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Nicht nur in Deutschland: Österreich und sein Streit um den „politischen Islam“

österreich politischen islam westen begriffe debatte islam

Österreichs Regierung will den „politischen Islam“ verbieten. Bundeskanzler Christian Stocker und Integrationsministerin Claudia Bauer (beide ÖVP) begründen den Vorstoß mit dem Schutz von Demokratie, Rechtsstaat und gesellschaftlichem Zusammenhalt.

(iz). Was als entschlossenes Signal gegen den „Islamismus“ gedacht ist, wirft jedoch erhebliche rechtliche und verfassungspolitische Fragen auf. Denn bislang gibt es keinen Gesetzesentwurf, der erkennen ließe, was unter dem Begriff genau verstanden und nach welchen Kriterien ein Verbot verhängt werden soll.

Diese terminologisch Unschärfe ist keineswegs ein bloß sprachliches Problem. Sie berührt den Kern rechtsstaatlicher Gesetzgebung. Solche Anordnungen müssen so bestimmt sein, dass erkennbar bleibt, was für ein Verhalten, welche Organisation oder konkrete Tätigkeit untersagt werden soll.

Empörung

Foto: Drazen Zigic, Shutterstock

Der Verfassungsjurist Peter Bußjäger hält es deshalb für schwierig, „dieses diffuse Problem in eine Formulierung zu bringen, die rechtlich vollziehbar ist“. Ein Gesetz, das nicht klar zwischen einer extremistischen Ideologie und legitimer religiöser oder sozialer Betätigung unterscheiden kann, geriete in Konflikt mit Grundrechten.

Der Soziologe und Integrationsexperte Kenan Güngör verwies auf die begriffliche Schieflage. „De facto ist jede größere Religionsgemeinschaft politisch, auch die katholische Kirche“, sagt er. Sie bezögen Position zu Bildung, Familie, Armut, Krieg, Migration oder ethischen Fragen. Allein daraus folge keine Verfassungsfeindlichkeit.

Die Frage ist zudem, ob Österreich überhaupt eine neue verfassungsrechtliche Verbotsnorm benötigt. Strafrecht, Vereinsrecht und Staatsschutz bieten bereits Möglichkeiten gegen Gewaltpropaganda, terroristische Netzwerke, staatsfeindliche Verbindungen und extremistische Organisationen.

Der Strafrechtsprofessor Alois Birklbauer bezweifelte daher, „ob es tatsächlich notwendig ist, jetzt ein neues Gesetz im Verfassungsrang auszuarbeiten“. Wer ein zusätzliches Verbot fordert, müsste genauer erklären, welche konkrete Lücke das geltende Recht offenlässt und warum sie nicht durch konsequente Anwendung vorhandener Instrumente geschlossen werden kann.

Foto: Freepik.com | Lizenz: Freepik

Der Ökumenische Rat der Kirchen in Österreich stellte sich hinter die Muslime. Extremismus müsse bekämpft werden, heißt es dort, zugleich gelte es, die Religionsfreiheit zu schützen. Beides seien „zwei Seiten einer Medaille“. Pauschalverdächtigungen, so der Kirchenrat, schürten soziale Spaltungen und erschwerten gerade die Zusammenarbeit, die zur Prävention extremistischer Gewalt nötig ist.

Besonders sensibel ist die Lage für die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich, die gesetzlich als Religionsgesellschaft verankert ist. Kurzzeitig hatte Ministerin Bauer Folgen eines Verbots für sie nicht ausdrücklich ausgeschlossen.

„Extremismus, gleich unter welchem Deckmantel er auftritt, widerspricht unseren religiösen und gesellschaftlichen Grundwerten. Als anerkannte Religionsgemeinschaft mit über hundertzehnjähriger Geschichte in Österreich stehen wir uneingeschränkt auf dem Boden der Verfassung und des Rechtsstaats“, erklärte IGGÖ-Präsident Ümit Vural anlässlich solcher Vorhaben.

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Österreich eskaliert: ÖVP empört mit Islam-Posting

Österreich ÖVP

Nachdem sie auf ein Zustimmungstief gefallen ist, setze Österreichs Kanzlerpartei ÖVP zunehmend auf Populismus. Das behaupten die Kritiker – die jetzt Muslime im Fadenkreuz der Konservativen sehen. (KNA). In Österreich […]

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Kurzmeldungen aus Ausgabe 356: von Afrika bis Syrien

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Kurzmeldungen Ausgabe 356: In dieser Ausgabe spannen sich die internationalen Meldungen vom Desinteresse an Afrika, über die Lage im Nahen Osten bis zum österreichischen Rechtsruck.

