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Auslands-Kurzmeldungen Ausgabe 374: von globalen Kriegskosten bis zur Tragödie im Sudan

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Die Auslands-Kurzmeldungen Ausgabe 374 reichen dieses Mal von globalen Kosten des Irankriegs, über Alternativen für den Nahostkonflikt bis zum Sudan.

Hormus-Blockaden treffen Märkte verzögert

LONDON (IZ). Die Folgen einer Störung der Straße von Hormus könnten sich erst in der zweiten Jahreshälfte voll zeigen. Darauf weisen Fachleute und Branchenverbände hin. Über die Meerenge laufen täglich rund 14,9 Millionen Barrel Erdöl und Kondensat sowie große Teile der LNG-Exporte aus Katar und den Emiraten. Schon eine längerfristige Blockade würde Frachtraten, Versicherungen und Energiepreise steigen lassen und Lieferketten weltweit belasten.

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Foto: imago/Nur Photo

Irankrieg treibt Preise für Energie hoch

NEW YORK (IZ). Der UN‑Entwicklungsbericht „Military Escalation in the Middle East: Cushioning the Global Shock“ warnt, dass die Folgen des Konflikts die weltweiten Subventionen für fossile Brennstoffe 2026 auf rund 1,1 Billion US‑Dollar treiben könnten. Vor allem Entwicklungs‑ und Schwellenländer versuchen, ihre Bevölkerungen mit Preisdeckeln, Steuererleichterungen und direkten Zuschüssen gegen hohe Ölpreise abzusichern – und verschieben dafür Investitionen in Bildung, Gesundheit und Klimaschutz. UNDP mahnt, dass diese Politik Staaten in klimaschädliche Pfade zwingt und langfristige Entwicklungschancen untergräbt.

Kinder besonders betroffen in Kriegen

GENF (IZ). Kinder in Konfliktzonen und abgelegenen Krisengebieten tragen nach Angaben von UNICEF und Hilfswerken die Hauptlast globaler Krisen. Immer mehr Mädchen und Jungen leben dort, wo Schulen, Kliniken und Hilfslieferungen bedroht oder blockiert sind. Das Risiko von Gewalt, Vertreibung und Hunger steigt, während Bildung und Gesundheitsversorgung wegbrechen. UNICEF spricht von einem historischen Höchststand bei Kindern, die von Konflikten betroffen sind.

Freiheit

Khan: Meinungsfreiheit global in Gefahr

BONN (KNA/IZ). Irene Khan, UN-Sonderbeauftragte für Meinungsfreiheit, hat das Recht auf freie Meinungsäußerung bekräftigt. „Egal, ob man einer Minderheit angehört oder nicht die Meinung der Mehrheit vertritt, man darf nicht zum Schweigen gebracht werden“, sagte Khan beim Global Media Forum des Senders. Weltweit habe sich die Meinungsfreiheit verschlechtert, sagte Khan und verwies auf eine Unesco-Studie und Einschätzungen von Organisationen wie Reporter ohne Grenzen.

Große Finanzierungslücke bei humanitärer Hilfe

OSLO (KNA). Zur Jahresmitte 2026 klafft nach Einschätzung des international tätigen Hilfswerks Norwegian Refugee Council (NRC) eine riesige Finanzierungslücke bei der humanitären Hilfe. In den ersten sechs Monaten seien nur 30,4 Prozent der benötigten Mittel eingegangen, teilte die Organisation Anfang Juli mit. „Die weltweite Hilfsbereitschaft für Opfer von Konflikten und Katastrophen ist miserabel“, sagte Generalsekretär Jan Egeland. So befänden sich weltweit immer mehr Menschen in einer verzweifelten Lage und kämpften zunehmend um das Überleben, so Egeland weiter. Gewalt und Vertreibung hielten unvermindert an. Durch eine „galoppierende Inflation“ würden Grundnahrungsmittel unerschwinglich. „Wenn die Welt nicht umsteuert, werden wir einen massiven Verlust an Menschenleben erleben.“ Nach UN-Angaben sind derzeit insgesamt 252 Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen.

Maas Afghanistan Abzug

Foto: John Smith, Shutterstock

Taliban nutzen Kleiderregeln für Razzien

KABUL (IPS/IZ). Die Taliban gehen in Afghanistan erneut gegen Frauen vor, die angeblich gegen den vorgeschriebenen Dresscode verstoßen haben. Nach Angaben der UN-Mission UNAMA wurden in Herat mindestens 30 Frauen festgenommen, einige Tage später wieder freigelassen. Die Vereinten Nationen und Menschenrechtsorganisationen sprechen von willkürlichen Verhaftungen und Einschüchterung. Die Taliban weisen die Vorwürfe zurück und beharren auf ihren Bedeckungsregeln.

Drastische Kürzung der Rohingya-Hilfen

COX’S BAZAR (IPS/IZ). Im weltgrößten Flüchtlingslager in Cox’s Bazar verschärfen drastische Kürzungen der internationalen Hilfe die Not der Rohingya. Laut dem Bericht von IPS und Daten von UNHCR und WFP klafft eine Finanzierungslücke von über 60 Prozent; Essensrationen wurden wiederholt reduziert, Gesundheitsstationen geschlossen, Programme gegen Unterernährung zusammengekürzt. Hilfsorganisationen warnen vor steigenden Fällen schwerer Mangelernährung und vermeidbaren Todesfällen, insbesondere bei Kindern. Zugleich bleibt eine sichere Rückkehr nach Myanmar angesichts andauernder Gewalt in Rakhine außer Reichweite.

Wider die Leugnung des Genozids an Bosniaken

GÖTTINGEN (GfbV). Zum Internationalen Tag des Gedenkens an den Genozid von Srebrenica am 11. Juli warnte die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) vor der fortschreitenden Normalisierung von Genozidleugnung und Geschichtsrevisionismus in Bosnien und Serbien. Die GfbV fordert die strafrechtliche und politische Ahndung dieser Leugnung und der Verherrlichung verurteilter Kriegsverbrecher sowie verbindliche Bildungsprogramme über den Genozid in Bosnien und Herzegowina, Deutschland und anderen europäischen Staaten.

