(iz). Seien wir ehrlich: Die allermeisten von uns haben sich nur dann tiefer mit Afghanistan und seinen Menschen beschäftigt, wenn es in den letzten Jahren zu einer Krise gekommen ist oder wir durch die Ankunft geflohener Afghanen direkter mit ihrer Lebenslage konfrontiert wurden. Ansonsten haben die weitere bundesdeutsche Öffentlichkeit, aber auch die muslimische Community in […]
(iz). Seien wir ehrlich: Die allermeisten von uns haben sich nur dann tiefer mit Afghanistan und seinen Menschen beschäftigt, wenn es in den letzten Jahren zu einer Krise gekommen ist oder wir durch die Ankunft geflohener Afghanen direkter mit ihrer Lebenslage konfrontiert wurden.
Ansonsten haben die weitere bundesdeutsche Öffentlichkeit, aber auch die muslimische Community in Deutschland vielleicht gelegentlich einen Gedanken auf das Land am Hindukusch verwandt oder – bestenfalls – Geld für Not- oder Entwicklungshilfe gespendet. Und das, obwohl seit Jahrzehnten viele Exil- und Deutschafghanen (siehe Interview auf S. 14 mit Aqida Azizi) seit Jahrzehnten in unserer Mitte leben.
Nach Beginn der US-Operationen im Oktober 2001, den folgenden UN- und NATO-Mandaten sowie dem sukzessiven Sturz der Taliban und dem mittlerweile gescheiterten Versuch des Wiederaufbaus eines funktionierenden Staates (nation building) sank unsere Aufmerksamkeit rapide ab. Die monatlichen Opferzahlen eines oft fernab stattfindenden Anti-Terror-Krieges bekamen viele Menschen in diesem Land nicht mit.
Sie realisierten nicht, dass insbesondere seit 2015 die Zahlen der Toten und Verletzten unter der Zivilbevölkerung auf dem Land jährlich stiegen. Entgegen dem westlichen Wunschdenken einer aufgeklärten Demokratie, die sich – wenn überhaupt – nur in den Großstädten unter bestimmten Schichten verwirklichte, sah die Lage der Bevölkerungsmehrheit deutlich anders aus. Hier fand die Kriegsführung statt, hier fielen Raketen und Bomben auf Bauernfamilien und hier marodierten westliche Spezialeinheiten, Taliban, Milizen und kriminelle Netzwerke. Oft verschwammen deren Grenzen.
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