Drohnenkrieg gefährdet humanitäre Hilfe

BRATISLAVA (IPS). Experten warnen, dass humanitäre Hilfsaktionen in einigen Gebieten in Zukunft unmöglich werden könnten, da ein neuer Bericht einen dramatischen Anstieg des Einsatzes bewaffneter Drohnen in Konfliktgebieten zeigt. Der am 14. Januar veröffentlichte Bericht von Insecurity Insight zeigt, dass die Zahl der registrierten Vorfälle, die sich direkt auf Hilfs- und Gesundheitsprogramme in Konfliktgebieten auswirken, im letzten Jahr fast um das Vierfache gestiegen ist. Und dass sich der Anteil der abgeworfenen Sprengstoffe an allen Einsätzen, die Hilfs- oder Gesundheitsversorgung beeinträchtigten, verdoppelt hat. Es wird davor gewarnt, dass die Häufigkeit des Drohneneinsatzes in Konflikten und damit die Zahl der Vorfälle in den kommenden Jahren wahrscheinlich zunehmen wird. Das gilt für das Ausmaß und die Zahl der betroffenen Länder bzw. Gebiete. Es ist erheblich billiger, explosive Munition mit Drohnen zu transportieren als mit bemannten Flugzeugen. Ihr Einsatz birgt für die Bediener nur ein minimales Risiko, verbunden mit der zunehmenden Verfügbarkeit von Komponenten auf militärischen und kommerziellen Märkten. „Es könnte eine Zeit kommen, in der Hilfsorganisationen in einigen Konfliktgebieten nicht mehr arbeiten können (wegen der mit Drohnen verbundenen Risiken)“, sagte Christina Wille, Direktorin von Insecurity Insight. Der Bericht hebt hervor, dass der Drohneneinsatz in Konfliktzonen in den letzten zwei Jahrzehnten und insbesondere den vergangenen Jahren exponentiell stieg. Es kommt zu Tötungen und Verletzungen von Gesundheits- und Hilfskräften sowie zur Zerstörung der Hilfsinfrastruktur, einschließlich Lagerhäusern, Vertriebenen- oder Flüchtlingslagern, Gesundheitseinrichtungen und Krankenwagen.

Waffenruhe: Rotes Kreuz bietet Hilfe an

GENF (KUNA). Die Präsidentin des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK), Mirjana Spoljaric, erklärte am 15. Januar, dass man bereit sei, die Umsetzung des Waffenstillstandsabkommens in Gaza zu unterstützen. In einer in Genf veröffentlichten Erklärung bekundete sie die Bereitschaft, alle vereinbarten Freilassungsaktionen zu erleichtern, um sicherzustellen, dass die Geiseln beider Seiten nach Hause zurückkehren können. Sie betonte, dass das IKRK als neutraler Vermittler die Freilassung von 109 Geiseln sowie 154 Gefangenen in einer hochkomplexen Operation ermöglicht habe. Spoljaric wies außerdem auf den Willen des IKRK hin, seine humanitäre Hilfe in Gaza erheblich auszuweiten, wo die Situation von beiden Seiten dauernde Anstrengungen erfordert, um zu gewährleisten, dass die Arbeit sicher und effektiv durchgeführt werden kann. Sie betonte, dass das IKRK eine ständige Präsenz in Gaza unterhält, und forderte alle Parteien auf, ihre Verpflichtungen aus dem humanitären Völkerrecht zu respektieren.

afrika

Foto: Feed My Starving Children (FMSC)

CARE: Die Medien vernachlässigen Afrika

BONN (KNA/IZ). Die Krisen in Afrika finden nach Ansicht der Hilfsorganisation Care zu wenig Beachtung in der Berichterstattung. Zum dritten Mal in Folge belegen ausschließlich afrikanische Staaten die ersten zehn Ränge im am 15. Januar veröffentlichten Report über humanitäre Katastrophen, die im vergangenen Jahr keine oder kaum Schlagzeilen machten. An erster Stelle steht Angola. Den zweiten Platz belegt die von einem anhaltenden Bürgerkrieg gezeichnete Zentralafrikanische Republik. Auf dem dritten Rang findet sich Madagaskar, das unter den Folgen der Klimakrise leidet.

