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Khurrem Akhtar: Zakat ist die vernachlässigte Säule

zakat

IZ-Begegnung mit dem Vorstandsvorsitzenden von Zakat Deutschland über eine vernachlässigte Säule des Islam und darüber, warum Zakat nichts mit Ramadan zu tun hat. (iz). Der aktive Unternehmer Khurrem Akhtar wurde […]

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Muslime und der deutsche Widerspruch

Muslime deutsch

Kommentar: Die Geschichte der Muslime in Deutschland ist vielen jungen Muslimen unbekannt. 

(iz). Sie wissen beispielsweise nicht, was Muslime nach 9/11 in Deutschland durchmachen mussten. Das Bewusstsein als Muslim in Deutschland zu leben, beschränkt sich auf die eigenen Erfahrungen, die oftmals von Diskriminierung und Rassismus geprägt ist.

Entgegen des Narratives, das die momentane Regierung anführen möchte – nämlich, dass Muslime übertreiben würden und der strukturelle Rassismus nicht so schlimm sei – erlebte auch ich, Jahrgang 1991, beständig Rassismus. In der Schule wurde mir von einem Englischlehrer vermittelt, dass die Gewalt, die von muslimischen Männern ausgeht, der Grund für die geringere Scheidungsrate unter Muslimen sei.

Ein Mitschüler, dessen Namen ich nur aus Höflichkeit nicht erwähne, fragte mich, warum ich keine Menschen angreife und versuche umzubringen; dies sei doch ein islamisches Gebot. Weiter: Auf dem Wohnungsmarkt wollte mir ein Makler eine Wohnung mit der Begründung vermieten, dass er im Gegensatz zu anderen nicht rassistisch sei. Das sind Erfahrungen, die die Mehrheit auch der jungen Muslime teilt. 

Was viele junge Muslime nicht wissen, ist, was beispielsweise hinter den Kulissen der Deutschen Islamkonferenz geschah. Wer wurde mit welcher Begründung eingeladen? Wem wird das Recht eingeräumt, Muslime zu vertreten? Wem wird das Recht eingeräumt, muslimische Belange mitzugestalten?

Während in Österreich der Islam eine staatlich anerkannte Religion ist, ist er in Deutschland nicht staatlich anerkannt. Und dennoch wird nun diskutiert, ob Muslime zum Staatsdienst an der Waffe sollen.

Das ist dermaßen absurd und inhuman, dass so etwas tatsächlich nur in dem Deutschland geschehen kann, das von Wieland, Goethe und anderen regelmäßig als barbarisch bezeichnet wurde. 

Der Islam gehöre nicht zu Deutschland, aber Menschen muslimischen Glaubens sollen das Land, in dem ihre rassistischen Erfahrungen bagatellisiert werden und in dem sie beleidigt und angegriffen werden, verteidigen.

Das erinnert an die Zustände in den USA. Muslime in Deutschland sind anderen Formen des Rassismus ausgesetzt: Der Bericht zu antimuslimischen Rassismus wurde zurückgezogen. Namen wurden gestrichen und er wurde neu veröffentlicht. All das ist das Ergebnis Lobbypolitik.

Das ist eine Vorgehensweise, die von Menschen geprägt wird, die sich durch Parteispenden und persönliche Kontakte beeinflussen lassen in ihren Entscheidungen. Es geht nicht um das Allgemeinwohl, sondern das eigene Interesse.

Wir lernten in der Schule Thomas Paine, einen Vater der amerikanischen und französischen Revolution, kennen. Er lehrte, dass Demokratie für alle Menschen gilt. Es ist eine Jugend herangewachsen, die Muhammad Ali und Malcolm X kennt. 

Die Millenials unter den Muslimen sind nun erwachsen und sie fordern Rechte und treten so selbstbewusst auf, wie die 1. und 2. Generation der Zuwanderer nach dem zweiten Weltkrieg in Deutschland niemals auftreten konnte. Deutschland ist im Wandel.

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Ataman: Muslimfeindlichkeit in Deutschland hat alarmierendes Ausmaß erreicht

ataman deutschland

Einer Studie zufolge hat die Diskriminierung von Muslimen seit 2016 EU-weit stark zugenommen. Bei einigen Kennzahlen nimmt Deutschland einen führenden Platz ein.

Berlin (KNA) Die Antidiskriminierungsbeauftragte des Bundes, Ferda Ataman, fordert eine „umfassende Strategie gegen religiöse Diskriminierung“. Damit reagierte Ataman am Donnerstag auf eine aktuelle Studie der europäischen Grundrechteagentur FRA zur Diskriminierung von Muslimen in der EU.

In Deutschland erlebten Menschen nach Österreich am häufigsten antimuslimischen Rassismus, so Ataman. „Muslimfeindlichkeit hat ein derart alarmierendes Ausmaß erreicht, dass wir reagieren müssen“, erklärte die Antidiskriminierungsbeauftragte.

