IZ-Reiseblog: Bihać – am Rand der vertrauten Welt

Im IZ-Reiseblog führt die letzte Etappe der Balkanreise nach Bihać: an die smaragdgrüne Una, in eine Landschaft zwischen Naturparadies und den sichtbaren wie unsichtbaren Spuren des Krieges.

21.09.2026 Abu Bakr Rieger 12 Min. Lesezeit
reiseblog Bihać UNA

Foto: pymata/Shutterstock

Von dort aus öffnet sich der Blick auf Bosnien – und auf eine Frage, die längst die ganze Welt betrifft: Wie kann Zusammenleben gelingen, wenn Erinnerungen, Identitäten und Grenzen einander noch immer entgegenstehen?

(iz). Es ist die letzte Etappe unserer Balkanreise 2026: Von Sarajevo führt die Straße über Travnik und Jelce zu einer der schönsten Regionen Europas. Unser Ziel ist Bihać, nahe der kroatischen Grenze, im Nordwesten des Landes.

Die Landschaft dort gehört zu den wasserreichsten und ursprünglichsten Naturregionen Südosteuropas. Die Ausläufer des Dinarischen Gebirges reichen bis in dichte Wälder, tiefe Schluchten und Karstformationen hinein. Doch alles wird von einem Element zusammengehalten: der Una.

Ihr Name, so heißt es, gehe auf die Römer zurück. Angesichts dieses Flusses sollen sie nur ein Wort gefunden haben: una, die Einzige. Es ist leicht, die sprachliche Übertreibung zu verstehen, wenn man am Ufer steht. Das Wasser schimmert, je nach Licht, in Smaragd, Türkis und dunklem Grün.

Es tritt aus einer mächtigen Karstquelle hervor, aus einer Tiefe, die den Fluss zugleich uralt und unwirklich wirken lässt. Oberhalb von Bihać ist die Una an vielen Stellen so klar, dass man, wie uns gesagt wird, direkt aus ihr trinken könne. Der Fluss ist nicht bloß Teil einer Landschaft. Er bildet ein Gegenbild zu allem, was man mit Bosnien gewöhnlich verbindet.

Wer an dieses Land denkt, denkt oft zuerst an Krieg, ethnische Grenzziehungen, an die Belagerung Sarajevos, an Srebrenica, an die komplizierte Architektur des Friedens von Dayton.

Die Una stellt diesen Assoziationen nichts Ideologisches entgegen. Sie fließt unberührt, schneidet sich durch Wald und Stein, nimmt Licht auf und gibt es verändert zurück. In ihrer Gegenwart wirkt die Landschaft versöhnt und zeigt eine andere Möglichkeit des Daseins: Schönheit ohne Erklärung.

Foto: Abu Bakr Rieger/Islamische Zeitung

Rauch über dem Paradies

Nahe Bihać stehen wir auf einem kleinen Campingplatz an einem eiskalten Nebenfluss. Die Umgebung ist von einmaliger Wildheit: Bäume, Felsen, feuchte Erde, die Kühle des Flusses, die an den Füßen sofort in den Körper steigt. Es ist ein Naturparadies.

Zumindest bis wir an den Berghängen, nicht weit entfernt, dünne Rauchsäulen aufsteigen sehen. Wir sprechen den Besitzer des Campingplatzes darauf an. Er lächelt. Nicht spöttisch, nicht sorglos, sondern mit der stillen Gelassenheit, die Menschen besitzen können, die mehr als eine Krise überstanden haben.

Gefährlich werde es, erklärt er, erst dann, wenn man offenes Feuer sehe. Dann könnten Detonationen folgen. Der Bergzug sei im Jugoslawienkrieg von serbischen Truppen vermint worden. Solange wir nichts hörten, sei alles gut.

Es sind Sätze, die sich in die Erinnerung einbrennen, weil sie verschiedene Wirklichkeiten in einem Atemzug verbinden. Vor uns: das kühle Wasser, das Grün der Wälder, die Idylle einer Landschaft. Über uns: Rauch. Unter dem Boden: die Möglichkeit des Krieges.

