ausdrücklich auch muslimische Akteure mit lokaler Verankerung und interreligiöser Erfahrung adressiert.

Foto(s): Benjamin Idriz

Kernaussagen der gemeinsamen Erklärung

Die gemeinsame Erklärung ordnet Religion ausdrücklich in den Rahmen der freiheitlich‑demokratischen Grundordnung des Grundgesetzes und der Bayerischen Verfassung ein und spricht den Religionsgemeinschaften eine Schlüsselrolle für ein friedliches Miteinander, gesellschaftlichen Zusammenhalt und Integration zu.

Hervorgehoben werden Werte wie Menschenwürde, Solidarität, Demokratie und Gleichberechtigung, die nach Auffassung der Unterzeichner von Religionen in die Gesellschaft getragen und in ihrem verbindenden Potential sichtbar gemacht werden sollen.

Konkreter wird die Erklärung dort, wo sie Sicherheit und Freiheit spirituellen Lebens miteinander verschränkt: Der Schutz von Gotteshäusern, Gebetsstätten, religiösen Einrichtungen und Symbolen wird als gemeinsames Anliegen benannt, weil sie als Orte des Gebets, des Friedens und des Austausches verstanden werden.

Gleichzeitig verpflichten sich die Unterzeichner, Wissen übereinander zu fördern, Räume für konstruktive Begegnung zu schaffen und über Vernetzung und Dialog Religionsfreiheit wie Integration zu stärken.

Pointiert ist der fünfte Absatz, in dem die Religionsvertreter sich gemeinsam gegen Antisemitismus, Muslimfeindlichkeit, Rassismus und jede Form von Diskriminierung stellen und zugleich das Ziel formulieren, extremistische Ideologien, religiösen Fundamentalismus sowie Hass und Hetze zu bekämpfen. 

Damit erfolgt nicht nur eine abstrakte Distanzierung, sondern es wird ein kollektiver Handlungsanspruch formuliert: Das Forum versteht sich als moralischer und politischer Akteur im Feld der gesellschaftlichen Auseinandersetzung um Religion, Vielfalt und Demokratie.

Benjamin Idriz’ Deutung: Dialog als moralische Verpflichtung

Im Zentrum der Vorstellung der Erklärung stand das Wort von Imam Benjamin Idriz, der die Initiative des Innenministers in ihrer Form als „einzigartig in Deutschland“ würdigte und dem politischen Raum ausdrücklich die Rolle des Brückenbauers zusprach.

Während vielerorts Gräben vertieft und Ängste politisch instrumentalisiert würden, so Idriz, habe das Ministerium „Räume der Begegnung“ geschaffen. Das sei ein Kontrast, der den Charakter des Forums als Gegenentwurf zur Polarisierung deutlich macht.

Er bezeichnet die Erklärung als „Manifest des Vertrauens“ und „Meilenstein für den interreligiösen Dialog in Bayern“, zugleich aber auch als Signal mit Ausstrahlung über die Landesgrenzen hinaus.

Seine Argumentation baut eine innere Logik auf, die vom gesellschaftspolitischen Problem – der Tendenz zur Konfrontation, dem Schüren von Ängsten, der medialen Logik der Zuspitzung – hin zu einer religiös begründeten Ethik des Dialogs führt, die Konflikte nicht leugnet, sondern gerade im Streitfall Verantwortung einfordert.

Ein Bezugspunkt ist dabei das Gedenken an den Genozid von Srebrenica, den Idriz als Mahnung liest, wie Vorurteile, Hass und Entmenschlichung zu Gewalt eskalieren, lange bevor die ersten Waffen eingesetzt werden.

Daraus leitet er eine doppelte Warnung ab: Demokratien zerbrechen nicht an Meinungsverschiedenheiten, sondern daran, dass Menschen aufhören, miteinander zu sprechen; und Identitätspolitik wird dort gefährlich, wo sie Menschlichkeit verdrängt.

Foto(s): Benjamin Idriz

Theologische Fundierung und Kritik der Debattenkultur

Die theologische Achse seiner Rede bildet eine qur’anische Perspektive auf Vielfalt: Gott habe die Menschen zu verschiedenen Völkern und Gemeinschaften gemacht, „damit sie einander kennenlernen“ – Diversität ist somit keine Störung, sondern gottgewollte Wirklichkeit und gemeinsame Verantwortung.

Aus dieser Einsicht entwickelt der Imam eine Ethik des Dialogs, die ausdrücklich nicht auf Nivellierung zielt: Unterschiede sollen nicht beseitigt, sondern in ihrer Spannung ausgehalten werden, ohne die Würde des anderen in Frage zu stellen.

Scharf kritisierte er die gängige Debattenkultur, in der Diskussionen weniger dem gegenseitigen Verstehen dienen als dem moralischen Besiegen des Gegenübers. Wer nur noch überzeugen wolle, höre irgendwann nicht mehr zu; wer nicht mehr zuhöre, könne nichts mehr lernen – und dort, wo niemand mehr lerne, entstehe gesellschaftlicher Stillstand.

Dem setzt er das Leitmotiv der Demut entgegen: Echten Dialog beginnt er mit dem Eingeständnis, dass niemand die ganze Wahrheit besitzt. Ebenso werde der Andere benötigt, um den eigenen Horizont zu erweitern – eine Haltung, die religiöse Menschen nach seiner Deutung eher verbindet, als es politische und weltanschauliche Bruchlinien trennen.

Seine zentrale Formel lautet deshalb: „Dialog ist keine Strategie. Dialog ist eine moralische Verpflichtung.“ Damit löst Idriz das Thema aus der Sphäre der taktischen Krisenkommunikation und verankert es als dauerhafte, geistlich wie bürgerrechtlich begründete Aufgabe der Religionsgemeinschaften in einer pluralen Demokratie.