UNHCR fordert Hilfe für Rohingya

BANGKOK (KNA). Die Rohingya zählen zu den verfolgten Minderheiten in Burma. Viele wagen die Flucht über das Meer, doch die Zielländer verweigern die Aufnahme. Die UN sind alarmiert. Das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR rief die Staaten Südostasiens zur Rettung von Rohingya-Bootsflüchtlingen aus dem Bürgerkriegsland auf und verurteilt Zurückweisungen auf die offene See. „Die Rettung von Menschenleben muss oberste Priorität haben“, sagte Hai Kyung Jun, Direktorin des UNHCR-Regionalbüros für Asien und den Pazifik, am 15. Januar in Bangkok. Die muslimische Volksgruppe der Rohingya wird von der Militär-Junta in Myanmar unterdrückt und verfolgt. In ihrem Siedlungsgebiet im Bundesstaat Rakhine steht die diskriminierte ethnisch-religiöse Minderheit in den Kämpfen von der Armee und der Rebellenmiliz Arakan Army zwischen den Fronten.

Foto: A. Kaziliunas | Shutterstock

Muslime kritisieren Tory-Chefin Badenoch

LONDON (Agenturen). Der muslimische Rat von Großbritannien kritisierte am 8. Januar die Vorsitzende der Konservativen Partei Badenoch scharf für ihre Äußerungen im Unterhaus. Sie warf ihr vor, auf zynische Weise eine Definition von Islamophobie mit Ermittlungen zu schweren Verbrechen zu vermischen. Der Rat bezeichnete ihre Aussagen als spaltend sowie falsch und forderte sie auf, ihre Behauptungen zurückzunehmen.

UNIFIL moniert Zerstörungen der Besatzung

BEIRUT (KUNA). Die UN-Friedenstruppen im Libanon (UNIFIL) kritisierten die Zerstörung von zivilem sowie militärischem Eigentum und Infrastruktur im Südlibanon durch die israelischen Besatzungstruppen, darunter auch Eigentum der UN-Truppen. „Wir fordern alle Akteure auf, jegliche Handlungen zu unterlassen, einschließlich der Zerstörung von zivilem Eigentum und Infrastruktur, die die Einstellung der Feindseligkeiten gefährden könnten“, so die UNIFIL in einer Pressemitteilung.

krieg gaza

Foto: GRAPHIC DESIGN BLOG

Arabische Staaten begrüßen Waffenruhe

KAIRO (Agenturen). Staaten im Nahen Osten begrüßten die Waffenruhe für Gaza zwischen Israel und der Hamas vom 15. Januar. Es war das Ergebnis von intensiven Verhandlungen mit internationalen Vermittlern. „Ich begrüße das Waffenstillstandsabkommen für Gaza nach über einem Jahr intensiver Bemühungen unter Vermittlung Ägyptens, Katars und der USA“, sagte Ägyptens Präsident Sisi auf Facebook. Er betonte die dringende Notwendigkeit, humanitäre Hilfe nach Gaza zu bringen. Das jordanische Außenministerium lobte die Bemühungen Ägyptens, Katars und der USA, eine Einigung zu erzielen, und betonte die „Notwendigkeit, sich vollständig daran zu halten“. In der Erklärung wurde Außenminister Safadi mit den Worten zitiert, dass „eine sofortige internationale Initiative gestartet werden muss, um ausreichende und nachhaltige humanitäre Hilfe zu leisten, um die durch die israelische Aggression gegen Gaza verursachte humanitäre Katastrophe zu bewältigen“. Auch Saudi-Arabien begrüßte die Nachricht und betonte, dass „die Einhaltung des Abkommens, die Beendigung der israelischen Aggression gegen Gaza, der vollständige Abzug der israelischen Besatzungstruppen aus dem (Gaza-)Streifen und allen palästinensischen und arabischen Gebieten sowie die Rückkehr der Vertriebenen in ihre Gebiete notwendig sind“.