Vielleicht ist das eine der Wahrheiten Bosniens: Dass die Vergangenheit nicht immer als sichtbares Monument erscheint. Sie liegt nicht nur in Museen, Gedenkorten, Einschusslöchern oder verlassenen Häusern.

Warum wir an den Rand reisen

Zuletzt haben wir einen Essay von Charles Foster „What Are We? Where Are We?“ gelesen. Er stellt zwei grundlegende Fragen: Was ist der Mensch? Und in welcher Wirklichkeit lebt er eigentlich?

Fosters Gedanke ist ebenso einfach wie weitreichend: Der Mensch erkennt sich und die Welt nicht im geschützten Zentrum seiner Gewohnheiten. Er erkennt sich dort, wo Sicherheit, Komfort, Identität und vertraute Ordnung brüchig werden. Am Rand. In der Fremde. In Situationen, in denen die eigenen Deutungsmuster nicht mehr selbstverständlich tragen.

Der Mensch nimmt die Welt nicht nur wahr; er interpretiert sie. Und indem er interpretiert, verwandelt er sie. Foster knüpft dabei, mit Henri Bergson im Hintergrund, an ein Verständnis von Zeit an, das sich gegen die bequeme Vorstellung einer geraden Linie richtet.

Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft folgen nicht einfach aufeinander wie Stationen auf einem Fahrplan. Zeit ähnelt eher einer Welle, einem wachsenden Schneeball oder einem Lavastrom. Die Vergangenheit ist nicht vorbei; sie bleibt in der Gegenwart enthalten. Und die Zukunft ist nicht festgelegt, sondern bildet sich in jedem Augenblick neu.

Warum also Bosnien? Warum der Balkan? Nicht, um eine exotische Kulisse für europäische Selbstvergewisserung zu suchen oder um das „Andere“ konsumierbar zu machen. Sondern weil das Reisen auf dem Balkan tatsächlich an die Ränder des Gewohnten führen kann.

Dort werden feste Selbstbilder durchlässig. Information verwandelt sich in der Begegnung zu einer Erfahrung. Routinen verwandeln sich in Aufmerksamkeit. Das Fremde kann Resonanz erzeugen.

Eine vollständig optimierte Reise durch diese Region, die jede Unsicherheit, jedes Missverständnis und jede Irritation beseitigt, würde möglicherweise gerade jene Schwelle entfernen, an der Erfahrung zur Verwandlung wird. Das ist Fosters anthropologische Begründung des Reisens: Wir suchen nicht nur andere Orte. Wir suchen die Möglichkeit, anders auf die Welt zu sehen.

Foto: CIA, via Wikimedia Commons | Lizenz: gemeinfrei

Balkanische Lektionen

Am Ende dieser Reise bleiben vier Themen, die sich immer wieder miteinander verschränkt haben: Identitätspolitik, Architektur, Perspektiven und die Rolle der Religionen. Die Architektur war dabei nie nur Architektur.

In Belgrad, Tetovo, Skopje oder Sarajevo erzählen Häuser, Brücken, Kirchen, Moscheen, sozialistische Großbauten und Ruinen von Leben, Zugehörigkeit und Verlust. Jede Fassade hatte ihre Zeit. Jede Stadt stellt die Frage, wer hier gewohnt hat, wer vertrieben wurde, wer zurückkehrte und wer die Deutungshoheit über den Raum beansprucht.

Besonders Belgrad hat uns daran erinnert, dass die Zeit nirgendwo stillsteht. Die serbische Hauptstadt lässt sich weder auf die Bilder der 1990er Jahre noch auf eine nationale Selbstbeschreibung reduzieren. Literatur, Gespräche und Beobachtungen haben uns gelehrt, dass es „die Serben“ im Plural einer homogenen Kollektividentität auch während des Jugoslawienkriegs nicht gegeben hat.

Der nationalistischen Politik Slobodan Miloševićs stand stets Opposition gegenüber: in kulturellen Milieus, in politischen Initiativen, in Familien und in intellektuellen Netzwerken, im Widerstand einzelner Menschen gegen die Zumutung, für eine abstrakte Nation zu sprechen.