Eine Strategie gegen religiöse Diskriminierung müsse demnach Prävention und Sensibilisierung genauso umfassen wie einen verstärkten Diskriminierungsschutz. Schon jetzt sei darüber hinaus wichtig klarzustellen, dass Diskriminierung aufgrund der Religion verboten sei. Ataman sagte: „Ich kann Betroffenen nur raten, sich beraten zu lassen und dagegen vorzugehen.“

Die FRA-Studie zeigt eigenen Angaben zufolge einen starken Anstieg des antimuslimischen Rassismus seit der letzten Umfrage im Jahr 2016.

spaltung Bevölkerungszahlen Migration gesellschaft menschenrecht mikrozensus

Foto: Adobe Stock

Waren es damals 39 Prozent der Muslime, erklärte 2022 etwa jeder Zweite (47 Prozent) rassistisch diskriminiert worden zu sein. Deutschland liegt mit 68 Prozent weit über dem EU-weiten Durchschnitt, knapp hinter Österreich mit 71 Prozent.

Muslime erleben dem Bericht „Being Muslim in the EU“ zufolge Diskriminierung vor allem auf dem Arbeits- und Wohnungsmarkt. So sind laut Erhebung beispielsweise rund 40 Prozent der Muslime in der Europäischen Union für ihren Job überqualifiziert, während es im Vergleich allgemein 22 Prozent der Menschen seien.

Mehr als ein Drittel (35 Prozent) der Befragten erklärte zudem, aufgrund von Diskriminierung kein Haus kaufen oder mieten zu können. 2016 gaben das 22 Prozent der Befragten an.

Für die Studie wurden 9.604 Muslime in 13 EU-Ländern von Oktober 2021 bis Oktober 2022 befragt. Die Umfrage fand demnach vor den Hamas-Angriffen gegen Israel am 7. Oktober und dem darauf folgenden Krieg im Gazastreifen statt.

Eine Differenzierung über die Rolle der Muslime in Deutschland gefährdet das konservative Weltbild

„Alle Differenzierung, die sich aus anspruchsvollen Debatten quasi automatisch ergeben, gefährdet den Konsens der neuen Rechten, die im Islam und seinen Anhängern ein notwendiges Feindbild sehen, um die eigenen Reihen zu schließen. Der positive Entwurf einer Gesellschaft, die die Rolle der Muslime anerkennt oder sogar vom Islam lernt, wird von der großen Negation gegenüber der Realität verdrängt.“

(iz). Wie begegnen die Eliten der Konservativen den Muslimen? Die Antwort ist einfach: meist gar nicht. Die Präsenz des Islam in Europa ist den Rechten ein Dorn im Auge und die grundsätzlich kritische Haltung gegen diese Religion ein wichtiger Bestandteil des eigenen Selbstverständnisses. Die Bewahrung des christlich-jüdischen Abendlandes, eine, in diesen Kreisen geläufige rhetorische Figur, negiert den geistigen und historischen Beitrag des Islam bis heute.

Die Auseinandersetzung auf Augenhöhe zwischen Muslimen und Konservativen ist eine Ausnahme. Seit Ende 2021 findet sich auf YouTube ein Beispiel, dass diese Begegnung durchaus denkbar und spannend ist. Der kanadische Psychologe Jordan Peterson veröffentlicht auf seinem Kanal ein Gespräch mit dem amerikanischen Gelehrten Scheich Hamza Yusuf. Bis heute wurde das Video mit dem ungewöhnlichen Titel „Was kann man vom Islam lernen?“ über zwei Millionen Mal abgerufen.

Peterson ist souverän genug, sich dem Phänomen zunächst einmal verstehend anzunähern. Er stellt Fragen nach der Sozialisierung des Gesprächspartners, den Gründen für seine Entscheidung die Religion zu akzeptieren und versucht herauszuarbeiten, was der Islam ist. Das Gespräch über Gott und die Welt, Sinn und Tod, bis hin zu den Gefahren einer möglichen Ideologisierung des religiösen Klientel ist ein seltenes Beispiel für eine echte Begegnung zwischen einem Konservativen und einem Muslim. Dem Publikum wird ein Ansatz angeboten, der die Bedeutung der Lebenspraxis nicht von Extremfällen, sondern vom Normalfall eines gebildeten Gläubigen ableitet.

Der letzte große Konservative in Deutschland, der sich dem Phänomen des Islam verstehend annäherte, dürfte Goethe gewesen sein. In der Bibliothek des Universalgelehrten finden sich zahlreiche Qur’anübersetzungen und einschlägige Fachliteratur. Die typische Haltung des Bewahrers zeigt sich in der Skepsis des Meisters hinsichtlich revolutionärer Bestrebungen, der Abscheu gegenüber Ideologie und der Erkenntnis, dass das griechische Narrativ langsam in seiner Wirkungsmacht aus dem europäischen Bildungskanon ausscheidet. Goethe ist Realist und versteht die wachsende Bedeutung der Finanztechnik und die sich abzeichnenden Folgen der Globalisierung. Eine Dialektik gegen den Islam hält er für die eigene Identitätsfindung in stürmischen Zeiten nicht nötig.

Das fundierte Wissen über Islam gehört heute längst nicht mehr zur Grundausbildung eines Konservativen. Wer kennt oder bezieht sich auf Philosophen wie Ibn al-’Arabi und Ibn Ruschd? Wo ist das Interesse am Beitrag der Gelehrten zur abendländischen Entfaltung, Neugier auf die Aktualität des islamischen Wirtschaftsrechts, Sympathie gegenüber den sozialen Dimensionen der Lebenspraxis, gar ein Gespür für die Tugendlehre, die der religiösen Praxis innewohnt? Verbreitet sind dagegen relativ simpel aufgezogene Feindbilder oder das andauernde Vorurteil der Fremdheit der Religion.

