Der Fall Morten Storm belegt unzählige Erfahrungen und Rechercheergebnisse von investigativen Journalisten, wonach im internationalen „Krieg gegen den Terror“ die Grenzen zwischen Observation und Anstiftung zum und Aufbau von Terror bis zur Unkenntlichkeit verwischt werden.
(OnIslam.net/Agenturen/IZ). Britische Muslime und dänische Medien reagierten empört angesichts eines vermeintlichen „Konvertiten“, der laut PresseÂmeldungen für die CIA und den dänischen NachÂrichtenÂdienst PET als V-Mann gearbeitet haben soll. Sie werfen ihm vor, an der Radikalisierung von Muslimen in den englischen Städten Birmingham und Luton beteiligt gewesen zu sein.
„Er [Morten Storm] hatte kein korrektes Verständnis des Islam“, sagte ÂAbu-Easa Asif, Moderator eines wöchenÂtÂlichen Radioprogramms zum Thema ÂIslam und Leiter einer lokalen ÂGemeinde der Tageszeitung „The Copenhagen Post“, und hätte „sehr extremistische ÂAnsichten“ gehegt. Storm selbst teilte der berüchtigten Tageszeitung „JylÂlands-ÂPosÂten“ mit, dass er 2006 vom PET ÂreÂkruÂtiert worden sei, um Extremisten in dem skandinavischen Land aufzuspüren. Auch habe er die CIA zum Âjemenitischen Al-Qaida-Chef Anwar Al-Awlaki geführt, der 2011 bei einem Drohnenangriff attackiert und getötet wurde. Die dänische Tageszeitung „Politiken“ schrieb, Storm habe darüber hinaus Drogen an JugendÂliche mit Problemen in und um BirmingÂham verkauft.
Für ihn sei es, so Asif gegenüber „Politiken“, nur um Geld gegangen. Man dürfe nicht vergessen, dass er sich selbst „an die CIA und PET verkauft“ hätte. Trotz angeblich geänderter Ansichten habe sich bei dem mutmaßlichen ÂV-Mann alles um Geld gedreht. Es sei immer Âunklar geblieben, wie Storm trotz der ÂTatsache, dass er keiner geregelten Arbeit nachgegangen sei, diese Art von ÂLebenswandel habe führen können.
Storm sei laut Asif 1999 ins britische Luton gekommen, wo er muslimischen Gemeindeführern mitteilte, er wolle nach einer Zeit des Extremismus ein neues Leben beginnen. Allerdings habe der mutmaßliche V-Mann im großen Umfang versucht, in der muslimischen Gemeinschaft Anhänger für seine radikalen ÂIdeen zu finden. Er habe bei vielen, „mit ÂHilfe von PET, CIA und MI5“, für eine ÂGehirnwäsche gesorgt. Andere Muslime in Luton berichÂteten, wie er in Gegnerschaft zum gemäßigten Islamischen Zentrum Luton eine Splittergruppe aufgebaut habe. „Er beförderte aktiv eine Radikalisierung in Luton. ÂDarüber besteht gar kein Zweifel“, Âsagte Farasat Latif, Sprecher des Islamischen Zentrums Luton, „Politiken“. Storm Âkritisierte das Zentrum, weil es sich Âgegen Gestalten wie Al-Awlaki oder Osama bin Ladin gestellt hatte. „Er sagte, er wollte, dass die Leute militant werden“, so Latif, „und rief zur Revolution gegen die, seiner Meinung nach, ‘korrupten, ÂauslänÂdischen Führer’ auf.“
Bereits in der Vergangenheit hatten CIA und FBI falsche Terroraktionen genutzt, um – nach eigenen Worten – Â„potenzielle Terror-Verdächtige“ aufÂzuspüren. Diese Technik hat in den USA zu Protesten unter Muslimen geführt, welche den beiden Agenturen vorÂwarfen, junge Muslime in die Falle des ÂTerrors zu locken. 2009 drohten muslimische Gruppen mit der Einstellung sämtlicher Kontakte zum FBI wegen dessen ÂVorÂgeÂhen, Moscheen mit Informanten zu besetzen, um Betende auszuspionieren.
Storm selbst erklärte gegenüber „Jyllands Posten“, dass er nach der KontaktÂaufnahme mit dem dänischen PET 2006 den Anschein eines radikalen ÂMuslims habe aufrechterhalten müssen, um seine Legende nicht zu zerstören. Laut „Politiken“ sind StrafrechtsÂexperten der Ansicht, dass für den Fall, dass sich die Anschuldigungen gegen Storm bewahrheiten sollten, dieser die rechtlichen Grenzen für V-Männer überschritten habe.