Uiguren

Foto: Adobe Stock

Neues Gesetz soll Minderheiten assimilieren

NEW YORK (IZ). China lässt ein neues Gesetz zur „ethnischen Einheit und des Fortschritts“ in Kraft treten, das nach Einschätzung von Minderheitenvertretern und UN‑Experten die erzwungene Assimilation ethnischer Gruppen rechtlich verankert. Die Norm stärkt Mandarin gegenüber Minderheitensprachen, fordert Eltern zur ideologischen Erziehung im Sinne der Kommunistischen Partei auf und drängt religiöse Gemeinschaften zur „Sinisierung“ ihrer Praxis. Tibetische, uigurische und mongolische Organisationen sprechen von „staatlich legalisierter kultureller Auslöschung“ und warnen vor weitreichenden Eingriffen in Sprach‑, Religions‑ und Bildungsfreiheit.

Paris dringt auf einen Siedlungs-Boykott

PARIS (IZ). Frankreich dringt in der EU auf ein Ende der Importe aus israelischen Siedlungen. Nach Berichten von Middle East Monitor, Euronews und weiteren Medien wächst in Brüssel der Druck auf die Kommission, ein Importverbot, Strafzölle oder ein Lizenzsystem vorzulegen. Die EU betrachtet die Siedlungen im Westjordanland als illegal, importiert Siedlungsprodukte aber weiterhin. Deutschland lehnt weitreichende Handelsbeschränkungen bislang ab.

König Charles setzt Zeichen in Cambridge

CAMBRIDGE (IZ). König Charles III. hat die Cambridge Central Mosque besucht und damit erstmals offiziell eine Moschee als britischer Monarch betreten. Die 2019 eröffnete Anlage gilt als Europas erste Ökomoschee und wurde mit türkischer Unterstützung errichtet. Laut BBC und Anadolu lobte Charles die Architektur, die nachhaltige Bauweise und die Arbeit der Gemeinde. Er traf Imame, Gemeindemitglieder und Vertreter anderer Religionen. Die Moschee bezeichnete den Besuch als historisch.

Foto: Guillaume Le Bloas, Adobe Stock

Irak sucht seine Rolle

BAGDAD (The Conversation). Der Irak versucht, seine Lage zwischen Golf, Levante und Iran als strategischen Vorteil zu nutzen. Laut EU und Fachanalysen gilt das Land als wichtiger Eckpfeiler regionaler Stabilität und möglicher Knotenpunkt für Handel, Energie und Diplomatie. Doch Bagdad bleibt unter Druck: Iran-nahe Milizen, schwache Institutionen und Rivalitäten der Großmächte schränken den Spielraum ein. Ob der Irak zum Vermittler wird oder erneut zum Schauplatz fremder Konkurrenz, ist offen.

Eskalation verschärft Lage von Minderheiten

GÖTTINGEN (GfbV). Die erneute Eskalation des Krieges zwischen den USA und dem Iran verschärfe nach Einschätzung der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) die ohnehin schwierige Lage der Minderheiten im Iran. „In den letzten Wochen hat das Regime seine militärische Präsenz in den kurdischen und belutschischen Gebieten mindestens verdoppelt. Das Ziel der verstärkten Militärpräsenz ist es, den Widerstand der Kurden und Belutschen zu brechen und einen möglichen Aufstand im Keim zu ersticken“, sagte Nahostreferent Sido.

Polizei ermittelt nach Brandanschlag

DUBLIN (IZ). In Dublin ermittelt die Polizei nach einem mutmaßlichen Brandanschlag auf die Al‑Madinah‑Gebetshalle im Stadtzentrum. Dort brach ein Feuer aus, das erhebliche Schäden verursachte. Ein Mann in den Vierzigern wurde festgenommen und wegen Brandstiftung angeklagt, verletzt wurde niemand. Der Vorsitzende des Irish Muslim Council, Umar Al‑Qadri, sprach von einem „schockierenden“ Angriff und forderte eine gründliche Aufklärung.

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Foto: White House Photo/gemeinfrei

Trump-Regierung erwägt eine Intervention

WASHINGTON (IZ). Die Trump-Regierung prüft laut „Washington Post“ und Anadolu Militärschläge in Mali gegen die al-Qaida-nahe Gruppe JNIM. Sollte es dazu kommen, wäre Mali das achte Land, in dem Trump seit Beginn seiner zweiten Amtszeit Angriffe angeordnet hätte. Auslöser sind die eskalierende Gewalt im Sahel und jüngste Attacken auf malische Militärkonvois. Zugleich laufen Gespräche zwischen Washington und Bamako über Sicherheits- und Aufklärungskooperation, nicht über eine US-Truppenrückkehr. Human Rights Watch wirft allen Konfliktparteien – die Armee sowie die Rebellenkoalition der JNIM – in Mali schwere Übergriffe gegen die Zivilbevölkerung im Zuge neuer Kämpfe im Zentrum und Norden des Landes vor. Die Organisation fordert unabhängige Ermittlungen und die Ahndung der Verantwortlichen.

Helsinki als Vorbild für den Nahen Osten?

FRANKFURT (IZ). Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Finnlands Präsident Alexander Stubb werben für einen strukturierten Friedensprozess im Nahen Osten nach dem Vorbild der KSZE-Schlussakte von Helsinki. In einem Gastbeitrag für die FAZ verweisen sie auf den Kalten Krieg: Damals hätten 35 Staaten trotz Misstrauen einen Dialog begonnen, der Vertrauen schuf und Menschenrechte sowie Sicherheit stärkte. Vorbild ist die KSZE-Schlussakte von 1975, mit der 35 Staaten trotz tiefer Gegensätze Regeln für Kooperation, Grenzen und Menschenrechte vereinbarten. Vertrauen, schreiben sie, entstehe nicht vorab, sondern durch den Prozess selbst.

Islamabad und Teheran rücken zusammen

ISLAMABAD (IZ). Iran und Pakistan bauen ihre Zusammenarbeit aus und setzen dabei auf Diplomatie, Handel und Sicherheit. Berichte aus Teheran und Islamabad zeigen wachsende politische Nähe, auch mit Blick auf Afghanistan und Gaza. Zugleich bleibt das Verhältnis pragmatisch: Die lange Grenze, gemeinsame Sicherheitsprobleme und Wirtschaftsinteressen fördern die Annäherung, während US-Sanktionen gegen den Iran und Grenzspannungen den Spielraum begrenzen.

