, ,

IZ-Reiseblog: Bihać – am Rand der vertrauten Welt

reiseblog Bihać UNA

Im IZ-Reiseblog führt die letzte Etappe der Balkanreise nach Bihać: an die smaragdgrüne Una, in eine Landschaft zwischen Naturparadies und den sichtbaren wie unsichtbaren Spuren des Krieges.

Von dort aus öffnet sich der Blick auf Bosnien – und auf eine Frage, die längst die ganze Welt betrifft: Wie kann Zusammenleben gelingen, wenn Erinnerungen, Identitäten und Grenzen einander noch immer entgegenstehen?

(iz). Es ist die letzte Etappe unserer Balkanreise 2026: Von Sarajevo führt die Straße über Travnik und Jelce zu einer der schönsten Regionen Europas. Unser Ziel ist Bihać, nahe der kroatischen Grenze, im Nordwesten des Landes.

Die Landschaft dort gehört zu den wasserreichsten und ursprünglichsten Naturregionen Südosteuropas. Die Ausläufer des Dinarischen Gebirges reichen bis in dichte Wälder, tiefe Schluchten und Karstformationen hinein. Doch alles wird von einem Element zusammengehalten: der Una.

Ihr Name, so heißt es, gehe auf die Römer zurück. Angesichts dieses Flusses sollen sie nur ein Wort gefunden haben: una, die Einzige. Es ist leicht, die sprachliche Übertreibung zu verstehen, wenn man am Ufer steht. Das Wasser schimmert, je nach Licht, in Smaragd, Türkis und dunklem Grün.

Es tritt aus einer mächtigen Karstquelle hervor, aus einer Tiefe, die den Fluss zugleich uralt und unwirklich wirken lässt. Oberhalb von Bihać ist die Una an vielen Stellen so klar, dass man, wie uns gesagt wird, direkt aus ihr trinken könne. Der Fluss ist nicht bloß Teil einer Landschaft. Er bildet ein Gegenbild zu allem, was man mit Bosnien gewöhnlich verbindet.

Wer an dieses Land denkt, denkt oft zuerst an Krieg, ethnische Grenzziehungen, an die Belagerung Sarajevos, an Srebrenica, an die komplizierte Architektur des Friedens von Dayton.

Die Una stellt diesen Assoziationen nichts Ideologisches entgegen. Sie fließt unberührt, schneidet sich durch Wald und Stein, nimmt Licht auf und gibt es verändert zurück. In ihrer Gegenwart wirkt die Landschaft versöhnt und zeigt eine andere Möglichkeit des Daseins: Schönheit ohne Erklärung.

Foto: Abu Bakr Rieger/Islamische Zeitung

Rauch über dem Paradies

Nahe Bihać stehen wir auf einem kleinen Campingplatz an einem eiskalten Nebenfluss. Die Umgebung ist von einmaliger Wildheit: Bäume, Felsen, feuchte Erde, die Kühle des Flusses, die an den Füßen sofort in den Körper steigt. Es ist ein Naturparadies.

Zumindest bis wir an den Berghängen, nicht weit entfernt, dünne Rauchsäulen aufsteigen sehen. Wir sprechen den Besitzer des Campingplatzes darauf an. Er lächelt. Nicht spöttisch, nicht sorglos, sondern mit der stillen Gelassenheit, die Menschen besitzen können, die mehr als eine Krise überstanden haben.

Gefährlich werde es, erklärt er, erst dann, wenn man offenes Feuer sehe. Dann könnten Detonationen folgen. Der Bergzug sei im Jugoslawienkrieg von serbischen Truppen vermint worden. Solange wir nichts hörten, sei alles gut.

Es sind Sätze, die sich in die Erinnerung einbrennen, weil sie verschiedene Wirklichkeiten in einem Atemzug verbinden. Vor uns: das kühle Wasser, das Grün der Wälder, die Idylle einer Landschaft. Über uns: Rauch. Unter dem Boden: die Möglichkeit des Krieges.

Vielleicht ist das eine der Wahrheiten Bosniens: Dass die Vergangenheit nicht immer als sichtbares Monument erscheint. Sie liegt nicht nur in Museen, Gedenkorten, Einschusslöchern oder verlassenen Häusern.

Warum wir an den Rand reisen

Zuletzt haben wir einen Essay von Charles Foster „What Are We? Where Are We?“ gelesen. Er stellt zwei grundlegende Fragen: Was ist der Mensch? Und in welcher Wirklichkeit lebt er eigentlich?

Fosters Gedanke ist ebenso einfach wie weitreichend: Der Mensch erkennt sich und die Welt nicht im geschützten Zentrum seiner Gewohnheiten. Er erkennt sich dort, wo Sicherheit, Komfort, Identität und vertraute Ordnung brüchig werden. Am Rand. In der Fremde. In Situationen, in denen die eigenen Deutungsmuster nicht mehr selbstverständlich tragen.

Der Mensch nimmt die Welt nicht nur wahr; er interpretiert sie. Und indem er interpretiert, verwandelt er sie. Foster knüpft dabei, mit Henri Bergson im Hintergrund, an ein Verständnis von Zeit an, das sich gegen die bequeme Vorstellung einer geraden Linie richtet.

Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft folgen nicht einfach aufeinander wie Stationen auf einem Fahrplan. Zeit ähnelt eher einer Welle, einem wachsenden Schneeball oder einem Lavastrom. Die Vergangenheit ist nicht vorbei; sie bleibt in der Gegenwart enthalten. Und die Zukunft ist nicht festgelegt, sondern bildet sich in jedem Augenblick neu.

Warum also Bosnien? Warum der Balkan? Nicht, um eine exotische Kulisse für europäische Selbstvergewisserung zu suchen oder um das „Andere“ konsumierbar zu machen. Sondern weil das Reisen auf dem Balkan tatsächlich an die Ränder des Gewohnten führen kann.

Dort werden feste Selbstbilder durchlässig. Information verwandelt sich in der Begegnung zu einer Erfahrung. Routinen verwandeln sich in Aufmerksamkeit. Das Fremde kann Resonanz erzeugen.

Eine vollständig optimierte Reise durch diese Region, die jede Unsicherheit, jedes Missverständnis und jede Irritation beseitigt, würde möglicherweise gerade jene Schwelle entfernen, an der Erfahrung zur Verwandlung wird. Das ist Fosters anthropologische Begründung des Reisens: Wir suchen nicht nur andere Orte. Wir suchen die Möglichkeit, anders auf die Welt zu sehen.

