Hilfe beim ­letzten Weg

Ausgabe 283

Foto: Dreamstime

(iz). Den Zugang zur palliativen Versorgung für Menschen mit Migrationshintergrund erleichtern und herkunftssensible Hospizarbeit und Palliativversorgung fördern. Das ist die Devise, die hinter dem ­kultursensiblen Praktikum im Hospizdienst am Universitätsklinikum Essen (UK Essen) steckt. Bisher gab es nur in Berlin und München eine kultursensible Hospizarbeit.
Der Bedarf an Begleitung und Betreuung von Schwerkranken und sterbenden Menschen aus den verschiedensten Kulturkreisen nimmt im Rahmen der Hospiz- und Palliativarbeit immer größer werdenden Stellenwert ein. Deshalb wurde am 29. November 2017 ein zehnmonatiger, kultursensibler Befähigungskurs für die Hospizarbeit gestartet, der mindestens 80 Theorie- und 20 Praxisstunden umfasst sowie bundesweit anerkannt ist.
„Nach Berlin und München, wird sich nun auch die Hospizarbeit am UK Essen den kulturübergreifenden Fragestellungen einer würdevollen Lebensgestaltung schwerkranker und sterbender Menschen widmen“, sagte Dr. Ferya Banaz-Yaşar von der Hospizarbeit am UK Essen. Gemeinsam mit Diplom-Pflegewirtin Ulrike Ritterbusch und Pastorin Karin Scheer leitet sie das Projekt zum kultursensiblen Befähigungskurs. Gemeinnütziger Träger ist der Förderverein Innere Klinik (Tumorforschung) am Universitätsklinikum Essen.
Das Büro der Hospizarbeit am UK Essen befindet sich auf der Palliativstation im Gebäude des Westdeutschen Tumorzentrums (WTZ 4). Trotz der gleichen Fürsorge und Betreuung auf allen Ebenen der Palliativstationen steckt auf der­ ­vierten Etage die Liebe zum Detail. Der Flurgang mit dunkelbraunem Linoleumboden in Holzoptik ähnelt eher an eine häusliche Wohngemeinschaft als an ein Krankenhaus. Die Wände des Stationsflures sind mit Bildern von der Künstlerin Ayşe Aral geschmückt. Mit einer Vernissage wurde am 24. November 2018 um 15 Uhr die Bildausstellung auf der ­Essener Palliativstation eröffnet. Die Malerin stellt diese Kunstwerke der ­Station leih- und freundlicherweise zur Verfügung.
Vom Flurgang geht es zu den Patientenzimmern. Die Räume sind sehr wohnlich und hell gestaltet. Jeder Patient hat ein eigenes Zimmer mit Balkonblick. Eine große Terrasse, speziell auch für deren Angehörige, gehören eben dazu. Insgesamt verfügt die Einrichtung über zwölf Zimmer. Zusätzlich neben der ambulanten und stationären Betreuung ermöglichen die langjährigen Mitarbeiter des Hospizdienstes zweimal in der Woche im Wohnzimmer des WTZ 4 den Patienten ein gemeinschaftliches Frühstück. „Dies verschafft nochmal eine vertrauensvolle Atmosphäre“, erklärt die Koordinatorin Karin Scheer. Das entspricht ganz dem, was die drei hauptamtlichen Hospizmitarbeiterinnen wollen – nämlich ein geborgenes Haus für die Patienten. Wollen sich die Patienten oder ihre Angehörigen zurückziehen, bietet der Raum der Stille ideale Bedingungen. Dieser Raum ist besonders hervorzuheben, weil es Menschen aus verschiedenen Religionen ermöglicht, ihre Gebete zu verrichten. So sind beispielsweise einige Gebetsteppiche für muslimische Gläubige aufgestellt. Hier wird alles getan, damit sich die Gäste aus allen Religionen und Kulturen wohlfühlen.
Denn ein wesentliches Ziel des kultursensiblen Praktikums für ehrenamtliche Hospizmitarbeitende ist nicht nur das Einüben einer hilfreichen Haltung des Begleitens und der einfühlsamen Ge­sprächsführung, sondern der Schwerpunkt liegt auch auf der Erarbeitung einer eigenen spirituellen Haltung in der Sterbebegleitung sowie im Kennenlernen unterschiedlicher Rituale und Zeichen. „Im Hospizpraktikum am UK Essen musste ich feststellen, dass sich auch etliche Patienten mit Migrationshintergrund wiederfinden und dass ihre Anzahl, aus welchen Gründen auch immer, stetig zunimmt. Ich konnte auch erleben, dass die Betroffenen sich erfreuten und verstandener fühlten, wenn sie von Mitarbeitenden mit demselben kulturellen oder religiösen Hintergrund betreut ­wurden“, reflektiert Leyla Dağlı Arduç ihre Praktikumszeit als Ehrenamtlerin.
Das Projekt endete am 17. Oktober 2018. „Dreizehn neue Ehrenamtliche erweitern nun fertig ausgebildet unseren Kreis und das feierten wir gemeinsam“, berichtet Pastorin Scheer über die Zertifikationsübergabe und den Abschluss, an dem neben den Teilnehmern, Familie und interessierte Freunde ebenfalls der Essener Oberbürgermeister kamen. Auch waren einige Mitarbeiter/innen aus der Klinik und anderen Bereichen, in denen sie die Hospizbegleitungen anbieten, eingeladen.
Der neue Befähigungskurs wird nächstes Jahr gestartet. Jedoch mit einer Besonderheit: Er soll nicht mehr kultursensibel heißen: „Es ist uns sozusagen in den Sinn gekommen, dass Hospizarbeit an sich nur dann Hospizarbeit ist, wenn man dabei auf die kulturellen Bedürfnisse jedes einzelnen Menschen genau schaut und diese achtet und würdigt. Necla, eine Ehrenamtlerin, hat gesagt, eigentlich müsste der Kurs „menschen-sensibel“ heißen, das fand ich gut“, erzählt Ulrike Ritterbusch. Ihre Kollegin Dr. Banaz-Yaşar bestärkt diese Meinung: „Das zu betonen ist und soll überflüssig werden. Wir werden die Inhalte so bestimmen, dass jeder kultursensibel befähigt wird.“ So lautet das Fazit der drei Experten, welches sich aufgrund der gewonnenen Erkenntnisse aus dem Befähigungskurs zur kultursensiblen ehrenamtlichen Hospizarbeit ziehen lässt.
Ein weiteres Novum ist das Hospizforum am UK Essen. Der erste Kursabend fand bereits am 10. Oktober 2018 mit der Referentin Gülbahar Erdem M. A. statt, die einen Vortrag über die Begleitung muslimischer Menschen am Lebensende hielt. Weitere Kurse sind für die breite Öffentlichkeit konzeptioniert und können nach einer rechtzeitigen Anmeldung bei den Koordinatorinnen des ­Hospizdienstes unter [email protected] kostenlos besucht werden.

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