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Foto: Freepik.com

Saudi-Arabien will die Umra erleichtern

DSCHIDDA (KNA). Saudi-Arabien führt ein Mehrfachvisum für Pilger ein. Das berichteten staatliche Medien am 20. Juli. Es erlaubt mehrere Einreisen für die „kleine Pilgerfahrt“ (Umra) über den Zeitraum von einem Jahr ab dem ersten Gültigkeitstag. Die Aufenthaltsdauer darf insgesamt 90 Tage nicht übersteigen. Während der großen Wallfahrt Hajj hat es keine Gültigkeit.

Sudan bleibt Weltkrise

KHARTUM (IZ). Drei Jahre nach Ausbruch des Kriegs bleibt die Lage katastrophal. Laut UN-Angaben sind rund zwei Drittel der Bevölkerung auf Hilfe angewiesen, Millionen wurden vertrieben. In mehreren Regionen drohen oder herrschen Hungersnöte, zugleich breiten sich Krankheiten aus. Menschenrechtsgruppen werfen Armee und RSF schwere Verbrechen vor. Trotz internationaler Vermittlungsversuche gibt es weiter keine Aussicht auf einen Waffenstillstand.

El Obeid Sudan Islamic Relief

Lebensmittel und Wasser werden in vielen Lagern für Binnenvertriebene immer knapper. El Obeid und die umliegenden Lager in Nord-Kordofan sind besonders bedroht. (Foto: Islamic Relief)

UN warnt vor Eskalation

GENF (IZ). Die UN warnen vor einer weiteren Zuspitzung der Lage. Kämpfe treiben die Zahl der Menschenrechtsverletzungen nach oben, behindern Hilfslieferungen und verschärfen die Not der Zivilbevölkerung. Zugleich breitet sich Cholera in mehreren Regionen aus. Die WHO meldet über 1.300 bestätigte Fälle und über 100 Tote. In umkämpften Gebieten wie Nord-Kordofan und Darfur ist die medizinische Versorgung stark eingeschränkt.

Freihandelsabkommen mit Ukraine vereinbart

ANKARA (IZ). Die Ukraine hat das mit der Türkei vereinbarte Freihandelsabkommen ratifiziert, was Außenminister Fidan nach seinem Besuch in Kiew als „Meilenstein“ der Wirtschaftsbeziehungen bezeichnete. Zugleich drängte Ankara auf eine Wiederaufnahme direkter Friedensgespräche zwischen Moskau und Kiew unter türkischer Vermittlung. Zugleich drängte Ankara auf eine Wiederaufnahme direkter Friedensgespräche.

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El Obeid unter Drohnenfeuer: Stadt am Rand der nächsten Katastrophe

El Obeid Sudan Islamic Relief

77 Tage nach der Berliner Sudan‑Konferenz warnt Islamic Relief Deutschland vor einer drohenden humanitären Katastrophe in El Obeid. Die belagerte Stadt steht unter „täglichen Drohnenangriffen“ und die Versorgung der Zivilbevölkerung bricht zusammen.

(iz). Die Lage in El Obeid hat sich seit der Berliner Sudan‑Konferenz weiter dramatisch zugespitzt: Die Stadt steht unter faktischer Belagerung, wird von Drohnenattacken getroffen und droht in eine neue humanitäre Katastrophe zu rutschen. Islamic Relief Deutschland warnt, dass internationale Zusagen bislang nicht in wirksamen Schutz für die Zivilbevölkerung übersetzt wurden und fordert entschiedene politische und diplomatische Schritte.

El Obeid – strategischer Knotenpunkt unter Beschuss

El Obeid ist die Hauptstadt des Bundesstaates Nord‑Kordofan und ein zentraler Handels‑ und Versorgungsknotenpunkt zwischen Darfur, Kordofan und dem übrigen Sudan. Nach Angaben von Islamic Relief leben dort rund 600.000 Menschen, darunter über 105.000 Binnenvertriebene, die vor Gewalt und Hunger aus anderen Landesteilen geflohen sind.

Die Stadt ist zugleich logistisches Drehkreuz für Hilfslieferungen in die breitere Kordofan‑Region – jede Unterbrechung der Zufahrtswege hat unmittelbare Folgen für die Versorgung zahlreicher Gemeinden mit Lebensmitteln, Wasser und Medikamenten.

Seit Monaten steht El Obeid unter Druck zwischen den regulären sudanesischen Streitkräften (SAF), die die Stadt halten, und den Rapid Support Forces (RSF), die das Gebiet nahezu vollständig eingekreist haben. Drohnenangriffe der RSF treffen nicht nur militärische Ziele, sondern wiederholt zivile Infrastruktur, Tankstellen, Treibstofflager und Versorgungsanlagen; dadurch werden Stromversorgung, Wasserpumpen und Gesundheitsdienste unterbrochen.

Drohnenkrieg und Belagerung: Alltag unter ständiger Bedrohung

Islamic‑Relief‑Mitarbeitende berichten von „täglichen Drohnenangriffen, wachsender Angst und immer knapper werdenden Vorräten“ in El Obeid. Die Angriffe zielen immer wieder auf Lastwagen, die Hilfsgüter, Treibstoff und Lebensmittel in die Stadt bringen sollen, wodurch die Versorgung von Hunderttausenden Menschen gefährdet wird. UN‑Organisationen und unabhängige Recherchestellen dokumentieren, dass die Drohnen auch Kraftwerke, Wasserstationen, Kliniken und Schulen beschädigen oder zerstören und so systematisch die Lebensgrundlagen der Bevölkerung untergraben.

Zwischen Anfang und Ende Juni wurden nach Angaben des UN‑Hochkommissariats für Menschenrechte mindestens 45 Menschen bei 15 Drohnenangriffen in und um El Obeid getötet, Dutzende weitere verletzt.

OCHA berichtet von Angriffen auf eine Strom‑Unterstation und eine Tankstelle, die zur Schließung von medizinischen Einrichtungen einschließlich eines Dialysezentrums und zur Abschaltung von Wasserstationen geführt haben.

Die Folge sind dunkel gewordene Stadtviertel, geschlossene Märkte und eine Bevölkerung, die unter Belagerungsbedingungen lebt und kaum noch sicheren Zugang zu Grundversorgung hat.

El Faschir Sudan

Foto: Ahyan Stock Studios/Shutterstock

Preise explodieren, Wasser wird zur Mangelware

Das Zusammenwirken von Belagerung, Zerstörung von Infrastruktur und Unterbrechung der Zufahrtswege treibt die Lebenshaltungskosten in El Obeid massiv in die Höhe. Islamic Relief berichtet, dass sich der Preis für einen Wasserkanister innerhalb weniger Wochen verdoppelt hat; auch Lebensmittelpreise steigen rasant. 