Foto: CIA, via Wikimedia Commons | Lizenz: gemeinfrei

Balkanische Lektionen

Am Ende dieser Reise bleiben vier Themen, die sich immer wieder miteinander verschränkt haben: Identitätspolitik, Architektur, Perspektiven und die Rolle der Religionen. Die Architektur war dabei nie nur Architektur.

In Belgrad, Tetovo, Skopje oder Sarajevo erzählen Häuser, Brücken, Kirchen, Moscheen, sozialistische Großbauten und Ruinen von Leben, Zugehörigkeit und Verlust. Jede Fassade hatte ihre Zeit. Jede Stadt stellt die Frage, wer hier gewohnt hat, wer vertrieben wurde, wer zurückkehrte und wer die Deutungshoheit über den Raum beansprucht.

Besonders Belgrad hat uns daran erinnert, dass die Zeit nirgendwo stillsteht. Die serbische Hauptstadt lässt sich weder auf die Bilder der 1990er Jahre noch auf eine nationale Selbstbeschreibung reduzieren. Literatur, Gespräche und Beobachtungen haben uns gelehrt, dass es „die Serben“ im Plural einer homogenen Kollektividentität auch während des Jugoslawienkriegs nicht gegeben hat.

Der nationalistischen Politik Slobodan Miloševićs stand stets Opposition gegenüber: in kulturellen Milieus, in politischen Initiativen, in Familien und in intellektuellen Netzwerken, im Widerstand einzelner Menschen gegen die Zumutung, für eine abstrakte Nation zu sprechen.

Das ist keine Entlastung gegenüber der Verantwortung der Geschichte. Aber es ist eine Absage an die Vereinfachung, ohne die Nationalismus nicht funktionieren kann. Nationalistische Politik braucht kollektive Subjekte: „die Serben“, „die Kroaten“, „die Bosniaken“, „die Muslime“ und „die Europäer“.

Wirkliche Gesellschaften bestehen dagegen aus widersprüchlichen Biografien, Abweichungen, Solidaritäten, Ängsten und Hoffnungen. Gerade deshalb interessierte uns der Zusammenhang zwischen Identitätspolitik und Architektur.

Wer ein Gebäude errichtet, restauriert, zerstört oder ignoriert, entscheidet oft auch darüber, welche Geschichte sichtbar bleibt. Die Infrastruktur eines Ortes ermöglicht oder beendet Lebensformen.

Und wenn sich das moderne Leben der verschiedenen Menschen in unserer Zeit immer mehr annähert, ersetzt eine abstrakte Sehnsucht nach Identität, die oft mühsame Neustiftung der eigenen Kultur.

Und immer wieder beobachten wir auf unserer Reisestationen die stille Sehnsucht nach Transzendenz. Nicht ausschließlich – wie wir gesehen haben – in den Moscheen, Kirchen, Klöstern oder Friedhöfen. Religion ist auf dem Balkan weder bloß private Glaubenspraxis noch nur politische Markierung.

Sie kann Erinnerung, Trost, Zugehörigkeit und Abgrenzung zugleich sein. Wer sie allein als Problem betrachtet, versteht ihre Tiefe nicht. Wer sie allein als Lösung verklärt, übersieht ihre politische Instrumentalisierbarkeit.

denken moderne heidegger

Foto: Adobe Stock | Lizenz: Adobe Stock, erworben

Wahrheit als Gespräch

Unsere Reise durch Bosnien hat uns schließlich zu einer philosophischen Frage geführt: Mit welcher Methode lässt sich in einer polarisierten, vielfach geteilten Gesellschaft so etwas wie Wahrheit finden?

Der deutsche Philosoph Hans-Georg Gadamer bietet dafür keinen politischen Masterplan. Seine Hermeneutik – beschrieben in seinem Hauptwerk Wahrheit und Methode – verspricht keine schnelle Konfliktlösung und keine neutrale Position außerhalb der Geschichte.

Aber gerade darin liegt bis heute ihre Stärke. Gadamer erinnert daran, dass Verstehen keine technische Operation ist. Es ist ein Geschehen zwischen Menschen, die ihre Vorannahmen mitbringen, sich ihnen stellen und im Gespräch verändern lassen.

Bosnien und Herzegowina leidet bis heute offensichtlich unter den Folgen eines Friedens, der den Krieg beendete, aber die politischen und ethnischen Grenzen in institutionelle Formen übersetzte.

Das Dayton-Abkommen von 1995 stabilisierte das Land nach dem Krieg; zugleich prägte es ein System, das Bosniaken, Serben und Kroaten als zentrale politische Kategorien festschreibt. Geschichte wird dadurch leicht zur Waffe: Jede Gruppe verfügt über ihre eigene Erzählung des Leids, der Opfer, der Schuld und der Bedrohung.

Gadamer würde vermutlich nicht verlangen, diese Geschichten zu vergessen oder in einer künstlichen Einheitsgeschichte aufzulösen. Der Ausweg liegt nicht im Vergessen. Er liegt in einer anderen Haltung zum eigenen Wissen.

Das sokratische Gespräch

Im politischen Alltag stehen sich heute häufig Monologe gegenüber. Sie sind miteinander verbunden, aber nicht offen füreinander. Jede Seite kennt ihre Argumente, ihre Verletzungen und ihre Erinnerungspolitik. Oft wird verhandelt, als sei jeder Gewinn der einen Seite notwendig der Verlust der anderen.

Gadamers Orientierung am sokratischen Gespräch setzt an einem anderen Punkt an. Ein wirkliches Gespräch beginnt nicht damit, dass man Recht behalten will. Es beginnt damit, dass die Sache selbst wichtiger wird als die Selbstbehauptung der Beteiligten. Wer sich auf ein Gespräch einlässt, muss bereit sein, vom anderen verändert zu werden.

Auf Bosnien übertragen hieße das: Politische Begegnung dürfte nicht allein, als eine Art Nullsummenspiel organisiert, sein. Es müsste ein Raum entstehen, in dem nicht nur Kompromisse verrechnet, sondern gemeinsame Fragen gestellt werden.