Das paradoxe Ergebnis dieser eingeschränkten Sicht ist es, dass junge Gläubige sich von einem politisch-ideologischen Islam abwenden, aber gleichzeitig in den bürgerlichen Parteien keine Willkommenskultur vorfinden. Die Strategen der CDU erkennen nicht das langfristige Potential der neuen Generationen von Muslimen in Deutschland. Argumente für eine Annäherung wären durchaus vorhanden, so sind Menschen, die an ihrer Religion festhalten, von Natur aus konservativ und auf der anderen Seite liberal, da sie mit einem Realitätssinn für eine sich wandelnde Zeit ausgestattet sind. Junge Muslime halten an ihrem Narrativ fest, bekennen sich zur Familie, zu einer universalen Moral und – Überraschung – in ihrer großen Mehrheit zur Verfassung.

Im Jahr 2006 versuchte der Gründer der deutschen Islamkonferenz, Wolfgang Schäuble, mit einigen klug formulierten Sätzen eine Brücke zu einer der großen Minderheiten im Lande zu bauen: „Der Islam ist Teil Deutschlands und Teil Europas, er ist Teil unserer Gegenwart und Teil unserer Zukunft.“ Der konservative Vordenker spaltete mit seinem Vorschlag seine Gefolgschaft. Es sind dicke Bretter zu bohren. Die These, die den Islam aus der europäischen Geschichte ausschließt, gehört zu den wichtigsten Denkfiguren rechter Kreise in der Bundesrepublik. In diesem Diskurs sind direkte Begegnungen nicht vorgesehen und wenn doch, dann grundsätzlich nur mit ausgewählten VertreterInnen des Spektrums ausdrücklicher Religionskritik. Aufsehen erregte 2011 eine Streitschrift des FAZ-Redakteurs Patrick Bahners („Die Panikmacher“), der den einseitigen Umgang mit dem Islam hinterfragte. Nicht nur für den politischen Raum rechts von der CDU hat seine Analyse nichts an Aktualität verloren: „Die Islamkritik ist ein System von Sätzen, aber nicht bloß ein logisches Gebilde, sondern zugleich eine Ballung von Stimmungen, ein Syndrom des Ressentiments.“

Seit der Flüchtlingskrise im Jahr 2015 sind die Fronten endgültig verhärtet. Auch wenn nur ein Teil der Flüchtlinge praktizierende Muslime waren, dreht sich die rechtskonservative Verschwörungstheorie mit Vorliebe um die angebliche Islamisierung des Abendlandes. Im Jahr 2018 verfassten Akademiker und Intellektuelle von Vera Lengsfeld über Uwe Tellkamp bis zu Tilo Sarrazin eine gemeinsame Erklärung gegen die, wie sie sagen, illegale Masseneinwanderung. Peter Sloterdijk kommentierte die Reaktion der Entfremdeten wie folgt: „Freud hat das Unbehagen in der Kultur durch den Triebverzicht erklärt. Mir scheint, heute sei das Unbehagen eher damit verbunden, dass man das Zuschauerprivileg verliert.“ Mit anderen Worten: Die Kritiker lieferten nicht etwa einen Entwurf zur humanen Bewältigung von Fluchtbewegungen, sondern fordern vielmehr das vermeintliche Recht ein, von geopolitischen Realitäten nicht belästigt zu werden.

Es gehört zur Ironie der Geschichte, dass heute organisierte, „konservative“ Muslime und Konservative, die von den Volksparteien enttäuscht sind, gegen ähnlich klingende Markierungen wie „Nazi, Islamist oder Faschist“ ankämpfen. Besucht man zum Beispiel den Kanal der Berliner Bibliothek des Konservatismus, eine Denkfabrik der neuen Rechten und für viele Liberale ein Verdachtsfall, begegnet man zahlreichen prominenten Rednern, die sich von der CDU und den rechtsextremen Rändern abgrenzen. Die Grundidee dahinter ist eine Rückbindung an das Narrativ eines Gedankengutes, an das Land der Dichter und Denker, ohne in die Ideologie des Nationalismus und Rassismus der Nazis zurückzufallen. In den Veranstaltungen, in denen gefragt wird, unter welchen Voraussetzungen es eine konservative Moderne oder Zukunft gibt, ist der Islam meist der Elefant im Raum.

Der Politikwissenschaftler Werner Patzelt sieht in der Präsenz der Muslime in Europa ein Experiment mit ungewissem Ausgang. Er argumentiert gegen eine mögliche Verwandtschaft von religiös motivierten Konservativen mit unterschiedlichem konfessionellen Hintergrund: „Religion und Konservatismus haben nichts miteinander zu tun.“ Gegenargumente werden kaum zugelassen. In diesen Sphären ist das Gespräch auf Augenhöhe mit Muslimen nicht vorgesehen.