Andere humanitäre Akteure sprechen von Preissteigerungen für Grundnahrungsmittel von teilweise bis zu 300 Prozent – für viele Familien sind zentrale Güter schlicht nicht mehr erschwinglich.

Gleichzeitig warnen UN‑Stellen vor einem sich verschärfenden Risiko wasserbedingter Krankheiten wie Cholera, wenn Wasserpumpen längerfristig ausfallen und die Versorgung mit sauberem Trinkwasser weiter einbricht.

Bereits jetzt wird von einem Choleraausbruch im Bundesstaat West‑Kordofan berichtet, der durch unsichere Wasserquellen, mangelhafte Sanitärversorgung und die anhaltende Vertreibung befeuert wird. Sollte El Obeid ähnlich betroffen werden, würde sich die ohnehin prekäre Lage der Menschen noch einmal dramatisch verschärfen.

Foto: UNICEF/Jamal

Lager für Binnenvertriebene als besondere Brennpunkte

Zu den besonders gefährdeten Orten gehören die großen Lager für Binnenvertriebene in und um El Obeid. Islamic Relief berichtet von einem jüngsten Drohnenangriff auf das größte Lager der Stadt, bei dem zahlreiche Menschen getötet wurden. In diesem Lager suchen über 72.000 Menschen Schutz. 

Die Organisation unterstützt sie mit Nahrungsmitteln und Ernährungsprogrammen, warnt aber, dass die Vorräte zur Neige gehen und die Versorgung unter den derzeitigen Bedingungen immer schwieriger wird.

Dawelbeit Elzein Abdalla, Einsatzkoordinator von Islamic Relief in El Obeid, beschreibt die Stimmung vor Ort so: „Die Menschen hier sind zunehmend verängstigt durch die ständigen Drohnenangriffe und die wachsenden Engpässe bei Nahrung, Wasser, Treibstoff und Strom. Die Drohnen treffen Tankstellen, Tanklastwagen und die Hauptstraße, die die Stadt mit der Außenwelt verbindet. Unser Team in El Obeid versorgt Tausende Vertriebene mit Nahrungsmitteln und Ernährungsunterstützung. Doch die Bedingungen werden immer schwieriger, weil Vorräte zur Neige gehen und Preise steigen.“

Die Schilderungen decken sich mit Berichten anderer Organisationen, wonach Hilfskonvois aus Sicherheitsgründen verschoben oder ganz abgesagt werden müssen.

Internationale Warnungen vor neuen Massengräueltaten

Die Vereinten Nationen sprechen inzwischen von einem „roten Alarm“ in Bezug auf die Menschenrechtslage in El Obeid und warnen vor einem hohen Risiko großangelegter Gräueltaten gegen die Zivilbevölkerung.

Der Sicherheitsrat und das Menschenrechtsrat‑Sekretariat sehen Parallelen zu den Ereignissen in El Fasher, wo es zu dokumentierten Massentötungen, Vertreibungen, sexueller Gewalt und systematischer Zerstörung von Infrastruktur gekommen ist.

el Faschir sudan

Die marodierenden RSF-Milizen haben sich selbst bei der Eroberung von El Faschir gefilmt und dokumentieren ihre Taten im Netz. (Screenshot: RSF/Telegramm)

Ein von europäischen Staaten eingebrachtes Initiativpapier weist darauf hin, dass rund 500.000 Zivilpersonen in El Obeid Gefahr laufen, im Zuge eines möglichen RSF‑Großangriffs Opfer von Massengräueltaten zu werden.

Die internationale Schutz‑ und Menschenrechtsarchitektur versucht, mit eiliger Debatte im UN‑Menschenrechtsrat und Appellen an die Konfliktparteien gegenzusteuern, doch bislang ohne erkennbaren Durchbruch.

Stimmen von Islamic Relief Deutschland

Michael Pfaff, Geschäftsführer von Islamic Relief Deutschland, sieht eine deutliche Diskrepanz zwischen den Ergebnissen der Berliner Sudan‑Konferenz und der Realität in El Obeid: „Die Berliner Sudan‑Konferenz hat wichtige politische Aufmerksamkeit geschaffen. Doch Aufmerksamkeit allein schützt keine Kinder vor Drohnenangriffen, füllt keine Wasserkanister und öffnet keine blockierten Straßen.“

Mit Blick auf El Obeid sagt er: „El Obeid zeigt, wie groß die Lücke zwischen internationalen Zusagen und der Realität für Zivilisten im Sudan weiterhin ist. Die internationale Gemeinschaft muss jetzt diplomatischen Druck erhöhen, Angriffe auf Zivilisten stoppen und helfen, einen sicheren humanitären Zugang durchzusetzen.“

Shihab Mohamedali, Programmleiter von Islamic Relief im Sudan, warnt ausdrücklich vor einer drohenden humanitären Katastrophe, betont aber, dass noch Handlungsspielraum besteht:

„Wir befürchten, dass die eskalierende Gewalt in und um El Obeid zu einer humanitären Katastrophe führen könnte. Es ist aber noch nicht zu spät, die Warnungen ernst zu nehmen und eine Katastrophe zu verhindern. Wir fordern die Konfliktparteien auf, Blutvergießen zu vermeiden, Zivilisten zu schützen und humanitäre Hilfe zu allen Bedürftigen durchzulassen. Und wir fordern die internationale Gemeinschaft auf, El Obeid nicht aus den Augen zu verlieren und jetzt zu handeln, um weitere Gräueltaten zu verhindern.“

Forderungen von Islamic Relief und anderen Akteuren

Islamic Relief formuliert klare Anforderungen an die Konfliktparteien: Zivilpersonen und zivile Infrastruktur müssen geschützt werden; Angriffe auf humanitäre Transporte sind sofort zu unterlassen; sicherer und ungehinderter Zugang für Hilfsorganisationen muss gewährleistet werden.

Die internationale Gemeinschaft müsse ihre Zusagen aus der Berliner Sudan‑Konferenz „mit konkretem politischen Handeln untermauern“, etwa durch verstärkte diplomatische Bemühungen zur Deeskalation in El Obeid, den Schutz humanitärer Korridore und die konsequente Finanzierung lebensrettender Hilfe.

