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Ramadan 2023: Ruhe, hochwertige Zutaten und Nachhaltigkeit für das Iftar

Ausgabe 310

Iftar Nachhaltigkeit
Foto: Shutterstock

Achtsames Essen ist nichts Neues. In der Praxis sieht es dann aber anders aus, insbesondere beim Iftar im Ramadan.

(Amaliah.com). Achtsames Essen ist nichts Neues. In der Praxis sieht es dann aber anders aus, insbesondere beim Fastenbrechen im Ramadan. Wenn sich dieser Monat annähert, ist es wichtig, gute Eigenschaften zu entwickeln oder vielmehr zu verfeinern. Offenkundig sind wir in diesem Moment hungrig, durstig und warten aufgeregt auf den Sonnenuntergang. Also füllen wir unsere Teller mit Lebensmittel so sehr, dass wir das gar nicht alles aufessen können. Am Ende fühlen wir uns voll, müde und faul.

Von Ashiya Mendheria

Foto: Archiv

Nach langem Fasten ein unbewusstes Iftar

Das liegt auch daran, dass wir unbewusst essen. Es ist leicht, sich nach fast 18 Stunden Enthaltsamkeit, die wir nur zur Freude Allahs gemacht haben, gierig unseren Lieblingsspeisen hinzugeben. Dabei ist bewussteres Essen die Erweiterung von Dankbarkeit für die Nahrung und Versorgung (arab. rizq), mit der Allah uns versorgt.

Wir sind unendlich gesegnet, weil wir wissen, dass wir genau um diese Uhrzeit genug Essen haben, um den Hunger zu besänftigen. Wie viele Leute haben das nicht? Unsere Segnungen sind so unermesslich, dass wir sogar Heißhunger ­haben und uns genau aussuchen können, was wir essen wollen und eine Auswahl an Köstlichkeiten bereithalten können. Wiederum viele können das nicht.

Dattel

Foto: Anna Tarazevich, Pexels

Achtsamkeit und Wahrnehmung

Achtsamkeit bei der Nahrung meint „nur“, bewusst dabei zu sein und darauf zu achten, was und wie wir essen. Es ist der gezielte Fokus unserer Aufmerksamkeit auf Aromen, Texturen, Geschmäcker, Farben und sogar den „Sound“ unserer Mahlzeiten. Und sich vollkommen bewusst zu werden, welche Gefühle uns jeder Bissen vermittelt. Wir kennen nur zu genau den Eindruck der ersten Schlucke kalten Wassers, der durch unsere ausgetrockneten Körper beim Fastenbrechen fließt. Und wir wissen alle um die süße, luxuriöse Dichte einer Dattel.

Der Prophet, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, sagte: „(…) es gibt zwei Freuden für eine fastende Person. Die eine ist der Augenblick, wenn sie ihr Fasten bricht. Die andere der Moment, wenn sie ihrem Herrn begegnen wird.“ (Sahih Al-Bukhari)

Ramadan ist ein Monat, in dem unsere Wahrnehmung von Nahrung und allem, was mit ihr zusammenhängt (wie Gefräßigkeit, Bequemlichkeit, Vergnügen, Hunger und Verlangen) gesteigert wird. Vorbedingung ist, dass die Zutaten halal, nahrhaft und vollwertig sind. Jedoch liegt der Segen der Versorgung nicht nur in den Rohstoffen selbst, sondern auch in den Handlungen außerhalb von ihnen und in den Gewohnheiten, die metaphysische Folgen haben; das heißt, den spürbaren Wohltaten in diesem Leben und dem Jenseits.

Foto: SorinVidis | iStockphoto

Die Absicht ist entscheidend

Unsere Teilhabe an einer Mahlzeit kann eine Belohnung erfahren, wenn unsere Haltung und Absicht darin auf die Zufriedenheit Allahs abzielt. Uns muss bewusst sein, dass Allah uns sieht, wenn wir uns Seiner Versorgung hingeben. Diese Erkenntnis führt uns zu Seiner Zufriedenheit. Was mehr könnten wir im Ramadan wollen?

