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Steinmeier würdigt Engagement gegen Rassismus

Foto: president.gov.ua, via Wikimedia Commons | Lizenz: CC BY 4.0

Darmstadt (IWGR). Zum Auftakt der UN-Wochen hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier das Engagement gegen Rassismus gewürdigt. „Wir brauchen Gegenrede“, betonte Steinmeier in einem schriftlichen Grußwort am Montag. „Wir brauchen Gegenwehr mit den Mitteln des Rechtsstaats und einer entschlossenen Zivilgesellschaft.“ Auch wenn oft andere Themen die öffentliche Debatte bestimmten: „Diese Arbeit bleibt nötig.“

Auch in Deutschland sei Rassismus ein Problem. Die Internationalen Wochen gegen Rassismus vom 15. bis 28. März stehen in diesem Jahr unter dem Motto „Solidarität. Grenzenlos.“ Über 1.200 Veranstaltungen und Aktionen bundesweit setzen ein Zeichen für Vielfalt und Toleranz, viele davon finden aufgrund der Pandemie im Netz statt.

Der Bundespräsident dankte allen Haupt- und Ehrenamtlichen, die mit „Fantasie und Ausdauer“ neue digitale Formate entwickelt und so zumindest einen Teil ihrer wichtigen Arbeit fortgesetzt hätten. Steinmeier verwies darauf, wie leicht es sei, allgemein zu sagen: „Schlimm, diese Feindlichkeit.“ Aber wie viel mehr Mut brauche es im Alltag, um beim konkreten Vorfall einzuschreiten: „Halt, so nicht.“ Zum Beispiel, wenn die Bewerbung um eine Mietwohnung oder einen Ausbildungsplatz bei Seite gelegt werde, weil ein fremd wirkender Name darauf stehe. „Oder auch dann, wenn Menschen, die in unserem Land leben, sich hier aber nicht zuhause fühlen, gar nichts anderes mehr erwarten als Ablehnung.“ Steinmeier betonte, dass Resignation genauso wenig Raum greifen dürfe wie der Hass selbst. Deshalb seien die Internationalen Wochen gegen Rassismus so wertvoll: „Sie erinnern uns einmal im Jahr dran, worum wir täglich aufs Neue ringen müssen. Alle gemeinsam.“

Der Geschäftsführer der Stiftung gegen Rassismus Jürgen Micksch, betonte, dass sich zum ersten Mal seit 25 Jahren ein Bundespräsident an den UN-Wochen beteilige. Diese Erklärung sei ein Wendepunkt. Als sie vor 25 Jahren die Aktionswochen starteten, sei von vielen Seiten gesagt worden, dass es nach dem Nationalsozialismus in Deutschland keinen Rassismus mehr gebe. „Das hat sich inzwischen verändert“, betont Micksch.

Durch den NSU, den rassistisch motivierten Mord an Walter Lübcke, die Anschläge von Hanau und Halle sei in der Gesellschaft bewusst geworden: „Rassismus tötet.“ Nach 25 Jahren sei der Rassismus in Deutschland nicht mehr zu leugnen. Der Geschäftsführer bezeichnete die Überwindung von Rassismus zu den großen Herausforderungen im 21. Jahrhundert. „Wir können erfolgreich sein“, ist Micksch überzeugt. Dafür seien Geduld und Ausdauer erforderlich. 

Der Gründer der Stiftung zeigt sich erfreut über die breite Unterstützung der UN-Wochen. So laden acht Religionsgemeinschaften Menschen anderer Religionen zu ihren Feiern ein. Über 1.700 Moscheegemeinden unterstützen die Aktionswochen mit Ansprachen bei ihren Freitagsgebeten, laden dazu Juden und Christen sowie Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens ein. Auch jüdische Gemeinden beteiligen sich, allerdings nur wenige christliche Gemeinden. „Wir arbeiten daran, dass sich das in den kommenden Jahren verändert“, so Micksch. Erstmals wirken alevitische Gemeinden mit. Gemeinsam setzen die Religionsgemeinschaften ein Zeichen gegen Gewalt und Rassismus. 

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