Gesellschaft für bedrohte Völker: Indien muss Christen und Muslime besser schützen und Glaubensfreiheit garantieren

Göttingen (GfbV). Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) wirft Indien, dem diesjährigen Gastland der Hannover Messe, vor, Christen und Muslimen keine ausreichende Glaubensfreiheit zu garantieren. „Seit dem Amtsübernahme von Premierminister Narendra Modi im Mai 2014 haben die Übergriffe von Hindu-Nationalisten auf Christen und Muslime um 55 Prozent zugenommen“, kritisiert der GfbV-Asienreferent Ulrich Delius.

„Asiens größte Demokratie muss den Schutz religiöser Minderheiten ernster nehmen, wenn es nicht weiter an Glaubwürdigkeit in Menschenrechtsfragen verlieren will. Das gefährliche Zündeln von Hindu-Nationalisten könnte die Gewalt weiter anheizen und den ganzen Subkontinent destabilisieren.“ Die GfbV hat Bundeskanzlerin Angela Merkel gebeten, sich bei ihren Gesprächen mit dem indischen Premierminister für einen besseren Schutz von Christen und Muslimen in Indien einzusetzen.

In der bisherigen Amtszeit von Modi wurden in Indien mehr als 600 Übergriffe gezählt, davon 454 auf Muslime und 152 auf Christen. Hindu-Nationalisten bedrohten Priester und Gläubige, Messen und Begräbnisse wurden gezielt gestört, Christen zur Abkehr von ihrem Glauben gezwungen und Kirchen verwüstet. Im März 2015 wurde eine 70-jährige Nonne vergewaltigt, die jüngere Ordensschwestern vor radikalen Hindu schützte. Die Täter bleiben zumeist straflos, weil die Polizei nur halbherzig ermittelt und Zeugen aus Angst vor Racheakten nicht bereit sind, gegen Hindu-Nationalisten auszusagen.

Rund ein Viertel der Übergriffe sind tätliche Angriffe auf Personen. Deutlich nimmt dabei die Gewalt gegen Frauen zu. Rund die Hälfte der Zwischenfälle sind Einschüchterungen, Drohungen und Zwang. So wurde am 8. März 2015 in Faridabad (Bundesstaat Haryana) ein Gebetskreis von Hindu-Extremisten gewaltsam aufgelöst. Nur zwei Tage zuvor hatten 700 aufgebrachte Hindu die Bestattung eines verstorbenen Christen in einem nahen Dorf verhindert. Rund 25 Prozent der registrierten Aggressionen richteten sich gegen Sachen, Gebäude oder Einrichtungen der beiden religiösen Minderheiten.

„Nicht-Hindu fühlen sich immer mehr ausgegrenzt“, sagt Delius. „Sie leiden unter dem Klima der Gewalt. Obwohl die christlichen Kirchen in Indien auf eine mehr als 1500-jährige Geschichte zurückblicken, entsteht eine Endzeitstimmung unter ihren Gläubigen. Hindu-Nationalisten propagieren den Hinduismus als Staatsreligion und verunglimpfen Andersgläubige als Anhänger „fremder“ Religionen.“

Rund 80 Prozent der 1,2 Milliarden Inderinnen und Inder sind Hindu, 14 Prozent sind Muslime und 2,3 Prozent Christen (rund 1,6 Prozent der Gesamtbevölkerung sind Katholiken).

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