Der Osten Deutschlands ist heute eine Hochburg der neuen Rechten, die von der Mobilisierung der Straße mit rechtsextremen Bürgerbewegungen, bis hin zu möglichen parlamentarischen Mehrheiten der AfD reicht. Gemeinsam ist diesen Parteiungen, jede von Immigranten begangene Straftat der Glaubensordnung anzuhängen und damit der Wille, den Islam in Europa auf Dauer auf die Ebene eines potentiellen Gefahrenherds zu reduzieren. Das Phänomen deutsche Muslime endlich anzuerkennen, ist im Rahmen dieser Logik unmöglich. Hinzukommt die altbekannte „konservative“ Forderung, die ostdeutsche Provinzen aus dem Veränderungsdruck einer Einwanderungsgesellschaft herauszuhalten.

Auf der kulturellen Ebene scheint die Rechte im Osten mit dem Schriftsteller Uwe Tellkamp einen wortgewandten Fürsprecher auf ihre Seite gezogen zu haben. Sein Bestseller „der Turm“ und die anschließende Verfilmung garantierte dem Dresdner eine breite Öffentlichkeit. Ein neuer Dokumentarfilm von Andreas Gräfenstein beschreibt den Einsatz Tellkamps für die Meinungsfreiheit, die Verbreiterung des Meinungskorridors und gegen die Idee der Kontaktschuld. 2018 hatte er mit der These, „dass 95 Prozent der Asylbewerber, Flüchtlinge und Zuwanderer in Deutschland von 2015 und danach bloß in unsere Sozialsysteme einwandern möchten“ einen Empörungssturm ausgelöst.

Der Autor rückte zwar von seiner unhaltbaren These ab, baute aber gleichzeitig seine Kontakte in das rechte Milieu aus und zeigte sich sonst wenig beeindruckt von der Kritik. Die Allianz der Dresdner Pegida mit offen islamophoben Kreisen beschäftigen ihn nicht, eher sorgt er sich mit beleidigtem Unterton um die Verunglimpfung des sogenannten bürgerlichen Widerstandes an der Elbe. Das Thema der Immigration lässt Tellkamp nicht los und spielt eine bedeutende Rolle in seinem neuen Roman „Der Schlaf in den Uhren“. Das Werk über die Tiefen der DDR-Vergangenheit ist ergänzt mit Anspielungen auf die Flüchtlingspolitik der ehemaligen Bundeskanzlerin. Er beschreibt im Rahmen einer komplexen, auf hunderten Seiten ausgebreiteten Fiktion das Phänomen der Macht in einem von Medien beherrschten Staatswesen. In den schlafenden Uhren, so der Autor, verbergen sich die Dämonen und ungelösten Fragen der Republik. Der begnadete Schriftsteller zeigt sich vor allem in langen Passagen, die sich mit der Insel Hiddensee, der Zoologie, dem Rasieren oder sonstigen phänomenologischen Absonderlichkeiten befassen.

An Genauigkeit, zu der Tellkamp sprachlich fähig ist, fehlt es bei seinen Äußerungen, die das Thema Islam berühren. Hier bleibt der Künstler eher vage und belässt es bei nebulösen Vorurteilen über eine vermeintlich andere Weise zu leben. Der Verdacht, dass die meisten konservativen Denker sich niemals einem niveauvollen Gespräch auf Augenhöhe aussetzen, trifft ebenso auf Tellkamp zu. Ist das ein Zufall? Wohl kaum. Alle Differenzierung, die sich aus anspruchsvollen Debatten quasi automatisch ergeben, gefährdet den Konsens der neuen Rechten, die im Islam und seinen Anhängern ein notwendiges Feindbild sehen, um die eigenen Reihen zu schließen. Der positive Entwurf einer Gesellschaft, die die Rolle der Muslime anerkennt oder sogar vom Islam lernt, wird von der großen Negation gegenüber der Realität verdrängt. Sprachlosigkeit ist die Grundbedingung jeder Ideologie.

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Abdassamad El Yazidi über den KRM: „Gute Ergebnisse nicht kleinreden“

Abdassamad El Yazidi wurde 1975 im hessischen Langen geboren, wo er in Dreieich zur Schule gegangen ist. Der Deutschmarokkaner kommt aus dem kaufmännischen Bereich. Nach einem Engagement in einer lokalen […]

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Die eigene Geschichte schreiben

(iz). Es gibt viele analytische Texte über Muslime und Islam in Deutschland. Einige von ihnen behandeln ihre Anfänge im 20. Jahrhundert. Allerdings gehen die meisten von einer „Stunde Null“ aus, mit Beginn der Anwerbeabkommen mit muslimischen Ländern wie der Türkei, Marokko, Tunesien sowie dem damaligen Jugoslawien. Demzufolge ist eine Erzählung entstanden, die den Anfang muslimischer Existenz in diesem Land mit der Ankunft sogenannter „GastarbeiterInnen“ verknüpft.

Doch haben Arbeiten von ForscherInnen wie Gerdien Jonkers oder Gerhard Höpp deutlich gemacht, dass dies zumindest ungenau ist. Spätestens mit Ende des Ersten Weltkrieges, der in Teilen der muslimischen Welt zu Umwälzungen geführt hat, lässt sich eine Präsenz von MuslimInnen in Städten wie Berlin nachweisen, wo in den 1920er Jahren des letzten Jahrhunderts auch die ersten Gemeinschaften und Vereinigungen entstanden.

