, , ,

Angriff auf Krankenhaus in Gaza: Hunderte Tote und Verletzte

angriff gaza krankenhaus
Screenshot: YouTube

Nach Angriff auf das Al Ahli Arab-Krankenhaus schieben sich beide Seiten die Schuld zu. Fest steht: Hunderte Menschen starben.

Gaza (dpa, UN Media, KNA, iz). Bei einem Raketenangriff auf das christliche Al Ahli Arab-Hospital in Gaza sind am Dienstagabend Hunderte Menschen getötet und verletzt worden. Die von der Hamas kontrollierte Gesundheitsbehörde machte die israelische Armee dafĂŒr verantwortlich.

Diese wiederum beschuldigte die Organisation „Islamischer Dschihad“ im Gazastreifen. Es habe sich um eine fehlgeleitete Rakete gehandelt. Eine unabhĂ€ngige Untersuchung des Angriffs steht aus. Die Ereignisse lösten in vielen LĂ€ndern der Welt spontane Proteste aus.

Die Weltgesundheitsorganisation verurteilte den Angriff und forderte den sofortigen Schutz der Zivilbevölkerung und der medizinischen Versorgung in der palĂ€stinensischen Enklave. „Die WHO verurteilt den Angriff auf das Al Ahli Arab Hospital aufs SchĂ€rfste“, sagte der Generaldirektor der UN-Gesundheitsorganisation, Tedros Adhanom Ghebreyesus, auf der Social-Media-Plattform X.

Das Hospital war bereits am Samstag bei einem Luftangriff beschĂ€digt worden. Dabei wurden nach Angaben der anglikanischen Kirche vier Menschen verletzt. In einem frĂŒheren Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) erklĂ€rte die Krankenhausdirektorin Suhaila Tarazi, das Haus „basiert auf unserem christlichen Glauben und der NĂ€chstenliebe“. Die Mehrheit des Personals und der Patienten sind Muslime, nicht zu diskriminieren sei Teil der Mission und Vision.

Screenshot: X (Twitter)

Angriff auf Hospital: „Das ist völlig inakzeptabel“

Tareq Abu Azzoum von Al Jazeera berichtete aus Gaza, dass das Areal, in dem der Luftangriff stattfand, „voller Vertriebener“ war. „Dieses Gebiet (in dem die Bombardierung stattfand) ist dicht bevölkert, voller GeschĂ€fte, WohnhĂ€user und sogar voller Vertriebener, die ihre HĂ€user evakuiert haben, nachdem sie von der IOF den Befehl zur Evakuierung erhalten hatten“, so Azzoum.

„Mir fehlen die Worte“, erklĂ€rte der UN-Menschenrechtsbeauftragte Volker TĂŒrk in der Nacht. Bei dem massiven Angriff auf die Einrichtung seien Patienten, medizinisches Personal und Familien, die dort Zuflucht gesucht hatten, „auf schreckliche Weise“ getötet worden.

„Wieder einmal die SchwĂ€chsten. Das ist völlig inakzeptabel.“ KrankenhĂ€user seien unantastbar und mĂŒssten um jeden Preis geschĂŒtzt werden. „Wir kennen das volle Ausmaß dieses Massakers noch nicht, aber es ist klar, dass die Gewalt und das Morden sofort aufhören mĂŒssen“, unterstrich TĂŒrk.

Zivilisten mĂŒssten geschĂŒtzt werden, humanitĂ€re Hilfe mĂŒsse die BedĂŒrftigen dringend erreichen können, die Verantwortlichen mĂŒssten zur Rechenschaft gezogen werden, betonte der UN-Beauftragte. Das Gesundheitsministerium im Gazastreifen teilte mit, in der Klinik seien tausende FlĂŒchtlinge aus dem Norden der KĂŒstenenklave untergebracht gewesen.

Foto: ICRC

Evakuierungsaufrufe kann das Gesundheitswesen nicht bewÀltigen

Das Al Ahli Arab Krankenhaus war betriebsbereit, und Patienten, Gesundheits- und Pflegepersonal sowie Binnenvertriebene seien dort untergebracht gewesen, so die WHO in einer ErklÀrung. Es war eines von 20 HospitÀlern im Norden des Gazastreifens, das von Evakuierungsforderungen des israelischen MilitÀrs betroffen war.