Das ist keine Entlastung gegenüber der Verantwortung der Geschichte. Aber es ist eine Absage an die Vereinfachung, ohne die Nationalismus nicht funktionieren kann. Nationalistische Politik braucht kollektive Subjekte: „die Serben“, „die Kroaten“, „die Bosniaken“, „die Muslime“ und „die Europäer“.

Wirkliche Gesellschaften bestehen dagegen aus widersprüchlichen Biografien, Abweichungen, Solidaritäten, Ängsten und Hoffnungen. Gerade deshalb interessierte uns der Zusammenhang zwischen Identitätspolitik und Architektur.

Wer ein Gebäude errichtet, restauriert, zerstört oder ignoriert, entscheidet oft auch darüber, welche Geschichte sichtbar bleibt. Die Infrastruktur eines Ortes ermöglicht oder beendet Lebensformen.

Und wenn sich das moderne Leben der verschiedenen Menschen in unserer Zeit immer mehr annähert, ersetzt eine abstrakte Sehnsucht nach Identität, die oft mühsame Neustiftung der eigenen Kultur.

Und immer wieder beobachten wir auf unserer Reisestationen die stille Sehnsucht nach Transzendenz. Nicht ausschließlich – wie wir gesehen haben – in den Moscheen, Kirchen, Klöstern oder Friedhöfen. Religion ist auf dem Balkan weder bloß private Glaubenspraxis noch nur politische Markierung.

Sie kann Erinnerung, Trost, Zugehörigkeit und Abgrenzung zugleich sein. Wer sie allein als Problem betrachtet, versteht ihre Tiefe nicht. Wer sie allein als Lösung verklärt, übersieht ihre politische Instrumentalisierbarkeit.

denken moderne heidegger

Foto: Adobe Stock | Lizenz: Adobe Stock, erworben

Wahrheit als Gespräch

Unsere Reise durch Bosnien hat uns schließlich zu einer philosophischen Frage geführt: Mit welcher Methode lässt sich in einer polarisierten, vielfach geteilten Gesellschaft so etwas wie Wahrheit finden?

Der deutsche Philosoph Hans-Georg Gadamer bietet dafür keinen politischen Masterplan. Seine Hermeneutik – beschrieben in seinem Hauptwerk Wahrheit und Methode – verspricht keine schnelle Konfliktlösung und keine neutrale Position außerhalb der Geschichte.

Aber gerade darin liegt bis heute ihre Stärke. Gadamer erinnert daran, dass Verstehen keine technische Operation ist. Es ist ein Geschehen zwischen Menschen, die ihre Vorannahmen mitbringen, sich ihnen stellen und im Gespräch verändern lassen.

Bosnien und Herzegowina leidet bis heute offensichtlich unter den Folgen eines Friedens, der den Krieg beendete, aber die politischen und ethnischen Grenzen in institutionelle Formen übersetzte.

Das Dayton-Abkommen von 1995 stabilisierte das Land nach dem Krieg; zugleich prägte es ein System, das Bosniaken, Serben und Kroaten als zentrale politische Kategorien festschreibt. Geschichte wird dadurch leicht zur Waffe: Jede Gruppe verfügt über ihre eigene Erzählung des Leids, der Opfer, der Schuld und der Bedrohung.

Gadamer würde vermutlich nicht verlangen, diese Geschichten zu vergessen oder in einer künstlichen Einheitsgeschichte aufzulösen. Der Ausweg liegt nicht im Vergessen. Er liegt in einer anderen Haltung zum eigenen Wissen.

Das sokratische Gespräch

Im politischen Alltag stehen sich heute häufig Monologe gegenüber. Sie sind miteinander verbunden, aber nicht offen füreinander. Jede Seite kennt ihre Argumente, ihre Verletzungen und ihre Erinnerungspolitik. Oft wird verhandelt, als sei jeder Gewinn der einen Seite notwendig der Verlust der anderen.