Ich glaube, dass diese Aufmerksamkeit beginnt, bevor wir überhaupt anfangen zu essen. Sie startet beim Einkauf, der Vorbereitung und wo unsere Gedanken dabei sind. Richtig gemacht hilft Aufmerksamkeit dabei die Verschwendung von Lebensmittel zu verringern und verhindert allgemeine Probleme wie Verdauungsschwierigkeiten und Völlegefühl.

Foto: Drazen, Adobe Stock

Nachhaltigkeit in der Praxis

Das zugrunde liegende Motiv dabei ist es, unseren Körper für die Anbetung ­Gottes zu stärken. Daher hier einige Schritte zum Essen mit einem achtsamen und bewussten Herzen:

  • Kaufen Sie hochwertige Zutaten ein – wenn möglich aus organischer Herkunft – und vermeiden Sie raffinierte beziehungsweise industriell verarbeitete Produkte. In ethischer Hinsicht sollten Sie die Herkunft ihrer Lebensmittel kennen. Das heißt, dass die Ingredienzien so produziert werden, dass sie für Umwelt und die Arbeiter nachhaltig sind.
  • Wenn Sie selbst kochen, bringen Sie sich durch Qur’an, Dhikr oder spirituelle Lieder in Stimmung. Das steigert den ­Segen und den Ernährungswert dessen, was wir zu uns nehmen. Neben dem Kauf von energetischen Lebensmitteln (frisch, biologisch, gute Qualität usw.) können positive Schwingungen rund um das ­Essen durch bewusste Gedanken, Worte und Handlungen bei der Zubereitung erzeugt werden.
  • Haben Sie nicht selbst gekocht, bieten Sie ihre Hilfe an. Danken Sie dem Koch/der Köchin und sprechen Sie ein Bittgebet.
  • Schaffen Sie einen angenehmen Raum, um sich an der Mahlzeit zu erfreuen. Das ist nötig, um dem Essen die volle Aufmerksamkeit zu widmen. Dazu gehört auch, sämtliche elektronischen Geräte auszuschalten. Während des Essens ­gehört das Smartphone in die Schublade. Nur so nehmen wir die Nahrung – und die Mitmenschen – wirklich aufmerksam wahr.
  • Stellen Sie sicher, dass Sie das Gebet zum Fastenbrechen auswendig gelernt und seine Bedeutung verinnerlicht ­haben. Danken Sie Allah für das Essen vor Ihnen. Und nehmen Sie sich vor, achtsam zu essen
  • Sagen Sie bewusst „Bismillah“ (im Namen Allahs). Fragen Sie sich, was der Grund dafür ist.
  • Beginnen Sie mit kleinen Portionen, anstatt Ihren Teller bis zum Rand zu ­füllen. Wenn möglich, fangen Sie mit Obst an, da es Ihrem Magen hilft, sich nach der Zeit des Hungerns allmählich wieder an das Essen zu gewöhnen.
  • Achten Sie auf die Farben, Texturen und Strukturen der Lebensmittel. Kauen Sie langsam und atmen Sie. Atmen Sie die Aromen ein, denken Sie an die ­Vielfalt der Geschmäcker auf Ihrer Zunge und genießen Sie jeden Bissen mit einem Herzen voller Ehrfurcht und Dankbarkeit.
  • Hören Sie auf Ihren Körper. Es dauert zwischen 5 und 20 Minuten, bis er Signale an Ihr Gehirn sendet, um zu sagen, dass er satt ist. Es kann sein, dass Sie bereit sind, noch mehr Essen aufzutürmen, aber Ihr Magen könnte gesättigt sein. Wenn Sie sich unbefriedigt fühlen, essen Sie noch ein paar Bissen. Sobald man satt ist, sollte man aufhören.

Die Sunna dessen, was wir essen, die Menge und wie wir es tun, sollte für unser tägliches Leben wesentlich sein – nicht nur im Ramadan. Beginnen wir jetzt mit dieser Praxis. (Amaliah.com)

Ashiya Mendheria studiert derzeit Ernährungstherapie an einer Fachschule für ­Naturheilkunde.