Offene Prozesslogik und Perspektive für Bayern

Für den Imam sei die Erklärung kein Endpunkt, sondern Beginn eines Prozesses. Aus Worten müssten Begegnungen werden, aus jenen Vertrauen und daraus eine „widerstandsfähige Gesellschaft“ wachsen, die auch in schwierigen Zeiten zusammenhalte. Damit formuliert er eine Resilienz‑Perspektive, die sich mit den Zielen des Innenministeriums deckt, religiöse Vielfalt als Ressource für Integration und demokratische Stabilität zu nutzen.

Medienberichte betonen, dass das Dialogforum ausdrücklich den Anspruch erhebt, neue Impulse für interreligiösen Austausch in ganz Bayern zu setzen und neben institutionellen Spitzen – Kirchenleitungen, Rabbinerkonferenz, muslimische Verbände – auch Forschungseinrichtungen und zivilgesellschaftliche Netzwerke systematisch einzubinden.

Vor diesem Hintergrund gewinnen die Rede von Idriz und die von ihm eingeforderte moralische Verbindlichkeit des Dialogs über den Tag der Unterzeichnung hinaus Bedeutung – hin zu einer langfristigen, praktischen Verantwortung in Gemeinden, Bildungseinrichtungen und kommunalen Räumen.

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Schrift in der Kunst – süßer als Honig

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Schrift in der Kunst: Eine Münchner Ausstellung beleuchtet das interessantes Verhältnis, das sich auch in der islamischen Kultur findet. (KNA). „Ein Bild sagt mehr als tausend Worte“ – das gilt […]

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Bayern: Interreligiöser Dialog in explosiven Zeiten

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Spannende Dialog-Runde in München: Bei einer Konferenz zum Thema „Wie viel Religion braucht die Demokratie?“ ging es kritisch und deutlich zu. Klagen und Konstruktives gab’s ebenso zu hören wie „dummes […]

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MusliMaKiTa: Eine Kita für Mütter und Kinder mit Herz

muslimakita

In München-Passing gibt es eine MusliMaKiTa – andere sollen folgen.

(iz). Es ist 9 Uhr morgens. Die ersten Kinder treffen mit ihren Mamis in der Moschee ein und versammeln sich im Aufenthaltsraum. Die kleine Khadija ist schon mit ihrer Mami da und freut sich, dass sie mit Ismail erst zusammen frühstücken und später lernen und spielen kann. Nach dem Frühstück gehen sie in den Moscheeraum und finden sich im Morgenkreis zusammen.

Gemeinsam beginnen sie den Tag mit der Sura Al Fatiha. Dann bekommt Khadija den Erzählball zugeworfen und darf erzählen, was sie heute bewegt. Anschließend spricht sie wie die anderen Kinder den Mamis nach, sie bringen ihnen gerade das Dua des Monats bei.

Sie sieht, dass eine Mama das Dua auch nicht kann und von einem Plakat abliest. Ob die Mama auch einen Sticker bekommen wird, wenn sie sich das Dua eingeprägt hat, fragt sich Khadija.

MusliMaKiTa soll muslimische Kinderbetreuung bieten

Dass es einen Mangel an Kitaplätzen gibt, ist weit bekannt. Doch nach einer islamischen Kinderbetreuung, die auch noch die richtigen Werte vermittelt, sucht man in den meisten Städten Deutschlands vergeblich. Und auch nicht allen Müttern ist wohl dabei, ihre Kinder schon so früh in fremde Hände zu geben, wenn es sich denn irgendwie vermeiden lässt.

Denn wie soll eine Erzieherin denn auf so viele fremde Kinder gleichzeitig aufpassen und die Bedürfnisse des Kindes erkennen, wenn das Kind sie selbst noch gar nicht richtig artikulieren kann? Aus diesen Überlegungen heraus haben sich in München muslimische Mütter zusammengeschlossen, um ganz eigene Wege zu gehen.

Es ist ein Ort für spielerisches Lernen und liebevolle Betreuung im kleinsten Teil der Gemeinschaft, innerhalb der Nachbarschaft. Ein Ort, wo wir die Mütter und ihre Kinder, die in unserem Viertel wohnen und ab und an in dieselbe Moschee gehen, besser kennenlernen können.

Denn nur wer sich gut kennt, kann sich gemeinsam der großen Aufgabe widmen, für die Bildung und Erziehung der Kinder zu sorgen. Eine Mama-Kind-Tagesstätte ist auch wichtig für unsere Schwestern, die erst kürzlich konvertiert sind und selbst noch nicht genügend Wissen und Erfahrung haben, was Erziehung im islamischen Kontext bedeuten und die zusammen mit ihren Kindern den Islam entdecken wollen.

Mehr als nur eine Mütterinitiative

Unser Konzept einer Mama-Kind-Tagesstätte ist mehr als nur eine Mütterinitiative. Sie ist ein Hybrid aus Communityarbeit und professioneller Kinderbetreuung. Schwestern, die gleichzeitig ausgebildete Pädagoginnen und Erzieherinnen sind, begleiten die Mütter ehrenamtlich, stellen den Unterricht zusammen und stehen mit Rat und Tat zu Seite. Sie achten hinsichtlich unseres religionspädagogischen Profils darauf, dass das islamische Wissen kindgerecht vermittelt wird und bewährte pädagogische Ansätze Anwendung finden.

So bedient sich die MaKita beispielsweise der Ansätze von Montessori, indem sie dabei unterstützt, zu lernen und etwas eigenständig zu tun (die Gebetswaschung, das Gebet, aber auch alltägliche Dinge, wie die Schuhe auszuziehen, bevor man die Moscheeräume betritt).

Sie berücksichtigt dabei die Individualität der Kinder, ihre Stärken und Schwächen. Aber auch feste Strukturen, Rhythmus und Bewegung sowie und ausreichend kreatives Freispiel, wie man sie in den Waldorf-Schulen findet, sind Bestandteil der MaKiTa (z.B. der Morgenkreis inklusive islamisches Kinderlied und bestimmte Bewegungsabläufe, fest eingeplante Freispielzeit).