„Kampf gegen Islam“: Rechtsruck geht weiter

WIEN (IZ/KNA). Anfang Januar sorgte die Landeshauptfrau von Niederösterreich, Johanna Mikl-Leitner, mit ihren Äußerungen zum Islam für Empörung in Österreich. In einem Interview mit ORF forderte sie „konkrete Maßnahmen“ im „Kampf gegen den Islam“. Nach Protesten ruderte die Politikerin der Österreichischen Volkspartei (ÖVP) leicht zurück. Sie korrigierte sich dahingehend, dass es ihr um den „politischen Islam“ ginge. Sie würde sich schon seit Jahren gegen die Instrumentalisierung der Religion einsetzen. Ihre Äußerung führte zu heftiger Kritik durch die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ). Mikl-Leitners Worte seien als „direkter Angriff auf die Würde der Muslime in Österreich“ zu werten. Ihre Ansichten ereignen sich nicht im luftleeren Raum. In unserem Nachbarland ist die rechtsextreme FPÖ integraler Bestandteil der Politik. Sie kann seit den Europawahlen von der Schwäche der Mitte profitieren. Nachdem dort die Gespräche über die Bildung einer Dreierkoalition scheiterten, musste Präsident Van der Bellen FPÖ-Chef Kickl mit der Regierungsbildung beauftragen. Anfang Januar veröffentlichte die Universität Wien eine Untersuchung zu Einstellungen gegenüber Religion. Demnach seien Antipathien bzgl. Islam und Judentum häufig in der Gesellschaft. Laut der Erhebung für das ORF-Projekt „Was glaubt Österreich?“ erklärten 39 % der Befragten christliche und islamische Werte für unvereinbar. 31 % vertraten die Meinung, dass die Religionsausübung von Muslimen eingeschränkt werden sollte. Die vollständigen Studienresultate sollen im Frühling 2025 präsentiert werden.

idee gaza

Foto: IDF Spokesperson’s Unit, via Wikimedia Commons | Lizenz: CC BY-SA 3.0

IKRK: Kriegsparteien müssen Zusagen einhalten

GENF (KUNA). Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) forderte am 19. Januar die Parteien des Waffenstillstandsabkommens für Gaza auf, sich an ihre Verpflichtungen zu halten. Der Waffenstillstand sei ein Neubeginn, und es werde noch lange Zeit nach der Freilassung der Gefangenen einen enormen humanitären Bedarf geben, sagte ein Vertreter nach der Sitzung des Komitees. Das Komitee bekräftigte seine Bereitschaft, den Gefangenenaustausch zu erleichtern. Er wies darauf hin, dass das IKRK seine Arbeit seit dem Ausbruch der israelischen Besatzungsaggression im belagerten Gazastreifen nicht eingestellt habe.

Guterres: Waffenruhe erster, wichtiger Schritt

WASHINGTON (KUNA). UN-Generalsekretär Antonio Guterres begrüßte die Ankündigung einer Vereinbarung zur Sicherung eines Waffenstillstands und der Freilassung von Geiseln in Gaza nach 15 Monaten Krieg. In einer Rede vor Reportern im UN-Hauptquartier lobte er die Vermittler Ägypten, Katar und die Vereinigten Staaten für ihre engagierten Bemühungen bei der Aushandlung des Abkommens. „Ihr unerschütterliches Engagement für eine diplomatische Lösung war entscheidend für diesen Durchbruch“, sagte er.

töten krieg

Foto: Anas-Mohammed, Shutterstock

IOM: Es braucht jetzt Schutz vor der Kälte

GENF (IZ). Die Internationale Organisation für Migration (IOM) ist zutiefst beunruhigt über die verheerenden Auswirkungen der Winterregenfälle und der eisigen Temperaturen auf die vertriebenen Palästinenser in Gaza. „Schutzbedürftige Menschen (…) sind an Unterkühlung gestorben, und diese tragischen Todesfälle unterstreichen die dringende Notwendigkeit von Unterkünften und anderer Hilfe,“, sagte IOM-Generaldirektorin Amy Pope.