Ungeachtet dessen, wann die Geburtsstunde eines Islams in Deutschland gesetzt wird, ist den allermeisten Beschreibungen gemeinsam, dass es sich um Fremdbeschreibungen handelt. Eine relativ neue Alternative stellt das Onlineprojekt „Moin und Salam“ dar, das während der Pandemie ins Netz gegangen ist und nicht zu Unrecht den Untertitel „Eine Online Reportage“ trägt.

Eine Gruppe Hamburger Muslime trifft sich zur Koranrezitation (Hamburg, 1952). Foto: Archiv des Islamischen Zentrums Hamburg

In bisher drei Kapiteln (weitere sollen folgen) wird die Geschichte der Muslime und ihrer Religion in Deutschland beschrieben.

Nach Angaben der beiden MacherInnen, dem Fotografen Julius Matuschik sowie der Religionswissenschaftlerin Dr. Raida Chbib, solle hier „über verschiedene Kapitel Schlaglichter auf vergangene Spuren sowie die aktuelle Gegenwart des Islams und muslimischen Lebens in Deutschland“ geworfen werden. Hier kommen insbesondere auch Fotografien – private sowie solche aus der Presse – zum Einsatz, welche MuslimInnen selbst gemacht haben. So werden sie vom Objekt zum eigenständigen Subjekt. Bekommen also auch eine Funktion als Handelnde in der Geschichte.

„Das Projekt ist im Zuge des Praxisfellowship-Programms der Akademie für Islam in Wissenschaft und Gesellschaft (AIWG) an der Goethe-Universität Frankfurt entstanden. Der Fotograf Julius Matuschik hat als Praxisfellow die Idee zu diesem Projekt entwickelt. Er begleitet deutsche Muslim*innen aus verschiedenen Lebensbereichen an zahlreichen Orten fotografisch, um möglichst authentische Einblicke festzuhalten und die Vielfalt des Islams hierzulande abzubilden“, heißt es in der Erklärung der Website.

Was diese Bilder zeigen, ist eine Gemeinde, die vielleicht im Vergleich zu heute sehr viel kleiner war und keine vergleichbare Institutionalisierung kannte. Die sich aber andererseits ohne Scheu bürgerlich zeigte und kleingeistige Differenzen übersah. Im positiven Fall kann unsere Vergangenheit auch Zukunft sein.

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Kommentar: Warum Afghanistan auch für deutsche Muslime wichtig ist

(iz). Seien wir ehrlich: Die allermeisten von uns haben sich nur dann tiefer mit Afghanistan und seinen Menschen beschäftigt, wenn es in den letzten Jahren zu einer Krise gekommen ist […]

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Deutsche Muslime bewerten Demokratie positiver

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Frankfurt (KNA). Deutsche Staatsbürger muslimischen Glaubens bewerten die Demokratie und das Funktionieren des politischen Systems in Deutschland positiver als der Durchschnitt der Bürger. Das geht aus einer Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (Mittwoch) hervor. So halten 81 Prozent der muslimischen Bürger die Demokratie für die beste Staatsform, gegenüber 70 Prozent der Gesamtbevölkerung.

Noch ausgeprägter ist der Unterschied bei der Frage: „Wie zufrieden sind Sie im Allgemeinen mit dem Funktionieren der Demokratie in der Bundesrepublik und dem Funktionieren unseres ganzen politischen Systems?“ In der Bevölkerung insgesamt liegt der Anteil derjenigen, die mit dem Funktionieren der Demokratie sehr zufrieden sind, bei 26 Prozent, zufrieden äußern sich 44 Prozent. Unter den wahlberechtigten Muslimen dagegen liegt der Anteil der sehr Zufriedenen bei 53 Prozent, der Zufriedenen bei 27 Prozent.

Auch ist unter den deutschen Muslimen der Anteil derjenigen deutlich höher, die glauben, dass ihre soziale Lage besser sei als die ihrer Eltern. Bei der Gesamtbevölkerung sagen das 44 Prozent, bei den Muslimen 71 Prozent.

Auch in ihrer parteipolitischen Orientierung unterscheiden sich die Deutschen muslimischen Glaubens nicht sehr stark vom Durchschnitt der Bevölkerung. Tendenziell bevorzugen sie eher die SPD. Insgesamt zeigen die muslimischen Wahlberechtigten eine überdurchschnittliche Neigung zur linken Hälfte des Parteienspektrums mit SPD, Grünen und der Linken.

Berücksichtigt man aber das vergleichsweise niedrige Durchschnittsalter der deutschen Muslime, ist allein bei der SPD ein bemerkenswerter Unterschied zwischen muslimischen und nichtmuslimischen Wahlberechtigten zu erkennen. Hier könnte sich noch immer die sozialdemokratische Orientierung vieler türkischer Gastarbeiter niederschlagen. Umgekehrt findet die FDP bei den wahlberechtigten Muslimen deutlich weniger Zuspruch als bei der Gesamtbevölkerung. Am größten ist der Kontrast – wenig überraschend – bei der AfD, für sie gibt es unter den muslimischen Deutschen praktisch keine Anhänger.

Allerdings ist die Zahl der Muslime mit deutscher Staatsbürgerschaft zu klein, um Wahlergebnisse maßgeblich zu beeinflussen. Laut der Studie „Muslimisches Leben in Deutschland 2020“, die das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge im Auftrag der Deutschen Islamkonferenz herausgegeben hat, leben derzeit etwa 5,5 Millionen Menschen muslimischen Glaubens in Deutschland. Das entspricht 6,6 Prozent der Gesamtbevölkerung. 47 Prozent dieser Muslime, 2,6 Millionen, besitzen die deutsche Staatsbürgerschaft und machen damit 3,5 Prozent der 72 Millionen deutschen Staatsangehörigen aus.