Was bedeutet ein würdiges Leben? Welche Schulen wollen wir? Wie schützen wir Wasser, Landschaft und öffentliche Räume? Wie entsteht eine Zukunft, in der junge Menschen nicht auswandern müssen, um frei leben zu können?

Das Ziel wäre nicht die erzwungene Harmonie. Es wäre die Entstehung eines Dritten: eines gemeinsamen Gegenstands, der größer ist als die ethnische Zugehörigkeit. Und dieser Ansatz wird in allen polarisierten Gesellschaften Europas entscheidend für die Möglichkeit eines Miteinanderseins sein. 

Erwartung Ramadan mond astronomie zeit

Foto: Patheos.com

Horizontverschmelzung

Gadamers Begriff der Horizontverschmelzung wird oft missverstanden, als bedeute er die Auflösung von Differenz. Das Gegenteil ist der Fall. Ein Horizont verschmilzt nicht, indem eine Seite verschwindet. Er erweitert sich, weil man erkennt, dass der eigene Blick begrenzt ist.

Jeder Mensch bringt, so Gadamer, Vorurteile mit. Das Wort meint hier nicht einfach falsche Meinungen, sondern historische Vorverständnisse: das, was wir gelernt, erlebt, geerbt und übernommen haben. Ohne solche Vorverständnisse könnten wir die Welt gar nicht deuten.

Gefährlich werden sie, wenn wir sie für vollständig und unangreifbar halten. In Bosnien bedeutet dies: Die Erinnerung an Srebrenica, an die Belagerung Sarajevos, an Vertreibung, Massaker und Verlust bleibt unverzichtbar. Sie darf weder relativiert noch gegen andere Leidensgeschichten ausgespielt werden.

Eine gemeinsame Zukunft kann jedoch nicht entstehen, solange das Leiden des Nachbarn aus dem eigenen Horizont ausgeschlossen bleibt. Horizontverschmelzung wäre deshalb keine Forderung nach Gleichmacherei.

Sie wäre die Bereitschaft, anzuerkennen: Meine Geschichte ist wahr, aber nicht vollständig. Meine Erfahrung begründet Verantwortung, aber kein Monopol auf Wahrheit. Das Leid der anderen bedroht nicht meine Erinnerung; es erweitert die Wirklichkeit, in der ich lebe.

Das Dritte: das Gute

Wie sieht die Zukunft aus? In Gadamers Platon-Deutung steht über den Gesprächspartnern eine Idee: Gerechtigkeit, das Gute und die Wahrheit. Diese Idee gehört keiner Seite. Sie ist das Dritte, an dem beide teilhaben können.

Für Bosnien ist dieser Gedanke eine politische Notwendigkeit. Solange Politik ausschließlich als Vertretung ethnischer Interessen organisiert wird, bleibt sie in der Trostlosigkeit der Geschichte gefangen.

Sobald Menschen sich über Herkunftsgrenzen hinweg für sauberes Wasser, funktionierende Schulen, bezahlbaren Wohnraum, öffentliche Verkehrsmittel, unabhängige Gerichte oder den Kampf gegen Korruption einsetzen, verändert sich der Bezugspunkt. Dann geht es nicht mehr zuerst um die Frage, welche Gruppe gewinnt. Es geht um das gemeinsame Gute.

Foto: Abu Bakr Rieger/Islamische Zeitung

Die bosnische Frage ist europäisch

Aus philosophischer Sicht lässt sich die Spannung vielleicht so fassen: Kulturelle Identität liefert die Substanz, das „Wer bin ich?“. Politische Identität liefert die Form, das „Wie leben wir friedlich zusammen?“.

Wenn die politische Form die kulturelle Substanz bedroht, entsteht Entfremdung. Wenn kulturelle Zugehörigkeit jede gemeinsame politische Form unmöglich macht, zerfällt das Gemeinsame. In Bosnien lässt sich diese Spannung besonders schmerzhaft beobachten. Sie ist jedoch keine ausschließlich bosnische Angelegenheit.

In allen Ländern des Balkans begegneten wir – unabhängig von Religion, Sprache oder kultureller Tradition – einer Bevölkerung, die unter Korruption, Klientelpolitik und der Macht neuer Eliten leidet. Ethnische Konflikte sind nicht die einzige Realität dieser Gesellschaften.

Oft verdecken sie andere Konflikte: zwischen einer jungen, mobilen Generation und den Besitzständen der Vergangenheit; zwischen öffentlichem Interesse und privater Bereicherung; zwischen europäischer Zukunft und nationaler Selbstverengung.

Die entscheidende Frage lautet deshalb: Wird die Jugend erkennen, dass ethnokapitalistische Eliten eine Zukunft jenseits des Nationalismus blockieren? Und wird Europa verstehen, dass seine Verantwortung nicht an den Grenzen der Europäischen Union endet?

Nach der osmanischen Epoche, nach der jugoslawischen Erfahrung, nach den Balkan- und Jugoslawienkriegen liegt in einer europäischen Zugehörigkeit, verstanden als Europa der Regionen und Bürgerinnen und Bürger, eine reale Möglichkeit. Nicht als technische Beitrittslogik und nicht als Wohlstandsversprechen allein.

Sondern als politischer Horizont, in dem Staatenbildung nicht länger den höchsten Preis fordert: neue Opfer, neue Vertreibungen, neue Generationen, die lernen müssen, ihre Nachbarn zu fürchten.

Die bosnische Frage ist deshalb eine europäische Frage. Wie viele Menschen sollen noch für die Herstellung, Verteidigung oder Korrektur von Staatsgrenzen bezahlen? Wie lassen sich kulturelle Unterschiede bewahren, ohne sie in politische Feindschaft zu verwandeln? Und welche Form von Europa wäre stark genug, Vielfalt nicht nur zu tolerieren, sondern in eine gemeinsame politische Praxis zu übersetzen?

Für uns steht fest: Wer den Islam in Europa verstehen will, sollte Sarajevo besuchen. Nicht, weil die Stadt eine einfache Antwort für das Zusammenleben der Religionen bereithielte. Sondern weil sich dort Fragen verdichten, die den ganzen Kontinent betreffen: Kann muslimische Identität selbstverständlich europäisch sein? Kann Europa geistig, kulturell und politisch von seinen muslimischen Bürgerinnen und Bürgern lernen? Kann eine Stadt, die Zerstörung, Belagerung und Wiederaufbau erlebt hat, zum Ort einer anderen europäischen Erzählung werden?