Aufruf von Helfern zu einem Waffenstillstand

KÖLN (IZ/IRD). Die Hilfsorganisation Islamic Relief fordert die Kriegsparteien im Sudan dazu auf, die ungehinderte Lieferung von humanitärer Hilfe zu ermöglichen. Auch appelliert sie an die internationale Gemeinschaft, ihre Bemühungen zu verstärken, um eine Ausbreitung der Hungersnot im Land zu verhindern und ein dauerhaftes Friedensabkommen zu erreichen. Schätzungsweise 30,4 Mio. Menschen im Sudan benötigen im Jahr 2025 Hilfe. Dies entspricht fast zwei Dritteln der Bevölkerung des Landes. Es bedeutet einen Anstieg um 5,6 Mio. im Vergleich zu 2024, der auf den verheerenden Konflikt, die daraus resultierende Vertreibung, den Ausbruch von Krankheiten, Naturkatastrophen und die dezimierten Lebensgrundlagen zurückzuführen ist. Durch keinen anderen Krieg wurden so viele gezwungen, aus ihrem Zuhause zu fliehen. Das sind 12 Mio. seit Kriegsbeginn am 15. April 2023, davon sind 8,8 Mio. vertrieben im eigenen Land.  Nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) sind 3,2 Millionen Menschen über die Grenzen des Sudans in Nachbarländer geflohen. In dem ostafrikanischen Staat herrscht eine der schlimmsten humanitären Krisen weltweit: Der Bedarf an Hilfe eskaliert, die Zahl der Vertriebenen steigt, die Unterernährungsrate nimmt zu und die Ernährungslage ist unsicher.

Malaysia Steinmeier Staatsbesuch

Foto: Amirul Azmi | fotoBERNAMA

Regionale Kooperation soll ausgebaut werden

KUALA LUMPUR (KUNA). Der malaysische Premierminister Anwar Ibrahim und der indonesische Präsident Prabowo Subianto betonten, wie wichtig es sei, die ASEAN zu stärken und die regionale Zusammenarbeit während des diesjährigen Vorsitzes Malaysias in der Vereinigung zu fördern. In einer Presseerklärung vom 8. Januar sagte Ibrahim, Subianto habe dieses Engagement während einer geschlossenen Sitzung im Rahmen seines Besuchs in der malaysischen Hauptstadt angekündigt. Die beiden Seiten erörterten die bilateralen Beziehungen mit Schwerpunkt auf der Förderung von Handel, Investitionen, grenzüberschreitender Zusammenarbeit und der Lösung offener Fragen.

Volle Aufklärung von Staatsverbrechen gefordert

GÖTTINGEN (GfbV). Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) begrüßte das Vorhaben des Chefanklägers des Internationalen Strafgerichtshofs (IStGH), Karim Khan, die Kriegsverbrechen des gestürzten Diktators Baschar al-Assad in Syrien zu untersuchen. „Unter Assad wurden zehntausende Menschen ermordet. Politische Gefangene wurden in den Gefängnissen zu Tode gefoltert. Zivile Ziele wurden angegriffen und zerstört. Assads Diktatur ist für die Vertreibung Hunderttausender Menschen in Syrien verantwortlich. Die Opfer des Regimes und ihre Angehörigen verdienen Gerechtigkeit“, sagt der GfbV-Nahostreferent Dr. Kamal Sido am 20. Januar in Göttingen.

assad syrien kurzmeldungen

Foto: Shutterstock

Warnung vor zu frühen Wahlen

HAMBURG (KNA). Für Neuwahlen in Syrien braucht es aus Sicht des Nahost-Experten Volker Perthes mehr Zeit. „Schnelle Wahlen sind in solchen Übergangsprozessen nie gut“, sagte er im Interview dem „Stern“. Ohne ausreichende Vorbereitung könne es zu einer „Fortsetzung des Bürgerkriegs an den Urnen“ kommen, das habe sich in anderen Ländern gezeigt. „Man braucht einen Zensus, man braucht ein Parteiengesetz, man braucht die politische Atmosphäre und Stabilität. Ansonsten wird es schwierig“, betonte der frühere UN-Sonderbeauftragte für den Sudan. Die Übergangsregierung hat Neuwahlen in vier Jahren in Aussicht gestellt. Ob das der richtige Zeitrahmen sei, „darüber kann man sicher diskutieren“.

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Das islamische Erbe von Österreich

Österreich

Gernot Galib Stanfel hat ein informatives und wegweisendes Buch über die Spuren des Islam in Österreich geschrieben. Es ist auch für deutsche LeserInnen lohnend.

(iz). Dass Islam und seine Angehörigen wesensfremd in Europa bzw. dem „Abendland“ und seiner Geschichte sowie Kultur seien, gehört zu den Standardbehauptungen einer oft unsachlich geführten Debatte. Wer Muslim ist, so die Vorstellung, kann kein Europäer sein.