„Der Evakuierungsbefehl konnte angesichts der gegenwĂ€rtigen Unsicherheit, des kritischen Zustands vieler Patienten und des Mangels an Krankenwagen, Personal, BettenkapazitĂ€t des Gesundheitssystems und alternativen UnterkĂŒnften fĂŒr die Vertriebenen nicht ausgefĂŒhrt werden“, so die WHO.

Die UN-Organisation appellierte an den sofortigen aktiven Schutz der Zivilbevölkerung und der Gesundheitsversorgung. „Die Evakuierungsbefehle mĂŒssen rĂŒckgĂ€ngig gemacht werden. Das humanitĂ€re Völkerrecht muss eingehalten werden, was bedeutet, dass die Gesundheitsversorgung aktiv geschĂŒtzt werden muss und niemals ins Visier genommen werden darf.“

UN-GeneralsekretÀr Guterres ruft zu Waffenruhe auf

UN-GeneralsekretĂ€r AntĂłnio Guterres hat zu einer Waffenruhe aufgerufen. „Ich rufe zu einer sofortigen Feuerpause auf, um genug Zeit und Platz bereitzustellen, damit meine beiden Aufrufe realisiert und das epische menschliche Leid gelindert werden kann“, sagte er am Mittwoch in Peking. Damit bezog er sich auf seine Aufrufe an die Hamas, Geiseln freizulassen, und an Israel, humanitĂ€re Hilfe nach Gaza zu lassen.

Guterres reist angesichts der Eskalation der Gewalt nach Kairo. Dort will er nach UN-Angaben ab Donnerstag unter anderem den Ă€gyptischen Staatschef Abdel Fattah al-Sisi treffen, um eine Öffnung des GrenzĂŒbergangs Rafah von der Sinai-Halbinsel nach Gaza zu erreichen.

Diplomatische BemĂŒhungen angesichts der Tragödie stark beeintrĂ€chtigt

Jordanien hat nach dem Anschlag ein fĂŒr Mittwoch geplantes Treffen zwischen König Abdullah II. und US-PrĂ€sident Joe Biden abgesagt. Das Treffen, an dem auch Ägyptens Staatschef Abdel Fattah al-Sisi teilnehmen sollte, werde erst stattfinden, wenn es eine Vereinbarung gebe, den Krieg zu beenden und „diese Massaker“ zu stoppen, sagte Außenminister Aiman al-Safadi dem jordanischen Fernsehsender Al-Mamlaka. Militante PalĂ€stinenser und die israelische Armee hatten sich gegenseitig fĂŒr den Raketenbeschuss verantwortlich gemacht.

Saudi-Arabien verurteilte das „abscheuliche Verbrechen“ aufs SchĂ€rfste – und machte Israel dafĂŒr verantwortlich, wie es in einer ErklĂ€rung des saudischen Außenministeriums hieß. Riad verurteilte die „anhaltenden Angriffe der israelischen Besatzung“ auf Zivilisten. Auch die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) gaben Israel die Schuld.

Marokko verurteilte die „Bombardierung“ der Klinik «durch israelische StreitkrĂ€fte» ebenso «aufs SchĂ€rfste». Zivilisten mĂŒssten „von allen Seiten geschĂŒtzt werden“. Bahrain schloss sich der Kritik am „israelischen Bombenanschlag“ an.

UN Vereinte Nationen

Foto: UN Photo, Evan Schneider

UN-Sicherheitsrat soll sich mit Angriff befassen

Der Weltsicherheitsrat soll sich am Mittwoch mit dem Raketenangriff befassen. Die Vereinigten Arabischen Emirate und Russland beantragten am Dienstag eine Dringlichkeitssitzung des UN-Gremiums fĂŒr Mittwochmorgen New Yorker Zeit, wie die Deutsche Presse-Agentur aus Diplomatenkreisen erfuhr.

Brasilien, das dem Gremium derzeit vorsitzt, bestĂ€tigte zudem, dass der Rat in der Sitzung ab 10 Uhr New Yorker Zeit (16 Uhr MESZ) ĂŒber einen vorliegenden Entwurf fĂŒr eine Nahost-Resolution abstimmen soll.

Der Text, der auf eine Initiative Brasiliens zurĂŒckgeht, fordert neben dem Zugang fĂŒr humanitĂ€re Hilfe in den Gazastreifen unter anderem, dass Israel – ohne das Land direkt zu nennen – seine Aufforderung zur Evakuierung der Zivilbevölkerung aus dem nördlichen Teil der KĂŒstenregion zurĂŒcknimmt. Zudem mĂŒssten sich alle Konfliktparteien an das Völkerrecht halten.