Laut der neuen Umfrage bezeichnen sich 64 Prozent der deutschen Muslime als religiös; in der Gesamtbevölkerung sind es 36 Prozent. Protestanten bezeichnen sich laut Bericht zu 46 Prozent als religiös, Katholiken zu 63 Prozent.

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Im Dickicht der Theorien

(iz). Am 21. Januar dieses Jahres beklagte die „Stiftung für die Internationalen Wochen gegen Rassismus“ einen zunehmenden „anti-islamischen Rassismus“ in Deutschland. Nach Ansicht des geschäftsführenden Vorstands Micksch sei diese Entwicklung ein Nährboden für einen Rechtsextremismus, der immer gewaltbereiter werde.
Selbst ein oberflächlicher Blick auf Berichterstattung sowie Statistik legt den Schluss nahe, dass der Rassismus Teil des Alltags geworden ist. Zeugnis davon legen derzeit auch Erfahrungen einzelner Muslime ab, die mit diesem Phänomen konfrontiert sind. Sie können von verbaler „Anmache“ bis zur Ablehnung bei Wohnraum- oder Stellengesuchen reichen. Was früher, platt gesagt, „der Türke“ war, ist heute oft „der Muslim“. Die Muster von Diskriminierung sind oft die gleichen geblieben.
Es geht noch weiter: Bei einigen Muslimen ist die rasante Verbreitung zum festen Bestandteil der Kommunikation in sozialen Netzwerken geworden. Bei aller realen Erfahrung stellt sich die Frage, ob wir es mit dem berühmten „Einzelfall“ zu tun haben, oder ob diese Vorfälle stellvertretend für einen allgemeingültigen Umgang mit Muslimen zu verstehen sind. Angesichts der erodierenden Kommunikationsformen, die insbesondere das Internet produzierte, ist Zurückhaltung bei Subjektivismen geboten. Immerhin ist es die gleiche „Technik“, die der aggressiven Islamkritik selbst zu eigen ist.
Hochkarätiger Diskurs
Diese Phänomene sowie die sich radikalisierende mediale, und damit politische, Behandlung der Schlagworte „Islam“, „Muslime“ und „Migration“, sind Grund genug dafür, dass das Osnabrücker Institut für islamische Theologie zu einer mehrtägigen Fachkonferenz über das Thema lud. Vom 14. bis 16. Januar trafen sich Wissenschaftler wie Prof. Dr. Naika Foroutan, Prof. Dr. Kai Hafez, Prof. Dr. Iman Attia, Prof. Dr. Wolfgang Benz, Dr. Silvia Horsch, Dr. Fared Hafez und viele andere, um das Thema zu diskutieren. Eingeladen waren auch Vertreter muslimischer Verbände wie Dr. Zekeriya Altug, Aiman Mazyek, Burhan Kesici sowie Journalisten wie Eren Güvercin oder Daniel (?) und Aktivisten aus der muslimischen Zivilgesellschaft.
Es ist den Gastgebern gelungen, dass sie als erste auf diesem Niveau – bei Quantität und Qualität von Referenten und Diskutanten – das Phänomen behandelten. Wohl unbeabsichtigt war die Konferenz am Puls der Zeit. Inwiefern der ausgestellte Erkenntnis- und Diskussionsstand Einzug in weitere Kreise finden wird, steht auf einem anderen Blatt. So meinte Prof. Dr. Foroutan melancholisch bei der Auftaktdiskussion, dass Fakten nur eine begrenzte Reichweite hätten. Eine „schwankende Mitte“ ließe sich davon beeinflussen. Bereits in der Vergangenheit hätten Daten- und Faktensammlung auf die von Sarrazin angestoßenen Thesen wenig Auswirkungen gehabt.
Relativ einhellig
Bei den Beiträgen war von einer „Diskussion“ im Sinne gegenteiliger Positionen nicht viel zu vernehmen. Relativ einhellig bezogen Referenten und Diskutanten nicht nur Stellung zu dem behandelten Phänomen des „anti-muslimischen Rassismus“, sie ordneten es – von graduellen Unterschieden – auch ähnlich ein.
Prof. Dr. Naika Foroutan legte in ihrem Impulsreferat die Faktenbasis für die folgenden Debatten dar. Die Zuschreibungen dessen, wer ein „Deutscher“ sei, werden immer schwieriger. Vor Beginn der Fluchtbewegung seien ca. vier Millionen Menschen in Deutschland Muslime gewesen – die Hälfte davon Staatsbürger. Von den rund 1,1 Millionen Flüchtlingen, die laut BAMF 2015 hierher kamen, sei die Mehrheit Muslime. Das habe Folgen für die Gesellschaft und die betroffenen Communities. Die aktuellen Entwicklungen, namentlich die „Flüchtlingsfrage“, trieben die Debatten um eine vermeintliche „Islamisierung“ voran. So überschätze eine Mehrheit der Bevölkerung konstant den muslimischen Bevölkerungsanteil um ein Mehrfaches. Obwohl Wirtschaftsinstitute sich für Auswanderung aussprächen und die Bevölkerung selber von einer positiven Lage ausgehe, herrschten große Ängste.