In den vergangenen Jahrzehnten ist sowohl von wissenschaftlicher Seite als auch von muslimischen Denkern wie dem Mazedonier Prof. Dr. Ferid Muhic u.a. Einiges unternommen worden, um dieses oft gewollte Missverständnis zu beheben. Letzterer entwarf das Bild eines „islamischen Halbmonds“, der sich in Raum und Zeit der europäischen Geschichte entwickelt habe. In einem Bogen von Polen und dem Baltikum, über die Ukraine, Südosteuropa, dem Mittelmeer einschließlich seiner Inseln, Italien bis zur iberischen Halbinsel und Frankreich waren Muslime Akteure unserer Vergangenheit.

In den verschiedenen Kulturwissenschaften setzt sich die Erkenntnis immer weiter durch, dass das Gerede von einer „jüdisch-christlichen“ Kultur nicht haltbar sei bzw. eine ideologische Verzerrung der Entwicklung darstellt. Längst geht man davon aus, dass Zivilisation und Geistesgeschichte des heutigen Europas von mindestens vier Faktoren geprägt wurden: der Antike inkl. den vorchristlichen Anteilen, Judentum, Christentum und auch Islam.

Es ist ein banaler Gemeinplatz, dass sich das in Wort und Gewohnheiten bis heute erhalten hat. Unzählige Begriffe in vielen europäischen Sprachen – von Alkohol bis Zucker – prägen die Alltagssprachen weiterhin. Dass Orient und der Okzident nicht mehr zu trennen sind, meinte übrigens schon unser Nationaldichter Goethe.

Foto: IGGÖ

Obwohl wir heute in zwei unterschiedlichen Staaten leben, war die deutsche und die österreichische Geschichte über mehr als ein Jahrtausend miteinander verzahnt wenn nicht deckungsgleich. Der österreichischen Geschichte und ihrem „islamischen Erbe“ widmete die dortige Islamische Glaubensgemeinschaft (IGGÖ) nun einen Band.

Der handliche Band stammt aus der fleißigen Feder von Gernot Galib Stanfel. Er ist u.a. Musiker, Musiktherapeut und -pädagoge sowie Hochschullehrer. Stanfel wurde 1968 in Klosterneuburg geboren und wuchs in Wien sowie Pressbaum auf. Der umtriebige Künstler hat sich in verschiedenen Bereichen engagiert, darunter der interreligiösen und interkulturellen Beratung. Er ist darüber hinaus Obmann des Forum Islam und Kunst des Islamischen Instituts für Erwachsenenbildung in Wien. Bereits 2012 kuratierte er die Ausstellung „Ostarrichislam“, anhand derer die vielfältigen historischen Begegnungen aufgezeigt wurden.

Muslime in Deutschland kennen Österreich als einen Staat, in dem die Institutionalisierung der religiösen Strukturen im Gegensatz zum hiesigen Land gelungen ist. Als Produkt der eigenen Geschichte auf dem Balkan kennt unser südlicher Nachbar die Anerkennung des Islam als Religionsgemeinschaft seit Jahrzehnten. Und das trotz einer sich radikalisierenden politischen Landschaft. Im jüngsten FRA-Bericht zur Lage der Grundrechte muslimischer MitbürgerInnen liegt Österreich bei antimuslimischen Diskriminierungen auf einem unrühmlichen ersten Platz – dicht gefolgt von der Bundesrepublik.

„Das islamische Erbe Österreichs“ hat zum Ziel, den islamisch geprägten Anteil der dortigen Identität aufzuzeigen. „Und den einen oder anderen, vielleicht weniger bekannten Teil derselben bewusst zu machen oder neu hervorzuholen.“ In unermüdlicher Detailarbeit zeichnet Stanfel alles Mögliche nach. Das reicht von baulichen Anleihen des Mittelalters aus dem Orient, über die unzähligen Spuren der „Türkenkriege“ in Ortsnamen, Gebräuchen und Dokumenten über die Orientmoden der frühen Neuzeit bis zum Beginn einer muslimischen Präsenz im Habsburgerreich ab dem 19. Jahrhundert. Darunter finden jene Vorläufer Erwähnung, die damals noch als „Exoten“ zum Islam gefunden haben.

