Das Pergamon-Museum zu Gast in Moscheen

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(iz). Seit einigen Monaten bin ich nun einer der ersten TAMAM-Botschafter: Botschafter eines Projektes, das es sich zum Ziel setzte, die Kunst und Kultur, die sich im Berliner Pergamon-Museum befindet, in die Moscheen Deutschlands zu bringen. 3 Workshops habe ich bereits durchgeführt und die Teilnehmer – allesamt junge Muslime zwischen 15 und 30 – lieben es! Sie diskutieren über die Frage, ob etwas überhaupt als „islamische“ Kunst bezeichnet werden könne. „Die Werke Da Vincis“, so ein 19-Jähriger Abiturient aus Salzgitter, „werden doch auch nicht als christliche Kunst bezeichnet.“

Viele Teilnehmer legten den Maßstab der Absicht (arab. Nijja) an. Wenn die Absicht sei, Allahs Schönheit auszudrücken oder wenn ein Werk aus der Absicht heraus entstünde, den Menschen zu nützen, um Allahs Gefallen zu erlangen, so sei es „islamische“ Kunst. Doch dies sei eine Angelegenheit des Herzens und mithin nicht für den Außenbetrachter ersichtlich.

Die sloganhaft wiederholte Phrase „Allah ist schön und liebt die Schönheit“ wurde mit Inhalten gefüllt. Dieser tiefsinnigen Aussage wurde Gehalt gegeben. Die Teilnehmer der Workshops zeichneten inspiriert von den Gebetsnischen aus dem Pergamon-Museum selbst Gebetsnischen. Sie machten sich Gedanken darüber, welche Qur’an-Verse sie anbringen, welche Farbe sie benutzen möchten. Hier stellten sie fest, dass es alles andere als leicht ist, Gefühle zu erzeugen.

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„Majestätisch“ sehe die Nische aus dem 13. Jahrhundert aus Konya aus. Doch was genau bewirkt, dass der Betrachter die Nische mit dem Begriff „majestätisch“ beschreibt? Wie kann ich als Gestalter einer Nische ebenfalls Majestät ausdrücken? Diese Frage und noch mehr stellten sich die Teilnehmer.

Beim Workshop in Hannover kam es darüber hinaus zu der Frage, ob eine Handlung, die an sich eine Sünde darstelle, als ästhetisch bezeichnet werden dürfe – eine rege Diskussion über Schönheit und Ästhetik entflammte! Um aber über Ästhetik zu sprechen, muss der Blick geweitet werden. Es muss um mehr gehen, als bloß um die Frage, was Halal und was Haram ist. In diesem Sinne sagt Schaikh Mewlana Rumi:

„Sie kennen all die anderen Dinge, die sie nichts angehen, und haben sie ganz gründlich gelernt, aber das, was wirklich wichtig für sie ist, nämlich ihr eigenes Selbst (Nafs) das haben sie übergangen, und sie kennen ihr eigenes Selbst nicht. Sie beurteilen bei allem die Legalität oder Illegalität und sagen: ‚Dies ist erlaubt (halal) und jenes ist nicht erlaubt (haram), dies ist gesetzlich rein und dieses ist verboten’, aber sie kennen ihr Selbst nicht, ob das gesetzlich rein oder verboten, erlaubt oder unerlaubt, rein oder unrein ist.“ (Von Allem und vom Einen, übersetzt von Annemarie Schimmel)

Wer im Norden Deutschlands lebt und einen Workshop über die Frage nach islamischer Kunst veranstalten möchte, kann gerne Kontakt aufnehmen mit mir. Kontaktaufnahme geht über Instagram unter dem Namen @westoestlicherpoet oder der Mailadresse: [email protected].

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