Wie gerade die jungen Muslime diese Grundfragen beantworten, ist nicht sicher. In einigen Gesprächen war eine Sorge um eine mögliche Radikalisierung von Teilen einer frustrierten Generation nicht zu überhören.

Wir verlassen den Balkan mit der Gewissheit, dass wir zurückkehren werden. Nicht, weil wir eine abschließende Antwort auf unsere Fragen gefunden hätten. Eher im Gegenteil: Dieser Raum ist faszinierend, weil er Perspektiven anbietet, die sich endgültigen Urteilen entzieht.

Er zwingt dazu, die Vergangenheit nicht zu vergessen und die Zukunft nicht als bloße Verlängerung des Gewesenen zu denken. Zwischen Sarajevo und Bihać, zwischen Rauch und kaltem Flusswasser, zwischen Minenfeldern und dem Smaragdgrün der Una, wird sichtbar, was Reisen im besten Fall leisten kann: Es bringt die Fragen der Vergangenheit mit den Möglichkeiten der Zukunft in Berührung.

, , ,

Europa endet nicht an EU-Grenzen: Unterstützt unsere Balkan-Recherche auf commonsplace.de!

europa kampagne balkan reise

Sarajevo, Tirana, Skopje: IZ-Herausgeber Abu Bakr Rieger reist für uns an Orte, über die zu selten berichtet wird.

(iz). Aus Gesprächen mit Schriftstellern, Historikern, Journalistin und Aktivisten sollen Videos, Essays und ein Buch entstehen. Damit diese Recherche stattfinden kann, brauchen wir eure Unterstützung auf commonsplace.de.

Der Westbalkan ist kein ferner Rand Europas. In Sarajevo, Belgrad, Tirana oder Skopje wird verhandelt, was Zugehörigkeit, Erinnerung, Religion und europäische Zukunft heute bedeuten. Trotzdem erscheint die Region in deutschen Medien meist erst dann, wenn eine Krise aufbricht. Wir wollen vorher hinsehen.

Abu Bakr Rieger, Herausgeber der „Islamischen Zeitung“, reist durch die Region. Er sucht nicht die schnelle Schlagzeile und keine Reisebilder für den nächsten Feed. Er spricht mit Menschen, die ihre Gesellschaften von innen kennen.

Was sie erzählen, soll nicht nach zwei Wochen verschwinden. Aus der Reise entstehen Beiträge vor Ort, ein Bericht für Unterstützer und ein Buchprojekt für eine deutschsprachige Leserschaft.

Diese Recherche soll über die Crowdfunding-Plattform commonsplace.de mit finanziert werden. Sie verbindet Projekte mit einer Community, die Bildung, Kultur und eigenständige muslimische Initiativen gemeinsam möglich macht.

Jeder Beitrag hilft konkret: bei Wegen zwischen den Städten, Übersetzungen, Unterkünften, Kameraarbeit und zusätzlichen Tagen für Gespräche, die nicht unter Zeitdruck geführt werden müssen.

Unterstützt das Balkan-Projekt auf commonsplace.de. Denn unabhängiger Journalismus beginnt dort, wo Menschen bereit sind, Fragen mitzutragen, die sonst niemand stellt.

Europa beginnt nicht erst in Brüssel

Wer verstehen will, wie unser Kontinent aussieht, wenn es nicht aus Brüssel oder Berlin betrachtet wird, muss an seine Ränder fahren. Nach Sarajevo, Tirana und Skopje zum Beispiel: in Städte, in denen Geschichte nicht im Museum endet, sondern in Namen, Sprachen, Grenzen, Familiengeschichten und politischen Fragen weiterarbeitet.

Dorthin führt eine laufende Recherche der IZ. Unser Herausgeber, Abu Bakr Rieger, ist hier unterwegs, führt Gespräche, hört zu und fragt nach. Es geht nicht um den Balkan als Projektionsfläche. Nicht um die vertraute Erzählung von Konflikt, Rückständigkeit oder „Pulverfass“.

Was bedeutet Europa für eine junge Bosnierin? Woran arbeitet ein albanischer Denker, wenn er über Gegenwart und Zukunft seines Landes spricht? Wie erzählt ein Historiker in Nordmazedonien seiner Tochter, wer sie ist, ohne die Geschichte in eine Waffe zu verwandeln? Solche Fragen lassen sich nicht vom Schreibtisch aus beantworten.

Diese Region liegt nicht außerhalb Europas. Gerade deshalb lohnt der Blick. In den Ländern treffen Erwartungen an eine europäische Zukunft auf offene nationale Fragen, wirtschaftlichen Druck, die Folgen von Kriegen und Umbrüchen sowie auf alte und neue Interessen von außen.

Wer über den Westbalkan spricht, spricht über die Reichweite Europas, aber auch über die Grenzen einer Politik, die Beitrittsperspektiven verspricht und Geduld verlangt.

Für muslimische Leser ist die Region zudem kein exotischer Nebenraum: Bosnien und Albanien gehören zu den prägenden europäischen Orten muslimischen Lebens;. In Nordmazedonien ist eine bunte muslimische Gemeinschaft Teil des gesellschaftlichen Gefüges. Ihre Erfahrungen verdienen mehr als die kurze Aufmerksamkeit, die ihnen zuteilwird, wenn etwas eskaliert.

Unsere Reise soll daraus keine schnelle Lagebeschreibung machen. Während der Fahrt entstehen Videos, Reiseposts und Essays. Nach der Rückkehr erhalten die Unterstützer einen Abschlussbericht. Die Gespräche, Beobachtungen und Recherchen sollen außerdem in ein Buch einfließen.

Das ist der Unterschied zwischen einer Reise und einer bloßen Durchfahrt: Eine Reise endet mit der Rückkehr; gute Recherche arbeitet danach weiter. Sie ordnet Eindrücke, prüft Widersprüche, lässt Stimmen nebeneinanderstehen und bewahrt etwas für Menschen auf, die nie an diesen Orten sein werden.

Das Reisen in unserer Tradition

Reisen hat in unserer Tradition ohnehin nie nur Erholung bedeutet. Das arabische safar ist Bewegung, aber auch Unterbrechung der Gewohnheit. Der Qur’an fordert dazu auf, auf der Erde umherzugehen und nach dem Ausgang früherer Gemeinschaften zu schauen.