Geplant sind außerdem regelmäßige Elterngespräche, Workshops und Vorträge zur islamischen Kindererziehung, zu denen auch die Väter herzlich eingeladen sind, und andere gemeinsame Veranstaltungen. So soll die Bindung zwischen Eltern, Kindern und Erzieherinnen gestärkt werden, um so eine unterstützende und liebevolle Umgebung für alle zu schaffen.

Auch ein BabyCafé wird es inschallah ab dem 1. Mai geben, bei dem Schwangere und Mütter mit Babies oder Kleinkindern sich austauschen, vernetzen und sich ab und an von einer Hebamme und Frauenärztin beraten lassen können.

In Kooperation mit einer Nachbarschaftsmoschee

Die MusliMaKiTa wird in Kooperation mit der Moschee deiner Nachbarschaft umgesetzt. Die Moschee stellt die Räumlichkeiten und so können von Montag bis Freitag die Kleinen mit ihren Müttern zu ihr kommen und den Vormittag über das pädagogische Angebot der MaKiTa genießen. Sie schafft schöne Kindheitserinnerungen, die die Kinder unweigerlich mit der Moschee verbinden werden.

Wir sind stolz darauf, ein Ort des Lernens, der Geborgenheit und des gemeinschaftlichen Miteinanders zu sein. In der MusliMaKiTa erleben die Kinder eine warme und einladende Atmosphäre, in der sie sich frei entfalten können. Unser erfahrenes und engagiertes Team von Pädagoginnen und Erzieherinnen steht den Kindern einfühlsam zur Seite und begleitet sie auf ihrer spannenden Reise der frühkindlichen Entwicklung.

Spendenaufruf bei Commonsplace:
commonsplace.de/project/muslimakita
Kontakt: MaKiTaPasing@gmx.de

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Münchner Imam: Ramadan-Beleuchtung in 2024 betont kulturelle Vielfalt

ramadan-beleuchtung

In Frankfurt und Köln werden ab diesem Wochenende einige Straßen beleuchtet. Am Montag beginnt der Ramadan 2024. Ein Imam aus München kann sich dies auch an der Isar gut vorstellen.

München (KNA) Mehr Sichtbarkeit von muslimischem Leben ist nach Meinung des Münchner Imams Belmin Mehic unabdingbar. Er begrüße den Vorstoß für ein gemeinsames Fastenbrechen, sagte Mehic der „Süddeutschen Zeitung“ (Wochenende).

Foto: Fevziie, Shutterstock

Ramadan-Beleuchtung: Sichtbarkeit von muslimischem Leben

Die Idee, dass Stadt und ein geeigneter Verein zum gemeinsamen Iftar einladen könnten, hatten die Stadtrats-Fraktionen von Grünen, SPD und Linker in einem gemeinsamen Antrag vorgestellt.

Solche Veranstaltungen können laut Mehic zeigen, „dass die Muslime ein Teil dieser Gesellschaft sind“ und dass sie sich gern in die Gesellschaft einbrächten.

Mit derartigen Gesten werde indes nicht die gesamte Problematik gelöst, ergänzte der Imam, der im Vorstand des liberalen Münchner Forums für Islam sitzt und seit anderthalb Jahren auch Geschäftsführer des neu gegründeten Muslimischen Bildungswerks München ist.

Foto: Zentralrat der Muslime, Facebook

„Eine institutionelle Präsenz“

Es brauche zudem „eine institutionelle Präsenz“, doch es gebe in München „immer noch keine repräsentative Moschee“. Und weiter: „Es wäre auch bereichernd, wenn der Ramadan in unserer Stadt sichtbarer werden könnte“.

Der muslimische Fastenmonat beginnt am Montag und dauert in diesem Jahr bis zum 1. April. Kürzlich war bekannt geworden, dass die Stadt Frankfurt anlässlich des Fastenmonats erstmals ihre Fußgängerzone beleuchtet.

Im Kölner Stadtteil Ehrenfeld plant ein Verein ebenfalls eine Lichtinszenierung. Eine solche „visuelle Anerkennung“ unterstreiche nicht nur die Bedeutung des Ramadan für Muslime, sondern auch die „kulturelle Vielfalt und die Werte der Toleranz“, sagte Mehic.

Zugleich sei die gesellschaftliche Stimmung aufgeheizt. „Eine polarisierende Rhetorik rückt immer mehr in den Vordergrund“, beklagte der Imam. „Leider verändert sich deshalb auch der Blick vieler Menschen auf den Islam.

Antimuslimischer Rassismus ist kein Problem mehr der Ränder, sondern ein Problem der Mitte der Gesellschaft.“ Dies mache vielen Menschen zwar Angst, aber ein Rückzug aus der Gesellschaft sei „der falsche Weg“.

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Imam Benjamin Idriz: „Ein Brückenbauer zu allen“

kurzmeldungen benjamin idriz dialog brief

(iz). Imam Benjamin Idriz wurde 1972 als Nachkomme einer Gelehrtenfamilie im mazedonischen Skopje (damals Jugoslawien) geboren. In den 1980ern und 1990ern widmete er sich seiner Aus- und Fortbildung als Imam […]