Auch andere NGOs wie der international Rescue Committee drängen auf ein schnelles Eingreifen, um einen möglichen RSF‑Bodenangriff auf El Obeid zu verhindern und die Stadt nicht in eine vollständige Belagerung und Versorgungskrise abgleiten zu lassen.

Amnesty International fordert im UN‑Menschenrechtsrat, dass Verbündete der RSF – etwa die Vereinigten Arabischen Emirate – ihre militärische und logistische Unterstützung einstellen und statt weiterer Eskalation politische Lösungen begünstigen.

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Sudan: Irankrieg verschärft die Hungerkrise

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Der anhaltende Irankrieg und die Störung der globalen Lieferketten führten zum teuersten Opferfest aller Zeiten, was den Hunger antrieb und Hilfslieferungen in einige der ärmsten Länder erschwert.

(iz). Die anhaltenden Kriege im Nahen Osten treffen Menschen im Sudan mit voller Wucht – und sie treffen sie ausgerechnet in einer Zeit, in der viele Familien auf ein wenig Festfreude hoffen.

Die Hilfsorganisation Islamic Relief sprach mit Blick auf das kürzliche Opferfest vom „teuersten Opferfest aller Zeiten“: Die Kosten für die jährlichen Kurban‑Verteilungen der Organisation sind im Sudan binnen weniger Monate um mehr als 60 Prozent gestiegen, Brot hat sich verteuert, Treibstoffpreise haben sich nahezu verdreifacht.

Dabei gehört der Sudan schon jetzt zu den am stärksten von Hunger betroffenen Ländern der Welt. Drei Jahre Krieg haben nach UN‑Angaben die größte Hungerkrise weltweit ausgelöst. Dutzende Millionen haben kaum Zugang zu ausreichender Nahrung.

In diesem Kontext ist das Kurbanprogramm mehr als eine religiöse Tradition: Für viele Familien bedeutet das Fleisch aus den Opfertieren die einzige eiweißreiche Mahlzeit im Monat und ist ein wichtiges Mittel, um Unterernährung vorzubeugen.

Foto: US-DoD/gemeinfrei

Islamic Relief hatte im Sudan ursprünglich geplant, mehr als 92.000 Menschen mit Kurban‑Fleischkonserven zu erreichen – vor allem Vertriebene in Regionen wie Darfur und Kordofan, wo die Kämpfe besonders heftig sind.

Doch die rapide steigenden Preise zwangen die Organisation, schmerzhafte Prioritäten zu setzen: Entweder müssen weniger Familien erreicht werden, oder jede erhält weniger Fleisch als in den Vorjahren.

Mitarbeitende vor Ort berichten, dass sich das Leben binnen weniger Monate drastisch verteuert hat: Für den gleichen Betrag gibt es nur noch die Hälfte Brot, Treibstoff ist um weit über 100 Prozent teurer geworden, Düngemittel, Saatgut und andere landwirtschaftliche Betriebsmittel fehlen auf den Märkten.

Die Folgen reichen jenseits der Verteilungen von Fleisch hinaus. Steigende Treibstoff‑ und Lebensmittelpreise belasten die gesamte humanitäre Infrastruktur an ihre Grenzen. Lieferanten, mit denen Hilfswerke seit Jahren zusammenarbeiten, scheuen neue Verträge, weil sie das Währungs‑ und Preisrisiko nicht kalkulieren können.

In vielen Städten sind Gemeinschaftsküchen (Takaaya) zu einer Lebensader für arme Familien geworden. Doch genau diese Küchen müssen reihenweise schließen: Nach Angaben von Islamic Relief sind in den letzten sechs Monaten mehr als 40 Prozent von ihnen mangels Mitteln und Nachschub vom Netz gegangen.

Takaaya Sudan

Menschen im Sudan kochen in jahrhundertealter Tradition solidarisch für ihre Mitmenschen, in sogenannten Takaaya, Gemeinschaftsküchen. (Foto: Islamic Relief Deutschland)

Hinzu kommt, dass sich die Krisen überlagern. Die Kämpfe in Darfur und Kordofan treiben Hunderttausende Richtung Khartum und andere vergleichsweise sichere Bundesstaaten; dort treffen sie auf überforderte Gemeinden, steigende Mieten und eine kollabierende Grundversorgung.

Gleichzeitig verschärfen die Angriffe im Nahen Osten und die Blockade wichtiger Seewege die Lage: Unterbrochene Lieferketten über Rotes Meer und Straße von Hormus verteuern nicht nur Öl und Treibstoff, sondern ebenso Dünger und Getreide.

Das hat spürbare Folgen bis in die sudanesischen Märkte. Der Krieg am Golf wird so zur unsichtbaren Ursache leerer Töpfe in afrikanischen Küchen.

Was im Sudan zu beobachten ist, steht exemplarisch für eine breitere Entwicklung. Islamic Relief berichtet von ähnlichen Problemen in anderen Krisenländern: In Somalia haben sich die Treibstoffpreise mehr als verdoppelt, was Nahrungsmittel verteuert und Hilfslieferungen erschwert.

Foto: Islamic Relief Deutschland

Im Libanon, wo Angriffe ganze Gemeinden zur Flucht gezwungen haben, schlagen schon einfache Tankfüllungen deutlich stärker zu Buche – mit unmittelbaren Auswirkungen auf Transport, Stromversorgung und die Kosten grundlegender Dienstleistungen.

Das Welternährungsprogramm (WFP) warnt, dass solche Preis‑ und Versorgungsschocks Millionen weitere Menschen in akute Ernährungsunsicherheit stoßen können.

Für muslimische Hilfsorganisationen stellt sich damit zukünftig die Aufgabe, die religiöse Bedeutung von Hilfen mit der politischen Dimension der aktuellen Krisen zu verbinden.