Die Aufforderung ist keine Einladung zur Kulisse, sondern zur Betrachtung: Macht ist nicht dauerhaft, Städte tragen Schichten von Erinnerung, und niemand versteht die Gegenwart ohne ihre Vorgeschichte.

Die Wege von Musa, Yusuf und Yunus sind Pfade der Prüfung, des Verlusts und der Erkenntnis. Die Hidschra, die Handelswege und die Reisen der Gelehrten machen deutlich: Wissen hat oft einen Weg vor sich.

Auch die Reise des Propheten, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, ist nicht als Flucht aus der Welt zu lesen. Isra und Mi’raj verbinden den geschützten Ort in Mekka mit Al-Aqsa und verknüpfen Nähe zu Allah mit einer wirklichen Geographie.

Beteiligt euch an der Recherche

Darum bitten wir nicht um Geld für eine Reise als Privatvergnügen, sondern um Beteiligung an einer Recherche, die Zeit, Wege, Übersetzung und sorgfältige Produktion braucht. Reisekosten und Transporte vor Ort, Unterkünfte in drei Ländern, Dolmetscher und Kontaktleute, Video, Schnitt und Material sowie Plattform- und Zahlungsgebühren ergeben zusammen 6.000 Euro.

Für uns sind keine Honorare vorgesehen. Wenn mehr zusammenkommt, finanziert es zusätzliche Recherchetage und die Arbeit am Buch.

Unterstützt die Reise auf commonsplace.de, teilt sie – z.B. in Zirkeln, Freundeskreisen und Projekten. Ein kleiner Beitrag trägt ein Stück Weg: zum Gespräch in Sarajevo, zur Übersetzung in Tirana, zu einem weiteren Tag in Skopje, zu einem Text, der nicht nach dem nächsten Nachrichtenzyklus verschwindet. Wir fahren los, um hinzusehen.

Es geht bei diesem Projekt nicht darum, eine vorgefasste Sichtweise auf eine relevante Region Europas durch die eigene zu ersetzen.

Vielmehr strebt es das an, was Reisen im tieferen Sinn sein sollte: Etwas mit eigenen Augen zu sehen und die Menschen vor Ort sowie ihre Lebensweise und Kultur selbst zu Wort kommen zu lassen.

Link zur Kampagne: https://commonsplace.de/project/balkan

Link zu Commonsplace: https://commonsplace.de

, ,

Der türkische Balkan oder was Südosteuropa gerne vergisst

balkan serbien

Unser Autor Robert Rigney bereist gerne und oft den Balkan. Am Beispiel Serbien fällt ihm auf, wie sehr dortige Gesellschaften ihr Erbe unterschlagen. (iz). Je tiefer ich in den Balkan […]

IZ+

Weiterlesen mit dem IZ+ (Monatsabo)

Mit unserem digitalen Abonnement IZ+ – Onlineabo, Kombi Print & IZ+ or Das IZ-Förder-Abo können Sie weitere Hintergrundbeiträge, Analysen und Interviews abrufen. Gegen einen Monatsbeitrag von 3,50 € können Sie das erweiterte Angebot der Islamischen Zeitung sowie das ständig wachsende Archiv nutzen.

Abonnenten der IZ-Print sparen beim IZ+ Abo 50%.

Wenn Sie bereits IZ+ Abonnent sind können Sie sich hier einloggen.

* Einfach, schnell und sicher bezahlen per Paypal, Kredit-Karte, Lastschrift oder Banküberweisung. Das IZ+ Abo verlängert sich automatisch um einen Monat, wenn es nicht vorher gekündigt wurde. Sie können ihr bestehendes Abo jederzeit auf der Mein Konto-Seite kündigen.

, ,

Reiseblog Westbalkan: Olympia oder die Monotonisierung der Welt

Monotonisierung

IZ-Herausgeber Abu Bakr Rieger auf den Spuren von Evliya Çelebi: Schon Stefan Zweig beklagte die Monotonisierung der Welt.

(iz). Im griechischen Olympia gibt es in einer touristisch geprägten Straße einen Buchladen. Unter den Klängen einer Sinfonie von Beethoven stöbere ich allein in der Abteilung für englische und deutsche Bücher, bis mich der Eigentümer entdeckt. Wir kommen ins Gespräch und ich erzähle ihm von unserer Odysee.

„Reisen“, seufzt er und zuckt mit den Achseln, „ist eine Bewegung, von der ich lebe, aber ich erwarte davon nichts mehr. Zu viele Leute sind heutzutage unterwegs, um zu erfahren, dass alle gleich sind!“ Ich kaufe ein Buch bei ihm und bezahle. Zum Abschied drückt der Buchhändler mir einen deutschen Text mit dem Titel „Die Monotonisierung der Welt“ in die Hand und wendet sich dann wieder seiner Wirklichkeit zu.

Foto: Breve Storia del Cinema, via flickr | Lizenz: Public Domain

Schon Stefan Zweig beklagte die Monotonisierung der Welt

Im Café lesen wir das uns überlassene Dokument aus dem Jahr 1925, geschrieben vom österreichischen Schriftsteller Stefan Zweig. Vor einem Jahrhundert beklagte er, trotz der Beglückung des Reisens an sich, ein leises Grauen vor der Monotonisierung der Welt.

„Alles wird gleichförmiger in den äußeren Lebensformen, alles nivelliert sich auf ein einheitliches kulturelles Schema. (…) Immer mehr scheinen die Länder gleichsam ineinander geschoben, die Menschen nach einem Schema tätig und lebendig, immer mehr Städte einander äußerlich ähnlich.“ Er fragte nach dem Ursprung der Welle, die das Farbige, das Eigenförmige aus dem Leben wegzuschwemmen droht. 

Stefan Zweig war ein großer Schriftsteller mit einem tragischen Schicksal, aber der Grundaussage des Textes – die wohl den Buchhändler überzeugte – stimmen wir nicht zu.

Minarette

Foto: Tharik Hussain

Auf dem Balkan erlebt man das Gegenteil

Auf unserer Reise durch Bosnien, Montenegro und Albanien lernten wir Regionen kennen, die aus vielen Gründen große Unterschiede – im Kulturellen, Religiösen und Politischen – aufweisen. Dabei ist uns nicht entgangen, dass die Gewohnheiten des Konsums, des Tourismus und die Rolle der Smartphones sich an vielen Orten gleichen.

