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War dieser Ramadan eine Rückkehr zur Normalität?

Ausgabe 323

Foto: Schura Niedersachsen e.V.

(iz). Die letzten zwei Jahre der Pandemie bedeutete das Fastenbrechen für die allermeisten Muslime entweder eine Mahlzeit im engsten Familienkreis oder gar alleine. Die Moscheen haben 2020 und 2021 im Rahmen allgemeiner Hygienekonzepte auf große Events, regelmäßige Speisungen und jede Art von Versammlung verzichtet. Angeboten wurden überhaupt nur noch die abendlichen (oft verkürzten) Tarawwih-Gebete; jetzt mit Sicherheitsabstand, Masken und ohne die Möglichkeit einer echten Begegnung.

Bekanntermaßen waren die vergangenen beiden Pandemiejahre nicht nur im Ramadan eine große Herausforderung. Viele verbandsungebundene oder kleinere Moscheegemeinschaften standen vor erheblichen Einbußen von zuvor erwarteten Spendeneinnahmen. Alle Moscheen mussten sich überlegen, wie sie in Zeiten von Isolation und räumlicher Abgrenzung ihre Wissensvermittlung und soziale Kontakte beibehalten konnten. Viele griffen auf das Internet als Werkzeug zurück. Imame boten Gesprächskreise für junge MuslimInnen, Predigten wurden gestreamt und der zuvor vor Ort angebotene Unterricht wurde nun in Onlineklassen erteilt.

Aus offenkundigen Gründen stand diese Option für ein gemeinsames Iftar nicht zur Verfügung, da hier physische Anwesenheit Vorbedingung ist. Einige Gemeinschaften reagierten mit erheblicher Kreativität auf die Herausforderung, ein bedeutungsvolles und soziales Fastenbrechen unter Bedingungen der Pandemie zu erhalten.

Manche Moschee und Hilfsvereine boten alternativerweise Lieferungen der Mahlzeiten zum Fastenbrechen für Alte und Kranke an. Diese wurden dann kontaktlos vor die Haus- oder Wohnungstür geliefert. Gemeinden wie Frankfurter As-Salam-Moschee oder die Hamburger An-Nur-Moschee beschritten einen anderen Weg. Sie entwickelten das Konzept “Iftar-to-go“. In Hamburg verteilten Freiwillige warme Speisen, Obst und ein Getränk an ökonomisch Benachteiligte. Und in Frankfurt konnten sich Fastenbrechende täglich eine frische Mahlzeit abholen.

Muslime in Hanau gehörten zu den Pionieren, was Modelle für ein öffentliches Fastenbrechen betrifft. Seit mehr als 10 Jahren organisieren sie ein „Ramadanzelt“ auf dem dortigen Marktplatz. Dieses Mal fand es am 23. und 24. April statt. Neben der gemeinsamen Mahlzeit gibt es hier wie gewohnt musikalische und künstlerische Beiträge. Nach Angaben des Vorsitzenden des Islamischen Vereins Hanau, Hakki Taşçı, diene die Veranstaltung dem „gesellschaftlichen Miteinander“. Und kaum jemand weiß besser um dessen Bedeutung Bescheid als die Hanauer Muslime. Nicht nur hatten sie ebenso an der Pandemie zu tragen. Am 19. Februar 2020 (einen Monat vor ihrem Ausbruch) wurde die Stadt zudem von einem rassistischen Massenmord getroffen.

Wie in Hanau wurde in Hamburg erneut ein öffentliches Fastenbrechen zelebriert. Im Rahmen des „Hamburger Ramadan Pavillons“ wurde hier eine bunte Mischung aus Informations- und Mitmachangeboten, Kulturevents, Podiumsdiskussionen, religiöser Praxis sowie einer gemeinsamen Mahlzeit angeboten. Im Stadtteil St. Georg von Moscheegemeinden sowie der Al Manar Stiftung organisiert, fand es dieses Mal bei sehr wechselhaftem Wetter statt. Ein Vertreter äußerte gegenüber einem IZ-Mitarbeiter, dass man für die nächsten Jahre wetterbedingt über neue Formen nachdenke.

Unabhängig von den Elementen ließen sich Events für diesen Fastenmonat im Innenbereich organisieren. In eigenen Räumen, Mietsälen oder Hotels wurde die Tradition der „Ramadan-Empfänge“ erneut aufgegriffen. Gastgeber sind gewohntermaßen muslimische Großverbände, die Politik oder das Diplomatische Korps. In Hannover beispielsweise war die SCHURA Niedersachsen Gastgeber nach zweijähriger Abstinenz. Eingeladen waren Vertreter aus Politik, Landesregierung, Kirchen und Zivilgesellschaft. (lm, ak, kna)

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