Gadamers Orientierung am sokratischen Gespräch setzt an einem anderen Punkt an. Ein wirkliches Gespräch beginnt nicht damit, dass man Recht behalten will. Es beginnt damit, dass die Sache selbst wichtiger wird als die Selbstbehauptung der Beteiligten. Wer sich auf ein Gespräch einlässt, muss bereit sein, vom anderen verändert zu werden.

Auf Bosnien übertragen hieße das: Politische Begegnung dürfte nicht allein, als eine Art Nullsummenspiel organisiert, sein. Es müsste ein Raum entstehen, in dem nicht nur Kompromisse verrechnet, sondern gemeinsame Fragen gestellt werden.

Was bedeutet ein würdiges Leben? Welche Schulen wollen wir? Wie schützen wir Wasser, Landschaft und öffentliche Räume? Wie entsteht eine Zukunft, in der junge Menschen nicht auswandern müssen, um frei leben zu können?

Das Ziel wäre nicht die erzwungene Harmonie. Es wäre die Entstehung eines Dritten: eines gemeinsamen Gegenstands, der größer ist als die ethnische Zugehörigkeit. Und dieser Ansatz wird in allen polarisierten Gesellschaften Europas entscheidend für die Möglichkeit eines Miteinanderseins sein. 

Erwartung Ramadan mond astronomie zeit

Foto: Patheos.com

Horizontverschmelzung

Gadamers Begriff der Horizontverschmelzung wird oft missverstanden, als bedeute er die Auflösung von Differenz. Das Gegenteil ist der Fall. Ein Horizont verschmilzt nicht, indem eine Seite verschwindet. Er erweitert sich, weil man erkennt, dass der eigene Blick begrenzt ist.

Jeder Mensch bringt, so Gadamer, Vorurteile mit. Das Wort meint hier nicht einfach falsche Meinungen, sondern historische Vorverständnisse: das, was wir gelernt, erlebt, geerbt und übernommen haben. Ohne solche Vorverständnisse könnten wir die Welt gar nicht deuten.

Gefährlich werden sie, wenn wir sie für vollständig und unangreifbar halten. In Bosnien bedeutet dies: Die Erinnerung an Srebrenica, an die Belagerung Sarajevos, an Vertreibung, Massaker und Verlust bleibt unverzichtbar. Sie darf weder relativiert noch gegen andere Leidensgeschichten ausgespielt werden.

Eine gemeinsame Zukunft kann jedoch nicht entstehen, solange das Leiden des Nachbarn aus dem eigenen Horizont ausgeschlossen bleibt. Horizontverschmelzung wäre deshalb keine Forderung nach Gleichmacherei.

Sie wäre die Bereitschaft, anzuerkennen: Meine Geschichte ist wahr, aber nicht vollständig. Meine Erfahrung begründet Verantwortung, aber kein Monopol auf Wahrheit. Das Leid der anderen bedroht nicht meine Erinnerung; es erweitert die Wirklichkeit, in der ich lebe.

Das Dritte: das Gute

Wie sieht die Zukunft aus? In Gadamers Platon-Deutung steht über den Gesprächspartnern eine Idee: Gerechtigkeit, das Gute und die Wahrheit. Diese Idee gehört keiner Seite. Sie ist das Dritte, an dem beide teilhaben können.

Für Bosnien ist dieser Gedanke eine politische Notwendigkeit. Solange Politik ausschließlich als Vertretung ethnischer Interessen organisiert wird, bleibt sie in der Trostlosigkeit der Geschichte gefangen.

Sobald Menschen sich über Herkunftsgrenzen hinweg für sauberes Wasser, funktionierende Schulen, bezahlbaren Wohnraum, öffentliche Verkehrsmittel, unabhängige Gerichte oder den Kampf gegen Korruption einsetzen, verändert sich der Bezugspunkt. Dann geht es nicht mehr zuerst um die Frage, welche Gruppe gewinnt. Es geht um das gemeinsame Gute.

Foto: Abu Bakr Rieger/Islamische Zeitung

Die bosnische Frage ist europäisch

Aus philosophischer Sicht lässt sich die Spannung vielleicht so fassen: Kulturelle Identität liefert die Substanz, das „Wer bin ich?“. Politische Identität liefert die Form, das „Wie leben wir friedlich zusammen?“.