Aber es sind die Begegnungen mit den Menschen, die sich aus unterschiedlichen geistigen Dimensionen speisen, die uns nicht daran glauben lassen, dass sich tatsächlich eine Monotonisierung der Welt vollzieht.

An vielen Orten beobachtet man den Versuch, das eigene Erbe nicht nur zu bewahren, sondern zu aktualisieren. Dabei wirken bittere Erfahrungen mit den modernen Ideologien nach. Nicht zuletzt fanden wir angenehm, dass in diesen Ländern der Tourismus sich in einer eher sanften Form entfaltet, ohne das originäre Leben zu verdrängen.

Vielleicht ist es die Rolle der Religionen, sich der vollständigen Materialisierung der Welt, mit ihren Riten, Weisheiten und Gebräuchen, entgegenzustellen. Der Charakter der Menschen, ihre Moral, ihre Offenheit für das Andere und nicht zuletzt die Gastfreundschaft nähren sich aus unsichtbaren Quellen. Hierher gehören die Erzählungen, deren Bedeutung bis heute nachklingen.

Foto: OSCE

Albanische Gastfreundschaft widersetzte sich dem Vernichtungswillen der Nazis

Ein Beispiel hierzu ist eine bedenkenswerte Episode aus der Geschichte Albaniens, die Robert Menasse erzählt. In der Zeit der Besetzung durch die Nazis scheiterte der Versuch, die Juden in dem Land zu verfolgen, an der gewohnheitsrechtlichen Rolle der Gastfreundschaft.

Das traditionelle Gesetz wurde von den Einheimischen über die Forderungen der Besatzer gestellt. Albanien war, von all den Ländern, die von der Wehrmacht besetzt waren, das Einzige, in dem es nach dem Krieg mehr Juden gab, als vorher.

Gerade wenn die ungeheure Macht der Technik und die Angleichung der Lebensgewohnheiten weiter voranschreiten, ist es nicht unwahrscheinlich, dass sich viele EuropäerInnen wieder stärker auf ihre Wurzeln besinnen. In diesen Räumen – so die Hoffnung – wird weder ein Materialismus noch ein Nationalismus das tiefere, geistige Leben vollständig verdrängen. Vielfalt statt Uniformität ist die Devise dieser Tradition.

Ohne Zweifel gehört der Islam zur europäischen Geistesgeschichte. Seine zivilisatorischen Beiträge liegen offen zu Tage, zum Beispiel in einer Stadtentwicklung, die Moscheen, Kirchen und Synagogen einen Platz einräumt oder aber, sie sind als Tugenden und Mentalitäten – man denke nur an die Gastfreundschaft – präsent. 

Tharik Hussain nennt dieses Phänomen das unvermutete Europa. Es liegt an uns, diese Seite der Vergangenheit bekannter zu machen. Denn, wie Hussain schreibt: „Die Bemühungen, die muslimische Geschichte unseres Kontinents zu ignorieren, auszuradieren, umzuschreiben oder einfach unter den Teppich zu kehren, waren so vehement und umfassend, dass selbst die Menschen, die in muslimischen Ländern lebten, nicht mehr mit ihr vertraut waren.“

,

Reiseblog Westbalkan: Unterwegs in Mostar

mostar

IZ-Herausgeber Abu Bakr Rieger auf den Spuren von Evliya Çelebi: Die eigene Anschauung liefert einen geschärften Blick auf ein Mostar, das ein menschliches Maß bietet.

(iz). Vor einigen Jahrzehnten war ich das erste Mal in Mostar. Nicht weit von der alten Brücke besuchte ich mit meinen kulturell interessierten Eltern die Koshi Mehmet Pasha Moschee. Der freundliche Imam bot damals an, mich auf das Minarett mit hochzunehmen. Der Eindruck der von Bergen eingerahmten Stadt mit ihren Kirchen und Moscheen blieb mir in Erinnerung.

Heute sitze ich nach dem Nachmittagsgebet in der Herbstsonne und lese ein Reisetagebuch des österreichischen Schriftstellers Robert Michel. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war er als Soldat in der Stadt stationiert.

reiseblogmostar

Fotos: Autor

Einfühlsam beschreibt er die alltäglichen Riten der Muslime, ihre Beerdigungen und Hochzeiten und das Treiben der Händler. Er schärft meinen Blick auf ein erstaunliches Phänomen: Jeder Moscheegarten in Mostar ist von einer bestimmten Baumart und dem Gesang unterschiedlicher Vögel geprägt. 

Über die Hauptmoschee schreibt er zum Beispiel: „Als Gegenstück zu dem lichten Minarett erhebt sich an der anderen Seite der Kuppel eine dunkle Zypresse. So haben die meisten Moscheen einen oder mehrere Bäume, die mit ihrem lebendigen Bau ein holdes Widerspiel geben zu der steinernen Ruhe der grauen Minarette. Und in den Zweigen beherbergen diese Bäume jene Vögel, die sich dem Schutz des heiligen Ortes anvertrauen.“

mostaraltstadtreiseblog

Fotos: Autor

Robert Michel ist ein verstehender Beobachter der sichtbaren Seite des Islam. Es fällt auf, dass er kaum von direkten Begegnungen mit Muslimen berichtet. Wäre er dafür offen gewesen? Man weiß es nicht. 

Über der Stadt klingen wieder die Gebetsrufe. Ich schätzte nicht nur die kurze Distanz zur Moschee in der Nachbarschaft, sondern bewundere überhaupt das Maß, das die Gebäude selbst verkörpern. Wen das Schicksal in das Innere führt, findet dort eine dichte, friedliche Atmosphäre vor.

, ,

Balkan: Drohen neue Kriege?

balkan

Am Nationalfeiertag präsentierte Serbiens Regierung ein neues Militärarsenal – alles angeschafft aus Moskau. Balkan-Experten sehen dunkle Wolken aufziehen. (KNA). Demonstranten, die Brandbomben auf Nato-Soldaten werfen; Extremisten, die sich eine stundenlange […]

IZ+

Weiterlesen mit dem IZ+ (Monatsabo)

Mit unserem digitalen Abonnement IZ+ – Onlineabo, Kombi Print & IZ+ or Das IZ-Förder-Abo können Sie weitere Hintergrundbeiträge, Analysen und Interviews abrufen. Gegen einen Monatsbeitrag von 3,50 € können Sie das erweiterte Angebot der Islamischen Zeitung sowie das ständig wachsende Archiv nutzen.