Das Buch will mit der Vorstellung aufräumen, die österreichisch-islamischen Beziehungen seien vorrangig von Konfrontation geprägt worden. Es ist ein Pionier in der Behandlung des Themas. Daher musste der Autor stellenweise Neuland betreten, weil es zuweilen nicht in einer „rein wissenschaftlich aufgearbeiteten Form“ vorliegt. 

Dabei ist der Umgang mit diesen vielfältigen Beziehungen methodisch nicht immer leicht. Obwohl ihm „die Trennung von Religion und Kultur“ ein wichtiges Anliegen sei, könne dies im Kontext des Textes nicht immer erfolgen. Ein prägnantes Beispiel führt er dabei an, das für einen Teil der österreichischen Geschichte wichtig ist: der Begriff des „Türken“. Darunter lassen sich in einer historischen Betrachtung drei Aspekte verstehen: eine Ethnie, Einwohner des Osmanischen Reiches sowie „MuslimInnen im Allgemeinen“.

Trotz möglicher Fallstricke und Hürden ist Gernot Galib Stanfel ein wichtiges und lesenswertes Buch gelungen, das hilft, die Vorstellung vom Muslim als dem „Anderen“ zu den Akten zu legen.

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Krieg: Raum für Mitgefühl

gaza krieg hoffnung

Krieg: Auch in Österreich wird um den Begriff eines „importierten Antisemitismus“ gestritten. Ein Gastbeitrag von Tarafa Baghajati. (DER STANDARD). Zwei im „Standard“ zuletzt veröffentlichte Gastkommentare sind exemplarisch für gewisse Verengungen […]

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Ein Narrativ zerfällt. Im Nachgang wird die Operation Luxor dekonstruiert

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(iz). „Ein nie dagewesener Schlag gegen ‘Islamisten’ in Österreich sollte die Operation Luxor sein. Stattdessen wird die Razzia wohl als beispielloser Missbrauch von Justiz und Sicherheitsbehörden in die Geschichte des […]

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Historische Rechtlosigkeit: Ein Rückblick auf die Operation Luxor

Ein nie dagewesener Schlag gegen „Islamisten“ in Österreich sollte die Operation Luxor sein. Stattdessen wird die Razzia wohl als beispielloser Missbrauch von Justiz und Sicherheitsbehörden in die Geschichte des Landes […]

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Hintergrund: Ein kritischer Blick auf das neue österreichische Islamgesetz

Österreichs Islamgesetz galt einmal als beispielhaft, wie ein Staat die Rechte einer religiösen Minderheit sicher kann. Davon ist nicht viel mehr übrig. (iz). Eigentlich reichte schon ein Blick auf den […]

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Dhikr und Montessori: Die Wiener Schule bietet ganzheitliche Erziehungsansätze

(iz). Im Dezember 2015 öffnete die Isma – Private Gesamtschule Muhammad Asad in Wien ihre Tore für Interessierte. Mitten im Tumult um die Islamischen Kindergärten konnte der Besucher Einblick in […]

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Kommentar: Das Thema „Islamgesetz“ wird in vielen Foren heiß diskutiert

„Im Ergebnis besteht bis heute keine offizielle Vertretung der Muslime in Berlin. Im Hintergrund wird hinter vorgehaltener Hand schon die Auflösung des Koordinationsrates besprochen. Erklärt wird dies der staunenden Basis nicht. (…) Hier ist also beim Agenda-Setting eine klare Markierung erforderlich; also das Bekenntnis, nur für sich oder eben für die Muslime zu sprechen.“

Berlin (iz). Wie so oft im muslimischen Leben geht es bei Debatten über die Zukunft des Islam in Deutschland um die Suche nach dem Mittelweg. Dieser, so lehrt es die Tradition, bildet sich aus dem aktiven, gemeinschaftlichen Zusammenleben; immer mit dem Ziel, extreme Einzel- und Mindermeinungen im Interesse des Großen und Ganzen eher auszusondern. Natürlich werden auch Individualisten oder Vertreter kleinerer Gemeinschaften einsehen müssen, dass gegenüber dem Staat eigene Interessen am besten dadurch durchgesetzt werden können, wenn Muslime im Idealfall möglichst geschlossen auftreten.