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Beunruhigende Rhetorik

Die Waffen schweigen in Syrien noch längst nicht: Der Münchner Hoffnungsschimmer vom Freitag auf ein Ende des blutigen Bürgerkriegs wird immer kleiner. Die Kontrahenten Russland und die USA reden zwar miteinander – doch die Rhetorik lässt nichts Gutes erahnen.
München/Moskau (dpa). Die Hoffnungen auf Frieden in Syrien und ein Ende der Massenflucht in Richtung Europa haben am Wochenende einen schweren Dämpfer erhalten. Die am Freitag in München vereinbarte Waffenruhe in dem blutigen Bürgerkrieg und der Beginn der humanitären Hilfen in belagerten Orten waren nicht in Sicht. Stattdessen verstärkte Russland, das Machthaber Baschar al-Assad unterstützt, die Bombenangriffe auf Regimegegner in Syrien.
Nachdem der russische Ministerpräsident Dmitri Medwedew bei der Sicherheitskonferenz in München einen „neuen Kalten Krieg“ beklagt hatte, telefonierten Kremlchef Wladimir Putin und US-Präsident Barack Obama am Sonntag miteinander. Sie hätten ausdrücklich die Einigung auf eine Feuerpause gelobt und weitere Verhandlungen vereinbart, hieß es aus Moskau.
Die Sicherheitskonferenz stand im Zeichen der Ost-West-Konfrontation und gegenseitigen Misstrauens. Medwedew schockte die Teilnehmer mit drastischen Worten: „Wir sind in die Zeiten eines neuen Kalten Krieges abgerutscht.“ Russland und die EU hätten ein „verdorbenes Verhältnis“.
Dann schlug er einen anderen Ton an: Angesichts der Konflikte in der Ukraine und in Syrien müsse jetzt wieder Vertrauen aufgebaut werden. Dies sei zwar ein schwieriger Weg. „Aber wir müssen diesen Prozess anfangen. Und da darf es keine Vorbedingungen geben“, sagte Medwedew.
Die USA warnten die Russen davor, zu glauben, sie könnten an der Seite Assads den Bürgerkrieg gewinnen. „Wir sind an einem Scheidepunkt“, sagte US-Außenminister John Kerry.
Moskau müsse auf die Feuerpause hinarbeiten und den Beschuss von Zivilisten einstellen. Bei einem Scheitern der Waffenruhe stünden die USA vor „schwierigen Optionen“. Ob das den Einsatz von Bodentruppen umfasst, sagte Kerry nicht.
Russland, die USA und wichtige Regionalmächte wie der Iran, die Türkei und Saudi-Arabien hatten sich in der Nacht zu Freitag in München auf das Ziel einer Feuerpause in Syrien geeinigt, die innerhalb von einer Woche in Kraft treten soll.
Ausgenommen sind Angriffe auf die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) und die Al-Nusra-Front, Ableger des Terrornetzwerks Al-Kaida. Zudem soll es schnelle Hilfslieferungen geben.
Dem fünfjährigen Bürgerkrieg sind Hunderttausende Menschen zum Opfer gefallen, Millionen sind auf der Flucht. Die syrische Opposition warf Assad und Moskau eine „Politik der zwangsweisen Vertreibung“ vor. Er glaube nicht, dass sie eine Waffenruhe wollten, sagte Riad Hidschab vom Hohen Verhandlungskomitees der Regimegegner. „Heute gibt es für die meisten Syrer keinen Hoffnungsschimmer.“
Russland verstärkte seine Luftangriffe im Norden Syriens nach Angaben von Aktivisten weiter. Die Intensität der Angriffe habe am Samstag zugenommen und sei am Sonntag auf hohem Niveau geblieben, berichtete der Leiter der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte, Rami Abdel Rahman, der Deutschen Presse-Agentur.
Er gehe davon aus, dass dies der Vorbereitung eines weiteren Vormarsches der Regime-Anhänger nördlich der umkämpften Metropole Aleppo diene. Nach Angaben der Menschrechtler starben am Sonntag sieben Zivilisten in der Großstadt Aleppo bei Luftangriffen.
Die Armee und ihre Verbündeten hatten Anfang des Monates mit russischer Luftunterstützung im Norden Syriens große Geländegewinne erzielt. So konnten sie etwa die wichtigste Nachschubroute der Rebellen aus der umkämpften Stadt Aleppo in Richtung Türkei kappen.
US-Senator John McCain zweifelt an einer Feuerpause in Syrien. „Herr Putin ist nicht daran interessiert, unser Partner zu sein“, sagte der republikanische Hardliner am Sonntag in München.
Dagegen stellte der russische Außenminister Sergej Lawrow infrage, ob die Amerikaner zu weiteren Schritten bereit seien. Die Chance auf eine Feuerpause schätzte er auf 49 Prozent.
Die Vereinten Nationen warteten auf Sicherheitsgarantien für die Transporte. „Da muss sich jetzt schnell etwas tun“, forderte der Vize-UN-Generalsekretär Jan Eliasson. UN-Schätzungen zufolge sind in 50 belagerten Orten in Syrien etwa 400 000 Menschen eingeschlossen.
Nahe der Grenze zur Türkei beschoss die türkische Armee derweil von syrischen Kurden neu eroberte Gebiete mit ihrer Artillerie – mindestens zwei Kämpfer starben. Die Türkei befürchtet, dass die Kurden, die mit der verbotenen Arbeiterpartei PKK verbunden sind, und ihre Verbündeten die gesamte Grenze zur Türkei unter ihre Kontrolle bringen könnten.
Saudi-Arabien bestätigte zudem, dass es Kampfjets zum türkischen Nato-Stützpunkt Incirlik geschickt habe. Die Maßnahme sei Teil des saudischen Plans, den Kampf gegen die Terrormiliz IS in Syrien zu intensivieren. Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu schloss auch einen möglichen Bodeneinsatz der Türkei und Saudi-Arabiens gegen den IS nicht aus.

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Interview: Imam Benjamin Idriz über die Zukunft der Community und seiner Pläne in München

(iz). In den letzten Monaten häuften sich Meldungen und Stellungnahmen über Meinungsverschiedenheiten zwischen Mitgliedern des Koordinationsrates der Muslime. Dabei ging es nicht nur um Personalien oder Einzelinteressen, sondern auch um Grundfragen der zukünftigen Ausrichtung.
Wir sprachen mit Imam Benjamin Idriz über Fragen der muslimischen Selbstorganisation, zukünftige Möglichkeiten der deutschen Community sowie sein Großprojekt in München. Idriz ist seit Längerem Imam der erfolgreichen, multikulturellen Gemeinde im bayrischen Penzberg und plant derzeit den Bau eines großen Zentrums in der Landeshauptstadt München.
Islamische Zeitung: Lieber Benjamin Idriz, heute, mehrere Jahre nach Einweihung der beeindruckenden Moschee im bayrischen Penzberg, streben Sie und Ihr Team den Bau eines wesentlich größeren Zentrums in der Landeshauptstadt München an. Wo steht das Projekt derzeit und was sind die größten Hindernisse, die Sie überwinden möchten?
Benjamin Idriz: Zunächst einmal sind es nicht die Hindernisse, sondern die Unterstützung, die das Projekt erfährt, die ich für ausgesprochen bemerkenswert halte. Diese Unterstützung kommt nämlich nicht nur von Muslimen (wo sie selbstverständlich sein sollte), sondern aus der ganzen demokratischen Gesellschaft, aus verschiedenen Religionsgemeinschaften, aus Verbänden, von den Medien und aus allen Fraktionen des Münchner Stadtrats.
Nachdem eine extremistisch-islamfeindliche Minipartei über mehrere Jahre hin versucht hat, Unterschriften gegen das Projekt zu sammeln um damit einen Volksentscheid dagegen herbeizuführen, hat der Stadtrat dies als unzulässig abgelehnt, weil die islamfeindlichen Hetzer nachweislich mit falschen Behauptungen gearbeitet hatten. In derselben Sitzung hat der Stadtrat stattdessen eine Resolution „Solidarität mit den Muslimen in unserer Stadt“ beschlossen!
Das derzeit einzige Hindernis liegt in der Finanzierung. Es wäre natürlich schön, ein solches Projekt mit Spenden von Muslimen (und Nichtmuslimen) aus Deutschland zu realisieren. Für die Grundstücks- und Baukosten wird es aber, wie es scheint, nicht ohne einen oder mehrere Großspender aus der Golfregion gehen. Unsere Anfragen laufen in mehreren Ländern (Oman, Katar, VAE) – hier brauchen wir jetzt dringend baldige Antworten – sonst wird die Chance auf ein repräsentatives und zentral gelegenes Grundstück vergeben.
Islamische Zeitung: In der Vergangenheit haben Sie den Gedanken entwickelt, mit einem eventuellen Zentrum in München auch die Möglichkeit einer, mit anderen europäischen Einrichtungen vernetzt, Ausbildung einheimischer Imame anzubieten. Steht dieser Punkt noch im Blickpunkt Ihrer Bemühungen?
Benjamin Idriz: Das war von Anfang an einer der Hauptgedanken bei diesem Projekt. Dass inzwischen in Deutschland universitäre Zentren für islamische Theologie eingerichtet worden sind, ist eine ausgesprochen positive Entwicklung und entspricht dem, was wir die ganze Zeit befürwortet haben, auch wenn bisher dort ja noch keine Ausbildung für Imame stattfindet. Mit solchen Zentren, und falls möglich auch mit anderen europäischen Einrichtungen, wird unser „Münchner Forum für Islam“ gerne kooperieren – zum gegenseitigen Nutzen. Denn Imam wird man nicht allein durch Bücher und in Hörsälen. Hier braucht es die Einbindung in das „richtige Leben“ einer Gemeinde, die Erdung durch die tagtägliche Praxis. Das MFI könnte hier zum Beispiel die Möglichkeit von Praktika anbieten, die die universitäre Ausbildung (wenn es sie einmal für Imame geben wird) ergänzen.
Islamische Zeitung: Im Rahmen der aktuellen Debatte zur muslimischen Gemeinschaft wurde auch gefordert, Finanzierungen aus dem Ausland, analog zum österreichischen Gesetz, abzuschaffen. Ganz unabhängig davon, dass das sicherlich nicht beim Kampf gegen Radikalisierung helfen dürfte, lässt sich ein Riesenprojekt wie Ihres überhaupt ohne ausländische Hilfe realisieren?
Benjamin Idriz: Hier muss man unterscheiden, für den Erwerb des Grundstücks und für die Baukosten wird es, wie gesagt, ohne ausländische Großspender nicht gehen. Was aber dann den Betrieb des Zentrums angeht, werden Einflussnahmen von außen ausgeschlossen. Es ist ein wesentlicher Bestandteil des Selbstverständnisses dieses Projekts, dass Islam am Hier und Jetzt orientiert sein soll, also da, wo Menschen sich entschlossen haben, ihr Leben zu verbringen und die Zukunft ihrer Kinder und Enkel liegt. Die Bindung an Herkunftsländer war eine notwendige Phase in den ersten Jahrzehnten muslimischer Einwanderer in Deutschland. Aber jetzt muss etwas Neues entstehen, sonst blockieren wir die Zukunft des Islam in Deutschland.
Islamische Zeitung: Gibt es einen Druck auf öffentlich auftretende Gelehrte wie Sie, Rhetorik und Inhalte eines politisch-korrekten Diskurses zu übernehmen?
Benjamin Idriz: Meine Rhetorik und die Inhalte dessen, wofür ich stehe, was ich denke, sage und lebe, entstammen dem Qu’ran und der Sunna. Es geht darum, unsere Quellen in unsere heutige Wirklichkeit zu übertragen und uns ununterbrochen zu fragen: was bedeutet diese oder jene Aussage für uns hier und heute? Daraus resultiert eine sehr weitgehende Übereinstimmung zwischen dem Islam und den Werten einer demokratischen Gesellschaft. Mit Druck von woher auch immer hat das nichts zu tun.
Was wir allerdings schon spüren, ist der ständige Druck, sich gegenüber den nicht enden wollenden Verbrechen zu distanzieren, die im Namen unserer Religion begangen werden. Hier ist es schmerzlich, dass Politik und Gesellschaft nicht wahrhaben, dass uns als Muslime diese Verbrechen genauso selbstverständlich entsetzen, wie andere auch; oder sogar noch mehr, denn es ist schließlich unsere Religion, die von den Verbrechern missbraucht wird. Das eigentliche Problem ist dabei aber nicht der Druck sich zu distanzieren – sondern die Tatsache, dass solche Verbrechen immer wieder verübt werden.
Islamische Zeitung: Sind Sie mit der Rolle zufrieden, die Gelehrte heute in der innermuslimischen Debatte spielen? Es ließe sich ja kaum behaupten, dass diese – und ihr Wissen – einen nennenswerten Einfluss auf die Entscheidungsbildung hätten…
Benjamin Idriz: In den letzten drei Jahren können wir Muslime durchaus ein starkes religiöses Autoritätsdefizit wahrnehmen. Die traditionellen Azhar-Gelehrten sind entweder entmachtet oder stehen unter politischem Druck, wie die Persönlichkeiten Al-Qaradawi oder Al-Tayyib. Hier in Europa war der ehemalige Großmufti von Bosnien Mustafa Ceric eine Stimme, auch er ist nicht mehr in der Position, in der er war. In Syrien ist Said Ramadan Al-Bouti grausam ermordet worden, und so sind in den letzten Jahren die bekanntesten Gelehrten von der Weltszene verschwunden. Leider gehen positive Stimmen, wie die von Mehmet Görmez, dem Religionsoberhaupt der Türkei, in dem großen Trubel unter.
Wo keine Autorität – dort herrscht Chaos. Und dieses Vakuum füllen heute selbsternannte Pseudo-Gelehrte. In Deutschland stehen wir nicht anders da. In dem Maß, in dem neu ausgerichtete Zentren wie eben unser MFI in Deutschland entstehen werden, kann auch das, was an den Universitäten stattfindet, viel mehr an die Basis und in die Gemeinden dringen. Diese Entwicklung kommt gerade erst in Gang, aber sie ist, glaube ich, auf die Dauer sicher nicht aufzuhalten.
Islamische Zeitung: In der Vergangenheit haben Sie sich skeptisch in Sachen des „organisierten Islam“ geäußert. Was hat Ihren Sinneswandel, den Beitritt zum Zentralrat der Muslime, hervorgerufen?
Benjamin Idriz: Meine Gemeinde in Penzberg ist multiethnisch und hat aus dem Zusammenwirken von Menschen mit unterschiedlichen Wurzeln ungeheuer profitiert. Genau das möchte der Islam ja von uns! Deshalb kann sich die Gemeinde als Ganzes keinem ethnisch oder national orientierten Verband anschließen. Der Zentralrat vertritt meines Erachtens eine Ausrichtung, die dem entspricht.
Organisierte Strukturen für die Muslime in Deutschland habe ich schon immer befürwortet; in dem von mir mit herausgegebenen Buch „Islam mit europäischem Gesicht“ wird ein entsprechendes Modell entworfen. Es sollte aber nicht aus mehreren parallelen und womöglich konkurrierenden Verbänden bestehen, sondern aus einer umfassenden, anerkannten Institution.
Islamische Zeitung: Nachdem der KRM an die Wand gefahren scheint, sehen Sie Alternativen für die Zukunft? Wenn ja, welche?
Benjamin Idriz: Wir haben in den letzten Monaten erlebt, dass endlich eine muslimische Stimme in Deutschland sehr viel mehr wahrgenommen wurde, als das früher der Fall war. Das haben wir Muslime doch seit langem ersehnt und auch gefordert. Sollten wir nicht dankbar sein, dass das jetzt zu gelingen scheint und alle gemeinsam den- oder diejenigen nach Kräften unterstützen, die sich mit Erfolg darum bemühen?
Wenn manche diese Entwicklung gerade jetzt torpedieren, ist das ein verheerendes Signal an die Politik und an die Öffentlichkeit: Ihr könnt die Muslime weiterhin ignorieren, ihr braucht sie weiterhin nicht ernst zu nehmen und nicht einzubinden, sie werden sich auf absehbare Zeit selbst blockieren. Hier müssten wirklich alle muslimischen Entscheidungsträger ihre Verantwortung ernster nehmen, als ihre jeweiligen Einzelinteressen.
Islamische Zeitung: Es gibt eine Vielzahl von Aspekten, die im Denkschemata des politisch organisierten Islam nicht vorhanden sind – was sich auch als „muslimische Zivilgesellschaft“ bezeichnen ließe. Wie könnte diese Zivilgesellschaft zukünftig angemessen Beachtung finden?
Benjamin Idriz: Viele Muslime halten sich von Moscheen fern, weil deren Ausrichtung oder Orientierung an andere Ländern sie nicht anspricht. Hier brauchen wir neue Angebote. Diese Angebote können und sollten aber über die Gebete hinausgehen. Seit wir in München einen provisorischen Sitz für das MFI eröffnet haben, ist aus dem Stand eine sehr vitale Gemeinde entstanden, die Muslime anspricht, die teilweise seit vielen Jahren auf so etwas gewartet haben. Dazu gehören nicht nur die Freitagsgebete, sondern soziale Angebote, Vorträge und Diskussionen, die kritisch und offen gehalten werden, sodass sich auch solche angezogen fühlen, die der Religion bisher vielleicht eher noch distanziert gegenüber stehen.
Islamische Zeitung: Ihre Penzberger Gemeinde ist seit Jahrzehnten multikulturell geprägt und bietet umfassende Aktivitäten an. Handelt es sich dabei um das Modell der Zukunft?
Benjamin Idriz: Es wird wohl auch in Zukunft solche Muslime geben, die emotional an der Bindung an frühere Herkunftsländer festhalten wollen, und das kann ja auch sehr wertvolle Aspekte beinhalten. Aber die Zukunft des Islam in Deutschland wird nicht dominant türkisch, bosnisch oder arabisch sein – sonst wäre er tatsächlich kein Teil Deutschlands. Der Prophet Muhammad hat nicht Mekka nach Medina verpflanzt, sondern nach der Hidschra in Medina etwas Neues geschaffen.
Islamische Zeitung: Lieber Imam Benjamin, wir bedanken uns für das Gespräch.
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„IZ-Begegnung“ mit dem Penzberger Imam Benjamin Idriz

„Das Studium der islamischen Theologie in Deutschland hat, meiner Meinung nach, vertikal angefangen, aber in die falsche Richtung, nämlich von oben her. Wie jede Ausbildung muss auch die islamische Theologie von unten nach oben studiert werden, analog zum Bau eines Hauses.“

(iz). Der Penzberger Imam Benjamin Idriz arbeitet seit Jahren an den Plänen für eine repräsentative Moschee in München. Er könne nicht noch zehn Jahre investieren, sagte er der „Süddeutschen Zeitung“. „In einer absehbaren Frist“ müsse es Fortschritte geben. Dem scheidenden Münchner Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) hält der Imam vor, das Projekt zwar unterstützt, aber nie zur Chefsache gemacht zu haben. Der Name des Projektes lautet „Münchener Forum für Islam“ (MFI).

Seit 2007 setzt sich Benjamin Idriz für eine Moschee in München ein. Dazu sollen ein Gemeindezentrum, eine Islam-Akademie mit Imam-Ausbildung, ein Museum und eine Bibliothek kommen. Doch bisher gibt es noch nicht einmal einen Standort. Ein zunächst ins Auge gefasstes städtisches Grundstück kommt inzwischen nicht mehr in Frage. Mit ihm sprach die Islamische Zeitung über das Projekt sowie über die Rolle, die es für den Islam in Deutschland insgesamt spielen könnte.

Islamische Zeitung: Was ist die Absicht Ihres Vorhabens?

Benjamin Idriz: Unsere Initiative will nicht einfach noch eine große Moschee bauen, sondern entscheidend dazu beitragen, dass für Muslime wie Nicht-Muslime sichtbar wird: Islam ist nichts Fremdes in Deutschland und nichts Anachronistisches im 21. Jahrhundert. Die Muslime, die in unserem Fall in München zuhause sind und bleiben, die sich sprachlich und kulturell nicht oder nicht mehr in erster Linie an anderen Ländern orientieren wollen und die sich vom Islam zur Kooperation mit der Gesellschaft, zu Pluralismus und Demokratie, Gleichberechtigung und Religionsfreiheit inspirieren und verpflichten lassen, sollen eine repräsentative Adresse in der Stadt bekommen.

Wir haben das ursprünglich „Zentrum für Islam in Europa – München (ZIE-M)“ genannt, weil es um Islam im Hier und Jetzt geht. Die Bezeichnung ist aber von islamfeindlichen Extremisten propagandistisch instrumentalisiert wollen, die den Menschen einreden wollten, es ginge um ein „europäisches Islamzentrum“ in München. Nachdem Unterstützer, die das Projekt gern in München verwirklicht sehen wollen, dazu geraten haben, haben wir nach langen internen Entscheidungsprozessen kürzlich beschlossen, die Initiative umzubenennen. Sie heißt jetzt: „Münchner Forum für Islam“ (MFI).

Islamische Zeitung: Gegenüber der „Süddeutschen Zeitung“ mahnten sie Fortschritte auf Seiten der politischen Entscheidungsträger an. Was muss Ihrer Ansicht nach Geschehen, damit es zu erkennbaren Fortschritten kommt?

Benjamin Idriz: Wir erfahren schon lange ein eindrucksvolles Maß an Unterstützung quer durch die demokratische Parteienlandschaft und von allen wichtigen Institutionen des öffentlichen Lebens, die großen Kirchen eingeschlossen. Dort ist bekannt, dass wir das, was wir in München verwirklichen wollen, seit vielen Jahren in Penzberg Tag für Tag umsetzen.

Vor mittlerweile vier Jahren haben alle Stadtratsfraktionen gemeinsam eine Beschlussvorlage für die Unterstützung des Projektes formuliert. Für alles Weitere ist aber eine tragfähige Finanzierung Voraussetzung – und darum bemühen wir uns weiterhin. Wir hoffen insbesondere, dass der neue Oberbürgermeister (OB Ude kann bei den bevorstehenden Kommunalwahlen nicht mehr antreten) das Projekt entschlossen unterstützt und wir in enger und guter Kooperation dann zügig vorankommen.

Islamische Zeitung: Welche Elemente sind in Ihrem Projekt vorgesehen? Wie soll es finanziert werden?

Benjamin Idriz: Natürlich ist eine zentral gelegene Gebetsstätte, eine schöne Moschee, Bestandteil des Projekts, die architektonisch in unsere Zeit passt und mit der Umgebung in Einklang steht; aber auch ein Gemeindezentrum, das den Austausch mit allen interessierten Bürgerinnen und Bürgern der Stadt pflegt, eine Akademie für die Aus- und Weiterbildung von Religionspädagogen/innen, ein Museum, das die Verflechtungen der islamischen Kultur und Geschichte mit Europa, und auch ganz speziell mit München, thematisiert, eine öffentliche Bibliothek über den Islam und interreligiösen Dialog. Das alles macht natürlich nur dann Sinn, wenn es nicht am Stadtrand oder in Industriezonen stattfindet, sondern dort, wo städtisches Leben pulsiert.

Die Finanzierung soll möglichst breit aufgestellt sein, damit auch dadurch zum Ausdruck kommt, wie weit die Unterstützer der Idee reichen. Jeder ist eingeladen, auch nur symbolische Bausteinchen mit beizutragen! Wir freuen uns über Spender jedweder Herkunft, auch über die Unterstützung durch andere Religionen – wir erwarten nur, dass die Sponsoren das Konzept und die Idee des „Münchner Forum für Islam“ befürworten. Was auf jeden Fall ausgeschlossen sein wird, ist eine inhaltliche Einflussnahme durch Geldgeber auf unsere Arbeit, auf die Ausrichtung des MFI.

Das gilt natürlich auch für größere Sponsoren – denn realistischerweise wird es so sein, dass für ganz große Anteile – wir reden hier ja von zweistelligen Millionenbeträgen – nur wenige Spender in Frage kommen können. Das Emirat Qatar hat sich hier seit längerem sehr interessiert gezeigt, und eben erst hat der Münchner Oberbürgermeister Christian Ude am Rande der so genannten Sicherheitskonferenz in München mit dem qatarischen Außenminister ein Gespräch dazu geführt. Die Signale sind jetzt recht ermutigend.

Islamische Zeitung: In der Vergangenheit mussten Sie Erfahrungen mit Attacken durch so genannte „Islamkritiker“ in München machen. Wie ist die Politik und die Öffentlichkeit mit diesen umgegangen?

Benjamin Idriz: Tatsächlich findet derzeit in München die größte Hetzkampagne gegen Angehörige einer bestimmten Religion statt, die es seit 1945 in Deutschland gegeben hat! Natürlich ist es einerseits so, dass etwas derartiges, wenn es sich gegen eine andere Religion richten würde, nicht im Ansatz geduldet werden würde. Viele Muslime – aber nicht nur Muslime! – sind entsetzt und verstehen nicht, wieso es erlaubt sein kann, dass sie und ihre Religion praktisch täglich per Megaphon in der Fußgängerzone und auf den Straßen und Plätzen der Stadt derart beschimpft werden.

Andererseits erleben wir aber auch, dass die Stadt das ihr Mögliche tut und im Rahmen der Gesetze das Treiben der Rechtspopulisten einschränkt. Es hat sich ein breites politisches und gesellschaftliches Bündnis gegen diese neuen Formen des Extremismus, des Rassismus und der Menschenverachtung gebildet – worin die vielleicht wichtigste Errungenschaft liegen dürfte, die vor dem Hintergrund unseres Projektes jetzt schon verwirklicht wurde. Der Bayerische Verfassungsschutz hat (nachdem dort jahrelang in eine ganz andere Richtung gesteuert worden war) jetzt erstmals die Kategorie „islamfeindlicher Extremismus“ eingeführt und bezeichnet den Landesverband der Mini-Partei „Die Freiheit“ und deren hyperaktive Führungsgestalt, einen gescheiterten Sportjournalisten, der von einer eigenen politischen Karriere träumt, damit ausdrücklich als verfassungsfeindlich. Zu befürchten ist, dass diese Figur bei den bevorstehenden Kommunalwahlen in den Münchner Stadtrat einziehen wird – so wie das bisher vorher schon einem NPD-Mann gelungen war.

Islamische Zeitung: Seit Monaten diskutiert die muslimische Gemeinschaft in Deutschland auch das Thema „Islamische Theologie“. Kann Ihr Projekt auch einen Beitrag zu dieser sich entwickelnden Wissenschaft leisten?

Benjamin Idriz: Die Islam-Akademie des MFI versteht sich als Plattform für den wissenschaftlichen Diskurs. Hier kann an der Entwicklung einer Islamischen Theologie in Deutschland mitgearbeitet werden. Eine theologische Aus- und Fortbildung bringt nicht nur eine Dynamik in die Entwicklung einer Theologie ein, sondern reagiert auch auf das religiöse Leben der Muslime, insbesondere auf das Verlangen der neuen Generationen, ihre Religion in den deutschen Kontext einzubinden, und auf das Bedürfnis der Mehrheitsgesellschaft nach Aufklärung durch kundige Muslime.

Mit den universitären Zentren für islamische Studien strebt MFI eine Kooperation an und will Studierenden die Möglichkeit bieten, in Form von Praktika Gemeindeerfahrung zu erwerben. Hier begegnen die Studierenden den Menschen mit ihren Fragen und Problemen, die eben im Mittelpunkt ihrer Ausbildung stehen müssen, denn nur an der Basis, an den Graswurzeln, wird der akademische Prozess seine Bodenhaftung finden. In Deutschland haben wir mittlerweile in 6 verschiedenen Universitäten theologische Zentren, was wir ausdrücklich begrüßen. Diese Zentren bilden keine Imame aus, auch wenn die Medien das gern so darstellen.

Das Studium der islamischen Theologie in Deutschland hat, meiner Meinung nach, vertikal angefangen, aber in die falsche Richtung, nämlich von oben her. Wie jede Ausbildung muss auch die islamische Theologie von unten nach oben studiert werden, analog zum Bau eines Hauses. Erst steht das Fundament, dann die Wände und dann kommt das Dach. Eine theologische Ausbildung, welche nur an der Uni stattfindet, ist genauso, als wenn jemand ein Haus bauen will und dabei nur an das Dach denkt! Einige, die dort studieren, die kein Fundament haben, lernen erst die arabischen Buchstaben, und das ist dann so, als wenn ein Student der Mathematik erst an der Uni die Zahlen und Nummern lernt.

In islamischen Ländern gibt es zuerst voruniversitäre, anerkannte Schulen mit Schwerpunkt Islamische Theologie, wie „Imam-Hatip Lisesi“ in der Türkei, „Ma’had al-ulum al-schar’iyyah“ in arabischen Länder oder hier in Europa „Medresa“ wie es in Bosnien, Kroatien, Kosovo oder Mazedonien der Fall ist. Nach deren Abschluss erweitern die Schüler ihre Kenntnis an den islamischen Fakultäten.

In Deutschland ist dies leider nicht so, und deswegen ist es fraglich, inwieweit die Universitätsabsolventen entsprechend produktiv für die Gemeinden sein können, und ob überhaupt die Moscheegemeinden bereit sein werden, die Absolventen als Imame einzustellen. Diese Lücke zu schließen kann eine wichtige Funktion der Initiative MFI werden.

Islamische Zeitung: Lieber Benjamin Idriz, vielen Dank für das Gespräch.