Abonnenten der IZ-Print sparen beim IZ+ Abo 50%.

Wenn Sie bereits IZ+ Abonnent sind können Sie sich hier einloggen.

* Einfach, schnell und sicher bezahlen per Paypal, Kredit-Karte, Lastschrift oder Banküberweisung. Das IZ+ Abo verlängert sich automatisch um einen Monat, wenn es nicht vorher gekündigt wurde. Sie können ihr bestehendes Abo jederzeit auf der Mein Konto-Seite kündigen.

,

Auf dem Rad nach Bosnien

bosnien

Unser Autor fuhr mit den Rad nach Bosnien. Es war auch eine Reise zum europäischen Islam. (iz). Ich liebe meinen Weg zum Islam. Manchmal war es im wahrsten Sinne des […]

IZ+

Weiterlesen mit dem IZ+ (Monatsabo)

Mit unserem digitalen Abonnement IZ+ – Onlineabo, Kombi Print & IZ+ or Das IZ-Förder-Abo können Sie weitere Hintergrundbeiträge, Analysen und Interviews abrufen. Gegen einen Monatsbeitrag von 3,50 € können Sie das erweiterte Angebot der Islamischen Zeitung sowie das ständig wachsende Archiv nutzen.

Abonnenten der IZ-Print sparen beim IZ+ Abo 50%.

Wenn Sie bereits IZ+ Abonnent sind können Sie sich hier einloggen.

* Einfach, schnell und sicher bezahlen per Paypal, Kredit-Karte, Lastschrift oder Banküberweisung. Das IZ+ Abo verlängert sich automatisch um einen Monat, wenn es nicht vorher gekündigt wurde. Sie können ihr bestehendes Abo jederzeit auf der Mein Konto-Seite kündigen.

, ,

Jugend in Kosovo 2023: „Wir gehen nicht, weil wir unser Land nicht mögen“

Kosovo Fahne

Seit zwei Jahren hat das Kosovo eine neue Regierung. Es tut sich was im Land, doch nach wie vor wollen viele junge Menschen gehen. Was hält sie, was treibt sie […]

IZ+

Weiterlesen mit dem IZ+ (Monatsabo)

Mit unserem digitalen Abonnement IZ+ – Onlineabo, Kombi Print & IZ+ or Das IZ-Förder-Abo können Sie weitere Hintergrundbeiträge, Analysen und Interviews abrufen. Gegen einen Monatsbeitrag von 3,50 € können Sie das erweiterte Angebot der Islamischen Zeitung sowie das ständig wachsende Archiv nutzen.

Abonnenten der IZ-Print sparen beim IZ+ Abo 50%.

Wenn Sie bereits IZ+ Abonnent sind können Sie sich hier einloggen.

* Einfach, schnell und sicher bezahlen per Paypal, Kredit-Karte, Lastschrift oder Banküberweisung. Das IZ+ Abo verlängert sich automatisch um einen Monat, wenn es nicht vorher gekündigt wurde. Sie können ihr bestehendes Abo jederzeit auf der Mein Konto-Seite kündigen.

, ,

In Albanien auf den Spuren von Ali Pascha

Albanien Ali Pascha

Über Albanien herrscht massenhaft Unwissenheit im Westen. Und es gibt kaum echte Bemühungen, das zu ändern. (iz). Als ich im Kindesalter nach Griechenland flog, schaute ich über der albanischen Küste […]

IZ+

Weiterlesen mit dem IZ+ (Monatsabo)

Mit unserem digitalen Abonnement IZ+ – Onlineabo, Kombi Print & IZ+ or Das IZ-Förder-Abo können Sie weitere Hintergrundbeiträge, Analysen und Interviews abrufen. Gegen einen Monatsbeitrag von 3,50 € können Sie das erweiterte Angebot der Islamischen Zeitung sowie das ständig wachsende Archiv nutzen.

Abonnenten der IZ-Print sparen beim IZ+ Abo 50%.

Wenn Sie bereits IZ+ Abonnent sind können Sie sich hier einloggen.

* Einfach, schnell und sicher bezahlen per Paypal, Kredit-Karte, Lastschrift oder Banküberweisung. Das IZ+ Abo verlängert sich automatisch um einen Monat, wenn es nicht vorher gekündigt wurde. Sie können ihr bestehendes Abo jederzeit auf der Mein Konto-Seite kündigen.

, , ,

Minarette in den Bergen – auf den Spuren Evliya Çelebis im Westbalkan

Minarette

„Als ich aufwuchs, wusste ich nicht, dass es in Europa Städte gibt, in denen der Adhan ein so normaler Teil der Landschaft ist. Ich hätte mir sicher nicht vorstellen können, dass eine solche Stadt nur tausend Meilen weiter östlich liegt und nicht Kairo oder Istanbul heißt.“

(iz). Es gibt nicht viele Bücher über Islam und Muslime in Europa, die schon beim Lesen eine verändernde Wirkung haben – von Begeisterung ganz zu schweigen. Dem englischen Reiseschriftsteller und Fotografen Tharik Hussain ist mit „Minarets in the Mountains“ ein solches Buch gelungen. Der Brite hat in der Vergangenheit unter anderem für BBC gearbeitet und mehrere Reiseführer über Länder wie Saudi Arabien, Bahrein oder Thailand veröffentlicht.

Der Autor, der selbst immer wieder über diese „anderen“ europäischen Muslime erstaunt ist, lässt seine Reise, die von den Wegen des großen osmanischen Reisenden Evliya Çelebi inspiriert ist und sie oft nachempfindet, in Bosnien beginnen. Von dort forscht er den selten gewordenen Spuren der Muslime in Serbien nach, besucht die muslimische Provinz Serbiens, das Sandschak, und reist über das Kosovo nach Nordmazedonien. Von dieser Republik nördlich von Griechenland geht es dann über Albanien, wo er in Vergessenheit geratene muslimische Städte findet, und Montenegro wieder zurück nach Bosnien.