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Sudan: größte humanitäre Katastrophe der Welt

El Faschir Sudan

Die Gesundheitsinfrastruktur des Sudan ist unter dem Druck des Konflikts zusammengebrochen. (IPS). Über 70 Prozent der Gesundheitseinrichtungen sind nicht funktionsfähig. Krankenhäuser wurden bombardiert, geplündert oder besetzt. Von Sania Farooqui Das […]

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Mariam – eine sudanesische Mutmacherin im Flüchtlingslager

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Der Krieg im Sudan ist zur größten Vertreibungskrise der Welt geworden. Im Flüchtlingslager im äthiopischen Ura zeigen sich die Folgen globaler Nothilfekürzungen. Derweil verändert sich Äthiopiens Rolle im Sudankrieg. (KNA). […]

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Unklarheit über Opferzahlen in El Faschir: Mahnmal der Grausamkeit

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Nach dem Fall von El Faschir ist die sudanesische Provinzhauptstadt zu einem Synonym für das geworden, was Menschenrechtsjuristen als „Massentötung im Schutz der Dunkelheit“ bezeichnen. (iz). Seit die Rapid Support […]

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Sudan: Humanitäre Krise erreicht Belastungsgrenze

Sudan

In den letzten Wochen hat sich die Krise im Sudan erheblich verschärft, da eskalierende Feindseligkeiten, Massenvertreibungen, Krankheitsausbrüche und ein weit verbreiteter Mangel an Zugang zu grundlegenden, lebenswichtigen Dienstleistungen weiterhin die Zivilbevölkerung im ganzen Land gefährden.

(IPS). Die Situation wurde durch einen massiven Anstieg der Angriffe auf Gesundheitseinrichtungen im Oktober weiter verschärft, wodurch das ohnehin schon fragile Gesundheitssystem des Landes erheblich geschwächt wurde und Tausende von Menschen keine lebensrettende Versorgung mehr erhalten konnten. Von Oritro Karim

Am 23. Oktober veröffentlichten mehrere UN-Organisationen der Vereinten Nationen (UN) eine gemeinsame Erklärung, in der sie auf die sich rapide verschärfende humanitäre Krise im Sudan hinwiesen und zu dringenden, koordinierten internationalen Maßnahmen aufriefen.

Foto: Abd_Almohimen_Sayed, Shutterstock

Dazu gehörten die Internationale Organisation für Migration (IOM), das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR), das UN-Kinderhilfswerk (UNICEF) und das Welternährungsprogramm (WFP)

Nach Angaben der Agenturen haben über 900 Tage Dauerkrieg und der Zusammenbruch lebensrettender Dienste „Millionen Menschen an den Rand des Überlebens gebracht“, wobei Frauen und Kinder unverhältnismäßig stark betroffen sind.

„Dies ist eine der schlimmsten Schutzkrisen, die wir seit Jahrzehnten erlebt haben“, sagte Kelly T. Clements, stellvertretende Hochkommissarin des UNHCR. „Millionen Menschen sind innerhalb und außerhalb des Landes auf der Flucht, und zurückkehrende Familien erhalten kaum Unterstützung, da ihnen keine anderen Optionen zur Verfügung stehen.

Islamic Relief

Seit Beginn der Belagerung von El Faschir 2024 war die Stadt letzter Zufluchtsort für unzählige Menschen. (Foto: MSF/Jérôme Tubiana)

Ich habe mit Familien gesprochen, die kürzlich aus El Faschir geflohen sind und schreckliche Geschichten darüber erzählten, wie sie gezwungen waren, alles zurückzulassen und unter großem Risiko gefährliche Routen zu nehmen. Es ist eine dynamische Situation, und überall wird Unterstützung benötigt.“

Schätzungsweise 30 Mio. Sudanesen benötigen dringend humanitäre Hilfe, darunter fast 15 Mio. Kinder. Der Konflikt hat mehr als 9,6 Mio. Personen zur Flucht aus ihrer Heimat gezwungen, wodurch der Sudan die größte Binnenflüchtlingskrise weltweit darstellt.

Gleichzeitig sind etwa 2,6 Mio. Menschen in aktive Konfliktgebiete zurückgekehrt – darunter rund eine Million nach Khartum –, nur um festzustellen, dass ihre Häuser und Lebensgrundlagen zerstört und grundlegende Versorgungsleistungen praktisch nicht mehr vorhanden sind.

Nach drei Jahren Konflikt gehört das Bildungssystem des Sudan zu den am stärksten betroffenen Bereichen. Schätzungsweise 14 von 17 Millionen Kindern im schulpflichtigen Alter haben keinen Zugang zu Schulbildung.

Darüber hinaus hält die Hungerkatastrophe an, wobei 2024 in Teilen des Sudan eine Hungersnot bestätigt wurde. Kinder sind weiterhin einem erhöhten Risiko der Unterernährung ausgesetzt, und Tausende von ihnen sind voraussichtlich „unmittelbar vom Tod bedroht“, wenn nicht bald eine Ernährungshilfe sichergestellt wird.

Darüber hinaus kämpfen sudanesische Familien weiterhin mit aggressiven Ausbrüchen von Cholera, Dengue-Fieber, Malaria und Masern, die durch nicht funktionierende Gesundheitssysteme und zerstörte Wasserversorgungssysteme noch verschlimmert werden.

Nach aktuellen Zahlen des UNHCR gehören die Gebiete Darfur und Kordofan zu den am stärksten von Cholera betroffenen Gebieten. Allein in der Region Tawila in Nord-Darfur wurden ab Mai mehr als 6.000 Infektionen und 11 Tode registriert – die meisten davon in Flüchtlingslagern. In Süd-Darfur hat das UNHCR seit Ende August 3.229 bestätigte Fälle und 177 Todesfälle dokumentiert.

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Sudan: Woher kommt die erschreckende Gewalt?

sudan gewalt

Ethnische Konflikte im Sudankrieg reichen nicht als Erklärung für die Explosion der Gewalt und des Leids der Zivilbevölkerung aus.

(The Conversation). Auf die Eroberung der westsudanesischen Stadt El Faschir durch die paramilitärischen Rapid Support Forces (RSF) folgten schreckliche Kriegsverbrechen: Massaker, Plünderungen und Vergewaltigungen. Von Justin Willis & Willow Berridge

Es gibt viele Gründe, die Vorwürfe zu glauben und sie ernstzunehmen. UN-Führungskräfte und Experten, die meisten westlichen Regierungen und der IStGh haben Berichte über die Gräueltaten bestätigt und die Tötung von Zivilisten als Bruch des Völkerrechts verurteilt.

Früher war sie eine von der Führung unterstützte Miliz. Nun befindet sich die RSF seit April 2023 im Krieg mit ihren ehemaligen Verbündeten in den Streitkräften (SAF). Seit ihrer Gründung ist sie für ihre Gewaltbereitschaft berüchtigt. Jeder Erfolg ging mit schweren Menschenrechtsverletzungen einher.