Nach dieser Logik ist ein Koordinationsrat der Muslime, der unsere Position nach außen hin vertritt, eine gute Sache. Soweit die Theorie. In der Praxis ist er an den Machtambitionen von Verbänden bisher kläglich gescheitert. Man ist sich nicht grün; zum einen, weil sich große Verbände ein Veto ausbedingen; zum anderen, weil kleinere so tun könnten, als seien sie befugt, für die Muslime insgesamt zu sprechen oder zu handeln.

Als Folge besteht bis heute keine offizielle Vertretung der Muslime in Berlin. Im Hintergrund wird hinter vorgehaltener Hand schon die Auflösung des Koordinationsrates besprochen. Erklärt wird dies der staunenden Basis aber bisher nicht.

Die konkrete Debatte über ein mögliches Islamgesetz nach österreichischem Vorbild demonstriert ein anderes Dilemma. Es geht hier zunächst und in erster Linie um die innerislamische Meinungsfindung. Vertreter, die über entsprechenden Zugang zu Medien verfügen, neigen an diesem Punkt dazu, Positionen öffentlich zu definieren, ohne überhaupt die Basis bei der Meinungsfindung einzubeziehen. Hier ist also beim „Agenda-Setting“ eine deutliche Markierung erforderlich; also das Bekenntnis, nur für sich, oder eben für die Muslime, zu sprechen. In Sachen Islamgesetz gibt es wohl noch keinen muslimischen Verband, der hier eine Mehrheit seiner Mitglieder überhaupt befragt hätte.

Fakt ist, dass die Verbände noch immer keine zeitgemäße Organisationsstruktur gefunden haben. Im Moment funktionieren sie weder eindeutig nach demokratischen, noch nach islamischen Kriterien; sind sie doch ein Ergebnis des Vereinsrechts der 1970er Jahre des letzten Jahrhunderts. Sie haben kein effektives Verfahren anzubieten, das Wissen der Mitglieder einzubeziehen. Noch verfügen sie – um ein anderes Beispiel anzuführen – über eine klare Linie zur Erhebung und Verteilung der Zakat.

Viele junge Muslime diskutieren zu Recht über die Quintessenz, die sich aus dieser Lage ergibt. Sie stellen sich dem Fakt, dass sie hier in Deutschland Bürger sind und dem Eingeständnis, dass die romantische Rückbindung an andere Kulturen kaum noch überzeugt. Sie leben hier, wollen mitreden und können mit der „hemdsärmeligen“ Art mancher Führungskader wenig anfangen. Sie suchen nach einem Mittelweg, der weder den Individualismus als die letzte Lösung verherrlicht, aber auch nicht die muslimische Organisationen per se verurteilt.

Seien wir ehrlich: Noch wurde der beste Weg nicht gefunden. Wir wissen im Moment nur, dass im Endergebnis unsere Struktur aus Moscheegemeinden, der NGOs, der Zivilgesellschaft weder eine „Kirche“, noch ein kaltes „Verwaltungsgebäude“ sein darf. Es gibt gute Gründe, die Dezentralisierung der Muslime dem Modell starrer Zentralisierung vorzuziehen. Es gilt, den Kern der muslimischen Infrastruktur aufzubauen, aber auch die Politisierung der Religion zu verhindern.

Wichtig wird nu eine ehrliche innermuslimische Debatte – nicht die Frequenz von Interviews oder das peinliche Kalkül der Medienreichweite. Die Frage nach der Imam-Ausbildung ist ein Test für diese Debattenkultur. Sie sollen künftig Deutsch sprechen, möglichst auch Arabisch. Aber vor allem sollen sie die islamische Lehre glaubwürdig vertreten und in keiner Abhängigkeit zu irgendeinem Staat stehen. Im Ergebnis aber sollte jede Moscheegemeinde natürlich völlig frei und ohne Bevormundung entscheiden können, welchem Imam sie am Ende vertraut.

Die Fragen sind auf dem Tisch: Wie organisieren wir uns – modern aber nicht traditionslos? Wie kommen wir zusammen und stärken die Wahrung unserer Rechte? Was sind innermuslimische Angelegenheiten, die den Staat nichts angehen? An welcher Stelle aber können wir mit Behörden aktiv, besser und effektiver zusammenarbeiten? Und – auch nicht unwichtig: Warum scheuen sich eigentlich so viele Verbandsvertreter, die muslimische Basis zu befragen?

Die IZ wird sich in ihrer kommenden Ausgabe (April 2015) mit mehreren Beiträgen diesem Thema widmen.