Was die Einstellungen gegenüber Muslimen in diesem Land betrifft, konstatierte die Berliner Forscherin aufgrund ihrer regelmäßigen Erhebungen einen Unterschied zwischen einer kognitiven Anerkennung der Präsenz von Muslimen und ihrer Einforderung verfassungsgemäßer Rechte mit einer „emotionalen Distanz“. Sie verwies auf einen Widerspruch zwischen der Betonung der Verfassung, zu der Muslime sich zu bekennen hätten, und andererseits der stellenweisen Überzeugung, Muslime dürften sich nicht auf ihre verfassungsgemäß verbrieften Rechte (Moscheebau oder Kopftuch) berufen. Handfest äußere sich das in der Vervierfachung von Angriffen in den letzten Jahren. Die derzeitige Verrohung werde mit Argumenten und dem Verhalten von Muslimen begründet.
Ihre Erkenntnisse wurden in den folgenden Beiträgen bestätigt und theoretisch unterfüttert. Der antimuslimische Rassismus stelle den Übergang vom Biologismus der Rechten, so Hendrik Cremer, zu einem kulturalisierten Vorurteil dar. Gerade die Fixierung auf den rechten Rand sei ein Missverständnis, wie das Beispiel Sarrazin seit 2009 belege. Cremer verwies einerseits auf die bestehenden deutschen und europäischen Gesetzgebungen zur Volksverhetzung. Anstoß erzeugende Rede müsse allerdings grundsätzliche durch Gegenrede beantwortet werden. Der Forscher schränkte aber ein, dass der Staat sich, trotz des Vorwurfes eines „Meinungskartells“, nicht taktisch verhalten dürfe, da sich rassistische Diskurse wie der von Pegida derzeit „in gefährlicher Weise“ ausbreiteten. Diesen Aspekt sprach auch Naika Foroutan an. Diskurse erführen eine Verschärfung, sobald die agitierenden Gruppen den parlamentarischen Raum betreten.
Aufgrund seiner Erforschung von Vorurteilen gab Prof. Dr. Wolfgang Benz eine präzise Definition des anti-muslimischen Rassismus: „Zu definieren ist das Phänomen der Islamfeindschaft als Ressentiment gegen eine Minderheit von Bürgern beziehungsweise von in unserer Gesellschaft lebenden Menschen, die mit politischen, ethnischen und religiösen Argumenten diskriminiert und ausgegrenzt werden. (…) Gleichzeitig stärkt dies das Selbstbewusstsein der Mehrheit, die die Minderheit ausgrenzt.“
Soziologische Welten
Theoretisch – und auch ideologisch – unterfüttert werden diese nüchternen Überlegungen mit einer Rassismusforschung im globalen Stil. Und das nicht ohne Erfolg. Gerade junge Muslime fühlen sich angesprochen von einer Theoriebildung in Nachfolge Fanons oder Du Bois‘, die sie irgendwo zwischen antikolonialem Befreiungskampf und der US-Bürgerrechtsbewegung um Luther King oder Malcom X einordnet.
Wie Dr. Silvia Horsch andernorts erläuterte, würden diese Rassismustheorien auch verstärkt bei Muslimen rezipiert. Die Betonung liegt hier auf der strukturellen Komponente. Zu den bekanntesten Vertretern gehören Prof. Dr. Iman Attia aus Berlin oder Dr. Farid Hafez. In seinem intellektuell wie sprachlich brillantem Parforceritt durch die Theoriebildung von Fanon, Du Bois und der Universität Berkeley ordnete er den antimuslimischen Rassismus in diesen Diskurs ein. „Die Berkeley-Schule der Islamophobieforschung konzentriert sich auf Macht- und Herrschaftsstrukturen und versteht die Islamophobie als einen Ausdruck dieser ökonomischen und politischen Disparitäten, die durch einen anti-muslimisch-rassistischen Diskurs stabil gehalten und ausgeweitet werden sollen.“
Laut Hafez werde die Figur des Muslims zum „imaginierten Gegenstand“ zentral für den islamophoben Diskurs. Racial Profiling wäre nicht möglich, wenn nicht die Figur des gefährlichen Muslim vorhanden wäre. Da diese Rassismustheorie damit operiert, den Begriff „weiß“ im Sinne eines asymmetrischen Machtverhältnisses als politische Größe zu definieren (nicht als ontologische), müssen Widersprüche entstehen. Welche Position nehmen in diesem Denken die „weißen Muslime“ des Balkans und Russlands (die zahlenmäßig größte Gruppe der europäischen Muslime) oder die wachsende Gruppe der „Konvertiten“ ein? Ironischerweise entstehen hier Parallelen zu anti-muslimischen Diskursen in Europa, in denen der Islam als wesensfremd zu Kultur, Geschichte und Identität unseres Kontinents verortet wird.
Ein weiter blinder Fleck ist das Verharren in jahrzehntealten Deutungen globaler Verhältnisse. Das de facto koloniale Auftreten „neuer Mächte“ wie China, Indien oder Russland (die allesamt einen problematischen Umgang mit ihren muslimischen Minderheiten pflegen) geht hier unter. Das gleiche gilt für die neuen nichtstaatlichen Akteure wie Banken, Supra-Banken oder Investmentsfonds, die nach neuen Kriterien operieren. Funktioniert die Welt, operieren globale Mechanismen von Macht noch so, wie sich das die Theoretiker in Berkeley und anderswo vorstellen? Wenn nicht, was bedeutet es dann für ihre Gültigkeit?