In jüngsten Berichten über schreckliche Missbräuche wurden sie als Teil eines ethnischen Konflikts beschrieben, wobei sie als „arabische Miliz“ dargestellt wurde, die Nichtaraber ermordet. Daran ist viel Wahres. Aber es gibt weitere Ursachen für die anhaltende Brutalität.

Sudan

Foto: luzitanija , Adobe Stock

Diese paramilitärische Truppe ist das grausame Ergebnis einer Geschichte staatlicher Gewalt und Ausgrenzung. Ihre Ursprünge lassen sich auf die berüchtigten Janjaweed zurückführen, eine Miliz aus arabischen Gemeinschaften, die vom damaligen Präsidenten des Sudan al-Bashir, bewaffnet wurde, um Anfang des 21. Jahrhunderts einen Aufstand zu unterdrücken.

Mit ihrer Mobilisierung nutzte sein Regime die Spannungen zwischen den Gruppen in Darfur, einer Region in Westsudan, deren historische Hauptstadt El Faschir ist.

Daher war es für das Publikum in Nordamerika und Europa verlockend, den Konflikt in simplen rassistischen Begriffen zu sehen: Araber gegen Afrikaner. Diese Sichtweise hat der internationalen Kampagne zur Beendigung der Gewalt in Darfur Auftrieb gegeben. Aber sie war immer eine Vereinfachung und erklärt nicht den aktuellen Krieg. Der RSF hat weitere Ursprünge.

Die Miliz nutzte das seit langem bestehende Gefühl der wirtschaftlichen und politischen Ausgrenzung aus, das Menschen in Darfur – Araber wie Nichtaraber – empfanden. Sie wurde durch den Welthandel mit Vieh, Gold und Söldnern finanziert, der am Rande eines Staates florierte.

Und entstand in einem staatlichen System, das jene belohnt, die sich mit Gewalt an die Kontrolle bringen. Das ist zum Teil auf ausländische Einmischung zurückzuführen, die jeweils ihre Verbündeten unterstützte, um politische oder ökonomische Vorteile zu erzielen.

RSF-Chef Hemedti war relativ unbedeutend innerhalb der Janjaweed. Bashir gründete 2013 die RSF als Teil eines komplizierten Gleichgewichts zwischen mehreren Milizen und Sicherheitsbehörden. Diese konkurrierenden Kräfte unterdrückten gewaltsam jede Herausforderung des Regimes und hielten sich gleichzeitig durch ihre Rivalität gegenseitig in Schach.

Im Jahr 2019 brach dieses System angesichts der Unruhen in der Bevölkerung im politischen Kernland der Regierung, im zentralen Flussgebiet des Sudan – dem Gebiet entlang des Nils – zusammen.

Foto: Agence France-Presse, via Wikimedia Commons | Lizenz: Universal Public Domain

El-Bashir wurde durch einen Militärputsch gestürzt, und nach internen Machtkämpfen wurde Generalleutnant Abdel Fattah Burhan zum Anführer ernannt und Hemedti zu seinem Stellvertreter. Beide waren Schlüsselfiguren in der „Übergangsregierung“, die den Sudan zurück zu einer zivilen Regierung führen sollte.

Die ethnische Zugehörigkeit ist nicht die Ursache des Konflikts. Dieser liegt vielmehr in einer tief verwurzelten Kultur politischer Gewalt begründet, die durch ein sich wandelndes Machtgleichgewicht zwischen dem zentralen und dem westlichen Sudan sowie durch internationale Einmischung kompliziert wird. 

Einige arabische Nationen – insbesondere Ägypten und Saudi-Arabien – stützen die Armee. Während die Ermöglichung der RSF-Gewalt durch die VAE weithin bekannt gemacht wurde, haben wichtige afrikanische Regierungen ihre Beziehungen zu Hemedti aufrechterhalten.

Seit den 1950er Jahren haben diejenigen, die die Kontrolle über den sudanesischen Staat an sich reißen wollten, wiederholt Unterstützung unter unzufriedenen Gruppen im Westen des Sudan mobilisiert. Manchmal, indem sie arabische und nichtarabische Gemeinschaften zusammenbrachten, gelegentlich durch gegenseitiges Ausspielen.

Hemedtis Behauptungen, marginalisierte Gruppen vertreten, sind opportunistisch und verlogen, allerdings nicht beispiellos. Dieser Krieg ist kein einfacher arabisch-afrikanischer Konflikt.

Aber seine Brutalität spiegelt die Bereitschaft sowohl der RSF wie der SAF wider, multiple gesellschaftliche Bruchlinien als Instrumente zur Mobilisierung zu nutzen. Sie haben einen Kontext geschaffen, in dem die ethnische Polarisierung durch Kriege um die Kontrolle des Staates vorangetrieben wurde – und nicht umgekehrt.

* Übersetzt und veröffentlicht im Rahmen einer CCL-Lizenz.

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Sudankrieg wirkt sich auf die Nachbarn aus

sudan nachbar EU

Appelle an die Kriegsparteien im Sudan sind bisher ungehört verhallt. Vor allem im Westen des Landes halten Gewalt und Menschrechtsverletzungen an. Der Krieg betrifft aber nicht nur die dortige Bevölkerung.

Khartum/Bonn (KNA) Es war ein Funken Hoffnung Anfang November. Möglicherweise kann ein Waffenstillstand zwischen den paramilitärischen Rapid Support Forces (RSF) und der sudanesischen Armee (SAF) vermittelt werden, die seit April 2023 im Sudan für die größte humanitäre Katastrophe der Welt mit geschätzt mehr als 150.000 Toten verantwortlich sind. Doch danach sieht es vor allem in der Region Nord-Darfur und der Regionalhauptstadt El Fasher nicht aus.

Sudan: Flüchtlinge, Verschwörungstheorien und Unverständnis

Am Morgen des 14. November sagte UN-Hochkommissar für Menschenrechte Volker Türk die Gräueltaten stellten schwerste Verbrechen dar und hätten verhindert werden können. Seit Wochen berichten Hilfsorganisationen über Flüchtlingsströme, über Menschen, die hungern oder in El Fasher festsitzen.

Sudan-Expertin

Foto: Shutterstock

Sheldon Yett, Sondergesandte des Kinderhilfswerks Unicef für den Sudan, zog in einem „Spiegel“-Interview bereits eine Parallele zum Völkermord in Ruanda vor 31 Jahren. Vieles erinnere daran, etwa die „Freude am Töten“. Doch nicht nur das. Die Sorge, dass sich die Gewalt in die Nachbarländer ausbreitet, ist da.