Den Anfang nimmt die Reise allerdings in den Bergen Bulgariens an der Grenze zu Rumänien, wo Tharik Hussain sein Buch beginnen lässt. Hier treffen die Reisenden (ein Großteil des Trips ist als langer Familienausflug aufgelegt) inmitten halbverfallener Ortschaften auf kleine Dorfmoscheen und -Friedhöfe. Teppiche in ihnen machten ihm klar, dass sie durchaus noch in Betrieb waren: „Das waren lebendige muslimische Dörfer. Aber was um Himmels willen hatten sie hier zu suchen?“, fragt Tharik Hussain. Eigentlich war man nach einer Woche in der Heimat des berüchtigten Dracula auf der Suche nach einem Öko-Bauernhof.

„Minarett in the Mountains“ beschreibt beileibe nicht bloß eine Reise in der Gegenwart. Es ist auch stets ein Rückgriff auf die oft (manchmal durch Gewalt) vergessene Geschichte unseres Kontinents. Hussain erinnert seine Leser auch daran, dass Muslim- und Europäer-Sein kein Widerspruch sein müssen. Ihn selbst, so mancher Eintrag, überrascht dieser Sachverhalt selbst am häufigsten.

Es sei lange her, seitdem europäische Reisende Osteuropa als einen Raum von Muslimen geschrieben hätten. Wie die maurische Präsenz in Spanien, Portugal oder Sizilien „werden sie niemals als Teil einer regionalen Geschichte von den Touristenbüros einer Gegend“ beschrieben. Die lange religionsfeindliche Periode der Kommunisten habe die Fußspuren früherer Besucher verblassen lassen. „Das populäre Bild des modernen Osteuropas als säkularer, harter, grauer Ort, der von ethnischen Kriegen heimgesucht wird, ist das Bild, das ein Großteil der Welt akzeptiert hat. Es ist ein Bild, das die sechs Jahrhunderte muslimischer Geschichte der Region und ihre große einheimische muslimische Bevölkerung völlig ignoriert.“ Kein Wunder, dass bulgarisch-muslimische Dörfer mit ihren kleinen, weißen Moscheen ein Schock für ihn waren.

Der vorherige Aufenthalt (der Auftakt zu „Minarets in the Mountains“) habe ihnen die Augen geöffnet, dass es „dort“ noch ein lebendiges einheimisches „muslimisches Europa“ gäbe. Den Reisenden sei aber auch bewusst geworben, wie empfindlich seine Existenz sei und dass es immer noch Bemühungen gäbe, es auszuradieren. Seiner Ansicht nach sei ihr Erbe auch das seiner Kinder, die sowohl Europäer als auch Muslime seien. Als Familie mit einem Anteil an britischen Wurzeln würden gerade Hussains Kinder diese Orte mit anderen Augen sehen. „Als europäischer Muslim fühle ich, dass all dieses alte muslimische Erbe auf dem Balkan auch mein Erbe ist. Es ist das Erbe aller europäischen Muslime und Nicht-Muslime, und wir können viel davon lernen“, sagt Tharik Hussain seinem Gastgeber Aldin in Sarajevo.

Ein Blick auf die Karte Europas machte klar, wohin die Reise für „Minarets in the Mountains“ gehen sollte. Der beste Ort, wo man dieses Erbe des „muslimischen Europas“ heute noch findet, sei der Westbalkan. Eine Sammlung aus sechs Ländern mit Jahrhunderten islamischer Geschichte und umfangreichen muslimischen Bevölkerungsanteilen: Bosnien-Herzegowina, Kosovo, Albanien sowie – weil sie alte Gemeinschaften haben – Serbien, Nordmazedonien und Montenegro.

Für diese Sommerreise wollte der Autor einen Führer an der Hand haben, der das muslimische Europa wirklich kannte, jemand aus dem Osten. „In Wahrheit gab es nur einen Kandidaten: den großen osmanischen Reisenden des Mittelalters, Evliya Çelebi. Evliya hatte nicht nur viele der Städte auf der von uns zusammengestellten Reiseroute besucht, sondern dies auch in der Mitte des 17. Jahrhunderts getan, als das Osmanische Reich die absolute Grenze seiner Expansion nach Europa erreicht hatte. Evliyas Europa war das ‘muslimischste’, das es je sein würde, und er reiste als Mitglied der kultiviertesten Gesellschaft der Welt durch dieses Europa“, beleuchtet der Autor seine Entscheidung.

Von den 40 Jahren, die Çelebi – oft an der Seite von Paschas – auf Reisen verbrachte, ereigneten sich zehn auf dem Balkan (1660-70). Aus diesem Grund bieten Evliyas Reiseberichte einen spannenden und einzigartigen Einblick in das muslimische Europa. Die Nachfolge in den Spuren „eines solch kultivierten Experten des historischen, muslimischen Europas“, während sie sich auf die Suche nach seinem modernen Gegenstück machten, bedeutete, dass die Reisenden selbst bei einem Verschwinden von Dingen, die Çelebi gesehen hatte, doch eine Erinnerung davon bekamen, wie „muslimisch“ Europa einmal war.

Was „Minarets in the Mountains“ neben vielen anderen Aspekten so lesenswert macht, ist der Fakt, dass sich Tharik Hussain der Allgemeinplätze und Stereotypen enthält. Ja, er kommt nicht umhin, über Orte in Bosnien auch den Krieg und seine Spuren zu erwähnen, aber er belässt es nicht dabei. Ebenso bemerkenswert: In vielen Einträgen aus den sechs Ländern bekommen wir nicht nur selber Lust aufs Reisen, wir lernen auch immer wieder Etwas. Darüber hinaus behandelt „Minarets in the Mountains“ die real existierenden Menschen an diesen Orten nicht als bloße Kulisse. An beinahe jedem Ort zwischen Bosnien und Montenegro begegnet die Reisegruppen Charakteren, die selbst eine Geschichte zu erzählen haben.

Am Ende geht es nicht um steinerne Gebäude, Ruinen, Ortsnamen oder verstaubte Manuskripte, sondern um die Menschen, die sie hervorbrachten, und diejenigen, die heute in und mit ihnen leben.

Tharik Hussein, Minarets in the Mountains: A Journey into Muslim Europe, Bradt Travel Guides, August 2021, Taschenbuch, 338 Seiten, ISBN 978-1784778286, Preis: EUR 12,50