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Es ist wohl davon auszugehen, dass die vorgetragenen Erkenntnisse und Theorien von der Mehrheit der Muslime mitgetragen werden. Das kann aber für religiös verfasste und praktizierende Muslime zu Widersprüchen führen. Die Rassismusforschung habe, wie es Dr. Horsch formulierte, Grenzen, weil sie den Glauben an Gott nicht miteinbezieht. „Da können wir nicht stehen bleiben.“
Religion droht hier zu einem nebulösen Faktor unter vielen zu werden – eine „Markierung“ für den imaginären Muslim; neben Herkunft, Ethnie und Kultur. Denn dieser Gegenstand bleibt genauso wenig real, wie er es im Auge seines vermeintlichen Feindes ist. In beiden Welten kann er nicht der oberfränkische Gutbesitzer mit Biolandwirtschaft sein oder die erfolgreiche Ärztin, die ohne Diskriminierungserfahrung oder Identitätsprobleme durchs Leben schreiten.
Obwohl das Institut für Islamische Theologie einladende Institution war, fehlten hier Beiträge, die sich dem Thema antimuslimischer Rassismus von einer theologischen Warte aus näherten. Es bleibt offen, ob sich das von Kenan Kolat geforderte „Empowerment“ ereignen kann, wenn grundlegende Aspekte des Muslimseins ausgeblendet bleiben. Ironischerweise führt dieser säkular-fatalistische Diskurs bisher nicht zu Aktivität. In den letzten zehn Jahren haben muslimische Organisationen bisher keine großen Schritte in Richtung funktionierender Lobbyorganisationen unternommen.
Dr. Silvia Horsch eröffnet in ihrem Vortrag „Eine spirituelle Sicht auf antimuslimischen Rassismus“ eine andere Perspektive. Weil die Rassismusforschung dank ihrer Ausblendung Gottes Grenzen habe, müssten Muslime über sie hinausgehen. Muslime leben in der Anerkennung der Allmacht Gottes. Sie wissen, dass nichts geschieht, was Er nicht will. Und nichts, was geschieht, ist sinnlos. Muslime hätten immer schon über ihre Verhältnisse reflektiert. Aber man dürfte nicht unzufrieden sein mit der Tatsache, dass Allah alle Dinge bestimmt. Muslime müssten sich die Frage stellen, warum sie dieserart auf Diskriminierungen und Vorfälle reagierten. Sind wir wütend, weil Allah und Sein Gesandter verleumdet werden, oder weil wir uns angegriffen fühlen? Der Gesandte Allahs habe, so Horsch, die höchste Möglichkeit aufgezeigt, wie mit solchen Situationen umzugehen ist.
Der bisherige Umgang mit Diskriminierungen berge Gefahren. In ihrem Bemühen um Anerkennung richteten sich Muslime nach Parametern, die die Gesellschaft vorgebe. Natürlich solle man nach gesellschaftlichem Einfluss streben, aber hier sei die Absicht entscheidend. Eine zweite Gefahr bestünde in Äußerlichkeiten. Weil auch äußerliche Elemente der muslimischen Lebensweise, allen voran das Kopftuch, im antimuslimischen Rassismus negativ markiert seien, würden Muslime sie positiv aufladen. Dann werde das Kopftuch zu einem Symbol für Reinheit, Frömmigkeit und Identität. Drittens, seien Muslime gefährdet, passiv und reaktiv zu werden. Eine Opferhaltung habe auch die Funktion, die von Ressentiment Betroffenen moralisch aufzuwerten. Nur, die Tatsache, dass einem Ungerechtigkeit widerfahre, mache einen noch nicht zu einem bessern Menschen.
Eine weitere, tiefere Differenz zur Rassismusforschung sei deren Fehlen einer metaphysischen Dimension. Diese gehe davon aus, dass die Betroffenen nichts mit Vorurteilen zu tun hätten. Wir müssten uns aber die Frage stellen: Warum sind wir in dieser Lage und warum passieren uns diese Dinge?
Laut der muslimischen Lehre können Probleme wie antimuslimischer Rassismus auf mindestens zwei Arten verstanden werden: Negativität ist eine Prüfung. Das sei keine Aufforderung zur Passivität. „Denn wir haben Dinge zu verantworten, die wir ändern können.“ Es kann aber auch Reinigung beziehungsweise Sühne sein. Es könne sein, dass Allah uns durch solche Erfahrungen reinigen wolle.
Will die muslimische Community im Hinblick auf den gegen sie gerichteten Rassismus nicht nur passiv bleiben, muss sie sich nicht nur in Diskurse einbringen wie den, der in Osnabrück so hochkarätig geführt wurde. Sie kommt nicht darum umhin, eigenständige Positionen und Perspektiven zu entwickeln. Das erwähnte Empowerment kann nur aus einer aktiven Haltung erwachsen.

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„Wir leben in radikalen Zeiten“

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