Davor warnte jetzt Sudans Ministerpräsident Kamil Idris, der seit Ende Mai im Amt ist und sich bisher kaum geäußert hat. Dem Sender Al-Dschasira sagte er, die RSF müsse als Terrorgruppe eingestuft werden, da sie die Sicherheit und Stabilität Afrikas und der ganzen Welt gefährde.

Nachbarländer sind selbst fragil

Das südliche Nachbarland Südsudan, das 2011 nach einem langen Krieg vom Sudan unabhängig wurde, zählte bis November gut 1,2 Millionen aus dem Sudan Geflüchtete; darunter aber auch Rückkehrer, also Südsudanesen, die vor dem dortigen Bürgerkrieg (2013-2020) in den Sudan geflohen waren. Der Südsudan ist selbst fragil, und gerade im Frühjahr kam es immer wieder zu Kämpfen und politischen Auseinandersetzungen.

Nach Einschätzung von Jan Pospisil vom Centre for Peace and Security der englischen Coventry University gibt es zwar Verbindungen zwischen den politischen Gruppierungen im Südsudan und beiden Kriegsparteien RSF und SAF.

Dass sich die Kämpfe in Richtung Süden ausweiten, sieht Pospisil, der zu Friedensprozessen forscht, aber nicht. Regierung wie Opposition im Südsudan würden sich weitgehend neutral verhalten. „Der Südsudan hat seine eigenen Konfliktlinien. Der Krieg im Sudan wird als ein ‘Krieg im Nachbarland’ bewertet“, sagt Pospisil der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

Gleichwohl ist auch im Südsudan die Lage angespannt, was in Verbindung mit dem Krieg steht. Dazu tragen auch die SAF bei: Immer wieder warfen sie den Südsudanesen vor, die RSF zu unterstützen.

Sichtbar ist der Krieg im nördlichen Nachbarland außerdem; denn längst seien in der Hauptstadt Juba auch wohlhabende Flüchtlinge angekommen, so Pospisil. Im Januar kam es bereits zu gewaltsamen Ausschreitungen. Geschäfte wurde geplündert und Menschen mit vermeintlich sudanesischem Aussehen angegriffen.

„Das hat die Regierung nervös gemacht.“ Auslöser war ein international verurteilter Angriff im sudanesischen Bundesstaat Gezira von SAF-Verbündeten auf das Dorf Tayba. Unter den 26 Opfern waren auch Südsudanesen.

„Die Ausschreitungen zeigen, dass es Potenzial für Spannungen gibt“, sagt Pospisil. Viele Sudanesen seien als Inhaber kleiner Geschäfte in Juba tätig. Das führe zu Eifersüchteleien und Verschwörungstheorien. So werde behauptet, Inhaber würden gezielt nur an Sudanesen vermieten.

Der Tschad mischt mit

Wie instabil der Sudan nicht erst seit dem Ausbruch des aktuellen Krieges ist, zeigt der Osten des Tschad, wo Flüchtlinge aus Darfur seit Jahrzehnten zum Alltag gehören.

Mit dem Darfur-Krieg, der 2003 begann, kamen Hunderttausende ins Nachbarland. Mittlerweile lebt eine zweite Generation dort, und in Camps haben sich längst Parallelstrukturen entwickelt.

Neu ist jedoch: „Es besteht die große Sorge, dass die Konflikte zwischen den verschiedenen ethnischen Gruppen in den Tschad übertragen werden. Schließlich leben die verschiedenen Gruppen hier auch. Konflikte könnten sich vor allem zwischen Jugendlichen entzünden“, sagt Helga Dickow, Politikwissenschaftlerin und Tschad-Expertin am Arnold-Bergstraesser-Institut in Freiburg, der KNA.

Foto: UNHCR/Aristophane Ngargoune

Bei Schulhofprügeleien würden Jugendliche deshalb sofort nach Hause geschickt werden, auch in der Hauptstadt N’Djamena, die Hunderte Kilometer westlich der sudanesischen Grenze liegt.

Denn Erinnerungen wirken bis heute nach: „Der Bürgerkrieg im Tschad begann im Jahr 1979 so. Damals prügelten sich Schüler aus dem Norden und dem Süden. Es war das Zündholz für den Bürgerkrieg“, so Dickow.

Das könnte heute leicht wieder auf fruchtbaren Boden fallen, befürchtet die Expertin. Denn die Bevölkerung sei verarmt und unter der autoritären Herrschaft Mahamat Débys zunehmend frustriert. Dieser ist der Sohn des 2021 verstorbenen Langzeitherrschers Idriss Déby.

Auch spielt die ethnische Zugehörigkeit im aktuellen Krieg eine Rolle. UN-Hochkommissar Türk kritisierte schon im Januar ethnisch motivierte Gewalt der RSF und verbündeter arabischer Milizen gegen afrikanische ethnische Gruppen, insbesondere die Zaghawa und die Fur. Aktuell von der Gewalt betroffen seien auch die Masalit, sagt Dickow. „Die Brutalität ist ein großes Gesprächsthema.“

Denn im Tschad stehen Zaghawa an der Staatsspitze. Präsident Déby ist halb Zaghawa, halb Gorane. Berichte über Unterstützung durch Déby in Form von Waffen- und Treibstofflieferungen an die RSF stoßen bei der Bevölkerung im Tschad auf Unverständnis, sagt Dickow. „Denn damit werden die eigenen Verwandten abgeschlachtet“, sagt Dickow.

Eine Erklärung für das Verhalten von Déby: Druck von außen. Als große RSF-Unterstützer gelten die Vereinigten Arabischen Emirate. Als Grund dafür wird oft das Gold genannt.

Nach Einschätzung Pospisils wollen die Araber aber vor allem Nahrungsmittelsouveränität erreichen. „In Nachbarländern wie Äthiopien und Somalia haben sie bereits fruchtbares Land aufgekauft.“ Und das gibt es auch in Darfur.

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Sudan-Expertin: „Nicht mit zweierlei Maß messen“

Sudan-Expertin

Sudan-Expertin von Amnesty International Martina Liedke im Gespräch über Hintergründe und Rechtsbrüche im Sudankrieg. (iz). Seit April 2023 tobt der blutige Sudankrieg zwischen den Streitkräften und den RSF-Milizen. Nachdem beide […]

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