Wenn die politische Form die kulturelle Substanz bedroht, entsteht Entfremdung. Wenn kulturelle Zugehörigkeit jede gemeinsame politische Form unmöglich macht, zerfällt das Gemeinsame. In Bosnien lässt sich diese Spannung besonders schmerzhaft beobachten. Sie ist jedoch keine ausschließlich bosnische Angelegenheit.

In allen Ländern des Balkans begegneten wir – unabhängig von Religion, Sprache oder kultureller Tradition – einer Bevölkerung, die unter Korruption, Klientelpolitik und der Macht neuer Eliten leidet. Ethnische Konflikte sind nicht die einzige Realität dieser Gesellschaften.

Oft verdecken sie andere Konflikte: zwischen einer jungen, mobilen Generation und den Besitzständen der Vergangenheit; zwischen öffentlichem Interesse und privater Bereicherung; zwischen europäischer Zukunft und nationaler Selbstverengung.

Die entscheidende Frage lautet deshalb: Wird die Jugend erkennen, dass ethnokapitalistische Eliten eine Zukunft jenseits des Nationalismus blockieren? Und wird Europa verstehen, dass seine Verantwortung nicht an den Grenzen der Europäischen Union endet?

Nach der osmanischen Epoche, nach der jugoslawischen Erfahrung, nach den Balkan- und Jugoslawienkriegen liegt in einer europäischen Zugehörigkeit, verstanden als Europa der Regionen und Bürgerinnen und Bürger, eine reale Möglichkeit. Nicht als technische Beitrittslogik und nicht als Wohlstandsversprechen allein.

Sondern als politischer Horizont, in dem Staatenbildung nicht länger den höchsten Preis fordert: neue Opfer, neue Vertreibungen, neue Generationen, die lernen müssen, ihre Nachbarn zu fürchten.

Die bosnische Frage ist deshalb eine europäische Frage. Wie viele Menschen sollen noch für die Herstellung, Verteidigung oder Korrektur von Staatsgrenzen bezahlen? Wie lassen sich kulturelle Unterschiede bewahren, ohne sie in politische Feindschaft zu verwandeln? Und welche Form von Europa wäre stark genug, Vielfalt nicht nur zu tolerieren, sondern in eine gemeinsame politische Praxis zu übersetzen?

Für uns steht fest: Wer den Islam in Europa verstehen will, sollte Sarajevo besuchen. Nicht, weil die Stadt eine einfache Antwort für das Zusammenleben der Religionen bereithielte. Sondern weil sich dort Fragen verdichten, die den ganzen Kontinent betreffen: Kann muslimische Identität selbstverständlich europäisch sein? Kann Europa geistig, kulturell und politisch von seinen muslimischen Bürgerinnen und Bürgern lernen? Kann eine Stadt, die Zerstörung, Belagerung und Wiederaufbau erlebt hat, zum Ort einer anderen europäischen Erzählung werden?

Wie gerade die jungen Muslime diese Grundfragen beantworten, ist nicht sicher. In einigen Gesprächen war eine Sorge um eine mögliche Radikalisierung von Teilen einer frustrierten Generation nicht zu überhören.

Wir verlassen den Balkan mit der Gewissheit, dass wir zurückkehren werden. Nicht, weil wir eine abschließende Antwort auf unsere Fragen gefunden hätten. Eher im Gegenteil: Dieser Raum ist faszinierend, weil er Perspektiven anbietet, die sich endgültigen Urteilen entzieht.

Er zwingt dazu, die Vergangenheit nicht zu vergessen und die Zukunft nicht als bloße Verlängerung des Gewesenen zu denken. Zwischen Sarajevo und Bihać, zwischen Rauch und kaltem Flusswasser, zwischen Minenfeldern und dem Smaragdgrün der Una, wird sichtbar, was Reisen im besten Fall leisten kann: Es bringt die Fragen der Vergangenheit mit den Möglichkeiten der Zukunft in Berührung.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert